Patient: „Da steht drauf alle 12 Stunden 1 Tablette.“
Pharmama: „Das ist richtig, Also 2 pro Tag.“
Patient: „Ein Tag hat aber nur 12 Stunden!“
Pharmama: „Äh, nein. Wir zählen nicht nur die mit Licht.“
(Und jetzt im Winter wäre das noch weniger?)
Patient: „Da steht drauf alle 12 Stunden 1 Tablette.“
Pharmama: „Das ist richtig, Also 2 pro Tag.“
Patient: „Ein Tag hat aber nur 12 Stunden!“
Pharmama: „Äh, nein. Wir zählen nicht nur die mit Licht.“
(Und jetzt im Winter wäre das noch weniger?)
Er hat’s wirklich getan. So ganz ist es noch nicht angekommen, dabei war seine Frau gerade hier, unter anderem um uns das mitzuteilen.
„Er“ ist ein Kunde von uns. Oder besser: war. Er hat sich umgebracht. Das war angekündet … das nur für diejenigen, die sagen, dass Leute, die das ankünden ja sowieso nicht durchziehen.
Herr Tempusi (Name wie immer geändert) war Stammkunde bei uns, wir haben uns viele Male unterhalten, weshalb ich neben seiner Medikation noch einiges von seinem Leben mitbekommen habe. Er war um die 60 Jahre … und Auslöser für seinen Selbstmord war nicht eine eigene Krankheit, sondern der Tod seiner (sehr betagten) Mutter, die sein ein und alles war und um die er sich bis zu ihrem Tod vor ein paar Wochen gekümmert hat. Schon vorher hat er bei uns in der Apotheke gelegentlich Ballast abgeladen und unter anderm eben auch diese Aussage gemacht: „Wenn meine Mama nicht mehr lebt, dann will ich auch nicht mehr. Ich glaube, dann bringe ich mich um.“
Er hat es uns gemeldet als sie gestorben ist … und wir haben ihn so gut wir konnten zu trösten versucht, aber er war sehr niedergeschlagen.
Heute nun ist seine Frau hier – die ich ehrlich gesagt noch nicht häufig gesehen habe. Das hat mehrere Gründe. Zum einen die, dass er sich auch um die Medikation seiner Frau gekümmert hat. Die ist einiges jünger und er „hat“ sie von … irgendwo aus dem Ausland. Herr Tempusi war einer jener Schweizer, die irgendwie mit den Frauen in der Schweiz und vielleicht sogar Europa beziehungsmässig nie zurechtkommen und nichts passendes gefunden hat. Deshalb hat er sein Glück bei einer Frau aus dem (ferneren) Ausland gesucht. Wirklich gefunden hat er es allerdings nicht. Die Frau, die zu sich hierher geholt und geheiratet hat, stellte sich als … widerspenstiger und schwieriger heraus, als die durchschnittliche schweizer Frau (behaupte ich jetzt mal). Sie kann inzwischen leidlich deutsch und findet sich eigentlich gut zurecht, auch wenn sie nicht arbeitet. Trotzdem verlangte sie weiter von ihm, dass er alles für sie organisiert. Dabei ging sie ausgesprochen herablassend mit ihm um – das habe ich hier in der Apotheke schon selber gesehen, wenn sie dann mal mitkam, weil er etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit regeln konnt. Da konnte er ihr gar nichts recht machen. Faktisch stand sie nur daneben und reklamierte. Auf französisch. Und er durfte das dann für uns übersetzen und für sie reden und alles organisieren etc.
Dazu möchte ich anmerken: Ich kann französisch. Ich rede es nicht sehr gut, aber ich verstehe es. Sie kann deutsch, auch nicht sehr gut, aber eine Verständigung ist so auch ohne Dolmetscher möglich. Auch wenn ich hier sagen muss, dass der „Dolmetscher“ vielleicht deshalb nötig war, die ganzen Schimpfwörter dazwischen herauszufiltern. Nicht nur über unsere „Unfähigkeit“ und „miserablen Service“, sondern auch den abschätzigen Umgangston, den sie allgemein drauf hatte. Vor allem mit ihm. Für sie waren wir nur Dienstpersonal und er … wohl auch. Das Problem damals hatte mit der Übernahme eines Mittels durch die Krankenkasse zu tun. Als „Life-Style-Medikament“ zahlen sie das nicht und man muss das selber übernehmen. Sie war der Meinug, das Problem sei, dass er ihre Position nicht genügend forsch vertrat. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie der Pharmaassistentin und mir endlich glaubte … oder besser soweit war, dass sie das selber mit der Krankenkasse ausdiskutieren würde. (Oder eher er.)
Ein paar Mal, als er alleine kam, hat er erzählt, wie sie ihn zu Hause geschlagen hat, weshalb er direkt Angst vor ihr hatte. Dass wir das melden, wollte er aber auch auf keinen Fall. Wenn er vergessen hat Geld zu ihren Verwandten nach Hause zu schicken, dann kam es vor, dass sie als Strafe einige Tage auswärts übernachtete.
