Bestes Patientenzitat heute

bestesPatientenzitat

Ohne es mir mit den mitlesenden Ärzten vertun zu wollen (und „Fehler“ ist vielleicht ein zu starkes Wort für manches davon), aber … wenn der Patient der das gesagt hat gesehen hätte, was ich schon gesehen haben ….

Das fängt schon bei einfachen Dingen an: Patientenname nicht auf Rezept, falscher Name drauf, eigener Name statt dem vom Patienten (ich glaube der Arzt war etwas übermüdet) … ausgesprochen unpassende Dosierungen (ja, man nimmt Xarelto einmal täglich und Brilique zwei mal täglich – ziemlich relevanter Unterschied bei den Blutverdünnern), Betäubungsmittel auf normalem Rezept verordnet, Wechselwirkung oder Allergie nicht beachtet undsoweiterundsofort … – ihr lest ja diesen Blog, also kennt ihr das auch :-)

Das allermeiste macht nicht viel und lässt sich vor Ort korrigieren oder nach einem raschen Telefonanruf mit dem verschreibenden Arzt. Die nehmen das auch (meistens) nicht persönlich – sind halt auch nur Menschen.

 

Wirtschaftliche Behandlung von Frauen mit Potenzmittel-Wirkstoffen

Ookay – der Titel ist ein bisschen Clickbait-mässig, aber nicht falsch. Wir haben eine Patientin mit pulmonaler arterieller Hypertonie – eine ziemlich spezielle Art von Bluthochdruck. Sie bringt uns ein Rezept auf dem Cialis steht – als Dauerrezept und einmal täglich einzunehmen.

Das verwundert mich nicht mehr ganz so sehr – ich erinnere mich noch gut an mein erstes Dauerrezept über Viagra für eine Frau, das ich ziemlich am Anfang meiner Apothekerzeit bekommen hatte. Die Wirkstoffe (üblicherweise als Potenzmittel gebraucht) können als Blutdrucksenker genommen werden – ursprünglich waren sie ja auch dafür entwickelt worden. Damals beim Viagra gab es noch keine Alternativen – dennoch war das dort schon Mühsam genug, dass die Krankenkasse das ihr bezahlt hat. Inzwischen wurden allerdings Medikamente entwickelt – mit gleichen Inhaltsstoffen und spezifisch für diese Anwendung und neu gibt es auch neue Wirkstoffe dafür. Tatsächlich nimmt die Patientin eines dieser Medikamente: Opsumit. 30 Tabletten davon kosten CHF 3630 .- – das sind 121 Franken pro Tablette. Sie hat dafür eine Kostengutsprache mit der Krankenkasse, damit das übernommen wird.

Jetzt aber Cialis. Ein Versuch die Kosten zu dämpfen? Damit käme sie pro Monat auf etwa CHF 1000. Aber … da gibt es noch ein paar andere Probleme. Da die Ärztin nicht telefonisch erreichbar ist, schreibe ich ihr ein mail:

Gemäss Telefon mit der Krankenkasse von Frau H, gilt die Kostengutsprache nur für die Behandlung mit Opsumit (Wirkstoff Macitentanum) – für die Behandlung mit Cialis 10mg (respektive Taldalafil) benötigt es eine neue Kostengutsprache, für die Sie sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen müssen.

Ich würde ausserdem vorschlagen, nicht Cialis aufzuschreiben, sondern Adcirca. Das Mittel enthält ebenfalls Taldalafil (in 20mg), steht auf der Spezialitätenliste (wird mit Kostengutsprache von der Krankenkasse übernommen), sollte teilbar sein und ist mit CHF 911.30.-  für 56 Tabletten einiges günstiger als die Cialis 10mg, die es nur zu Packungen mit je 4 Tabletten gibt und CHF 135.- kostet.

Könnten Sie uns noch mitteilen, für was Sie sich entschieden haben? Respektive – wenn es Adcirca ist ein neues Rezept zufaxen?

Es vergehen einige Tage, bis ich wieder davon höre. Das Ergebnis war dann, dass die Patientin (wahrscheinlich wegen zu hohem Aufwand für das Ganze) beim Opsumit bleibt.

Nachtrag: Weder Viagra noch Cialis hat auf Frauen Potenz- noch Libido-steigernde Wirkung. Leider. In den USA ist eine Pille für diese Indikation zugelassen … allerdings handelt es sich dabei eher um etwas wie ein Antidepressivum, das auch andauernd genommen werden muss (und ziemliche Nebenwirkungen haben kann).

Rezepte ausstellen für faule Ärzte

In der Schweiz sind die Ärzte sehr frei darin, wie sie ihre Rezepte ausstellen. Computer, Handgeschrieben, A4, A6, A5 … total wurst eigentlich, solange die Medikamente richtig drauf stehen, der Patient mit Geburtsdatum angegeben ist und der Arzt mit Adresse (Stempel) und vor allem Unterschrift drauf ist.

