Medikamente aus dem Supermarkt

Da will die Migros doch anscheinend Medikamente verkaufen. Nachzulesen z.B. hier.

Na toll. Wie man sieht, sehen sie die Medikamente rein als Konsumartikel an – die offenbar keine Beratung brauchen.

Als Beispiel nennen sie Perskindol (eine Muskelsalbe), Supradyn (Multivitamine) und Aspirin.

Ausgerechnet ASPIRIN!

In meinen Augen zeigt das, dass sie wirklich keine Ahnung haben. Aspirin ist ein Medikament gegen Schmerzen und Fieber … und eines, das heute wohl Mühe hätte, durch die Tests und Studien zur Zulassung zu kommen. Zu viele Neben- und Wechselwirkungen.

Wen es interessiert, auf was man beim Aspirin-Verkauf alles achten muss, der lese hier nach: Aspirin und die umfassende Beratung.

Wer das toll findet, soll mal einen Blick nach Amerika riskieren und schauen, was für Probleme sie dort haben, eben weil sie solche Sachen auch im Supermarkt verkaufen. Viele Rückrufe von Medikamenten kommen nur daher, weil sie eben dort so missbraucht worden sind. Jedes Jahr Tausende Todesfälle wegen Wechselwirkungen mit eben diesen „harmlosen“ Medikamenten.

Aber das ist typisch für die Migros. Letztes Jahr war es der Medikamenten-Abholposten, dieses Jahr das.

12 Kommentare zu „Medikamente aus dem Supermarkt

  1. Bei Aspirin sind sich glaube ich viele eben gar nicht bewusst welche Wechselwirkungen es haben kann, ging mir früher auch so. Vielleicht könntest du auch zu anderen Schmerzmitteln die so frei ohne Rezept verkäuflich sind sagen welche Nebenwirkungen sie haben können?

    P.S: Dein Blog zeigt wirklich wie wichtig eine gute Beratung in der Apotheke ist!

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  2. Betr. Aspirin: Ich kann mich an etliche fiese Magenblutungen deswegen erinnern. Und war da nicht was mit Kindern und Asthma? Kein Medikament ist harmlos genug für den Supermarkt.

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  3. Ich hab letztens irgendwo („Bild der Wissenschaft“, glaub ich) die Theorie gelesen, dass viele Todesfälle der Spanischen Grippe auf Aspirin-Überdosis zurückgehen sollen – hohe Dosen Aspirin waren damals wohl die Standard-Therapie, und es gab anscheinend auch entsprechende Belege in neuen Autopsien.

    Inwiefern das stimmt, weiß ich allerdings nicht.

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  4. Amerikanische Freunde schwören auf Robitussin, das ich im CVS freiverkäuflich in den verschiedensten Variationen gesehen habe. Gibt es etwas ähnliches auch in der Schweiz bzw. in Deutschland (wohl nicht freiverkäuflich, aber in der Apotheke)?

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  5. Robitussin enthält anscheinend Codein, Guaifenesin und Pseudoephedrin.
    Codein und Guaifenesin findest Du auch in Resyl Plus Sirup.
    Pseudoephedrin aber nicht.

    2 Anmerkungen: Es gilt inzwischen als unsinnig einen Hustenlöser (Guaifenesin) zusammen mit einem Hustendämpfer (Codein) zu kombinieren, weil der gelöste Schleim dann einfach liegenbleibt und ein Nährboden für bakterielle Infektionen wird. Darum gibt es auch immer weniger solche Kombinationspräparate im Handel – und wahrscheinlich sind Bestrebungen im Gang auch noch die letzten ausser Handel zu nehmen.

    Und das zweite: die Variante Robitussin mit Pseudoephedrin (das gegen Schnupfen hilft) wird anscheinend in Amerika recht streng reguliert: d.h. keine Abgabe unter 18, nur 1 Packung innert 48 Stunden und man muss unterschreiben. Der Grund ist ein Missbrauch des Stoffes unter anderem zum herstellen von Drogen. Also so freiverkäuflich ist das dort nicht (mehr?).

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  6. Vielen Dank für die superschnelle Antwort! Ich habe nicht vor, Robitussion o.ä. zu nehmen. Mich hatte nur interessiert, was eine Fachfrau davon hält. Danke!

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  7. Ich finde man sollte Schmerzmittel niemals in Supermärkten kaufen dürfen. Der Preis mag dort geringer sein, aber die Frage ist doch: Wenn der Preis so wichtig ist, nimmt man vermutlich definitiv zuviel ein und gehört zum Arzt (für eine Packung Aspirin / Ibuprofen usw. ist mir doch schnuppe ob das jetzt 3 oder 5 Euro kostet).

    (Und ich „kenn mich aus“: Jahrelang täglich Ibuprofen genommen, weil es billig genug war, anstatt zum Arzt zu gehen [von den Orthopäden abgesehen, die mich für bekloppt hielten.]).

    Vielleicht sollten wie mal einen Blick nach Großbritannien riskieren: Die haben 1998(?) die Packungsgröße von Paracetamol auf max. 16 Stück in Supermärkten beschränkt, um Suizide (und „Unfälle“) zu vermeiden / verringern.
    [Warum man, trotz erkannter Gefahr, den Kram nicht einfach aus dem Regal genommen hat, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar.]

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  8. Ja, und bei uns wollen sie den Unsinn jetzt einführen.
    Das mit den riesigen Packungen Medikamente (100er Packungen Aspirin etc.) fand ich enorm … gefährlich.

    Medikamente sind, ob rezeptpflichtig oder nicht, keine trivialen Konsumgüter. Ihre Einnahme ist immer auch mit Risiken verbunden, die zwingend eine fachlich solide Beratung erfordern. Die unkontrollierte Selbstmedikation ist zunehmend auch ein Risiko- und Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Selbstmedikation macht volkswirtschaftlich Sinn, wenn sie kombiniert wird mit Fachberatung und Prävention.

    *Wenn* ist das wichtige Wort hier.

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  9. Nachdem ich gerade heute wieder eine Kundin hatte, die erst Aspirin von mir wollte und mich dann fragte, ob das Inhalierspray, das sie in der Hand hatte rezeptpflichtig sei (Salbutamol) – na bitte kein Aspirin aus dem Supermarkt. Es ist superschwierig zu Aspirin eine gscheite Beratung abzugeben weil jeder sagt „kenn ich doch, nehm ich schon immer“. Diese Kundin auch, sie nimmt das schon seit Jahren, ich hab ihr aber deutlich gesagt, dass Aspirin Asthmaanfälle auslösen kann und sie bitte darauf achten muss, ob sie irgendetwas davon merkt.

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    1. Ganz genau! Das *Problem* ist dass alle denken, sie kennen es … es ist ja auch schon so ein altes Mittel. Und dann stolpert man eben doch ab und zu über solche Fälle. Oder die, die Aspirin und ein Rennie zusammen kaufen … warum haben die wohl Magenprobleme?

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