Vom Hauslieferservice

Ohne Apotheke_r(3)
Von Sylvia aus einer Grosstadt in Deutschland ein Beitrag zur Blogparade.

Vor etwa zehn Jahren ist meine Oma leider schwer an Krebs erkrankt und dann leider auch daran gestorben. Die letzten Monate hatte sie starke Schmerzen. Da ich noch studiert habe und daher oft zeitlich flexibel war, habe ich sie oft zum Arzt und zur Chemotherapie begleitet. Und sie bekam auch Schmerzmedikamente, die ein spezielles Betäubungsmittel- Rezept benötigen.

Einen Tag ging es ihr nach dem Arzt so schlecht (sie selbst sagte „Heute geht es mir aber schlecht“ – und das bei jemanden der nie klagt!), dass ich sie erst nach Hause gebracht habe. Ich bin dann mit dem BTM Rezept alleine zur Apotheke gelaufen. Dort war das benötigte Medikament nicht vorrätig, wurde aber bestellt. Die Apothekerin hat kurz gefragt, für wen das ist. Ich habe ihr gesagt für meine Oma Frau H (steht ja auch auf dem Rezept, aber ich kann gut verstehen, dass sie da nachfragen). Den Nachmittag konnte ich es aber leider nicht abholen, da ich zur Uni musste und sagte es ihr auch. Und auch, dass die erste Dosis heute Abend benötigt wird. Da hat die Apothekerin gesagt, kein Problem, das bringe ich ihrer Oma nachher vorbei!
– hat auch super geklappt. Für den Service bin ich echt dankbar gewesen. Sie ist noch öfter mit Medikamenten bei meiner Oma vorbeigekommen – das hat uns viele Wege erspart

Hauslieferdienst gehört zwar fast zum Standardservice, aber es ist doch wichtig und richtig, das mal wieder in Gedächtnis zu rufen, wie gut das ist, speziell in so Fällen wie hier.
Habt Ihr schon einmal etwas direkt von der Apotheke nach Hause geliefert bekommen? Weshalb?

Vor Medikamentenspenden ist zu bedenken

immer wieder treffe ich in diesem Internetz auf Spendenaufrufe für Medikamente für Flüchtlinge: diverseste Mittel gegen Schmerzen, Pilzbefall, erhöhten Blutdruck,  außerdem (orale) Antidiabetika, Antibiotika, Gerinnungshemmer, cortisonhältige Cremen, usw., sogar diverse Injektionen/Infusionen wie z.B. starke Schmerzmittel, Medikamente mit erhöhtem Suchtpotential: Tramal-Tropfen (explizit), aber auch Psychopharmaka wie Valium, Antidepressiva, etc.. Auch hier in der Umgebung habe ich neuerdings ein paar Zettel affichiert gefunden (sogar mit Abreiß-Kupons) auf denen zum Spenden von Medikamenten aufgerufen wird. Ebenfalls explizit: auch abgelaufene Medikamente nehmen wir gerne …
Da fände ich es sehr hübsch, wenn jemand wie Ihr die Leute einmal darauf aufmerksam machten, dass das nicht so einfach ist.

Danke kelef – das ist wirklich etwas, was diskutiert werden muss.

Ja – es ist lobenswert und eine gute Sache, dass geholfen werden will und man vielleicht auch sieht, was benötigt wird.

Aber. (ich muss das immer wieder mal sagen): Medikamente sind keine normalen Konsumgüter. Medikamente sind Stoffe, die einen direkten Einfluss auf den Körper ausüben und deshalb mit einer Vielzahl von Vorschriften, Regelungen und Gesetzen unterstehen, die sicherstellen sollen, dass dabei niemand zu Schaden kommt.

Dazu gehört eine Einschränkung in der Verordnung (durch die Fachperson Arzt), eine Einschränkung in der Abgabe (durch die Fachperson Apotheke) und auch eine Einschränkung im Handel (das über die Grenzen nehmen in Mengen, die den Eigenbedarf übersteigen ist verboten und grössere Mengen gelten gar als Export von Sonderabfall).