Hier zwei Methoden für ganz faule:

Methode 1: Stempel. Ich sage ja immer, dass die meisten Ärzte (vor allem die spezialisierten) ein „Standartrepertoire“ von ca. 20 Medikamenten haben, die sie beherrschen und verschreiben. Hier hat jemand das ausgenutzt und von denen grad Stempel machen lassen, die er dann nur noch aufs Rezept drücken muss. Ein, zwei kleine Anpassungen an der Dosierung und: Voilà:

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Methode 2: Medikamentenplan ausdrucken und stempeln/unterschreiben. Neu gibt es die Version offenbar auch vom Spital in der Variante: häufigst verschriebene Medikamente auf Formular zusammengefasst und dann einfach nur das anschreiben, was man will. Das finde ich jetzt nicht so ideal, da eher verwirrend anzusehen:

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Bonus: Methode 3 (ohne Foto): Betäubungsmittelrezept auf normalem Rezept ausgestellt, da der Aufwand zu gross gewesen wäre. Nach Telefon hat der Arzt erklärt, das so gemacht zu haben, da es nicht sicher gewesen sei, dass der Patient das starke Schmerzmittel wirklich benötigen würde und einlösen würde (Ja, erbraucht es jetzt). Aber wir können es jetzt mal abgeben und er würde bei Gelegenheit das Rezept dazu ausstellen – und auch schicken. Danke.

Fehler in schweizer Apotheke im Fernsehen

Hat jemand den Kassensturz vorgestern abend gesehen? Falls Nein – hier kann man ihn noch anschauen / lesen, um was es geht: Gravierende Verwechslung- Apotheke verkauft falsches Medikament.

Es ist natürlich die absolute Horrorvorstellung von jeder Apothekerin und jedem Apotheker und das, was uns gelegentlich schlaflose Nächte bereitet: Der Patient hat das falsche Medikament erhalten. Leider kommt das – bei aller Sorgfalt und bei allen Sicherungsmassnahmen und Doppelkontrollen die man hat, tatsächlich gelegentlich vor. Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Das ist auch mit ein Existenzgrund für die Apotheke: dass sich eine weitere medizinische Fachperson die Medikation nochmals ansieht, bevor der Patient sie erhält, denn: auch Ärzte machen Fehler. Vor der Abgabe  gilt das 4-Augenprinzip: jemand richtet es und eine zweite Person schaut das nochmals an. Bei uns wird auch (wie im Film erwähnt) am nächsten Tag durch eine nochmals andere Apothekerin das Rezept kontrolliert.

Und dennoch. Wir hatten schon falsch angeschriebene Medikamente (Dosierungsetikette), falsche Dosierung (z.Bsp Aspirin Cardio 100mg statt 300mg), falsches Medikament: Zolpidem statt Zoldorm … nicht so tragisch, da genau dasselbe; ditto bei Calcimagon mit falschem Geschmack, und einmal wirklich etwas, was ich so und meine kontrollierende Apothekerin anders gelesen hat und das etwas anderes war. Da muss man reagieren – möglichst rasch. Aber wir sind nie über die Stufe. „Medikament falsch, Patient betroffen, keine Folgeschäden“ herausgekommen. Dafür bin ich dankbar.

Auch in der Sendung im Kassensturz – so „gravierend“ der Fehler war: der Patient hat ein Medikament mit ähnlichem Namen bekommen – statt eines Mittels gegen erhöhtem Cholesterin ein Mittel gegen Blutkrebs – der Patient hat das Medikament nicht genommen, da er a) das Mittel schon kannte und das anders aussah, b) er die Packungsbeilage nochmals angeschaut hat, weil das eben neu aussah (Kudos, lieber Patient: super!) und c) das Medikament eine Dosierungsetikette hatte, die auf einen anderen Patienten lautete (!). Deshalb hat er das Medikament nicht genommen – und deshalb (natürlich) auch keine Schäden. Etwas unschön finde ich vom Kassensturz, die Etikette mit dem Namen der Apotheke so zu zeigen.

Was Abgabefehler angeht finde ich den hier noch etwas „kurios“: Offenbar ist das passiert, weil für zwei sehr ähnlich klingende Patienten zwei sehr ähnlich klingende Medikamente bestellt waren – und die nebeneinander im Abholregal bereit standen. Bis dahin alles korrekt. Die letztlich das Medikament herausgebende Person hat danebengegriffen. Für das Fehlermanagement ist das schwierig auszumerzen. Nochmals Kontrolle mit noch einer Person ob Abholzettel und Medikament übereinstimmen?

Wesentlich häufiger kommen Verwechslungen wohl vor, weil Medikamente ähnliche aussehen oder ähnliche Namen haben – und der Arzt nicht lesbar schreibt. Das hat die Patientenorganisation richtig erkannt. Natürlich muss man bei unleserlichen Rezepten beim Arzt nachfragen – das müssen wir heute noch. Manchmal mehrmals täglich.

