Medikament als Suchtmittel

Samstag hatte ich meinen ersten Co-Dafalgan Süchtigen

Ich würde sagen, all die Umstände deuten darauf hin:

Es ist natürlich Samstag nachmittag – und die Ärzte nicht erreichbar.

Er sagt, er hat es schon auf Rezept gehabt, hat aber jetzt keines.

Er war noch nie bei uns in der Apotheke.

Er sagt, er brauche es gegen die Schmerzen – und hält sich dabei mitleiderregend die Schulter, schont den Arm aber während des weiteren Gespräches überhaupt nicht. (Im Gegenteil, so wie er fuchtelt …)

Er schwitzt wie ein Schwein (dabei ist es gar nicht so heiss- wahrscheinlich Entzugserscheinungen).

Er will nichts anderes als das CoDafalgan– er sein allergisch gegen Diclofenac, Aspirin, Ibuprofen …. also so ziemlich gegen alles.

Er sagt sogar, er sei allergisch gegen Dafalgan! – Das finde ich besonders unglaubwürdig, weil Co-Dafalgan auch nur Dafalgan mit Codein ist, also  dürfte er das dementsprechend auch nicht nehmen ….

Als ich ihm deutlich sage, dass er von mir das nicht bekommt ohne Rezept, meint er nur: dann muss ich halt in den Notfall gehen.

Co Dafalgan ist Paracetamol mit Codein. In Amerika unter dem Namen Vicodin (allerdings mit Hydrocodon) bekannt und oft missbraucht ist es bei uns eher selten anzutreffen. In der Schweiz sind die Ärzte eher übervorsichtig mit dem Verschreiben möglicher Suchterzeugender Schmerzmittel.

Codein ist ein Opiat und wird als Hustenmittel oder in Kombination als Schmerzmittel eingesetzt. In der Schweiz ist es ab einer gewissen Dosierung rezeptpflichtig, andere Länder (wie Deutschland, Amerika) sind da viel restriktiver, dann fällt es unter das Betäubungsmittelgesetz.  Der Grund ist, dass ein Teil des Codeins zu Morphium umgewandelt wird im Körper – das eine euphorisierende Wirkung hat. Darum macht es auch abhängig.

Nun gut, von mir hat dieser seine Ration nicht bekommen.

3 Kommentare zu „Medikament als Suchtmittel

  1. Sie sind ja ein richtiger Held, genau wie ein Apotheer sein muss. Dabei hätte man ihm auch 2-3 einzelne Tabletten geben können, bis Montag. Entzugserscheinungen sofern es welche waren, ( Sie sind Apotheker, kein Arzt, also mutmaßen Sie )können durchaus zu gesundheitlichen Komplikationen führen. Wer sagt Ihnen denn das er das Medikament nicht wirklich verordnet bekommen hat. Aber schon klar, alles nur Drogensüchtige. liebe Grüße Basti

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  2. Ja, richtig, ich bin Apotheker – das bedeutet medizinische Ausbildung … also „mutmasse“ ich genau gleich wie der Arzt. Demnach war es meine Verantwortung und meine Entscheidung. Und zu der stehe ich.

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