Auf und Nieder, Immer wieder.

Die Woche war ein Auf und Nieder. Steigende Fallzahlen überall. Stammpatienten von uns, die es nicht überlebt haben. Die Meldung, dass die erste Covid-Impfung in der Schweiz zugelassen wurde. Mitzubekommen, dass die Schwiegermama im Notfall war (sie war innert Stunden wieder draussen – lange behalten die niemanden wegen nicht-akuten Sachen da). Die Meldung der neuen Coronavirus-Mutation – und dann die Reaktion die Flüge zu streichen von den UK und Südafrika.

Es ist nervenaufreibend, es ist zermürbend, für so ziemlich alle. Ich verstehe jeden, der versucht, sich selber zu schützen, zum Beispiel indem er keine Nachrichten schaut und versucht auf das Positive zu sehen. Auf das, was geht, auf das, was wir (trotzdem) haben. Ich verstehe aber diejenigen nicht ganz, die immer noch überall verbreiten, das sei nur Panikmache und so weitermachen, als gäbe es überhaupt kein Covid.

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Ich hatte diese Woche eine Diskussion mit dem Apotheker (Ja, DerApotheker). Er ist etwas auf einem Kreuzzug gegen die Leute, die ohne oder mit falsch angezogener Maske in die Apotheke kommen. Ich meinte dann, dass das bei uns nicht so ein Problem sei. Es besteht zwar Maskenpflicht in den Läden, aber kein Zwang das durchusetzen. Eigentlich weisen wir die Leute nur darauf hin, sie (richtig) anzuzuehen, oder wir bieten grad eine an. Ausser unseren eigenen Masken haben wir immer noch die Plexiglasscheiben vor der Kasse. Wenn jemand wirklich keine anziehen will, schauen wir, dass wir sie nur von hinter der Scheibe und/oder mit genügend Abstand bedienen und dass sie so rasch wie möglich wieder draussen sind – auch den anderen Patienten zuliebe. Aber wirklich viele oder gar problematische Fälle hatten wir nicht.

Nur einen Tag später dann das:

Kundin kommt ohne Maske in die Apotheke und stellt sich direkt (praktisch auf die Fersen) der Patientin vor ihr.

Donna (die Pharmaassistentin) die grad an der älteren Stamm-Patientin ist, sieht das und fragt sie: „Kann ich ihnen eine Maske geben?“

„Nein, ich darf keine anziehen!“

Donna fragt nicht nach, weshalb, aber sie bittet Sie: „Dann nehmen Sie bitte etwas mehr Abstand zu den anderen Kunden.“

Cue sehr säuerliche Miene der Kundin, aber sie steht „etwas“ weiter weg.

Als sie dran ist, fragt sie nur, ob wir ihr einen Verband wechseln können. Das machen bei uns die Apotheker, also kommt Donna mich fragen – und weist mich grad darauf hin, dass die Kundin keine Maske anhat und auch nicht vorhat eine anzuziehen.

Ich: „Uh. Nein. In den engen Beratungsraum gehe ich nur mit, wenn die Kundin eine Maske anzieht. Weil …“

Donna: „Hab ich mir schon gedacht. Ich erkläre es ihr.“

Hat sie dann. So: „Tut mir leid, aber wenn Sie keine Maske anziehen ist das momentan nicht möglich. Wissen Sie, WIR haben die Masken zu IHREM Schutz an. Und Sie ziehen sie an zu UNSEREM Schutz, vor allem bei so engem Kontakt wie einem Verbandwechsel.“

Das gab dann eine so säuerlichere Reaktion, aber man hat sich am Schluss geeinigt, dass sie den Beratungsraum nutzen kann, um sich selber den Verband zu wechseln – und wir haben ihn hinterher gut desinfiziert.

Ich lasse mich nicht auf unnötige Diskussionen ein. Ich brauche nicht darüber zu reden ob und welche Masken jetzt vielleicht schützen, oder ob die Massnahmen übertrieben sind oder gar ob Covid-19 nicht schlimmer als eine normale Grippe ist.