Da ist das Problem der Beschaffung:  Woher sollen diese (oft) verschreibungspflichtigen Medikamente denn kommen? Aus der Hausapotheke der Spender, oder sollen die sich das Zeug selber verschreiben lassen unter Vorspiegelung irgendwelcher Beschwerden? Oder der Erbtante (die ist eh schon über 90 …) den Apothekenschrank ausräumen? Im Krankenhaus klauen oder eine Apotheke überfallen? Woher weiß man, dass das Zeug, das abgegeben wird, richtig gelagert wurde, und nicht irgendwer damit herumgepfuscht hat, schlimmstenfalls sogar absichtlich? Ganz abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen wenn was passiert.

Auch wenn die Medikamente in Ordnung sind, kann man sie nur illegal ausführen: ansonsten bräuchte man nämlich eine offizielle Genehmigung für jede einzelne Packung, so mit Name, Wirkstoff, Chargennummer, Ablaufdatum, etc., und das gleiche gilt auch für die Einfuhr in andere Länder.

Dann die eigentliche Anwendung: Wenn nun solche wild zusammengesammelte Medikamentenspenden in deutscher / schweizer / österreicherischer Aufmachung und mit unbekannter Herkunft nach Griechenland (und wie schaut das mit den Transport- und Lagerbedingungen aus?) gebracht werden, um dort von wem auch immer in einem der überfüllten Lager an Menschen verteilt zu werden, dann KANN das nicht gutgehen. Ein verantwortungsbewusster Arzt würde derlei Spenden übrigens gar nicht verabreichen, weder hier noch dort. Wer diagnostiziert, und wer überwacht die ordnungsgemäße Anwendung, wer übersetzt im Zweifelsfall – und da ist das nächste Problem: eigentlich darf das nämlich nur ein geprüfter Übersetzer, wie soll sonst sichergestellt sein dass der Patient resp. die Angehörigen verstehen, worum es geht. Und wer stellt sicher dass bei Verlegungen an einen anderen Standort die weitere Therapie und die Kontrolle gesichert sind? Und wer hinterfragt mögliche Unverträglichkeiten oder Allergien, die möglicherweise gar nicht bekannt sind? Dazu kommt noch, dass die Medikamente je nach Herkunftsland sehr unterschiedliche Namen haben.

Dazu kelef (die einen Hund hat und Erfahrung in der Pharmaindustrie):

Ich muss leider den Tiervergleich heranziehen, auch Tierärzte „verwechseln“ Markennamen und Wirkstoffnamen und behandeln dann gegen eine Sorte Würmer zweimal, und an der zweiten Sorte stirbt das Tier. Ist dem Verein, für den ich tätig war, tatsächlich mehrfach so passiert, ditto mit Antibiotika. Und dann stellen wir uns einmal vor, da laufen ehrenamtliche Helferlein durch ein überfülltes Flüchtlingslager und verteilen fröhlich Antibiotika, Wurmmittel, Cortisonpräparate etc., ich will nicht wissen was da schon alles passiert ist, nur können die Patienten weder genau hinterfragen noch erklären oder erklärt bekommen.

Den Leuten ist einfach nicht klar, dass sie sich auf diese Weise ganz leicht ins Kriminal katapultieren können: Sozialbetrug oder Körperverletzung sind keine Kavaliersdelikte, und abgelaufene Medikamente können durchaus, müssen aber ganz und gar nicht noch in Ordnung sein, bestenfalls wirken sie nicht, schlimmstenfalls schaden sie noch zusätzlich massiv.

Es gibt gute Gründe weshalb die grossen und professionellen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Apotheker ohne Grenzen, das Rote Kreuz etc. keine solchen Medikamentenspenden entgegennehmen. Wir in der Apotheke haben das früher übrigens gemacht und sie an ein so ein Hilfswerk weiter gegeben, können das aber (aus den genannten Gründen) heute nicht mehr.

Aber – es gäbe legale Lösungen.

Es gibt ja grundsätzlich z.B. die Möglichkeit, dass Herstellerfirmen Ware spenden oder mit entsprechenden Rabatten an Ärzte oder Ärztezentren, die sich für Flüchtlinge einsetzen, liefern resp. über den Großhandel liefern lassen (auch der Großhandel könnte da auf die Marge verzichten): Das wäre mal eine gute Werbekampagne für die Herrschaften. Finanziert werden könnte das dann über Spenden. Das wäre eine saubere und gesetzeskonforme Lösung.