Amüsant fand ich die Beispiele, die im Film vorkommen:

unleserlichsrf1unleserlichsrf2

Erster Gedanke: „heh – ich kann die lesen!“ Dann … „Die kommen mir irgendwie bekannt vor“. Jaaa – kein Wunder. Die sind von mir, von diesem Blog. Das erste Beispiel findet sich hier: unleserliche Rezepte mal wieder und das zweite hier: Apotheke Quiz 2.

Die Beispiele sind schon älter – aber ich könnte täglich mehr in die Sammlung aufnehmen, denn das kommt immer noch häufig vor. Anscheinend ist es nicht durchsetzbar, dass die Ärzte möglichst alle Computerausdruck-rezepte ausstellen. Erklärung im Film: Weil man dann beim Hausbesuch keine Rezepte mehr ausstellen könnte … Erklärung die ich woanders gehört habe: Weil man das den älteren Ärzten nicht mehr zumuten könne. Nun – ich bin schon zufrieden, wenn sie sich mehr Mühe geben beim Schreiben.

Jedenfalls: Ja, leider passieren in der Apotheke auch Fehler. Das ist schlecht (wenn auch menschlich). Aber auch wenn es dieser bis zum Kassensturz „geschafft“ hat – so schlimm war der nicht – auch weil der Patient mitgedacht hat. Eigentlich ist das gut: sensibilisiert es doch die Öffentlichkeit dazu selber mehr Verantwortung für ihre Gesundheit (und Medikation) zu übernehmen (wissen was man nimmt und weshalb) und dass es bisher kein schlimmerer Fehler bis in die Medien geschafft hat, zeigt doch auch, dass das System und Fehlermanagement funktioniert.

Euthyrox für Frankreich – oder: never change a running system

Seit ein paar Monaten bekommen wir auch hier in der Schweiz vermehrt Rezepte aus Frankreich über Euthyrox.

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Zuerst war ich ja etwas irritiert … ganz offensichtlich gibt es das Medikament dort auch, weshalb also sollen sie zu uns das kaufen kommen? Vor allem, da es wohl in der Schweiz etwas teurer sein dürfte als in Frankreich.

Des Rätsels Lösung findet sich im Internet – und eine betroffene Patientin hat mich sogar per mail auf dem Blog informiert.

In Frankreich wurde die Zusammensetzung von Levothyrox (Euthyrox) geändert. Man wollte den Wirkstoff (Levothyroxin) stabiler und länger haltbar machen und hat dabei den Hilfsstoff Lactose (der ja auch immer unbeliebter wird wegen der Lactoseintoleranz gewisser Patienten) durch Zitronensäure und Mannitol ersetzt. Kein Ding sollte man denken – es wurden auch Bioverfügbarkeitsstudien durchgeführt, damit die neuen Tabletten gleich aufgenommen werden, denn gerade das ist bei Schilddrüsenmedikamenten oft das Problem: wegen unterschiedlicher Aufnahme sind sie nicht beliebig untereinander austauschbar und ein Wechsel des Medikamentes kommt häufig einer Neueinstellung gleich.

Die Ärzte wurden über die Änderung kurz informiert, die Öffentlichkeit aber nicht – die Packung und die Tabletten sahen weiterhin gleich aus und es sollte ja auch gleich wirken.

Jetzt reklamierten aber tausende Patienten nach dem Austausch durch das neue Euthyrox über Nebenwirkungen die sie vorher nicht hatten: mehr Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe und Gedächtnisstörungen. Symptome die auch Schilddrüsenfunktionsstörungen machen – Anscheinend ist das doch nicht „das gleiche“. Selbst eine Petition wurde gestartet um das „alte“ Euthyrox zurückzubringen – innert kürzester Zeit kamen über 200’000 Unterschriften zustande.
Bis die Firma reagiert hat, gingen die Patienten aus Frankreich ins nahe Deutschland … oder eben die Schweiz, wo es das Euthyrox in der ursprünglichen Formulierung noch gibt.

Inzwischen wird für einen Teil der Patienten das Euthyrox aus Deutschland importiert, aber nicht für alle – ein Teil muss sich das immer noch selber besorgen. Das ist der Grund, weshalb ich auch hier in der Schweiz Levothyrox-Rezepte sehe.

Anscheinend hat die Firma inzwischen eingelenkt die Tabletten in der alten Formulierung wieder auf den Markt zu bringen. Ein Wechsel zu einem anderen Schilddrüsenmedikament wäre in Frankreich übrigens nicht so einfach: Merck ist der einzige Anbieter dafür.

Teresta?

Teresta

Letzthin so auf einem Rezept gefunden: 1 OP Teresta

Ja, lieber Arzt – was darf es denn sein; Temesta oder Seresta?

(Beides Benzodiazepine, also zur Beruhigung / zum Schlafen, aber unterschiedliche Wirkdauer. Das Rezept war übrigens echt. Bei Schreibfehlern bei denen werden wir einfach speziell aufmerksam,)