Im Moment lege ich alles daran mich, meine Mitarbeiter, meine Patienten und vor allem meine Familie zu schützen. Ich gehe keine Risiken ein (vor allem so vermeidbare). Ich will nämlich morgen einen zumindest kurzen Besuch zu Weihnachten bei meinen Eltern machen, die beide Hochrisikopatienten wären, wenn sie Covid bekommen würden.

Und ich appelliere hier an alle, das auch zu tun: Bitte seid vorsichtig! Tragt die Maske, wo nötig und wo sinnvoll. Wechselt die Maske regelmässig! Wascht euch wieder häufig die Hände und desinfiziert sie (ich weiss, dass das bei vielen wieder verlorengegangen ist)! Vermeidet Menschenaufläufe! Vermeidet es Euch privat mit zu vielen zu treffen – ihr wisst nicht, wer sich davon wirklich an die Vorsichts- und Hygienemassnahmen haltet. Seid speziell vorsichtig, wenn ihr die Grosseltern trefft – verzichtet im Moment noch auf die Umarmung oder aufs Händegeben, haltet Abstand, trefft Euch – aber vielleicht nicht so lange, an Orten wo gut gelüftet werden kann oder draussen.

Ich bin grad in pessimistischer Stimmung, was die Zeit nach Weihnachten / Neujahr angeht. Ich befürchte, dass zu viele sich nicht an die Vorsichtsmassnahmen halten werden und die Zahlen dann explodieren – zusammen mit den Spitaleinweisungen, denn wer verzichtet schon wirklich auf „Weihnachten mit Familie“? (und irgendwo verstehe ich wie wichtig das psychologisch ist). Zu viele Leute können ja offenbar auch jetzt nicht darauf verzichten, Skiferien im Ausland zu machen. Echt: 92 Flieger mit über 10’000 Personen aus England sind allein letztes Wochenende in der Schweiz gelandet. (*Das* verstehe ich dann weniger).

Deutscher Maskenball

Im Frühling hatten wir ja das Problem (in der Schweiz und Deutschland und wahrscheinlich so ziemlich überall), dass praktisch keine Masken mehr erhältlich waren (siehe Das Maskentheater). Wir konnten schliesslich welche beschaffen (teuer importieren) und so die Bevölkerung versorgen. Das BAG hatte den Gebrauch von Masken erst nicht empfohlen – wahrscheinlich auch um keine Panik auszulösen, da kaum welche erhältlich waren – und ist später umgeschwenkt. Es wurde erst empfohlen, dann obligatorisch, vom nur im ÖV (Zug, Bus, Tram) bis in den Läden, in der Schule bis schliesslich auch draussen in gewissen Situationen.

Inzwischen gibt es genug Masken – die Preise sind einiges runtergegangen, wir haben mehr Auswahl. An Hygienemasken haben wir 50 Stück Packungen unter 20 Franken, schwarze Hygienemasken und in der Schweiz hergestellte Masken (etwas teurer als der Chinaimport). Wir in der Apotheke achten dabei weiter sehr auf die Qualität. Trotzdem ist da aus anderen Quellen viel Schrott im Umlauf – wenn ich das anschaue, was Junior in der Schule gestellt bekommen hat … das hat keine CE-Kennzeichnung und stinkt nach Lösungsmittel, er nimmt nur noch solche von zu Hause, da er sonst Kopfschmerzen bekommt.

Während hierzulande hauptsächlich die einfachen Hygienemasken empfohlen werden, ist man zum Beispiel in Deutschland zu FFP2 Masken übergegangen. Und der Gesundheitsminister hat sich etwas ausgedacht, um Risikopersonen (damit) zu schützen: Gratis FFP2 Masken! 3 Masken sollen die gefährdeten Personen (über 60 jährige und Leute mit bestimmten chronischen Erkrankungen) im Dezember bekommen und nochmals je 6 im Januar / Februar. Und damit das möglichst schnell geht, sollen die Apotheken die Verteilung übernehmen.

