Fräulein … mit 85

Ich weiss nicht wie andere weibliche Angestellte das sehen, aber ich dachte schon zu Beginn meiner Karriere vor über 10 Jahren dass „Fräulein“ als Bezeichnung überholt, veraltet und eigentlich ausgestorben sein sollte. Ich reagiere auf „Entschuldigung?“ „Hallo?“ „Könnten Sie mir helfen?“ und meistens schon auf einen suchenden Blick. Ausserdem habe ich einen Namen – der auf dem Namensschild deutlich sichtbar ist und wenn man mich damit adressiert, dann besser mit „Frau Pharmama“ als „Fräulein Pharmama“.

Normalerweise akzeptiere ich das Fräulein von älteren Personen – ich glaube das ist einfach noch nicht bis zu ihnen durchgedrungen, dass das nicht mehr „in“ ist – oder aber alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen.

Im Gegensatz dazu nenne ich natürlich auch niemanden Fräulein … bis auf Fräulein Weiss*, eine alte Kundin, die darauf besteht. Sie ist inzwischen 85 und hat mir mal deutlich erklärt, dass man – solange man als Frau unverheiratet ist – sie als Fräulein anzusprechen hat. Dementsprechend machte es ihr viel Freude trotz meinem Protest, mich als Fräulein Pharmama zu betiteln.

Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als ich heiratete. Als sie das nächstemal kam –sagte ich: „Und übrigens ist der Name jetzt „Frau Pharmama“ – Fräulein Weiss.“

Aaaah, endlich!

*ja, auch der Name ist natürlich geändert.

14 Kommentare zu „Fräulein … mit 85

  1. Eigentlich sehr unfair, dass es für unverheiratete Männer nicht auch so eine niedliche Bezeichnung gab – „Herrlein“ vielleicht? ;)

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  2. *grins* – kommt mir bekannt vor. ich habe lange zeit in einem altersheim gearbeitet und wenn ich einem fräulein nicht fräulein sagte, dann war das ein ziemlicher fauxpas… :o)

    greez mm

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  3. „FROLLEIN!“, sagte meine Freundin manchmal mit drohender Stimme zu mir, wenn ich mal wieder im Mikromini losstöckeln wollte. Dann haben wir beide uns halb schlapp gelacht.
    Ich vermiss das so…

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  4. Als vor vielen Jahren der Begriff „Fräulein“ aus dem Alltag verschwand, war ich noch ein Kind.

    Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass der „Blick“ damals wortwörtlich titelte: „Das Fräulein ist tot!“

    Ich weiss noch, ich habe den ganzen Tag lang gehirnt, welches Fräulein wohl gestorben ist :-)))

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  5. „FROLLEIN“ wurden wir Mädels (hab zwei Schwestern) immer genannt wenn wir Mist gebaut haben. :-) Ist bei mir also eher negativ besetzt.
    Richtig schlimm find ich es, wenn es während der Arbeit (egal ob auf Station oder beim Bedienen in der Pizzeria) von alten, fetten Männern kommt.
    „Frollein, bringen Sie mir mal…/ helfen Sie mir mal beim…/ gehen Sie mal für mich …“

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  6. Da fällt mir ein:

    Alte Damen haben merkwürdige Blickweisen,

    meine Oma war schon fast 90 Jahre alt und lebte in einem Seniorenheim. Eines Tages rief sie mich an, weil sie ein riesengrosses Problem hatte: Scham und Angst.

    Sie wurde regelmässig geduscht und das hatte offensichtlich immer ein „Fräulein“ getan. Jetzt gab es plötzlich einen sehr gut aussehenden neuen Pfleger in den 30ern.