Also, liebe Leser: Wenn ihr solche Medikamentenspenden-Aufrufe lest, dann bedenkt das, bevor ihr die Hausapotheke ausräumt.

 

Kreative Anwendungsformen

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„Kann ich meine Akne-mycin Kapseln auch öffnen, den Inhalt in meine Tagescreme machen und das dann auf das Gesicht auftragen?“

Lieber nicht. Das hat nicht den gleichen Effekt … Oder: vielleicht fragen Sie besser ihren Arzt, damit der was anderes verschreibt?

Dossiereröffnung

Aufnahme eines Patienten und Eröffnung eines neuen Patientendossiers:

Pharmama: „Sind irgendwelche Erkrankungen bekannt? Zucker, hoher Blutdruck, Schilddrüsenerkrankungen …?“

Patient: „Nein.“

Pharmama: „Nehmen Sie Medikamente regelmäßig ein?“

Patient: „Ja, Triatec und Aspirin Cardio.“

Pharmama: „Dann … haben Sie also doch hohen Blutdruck?“

Patient: „Nur, wenn ich meine Medikamente nicht nehme.“

und das ist der Grund weshalb ich jetzt bei neuen Patienten vor allem nach den Medikamenten frage …

Sampler: Esoterisches, Alternatives und Wunderbares

Letzthin auf facebook gesehen:

„Bitte nicht abscannen, die Strahlung macht alles kaputt.“

PTA einfach: „Ok.“

Schnell die PZN eingetippt. Kundin ist zufrieden und geht.

Der Apotheker: „Haben Sie ihr gesagt, dass beim Wareineingang die Ware schon abgescannt wurde?“

„Nö.“

:-)

Begegnungen dieser Art gibt es auch in der Apotheke immer wieder: Esoterisches in der Apotheke.… und manche Kunden benutzen sehr seltsame Methoden der Entscheidungsfindung.

Es ist ja auch nicht einfach für uns in der Apotheke – seit der Abstimmung zur Komplementärmedizin in der Schweiz wird eine Menge der teils sehr fraglichen Alternativmedizin auch (wieder) von der Krankenkasse übernommen. So etwas wie die homöopathiefreie Apotheke kann es schon alleine deshalb nicht geben.

Ich habe ein paar Probleme mit den homöopathischen Sachen. Das fängt an bei der Frage nach dem „wofür“ , der Dosierung, bis zu Problemen beim Bestellen von so alternativ-Medizin .. und sie haben ausgesprochen seltsame Inhaltsstoffe: Stinktiersekret (Pertudoron), Schweinenasenschleimhaut (Euphorbium) – das seltsamste, was ich mal gesehen habe ist Berliner Mauer. Aber etwas positives hat es: vergiften kann man sich damit nicht.

Aber ganz allgemein: Es gibt eine Menge Mittel – von Medikamenten, die von Pharmafirmen entwickelt, erforscht und von den Behörden nach Auswertung der Studienlage zugelassen werden – über Präparate und Zubereitungen, die nur eine „Zulassung“ als Nahrungsergänzungsmittel haben, wobei da nicht viel verlangt wird für die Zulassung … kaum Nachweise für die Wirksamkeit und vielleicht  noch dass es keine schädigenden Stoffe enthält – bis zu Sachen, die nicht verkehrsfähig sind, (nicht mal als Lebensmittel), die bis auf Behauptungen eigentlich gar nichts vorweisen können, oder deren Einsatz nicht den medizinischen Erkenntnissen entspricht oder gar gefährlich ist.

Ich habe im Blog schon über ein paar dieser Mittel geschrieben:

Verleitende Namen (über Vitamin B17)

Mit manchen Leuten kann man nicht diskutieren (kolloidales Silber)

Wenn es quakt wie eine Ente … (MMS : Miracle Mineral Supplement)

Für nicht so helle Lämpchen (Petrol)

Asiatische Woche (Schlankheitsprodukte aus dem Internet)

Auch da drunter fällt Borax – darüber sollte ich ein anderes Mal schreiben.