Die Apotheken in Deutschland hatten nur 3 Tage „Vorlaufzeit“. Sie bekommen keine Masken von der Regierung gestellt, sondern sollen sie selber besorgen, bezahlen und eventuell auseinzeln. Und dann natürlich ausgeben. Für 27 Millionen Leute. (!)

Dafür bekommen die Apotheken „etwas“. Berechnet, wieviel jeder Apotheke zusteht wird anhand des Rezeptumsatzes, die sie im letzten Quartal gemacht hat. Je grösser die Apotheke also ist und je mehr Umsatz sie gemacht hat, desto mehr kann sie also abgeben. Die Apotheke muss ausserdem festhalten wieviele Masken sie abgegeben hat.

Das ganze ist ja nett, hat aber die verschiedensten Probleme. Das fängt damit an, dass man da Risikopersonen (in die Kälte) raus schickt um gesammelt an einem Ort mit anderen Risikopersonen die Masken abzuholen. Was ist mit „bleibt möglichst zu Hause“ passiert?

Dann ist nirgends geregelt, wie das festgehalten wird. Eigentlich ist ja offensichtlich die Idee, dass vor allem die Stammkunden der Apotheke die Masken bekommen (darauf beruht die Vergütung) – nur: in Deutschland gibt es keine Patientendossiers wie in der Schweiz, in denen die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente festgehalten wird. Damit könnte man festhalten, wer schon Masken bekommen hat und Risikopersonen auch Hauslieferung anbieten. Statt dessen gibt es nur (freiwillige) Kundenkarten. So können also manche Leute durchaus von Apotheke zu Apotheke ziehen und Masken holen. Oder Leute, die bisher nur bei der Online-Apotheke bestellt haben Masken vor Ort beziehen. Nicht nur, dass die Masken dann anderen Risikopersonen fehlen … die Apotheke bekommt ja nur einen (vorher) festgelegten Teil vergütet. (Falls überhaupt, irgendwie steht das immer noch in den Sternen, wie das dann genau läuft?)

Dass sie den zum Maskenbezug berechtigten Leuten Bezugsscheine zukommen lassen und die das damit holen kommen – das kommt dann vermutlich für Januar / Februar. Dann werden manche von den Patienten die Masken auch online bestellen. Schön für die Online-Apotheken: Minimaler Aufwand und gesicherte Vergütung. Im Gegensatz zu der Situation jetzt.

Ich muss zugeben, ich möchte ja nicht in der Haut der Apotheken in Deutschland aktuell stecken. Innert kürzester Zeit pro Apotheke abertausende Masken zu beschaffen (in gesicherter Qualität!), die Abgabe zu organisieren (der Zutritt zur Apotheke ist auch bei ihnen begrenzt auf die Grösse und nebendran sollte der Normalbetrieb ja weiterlaufen!), Missbrauch nach Möglichkeit zu verhindern, die Unsicherheit, ob und wie das dann vergütet wird …

Trotzdem haben die Apotheken das gemacht. Eine Leistung, die man wirklich würdigen sollte.

Statt dessen:

Arschloch Bild-Zeitung (und Co)

Sollte ich etwas falsch geschrieben haben (ich habe die Informationen praktisch per proxy durch die Diskussionen in Facebook Gruppen): Bitte melden und ich korrigiere das.

No,no, no: Noch kein Notstand

Ich bin seit ein paar Tagen wieder zurück in der Schweiz – und der Virus hat uns empfangen. Von Juniors Schule ein Infoblatt, dass die Schule stattfindet, mit speziellen Verhaltensregeln (kein Kontaktsport, gestaffelte Pausen, Händewaschlektion), dass aber Leute, die in Italien in den Ferien waren (oder anderen Hochrisikogebieten wie China, Taiwan etc.) zu Hause bleiben müssen: 14 Tage lang. Da Thailand nicht auf der Liste ist, ging Junior also.