Ich hätte auch versucht da rauszukommen – also fortlaufen, nicht der Abgang, den er gemacht hat. Er konnte nicht. Nicht nur, weil sie von ihm finanziell abhängig war (und im Fall einer Trennung ändert das wenig). Wegen seiner Mutter, um die er sich kümmerte. Und als sie weg war … ja :-(
Ich denke, es gibt immer einen anderen Weg. Obwohl wir mit ihm geredet haben … es ist uns nicht gelungen, ihm den aufzuzeigen, mehr Hilfe anzubieten (auch professionelle), die er auch hätte annehmen können. Das muss ich jetzt auch erst mal verdauen.
Nun steht die Frau jedenfalls in der Apotheke und ist … dezent unglücklich. Vielleicht ist das nur mein Eindruck, aber vor allem darüber, dass sie jetzt selber für sich sorgen muss. Normalerweise versuche ich Angehörige zu trösten wie ich kann … allein, bei ihr habe ich jetzt wirklich Mühe die Empathie aufzubringen. (Nicht schön, ich weiss, darauf bin ich auch alles andere als stolz).
Sie braucht aber etwas aus der Apotheke– deshalb ist sie hier. Nachdem ich ihr ein Medikament auf einem bereits abgelaufenem Dauer-Rezept wiederholt habe, damit sie Zeit hat ein neues zu besorgen und einen Termin mit dem Arzt zu machen, hält sie mir ein Formular der Versandapotheke „zur Rose“ unter die Nase und fragt mich, ob ich ihr damit helfen könne, sie wisse nicht wie das geht, ihr Mann habe ja immer alles gemacht.
(!)
Da war dann auch fertig mit meiner Hilfsbereitschaft: Wenn sie etwas aus der Apotheke hier braucht, dann helfe ich ihr gerne. Wenn sie das via Versandapotheke beziehen will, dann darf sie gerne auf die angegebene Telefonnummer dort anrufen. Ich bin sicher, die können auch französisch.
Sie geht und ich geh mich setzen und den Schock verdauen.


Apotheke: „Tut mir leid, Ihr Medikament ist zur Zeit nicht lieferbar.“
Patient: „Könnten Sie nicht einfach welches machen?“
Ja wenn es denn so einfach wäre …
Lieferschwierigkeiten gibt es nicht nur in Deutschland. Auch in der Schweiz ist das Problem deutlich zunehmend.
In der Apotheke habe ich auf „meiner“ Liste der Medikamente, die ich gerne hätte und nicht bekomme etwa 40, die meisten davon allerdings ersetzbar durch etwas anderes. Ein Problem ganz anderer Grössenordnung haben die Spitalapotheker, wenn mal wieder ein Antibiotikum / Infusionslösung oder Impfung gebraucht wird von etwas, das in der Schweiz nicht lieferbar ist (oder das es gar nicht gibt: da wird anscheinend noch viel aus dem Ausland importiert).
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat da zwar die Aufgabe zu schauen und veröffentlicht eine Liste, auf der momentan 21 Medikamente stehen – die Liste hat aber nur gerade 60 Medikamente zur Grundlage (die von der WHO als unentbehrlich angesehen werden) – das widerspiegelt nicht die Realität, mit der wir täglich zu tun haben.
Ein Spitalapotheker hat darauf aus Protest die Seite Drugshortage.ch ins Leben gerufen, wo die Apotheker und die Firmen selber die nicht lieferbaren Medikamente eintragen können. Momentan stehen da 312 drauf … das wiederspiegelt die aktuelle Situation besser …
Auf dem Rezept vom Spital für eine junge Frau, die mit ihrem winzigen Baby in die Apotheke kommt:
1 OP Ponstan 500mg Tabletten 3×1/Tag
1 OP Dafalgan 1g Tabletten max. 4 x 1/Tag
In der Kombination hier noch häufig so verschrieben für Schmerzen nach der Geburt. Und das obwohl in der Packungsbeilage vom Ponstan steht, das man das in der Stillzeit nicht nehmen sollte … Grund: es wurde nicht getestet. Aber inzwischen hat man länger Erfahrung mit der Anwendung, auch in der Stillzeit und offensichtlich geht das. Ich habe das selber so verschrieben bekommen vor bald 10 Jahren.
Frau: „Könnte ich vom Dafalgan die Brausetabletten haben?“
Das kann ich machen – Kommentar im PC: „galenische Form dem Patientenbedürfnis angepasst:“
Aber beim Ponstan …
Frau: „Oh, ich kann keine Tabletten schlucken – gibt es da nicht auch Brausetabletten, wie beim Dafalgan?“
Offenbar kennt sie das schon. Ich frage mich bei so was allerdings immer: Wieso konnte man das nicht schon dem Arzt sagen, damit der das auch aufschreibt???