Es gibt auch Zwischendinge … Mittel, wo man zwar einiges weiss, die aber trotzdem nicht verkehrsfähig sind: Rote Reishefe gegen zu hohes Cholesterin scheint tatsächlich zu wirken – allerdings hat es den gleichen Mechanismus wie die Statine und man erkauft sich die Wirkung mit denselben Nebenwirkungen … zusätzlich weiss man nicht, was da noch für Zusatzstoffe drin sind. Das Mittel bekommt deshalb keine Zulassung als Lebensmittel (es hat ja eine medizinische Wirkung) und keine als Medikament (es fehlen die nötigen Studien, die die Firma, die das auf den Markt bringen will liefern muss).

Dann das Melatonin. Ein natürlich vorkommendes Hormon, das bei uns beim Schlaf-Wachrhythmus eine Rolle spielt und zum Beispiel bei Jetlag seinen Einsatz findet. Das war lange in keinem Land als Arzneimittel zugelassen, konnte (und kann) in mehreren Ländern (z.B. in den USA) aber als sogenannte Nahrungsergänzung rezeptfrei gekauft werden. Immerhin war es trotz der schlechten Studienlage zur Wirkung ziemlich „problemlos“: wenig Nebenwirkungen. Dann hat es tatsächlich eine Firma geschafft und das als Medikament zugelassen (siehste: es ist möglich!) und jetzt ist das Circadin mit 2mg Melatonin auf Rezept erhältlich. Es hat aber eine Limitation, es wird erst ab einem Alter von 55 Jahren von der Krankenkasse übernommen. In Frankreich sind Produkte als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, die enthalten einfach weniger Melatonin.

Es gäbe noch mehr solche häufig als Wundermittelchen angepriesene Produkte: grüne Kaffebohnen,  Grapefruitkernextrakt, Bittermelone … oder „Superfood“ wie Goji Beeren, Noni-Saft und Chia-Samen. Letzteres „Vogelfutter“ sehe ich praktisch als verbesserte Version von Leinsamen: ein sehr gutes Quellmittel und Schleimbildner … aber man muss bei dem enorm gut drauf achten, dass man ja genug Flüssigkeit dazu einnimmt, ansonsten drohen Darmverschluss. Deshalb empfiehlt die die europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine Höchstmenge von maximal 15 Gramm Chia, also ein Esslöffel voll, den der Verbraucher auf einmal speisen darf (!)

Und wenn wir grad bei Wundermittelchen sind: es war ja ein wahrer „Coup“, wie damals die Regividerm mit Avocado und Vitamin B12 beworben wurde – nachzulesen hier Entstehung und Niedergang eines Wundermittels.

 

Das richtige Medikament am richtigen Ort

Im Bestelleingang ein Rezept für Isotretinoin Kapseln. Es ist für einen Mann, der bei uns auch sonst Medikamente bezieht, bei ihm habe ich auch halb im Kopf welcher Art, deshalb gehen bei mir die Alarmglocken an.

Ich geb’s zu – bei Isotretinoin bin ich  (über?)vorsichtig. Es ist ein Mittel gegen Akne, das nicht nur Einschränkungen hat für die Abgabe bei Frauen (die dabei auf keinen Fall schwanger werden dürfen, da sonst Missbildungen beim Baby zu erwarten sind), es soll auch nicht bei Personen mit einer Vorgeschichte mit Depressionen oder psychischen Problemen verordnet werden, da es selber Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken machen kann.

Dass das nicht nur theoretisch so ist, musste ein Freund von mir am eigenen Leib erfahren. Dessen damalige Freundin bestand darauf, dass er sich das Mittel vom Hautarzt verschreiben liess, weil es ihr ja „so gut geholfen hat und er etwas für sich machen sollte“. Anscheinend hat ihn der Arzt nicht wirklich nach seiner Vorgeschichte gefragt und er ist dann während der Behandlung mit dem Medikament in eine üble Depression gefallen. Anfangs konnte er es sich noch nicht einmal erklären, woher diese schwarzen Gedanken, dieses Nicht-mehr-wollen-und-können (wieder) kommen. Ich hätte es ihm sagen können. Und wenn er es bei mir eingelöst hätte, hätte ich ihm davon strickt abgeraten, da ich seine Vorgeschichte kannte, aber … er hat es nicht bei mir eingelöst (verstehe ich auch).
Erst als er die Packungsbeilage gelesen hat und es gegen den Widerstand der Freundin wieder abgesetzt hat ist das besser geworden. Damit hatte er hatte noch Glück, denn (Fachinformation):