Der Rückflug war übrigens ausgesprochen ruhig. Nicht nur, dass das Flugzeug nicht voll war (ungewöhnlich), kaum einer hat gehustet oder geniest oder sich geschneuzt. Entweder waren alle erstaunlich gesund, oder es hat sich keiner getraut. Weder bei der Ausreise in Thailand noch bei der Einreise in der Schweiz wurden irgendwelche Fragen gestellt oder Tests (auch kein Fiebermessen) gemacht. Dafür empfängt uns am Flugplatz das neuste Infoplakat des BAG:

Montag stieg ich in der Apotheke in den „neuen Alltag“ ein. Von Panik würde ich hier nicht sprechen. Aber der Mehraufwand den das Virus uns (jetzt schon) in der Apotheke beschert ist nicht zu übersehen. Die Fragen nach Masken sind Dank Schild („Keine Masken mehr“) auf weniger als 10 pro Tag heruntergegangen, dafür haben wir viele mit Nachfragen nach Händedesinfektionsmittel. Die Markenartikel (Sterillium und Co.) sind aus und wir bekommen auch in absehbarer Zeit keine mehr. Selbst hergestelltes Desinfektionsmittel ist auch aus – und Alkohol zum herstellen ist keines lieferbar. Von Zeit zu Zeit bekommen wir wieder etwas in Grossgebinden, das wir dann in Fläschchen abfüllen. Aktuell sind uns aber auch die Fläschchen am ausgehen. Angebote betreffend Masken und auch Grossgebinde Desinfektionsmittel gibt es immer wieder, aber … puh. Die Preise, die manche dafür wollen! Und andere bieten ihr Produkt als „hochwirksam gegen Viren“ an – und wenn man nachschaut, wurde das nie getestet und der Hersteller selber behauptet das auch nicht.

Wir haben also immer wieder Desinfektionsmittel, aber empfehlen den Leuten Händewaschen – und geben aktuell nur wenige Fläschchen pro Einkäufer heraus. Andere brauchen / wollen das auch. Man sollte auch daran denken, dass es für den Schutz optimalerweise nicht nur den eigenen Einsatz braucht, sondern auch den der Umgebung. Und wenn man alles Desinfektionsmittel selber aufkauft (oder die Seife – mein Mann stand im Supermarkt vor einem leeren Regal), dann ist das auch … suboptimal.

Dann gibt es Leute, die Masken und Desinfektionsmittel wirklich brauchen für die Arbeit (im Spital, Pflegeheim, Zahnärzte) und denen gehen die Sachen so langsam auch aus. Ein Arzt aus einem anderen Kanton hat mir gemeldet, dass sie pro Praxis vom Gesundheitsamt 5 (!) FFP3 Masken geschickt bekommen haben. Die werden aktuell wie der Schatz der Nibelungen gehütet. Bei uns sieht es ähnlich aus. Wir haben für die Mitarbeiter ein Pandemie Set. Das wird aber noch nicht geöffnet. Die Schweiz hat mehr Material bestellt (amüsanterweise aus China) – das hängt jetzt in Deutschland und Frankreich fest, die einen Exportstopp dafür veranlasst haben. Ein weiteres Zeichen unserer Abhängigkeit vom Ausland (und NEIN, ich bin nicht für einen EU Beitritt).

Die nicht lieferbaren Medikamente sonst haben noch nicht merklich zugenommen – aber da sind wir ja schon vor Beginn der Corona-Geschichte nicht wirklich glücklich mit der aktuellen Situation gewesen. Es gibt auch hier Leute, die deshalb Hamsterkäufe tätigen wollen, aber da wir nicht mehr als Mengen für 3 Monate aufs Mal abgeben sollen (schon vorher) ziehen wir das jetzt einfach etwas strenger durch.