    Er war ihrem Bereich zugeteilt und sie hatte sich geweigert, sich von ihm baden zu lassen. Auf meine Frage, warum dies so sei, führte sie zunächst aus, dass dies ja schließlich ein Mann sei und sie eine Frau. Mein Einwand, er würde das ganz professionell sehen und mache das jeden Tag und mit allen Bewohnern, hat sie nicht wirklich beruhigt. Sie argumentierte, es könnte ja sein, dass er sich ihr nähern würde. Auf meine verblüffte Antwort, das würde sicherlich nicht passieren, hat sie eine für sie sehr logische Antwort gehabt: Man kann ja nie wissen.

    Ich habe dann mal versucht, mich in ihre Gedankenwelt zu versetzen und habe – vielleicht mit ein wenig Freude auch – erkennen müssen: eine Frau bleibt eine Frau, ganz gleich, wie alt sie ist. Sie schaut aus sich raus und merkt nicht, wie sie sich äusserlich verändert.

    Meine Oma hatte – aus ihrer Sicht – zu Recht Angst vor einem eventuell gefürchteten sexuellen Annäherungsversuch. Dazu muss man wissen: Sie ging ihrerzeit als Jungfrau in die Ehe. Mit einem Mann, der genauso unaufgeklärt war wie sie selbst. Das mit dem Sex hat irgendwie dreimal !! stattgefunden und es war aus dieser Ehe eine Tochter hervorgegangen.

    Im Kopf meiner Oma: Sex ist PFUI. Sex macht Kinder. Geburt macht AUA. Kein Sex ist SEHR GUT. Fortan hat sie sich meinem Opa ihr ganzes Leben lang verweigert – sicherlich mag Opa in seiner Not sie ab und zu bedrängt haben. Also: Man kann nie wissen!!!!!

    Ich habe mich mit dem Pfleger kurzgeschlossen und nachfolgend hat sich meine Oma auch von ihm duschen lassen – nicht ohne sich immer ganz und gar als begehrte Frau zu fühlen. Sie hat das zwar nicht zugeben wollen, aber ich habe ihr wissendes grienen gesehen, als ich nachfragte. Wie heisst es doch so schön: Sex findet im Kopf statt. Ach ja.

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  7. Ich finde es traurig, dass es den „Titel“ nicht mehr gibt. Solang man Fräulein ist, kann man sich noch jung fühlen, das gefällt mir. Aber mit meinen 22 Jährchen habe ich eh noch ein Problem mit dem gesiezt werden und vor allem mit dem Siezen gleichaltriger (Was soll der Quatsch? Ich war immer Nadine, warum jetzt plötzlich nicht mehr?)

    Als vor vielen Jahren meine Briefe von der Bank plötzlich mit Frau statts Fräulein addressiert wurden, hat mich das ganz doll irritiert… ich glaube ich mich erst sogar gewegert die weiterhin aufzumachen (obwohl ich mich in dem Alter noch über jeden Brief gefreut habe), weil ich dachte, dass die so ja nicht an mich gerichtet sein könnten.

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  8. Ach, ich mag das Fräulein, und trauere ihm wirklich hinterher… Die meisten anderen Sprachen die ich kenne habens auch und da reagieren Damen auch oft äusserst pikiert wenn man die falsche Form wählt..

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  9. Ist der Nachname denn gleichgeblieben? Also wirklich nur ein Wechsel von „Fräulein“ zu „Frau“?
    Und nebenbei: Wie nennt man den „ledigen Namen“ (m)eines Mannes? Bübchenname? Dem Betroffenen gefällt der Ausdruck nämlich gar nicht..

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  10. „Und nebenbei: Wie nennt man den „ledigen Namen“ (m)eines Mannes? Bübchenname? Dem Betroffenen gefällt der Ausdruck nämlich gar nicht…“

    Ähm, Geburtsname? Ist doch heute eigentlich schon fast Standard in Formularen…

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  11. [@Kathy: „Geburtsname“ klingt gut, habe ich allerdings noch nie auf einem Formular gesehen — nur diesen unsäglichen „ledigen Namen“. Vielleicht wieder so ein D/CH-Ding…? Obwohl: Man ist ja des Namens ledig; passt also irgendwie doch. *“Geburtsname“merk*

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