„ein Abbruch der Isotretinoin-Behandlung reicht manchmal nicht aus, um die Symptome zum Verschwinden zu bringen …“

Jedenfalls bin ich bei der Kontrolle der bestellten Medikamente und bei diesem Patienten weiss ich, dass er diverse Medikamente gegen psychische Störungen nimmt. Zur Sicherheit schaue ich nochmals nach im Computerdossier. Ja, Risperdal und Temesta und weitere. Der Computer reklamiert bei so etwas übrigens nicht und zeigt für das keine Wechselwirkung an (!) – es geht da auch wieder um ein Problem der Indikation, da gibt es verschiedene für diese Medikamente und es muss nicht zwingend gegen Depressionen sein.
Es ist Aufgabe des Arztes vor der Verschreibung hier sehr gut die Vorgeschichte abklären, damit das nicht zu Problemen führt. Das Medikament wurde verschrieben vom Hausarzt, der auch die Temesta und Risperdal verschrieben hat und nicht von einem Hautarzt, also müsste er es eigentlich wissen.

Ich versuche den Arzt zu erreichen, bevor der Patient kommt und habe Glück. Leider … versteht der überhaupt nicht, was denn mein Problem ist – respektive, weshalb ich mich hier einmische.
Ja, er weiss, dass Herr … diese anderen Medikamente bekommt. Er denke aber nicht, dass da ein Problem besteht, da er das gegen etwas anderes nimmt und nicht gegen Depressionen. Er habe auch keine Vorgeschichte in Depressionen … wenn man von dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik absieht, wo er sich selber einmal eingeliefert hat und die ihm auf dem Entlasszettel auch eine Depression bescheinigt haben …. seiner professionellen Meinung nach eine klassische Fehldiagnose. Deshalb solle ich das ihm geben und er soll das nehmen.

Ich habe dem Arzt dann gesagt, ich mache das, aber ich halte unser Gespräch im Computer fest und ich werde den Patienten darauf hinweisen, dass er beim Auftreten von Problemen das absetzt und ihn kontaktiert. Wirklich wohl fühle ich mich dabei nicht.
Eben weil der Patient diese anderen Medikamente nimmt, muss ich ihm die Nachricht wirklich einfühlsam rüberbringen, sonst nimmt er womöglich auf einmal etwas nicht mehr, das er wirklich nehmen sollte. Das Isotretinoin selber ist nicht so wichtig, im Grunde ist es auch „nur“ ein …Lifestile Medikament. An Akne selber ist, (so unangenehm das sein kann) noch niemand gestorben.

Wenige Minuten später steht der Patient selber, übrigens ein Mann um die 35, mit dem Abholzettel vor mir und ich erkläre ihm die Sache.
Dabei bin ich bin ein bisschen überrascht, denn er ist nicht wirklich stark betroffen, in meinen Augen sind die Rötungen noch nicht Grund genug derartiges zu verschreiben … aber ich erkläre ihm, dass ich wegen Bedenken mit dem Mittel den Arzt kontaktiert habe und dass der überzeugt ist, dass das bei ihm geht.
Darauf will er es sich noch einmal überlegen mit der Einnahme. Ich soll das im Moment zurückstellen. Darüber … bin ich nicht unglücklich.

Nachtrag 1: Er hat seine Psychologin kontaktiert und die ist auch der Meinung, dass er das besser nicht nimmt. Ich darf das zurückschicken.

Nachtrag 2: Er ging dann zu einem Hautarzt und hat seine Rötungen anschauen lassen. Der hat ihm dann ein Rezept ausgestellt nicht für Aknemedikamente sondern gegen Rosazea …

Ich denke, das ist für den Patienten ganz gut gelaufen und zeigt, wie wichtig es ist, dass da mehrere „Player“ im Gesundheitssystem zusammenspielen und auch miteinander reden. Das hätte (muss nicht, aber hätte) ziemlich übel ausgehen können.