Aktuell ist es bezüglich Erkältungen aber recht ruhig in der Apotheke – offensichtlich hält sich die Bevölkerung daran, bei Erkältungssymptomen spezifisch: Fieber UND Atemwegsbeschwerden zu Hause zu bleiben. Manche schicken Verwandte in die Apotheke. Viele verweisen wir dann an die Ärzte: „Bitte rufen Sie ihrem Hausarzt an.“ Der kann auch am Telefon schon einiges triagieren – Fast lustig: jetzt machen sie wohl alle Telemedizin. Unser Telefon läutet genauso unablässig. Bestellungen, Nachfragen, etc. – macht auch Sinn, wenn das dann den Aufenthalt der Leute in der Apotheke (Risikozone) verkürzt. Trotzdem haben wir zusätzliche Schutzmassnahmen ergriffen. Ausser regelmässigem Händewaschen und -desinfizieren, desinfizieren wir die Oberflächen, erledigen mehr im Backoffice, schränken Dienstleistungen die nahen Kontakt erfordern auf ein Minimum ein (respektive tragen Masken dabei). Und seit gestern gibt es auch bei uns Plexiglasscheiben vor der Kasse. Ein (nicht ganz kompletter) Spritzerschutz, besser aber als mit Maske zu arbeiten – das wirkt schon arg abschreckend.

Seit gestern Abend gilt der neue Coronavirus oder COVID-19 offiziell als Pandemie. Das war zu erwarten – was mich fast etwas enttäuscht ist, dass sie dafür noch keinen Trivialnamen haben. Sowas wie die Vogelgrippe oder die Schweinegrippe. Da keine „Grippe“ hätte ich erwartet, dass das Ding etwas wie Schlangenseuche oder Fledermausirgendwas genannt wird, aber vielleicht ist es ganz gut dass das nicht passiert ist – die Tiere können ja nichts dafür.

Es wird weitere Massnahmen geben. Wir teilen unser Personal in Risikogruppen ein. Als Gesundheitspersonal „dürfen“ wir nicht einfach der Arbeit fern bleiben – Soviel zur Frage, ob wir die Apotheke bei einem COVID-19 Fall ganz schliessen müssen. Das wird nicht passieren. Seit heute wissen wir auch, was da zu tun ist:

Gesundheitsfachpersonen mit Patientenkontakt, die privat oder beruflich ungeschützt Kontakt mit einem bestätigten COVID19-Fall hatten, arbeiten weiter, tragen ständig eine chirurgische Maske und achten auf eine einwandfreie Händehygiene. Sie überwachen ihren Gesundheitszustand; beim Auftreten von Symptomen lassen sie sich testen und bleiben der Arbeit fern.

Risikopatienten unter dem eigenen Personal (über 65, respektive mit chronischen Erkrankungen) sollen mehr im Backoffice arbeiten und sich vorne schützen. Wenn wir wegen Ausfällen die Öffnungszeiten verkürzen müssen, muss das dem Kantonsapotheker gemeldet werden. Ansonsten gilt: „The Show must go on„.

Pandemie – Panik – Plague Inc

In meinem Büro in der Apotheke habe ich einen Ordner. Aktuell steht er ganz weit unten und hinten, denn seit 2009 habe ich den nicht mehr gebraucht. Auf dem Ordner steht „Pandemie“ und er stammt noch aus der Zeit als die Schweinegrippe aufkam und die Behörden angefangen haben Pläne und Vorgehensweisen zu entwickeln, damit im Fall der Fälle nicht grad alles zusammenbricht und die Versorgung der Bevölkerung (in unserem Fall mit Medikamenten) möglichst sichergestellt bleibt.

Die Schweinegrippe H1N1 hat sich dann (zum Glück) als nicht so gravierend herausgestellt, wie anhand erster Zahlen angenommen wurde. Siehe auch mein Blogpost damals: „Das Grippchen“. Aber immerhin hat es dazu geführt, dass sich viele Menschen Gedanken gemacht haben, wie man denn in so einem Fall einer Pandemie vorgehen soll, was es für Vorräte braucht, was es für Massnahmen braucht, an was man vielleicht denken sollte – und das teils in Vorgaben festgehalten haben.