Pharmama: „Nein, aber es gibt Zäpfchen oder den Kindersirup.“
Frau: „Oh, nein. Was ist mit Brufen Brausepulver, könnten Sie nicht das nehmen?“
Pharmama: „Das wäre eine Möglichkeit, auch in der Stillzeit, aber … das ist nicht derselbe Wirkstoff, da müsste ich erst …“ (im Spital nachfragen, Toll.)
Frau: „Das ist lustig. Der Arzt, der das Ponstan aufgeschrieben hat, den habe ich wegen dem gefragt, der meinte das sei derselbe Wirkstoff.“
Ich schaue sie an, sie schaut mich an …. Sie hat tatsächlich gefragt. Und der Arzt verschreibt trotzdem dasselbe wie immer.
Pharmama: „Neeeeiiinn…“
(Das eine ist Mefenaminsäure, das andere Ibuprofen)
Frau: „Ja, das dachte ich auch, aber: was will ich den Arzt korrigieren.“
Nee, das mache ich jetzt.

Ab morgen wieder. Weshalb bezahlt die Krankenkasse nicht alles?
Apotheke: „Hier sind die 5 Medikamente, die der Arzt Ihnen verschrieben hat. Eines davon übernimmt die Krankenkasse nicht. Das mach 5.50.“
Patient: „5 Franken? Ich habe ein Rezept, das sollte gratis sein!“
…
Das beruht auf verschiedenen (verbreiteten) Missverständnissen rund um das Gesundheitssystem. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung: im Prinzip ist sie dafür da einzuspringen, wenn man krank ist und Behandlung braucht, damit man deswegen nicht in finanzielle Schieflage gerät. Aus … praktikablen Gründen können wir Apotheken Medikamente direkt mit der Krankenkasse abrechnen, aber alles bezahlen sie nicht. Auch nicht, wenn es auf dem Rezept steht. Man sollte das Rezept als „Behandlungs-empfehlungsschreiben“ des Arztes ansehen – und nicht als „Gutschein um Medikamente gratis zu erhalten“.
Polypharmazie nennt man es, wenn ein Patient eine Vielzahl von Medikamenten gleichzeitig einnehmen muss.
Das tritt v.a bei älteren Patienten auf, die Blutdruckmedikamente nehmen müssen (manchmal mehrere), dann etwas gegen Altersdiabetes, Cholesterinsenker, wahrscheinlich noch ein Schmerzmittel gegen Arthritis oder Rheuma, Blutverdünner … ab 5 Medikamenten wird es extrem unübersichtlich und ein echtes Problem was die Wechselwirkungen und Nebenwirkungen angeht.
Noch schwieriger wird es, wenn der Patient zu verschiedenen Ärzten geht – und noch nebenbei selbst gekaufte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel einnimmt.
Ganz toll sind auch Austritte aus dem Krankenhaus – es wurde einmal statistisch angeschaut, wie viele Medikamente dann jemand nehmen muss: das sind über 8 pro Person.
Ich würde sagen, da sind Probleme praktisch vorprogrammiert.
Es hilft, wenn der Patient eine Stammapotheke hat, die im Computerdossier seine ganzen Medikamente gespeichert hat, so kann man auch bei einem neuen Arzt oder neuen Medikamenten schauen, ob sie sich gegenseitig vertragen.
Dennoch ist es so, dass es von Zeit zu Zeit Sinn machen kann, beim Hausarzt (oder Allgemeinmediziner), seine ganzen Medikamente durchzuschauen, ob man da nicht auch etwas weniger nehmen kann.
Ohne dem Arzt in das Behandlungsschema reden zu wollen, hier ein paar Fragen, die man stellen kann:
Ev. Lässt sich auch mit Diät etwas bewirken: heute gibt es Speziallebensmittel, die helfen können den Cholesterinwert zu senken.
Mit regelmässiger Bewegung und eventuell einer Senkung des Körpergewichtes kann man durchaus aktiv etwas dazu beitragen, dass man dann weniger Medikamente nehmen muss. Nicht nur vorbeugend. Wenn sie aufhören mit einem oder beidem – dann helfen auch die ganzen Medikamente nicht ewig.
Manchmal ist weniger mehr. Sei mutig und frag deinen Arzt, was möglich ist. Setze aber nicht von dir aus einfach die Medikamente ab! Das kann ausgesprochen unangenehme und schädliche Effekte haben.
Wenn Du unsicher bist, kann die Apotheke helfen, indem sie einen sogenannten Polymedikationscheck mit dir durchführt (gilt für die Schweiz). Dabei wird angeschaut was für Medikamente und wie sie genommen werden – und auch so Sachen wie oben können diskutiert werden. Das macht nur der Apotheker und der Aufwand kann der Krankenkasse verrechnet werden.
Also: Ist es an der Zeit die Medikamentenliste einmal durchzugehen? Wie wäre es mit jetzt?