Ich habe den Ordner gestern rausgenommen und mal wieder angesehen. Keine Panik: Es ist noch nicht soweit, dass hier praktisch der „Notstand“ ausgerufen wird, wie damals. Und heute sind sie vielleicht noch etwas schneller darin, derartig neue Krankheitsfälle zu verfolgen, analysieren und prognostizieren … wobei es meines Wissens immer noch kein weltweites System zur Erkennung der Entstehung von Pandemien gibt, aber dafür haben wir heute wohl die Presse und das Internet. Aber erste Anzeichen bemerke ich jetzt schon in der Apotheke. Bei Gesichtsmasken zum Beispiel steigt die Nachfrage grad an. Die brauche ich sonst nie – tatsächlich habe ich inzwischen sogar die meisten die wir bei der Schweinegrippe-Pandemie fürs Personal an Lager halten mussten entsorgt (auch die haben ein Ablaufdatum), genau wie der Rest des „Pandemie-Personal-Pakets“ – mit Paracetamol, Ibuprofen, Nasenspray, Händedesinfektionsmittel …

Es ist vielleicht etwas früh für den Ordner und seinen Inhalt, aber ich beobachte (wie viele andere) die Entwicklung des chinesischen „neuen Coronavirus“ – und er scheint (leider) viel „Potential“ zu haben. Junior spielt schon länger auf dem iPhone gelegentlich das Spiel Plague inc., dessen Ziel es ist als Pathogen die Menscheit zu eliminieren. Der neue Coronavirus hat dafür zu früh angefangen tödlich zu sein – das erhöht die Gegenmassnahmen der Staaten und beschleunigt die Entwicklung eines Heilstoffes – aber auf der anderen Seite haben wir den Ausbruch in einer der bevölkerungsreichsten Gegenden der Welt, Übertragung von Tieren (Schlangen, Fledermäusen?) und via Mensch zu Mensch, eine hohe Ansteckungsrate (1 Patient steckte 15 Mitarbeiter eines Spitals an), das Virus ist neu und wir haben keine bis wenig Mittel dagegen (vielleicht hilft das Mittel, das sie gegen SARS haben etwas?) und wir haben aus der betroffenen Region (China) aktuell eine sehr hohe Motilität: viele Leute besuchen wegen Ferien und dem chinesischen Neujahrsfest (das heute startet) Verwandte in anderen Ländern. Dabei reisen sie mit dem Flugzeug – schnell, viele Leute auf engem Ort, super Ansteckungsmöglichkeiten – so dass es nicht wundert, dass wir erste Fälle nicht nur in Asien, sondern auch Europa und Amerika haben.

Auf der anderen Seite haben wir die Gegenmassnahmen, wo China wirklich sehr rasch reagiert hat – man denke daran, dass erste Fälle vielleicht Anfang Dezember 19 aufgetreten sind und wir jetzt Januar 20 haben. Sie haben nicht nur erkannt, dass da etwas neues ist, sondern die wahrscheinliche Ursprungsregion eruiert (ein Lebensmittelmarkt mit lebenden Tieren), herausgefunden um was es sich handelt (Coronavirus), wo dieser Virus eventuell sein natürliches Reservoir hat (Schlangen?, Fledermäuse?) – sie haben auch Massnahmen ergriffen die weitere Ausbreitung einzudämmen, indem sie die Mobilität der Bevölkerung (teils massiv) einschränken. Aus der 11 Millionen-Stadt Wuhan, wo das Virus zuerst auftrat, kommt man wohl aktuell kaum mehr raus und inzwischen riegeln sie weitere umliegende Städte ab. Feste zum chinesischen Neujahr werden gestrichen um Grossansammlungen von Menschen zu verhindern. An Flughäfen im Ausland finden Kontrollen bei der Einreise statt – Fiebermessen hauptsächlich. Erhöhte Körpertemperatur sieht man mit den geeigneten Methoden schon von weitem.

Es ist auch noch unklar, wie schlimm der neue Coronavirus wirklich ist. Er macht eine Lungenetzündung und Grippeartige Symptome. Bisher (Stand Samstag 25.1.2020) liegt die Zahl der Infizierten bei 1280 (das sind die nachgewiesenen Fälle – es dürften noch einige mehr sein). 41 davon sind gestorben. Im Vergleich dazu die Vogelgrippe SARS von 2002: Bei der Sars-Pandemie waren 2002/03 von China ausgehend weltweit rund 8000 Personen an der Lungeninfektion erkrankt. Knapp 800 starben. Und die normale Grippe: davon sind jährlich über 10% – 20% der Bevölkerung weltweit betroffen und es sterben abertausende an den Komplikationen. Dafür haben wir eine Impfung, die mehr genutzt werden könnte, aber die Influenza gilt im Auge der Öffentlichkeit als relativ „unspektakulär“.

Übrigens: der H1N1 Virus der Schweinegrippe um den 2009 derselbe Aufruhr herrschte wie heute um den Coronavirus ist heute Bestandteil der Grippeimpfungen, da er seitdem ebenso regelmässig auftritt.

Ich warte noch etwas mit dem Ordner. Aber die Masken stocke ich vielleicht trotzdem wieder auf.

Wacky Warning Labels

Vielleicht passend zum Post „auf dem Weg zur korrekten Dosierungsanweisung

Warnhinweis auf einer normalen Papiermaske

so einer: (seit der Schweinegrippe-hysterie haben einige von Euch die wohl auch zu Hause)

Überraschung! Die Maske liefert keinen Sauerstoff!

Gefunden auf Wacky Warning Labels  – einer Seite, die im Klage-freudigen Amerika versucht etwas mehr Vernunft in das Rechtwesen zu bringen:

“Absurd and silly labels surround us in everyday places – because America has a lawsuit-happy culture that must be changed!”

Die Firmen, die solche Warnhinweise auf ihre Produkte drucken, versuchen damit eventuelle Rechtsstreitereien zu verhindern. Und derartiges findet sich auch immer mehr auf unseren Produktepackungen.

Danke an den Monsterdoc: der chefarzt ist ja der Chef der Papiermasken – und musste darum für ein Demobild herhalten :-)

Maskiertes

Kundin: „Ich hätte gerne eine Maske.“

Drogistin (schon auf dem Weg in die Kosmetikabteilung): „Von welcher Linie darf es denn sein?“

Kundin: Grosses Fragezeichen im Gesicht, dann sieht sie, wo sie hinlaufen: „Oh. Ich meinte einen Mundschutz …“.

Das war noch ganz am Anfang von dem Schweinegrippe-Medienrummel.

Inzwischen haben wir uns schon so an die Anfragen gewöhnt, dass wir es andersrum missverstehen.

So wie am Freitag – ich beim Kontrollieren der Bestellungen: „Da ist eine Maske von Börlind nicht lieferbar.“

Pharmaassistentin: „Börlind macht Masken???“

Ich (brauche einen Moment, bis ich das verstehe): „Nicht die Art!“

Ein paar Leute machen auch aus dem Maske-tragen das Beste:

weitere Beispiele findet man hier.

Ich persönlich bin ja schon froh, dass sich die Schweizer Behörden trotz Pandemie-Warnstufe 5 dagegen entschieden haben, uns in der Apotheke nur noch mit Maske bedienen zu lassen. Das wäre dann wirklich Panikmache. Stell Dir vor, wie das aussieht, wenn Du in eine Apotheke gehst und das ganze Bedienpersonal läuft mit Masken (und Schutzbrillen) herum!