die besten Kunden

Mal wieder etwas positives Zwischendurch (man könnte sonst meinen, mein Tag besteht nur aus nervenden Kunden):

Ich habe Kunden die mich inspirieren mit ihrem Willen zu leben und zu kämpfen und die wirklich ganz wunderbare Persönlichkeiten sind. Ich habe mit manchen gelacht, mit anderen geweint und mein Herz ist für manche gebrochen, wenn es kein Weg gab, ihnen zu helfen und die Medikamente nicht (mehr) wirkten.

In meinen Augen gibt es bei weitem mehr gute und freundliche Kunden … nur halt an manchen Tagen nicht.

Wie wunderbar unsere Kunden und Patienten sind, hat sich auch in den letzten (Fest-)Tagen wieder gezeigt. Einige sind gekommen, nur um uns "schöne Weihnachten" oder "einen guten Rutsch" zu wünschen.

Unser neuer Lehrling hat das sehr erstaunt zur Kenntnis genommen: "Wir haben schon liebe Kunden. Die kommen vorbei und sagen 'Danke'!"

Das ist sowas von toll!

Das ist für den Magen!

Der Patient bekommt (auf Rezept) Flector Tabletten.

Ich lege sie ihm hin und will ihm gerade die Einnahme erklären, da greift der Patient nach den Packung und sagt …

Patient: „Ah, das ist für den Magen!“

Pharmama: „Ah, nicht wirklich, wie kommen Sie darauf?“

Es könnte ja sein, dass der Arzt ihm etwas anderes aufschreiben wollte als das Schmerzmittel (das Diclofenac enthält und nicht wirklich gut ist für den Magen), also frage ich besser nach.

Patient: „Da steht Magensaftresistente Tabletten auf der Packung.“

Oh, darum. Nein, für den Magen sind sie trotzdem nicht, aber die Tabletten wurden so gemacht, damit sie ganz durch den Magen kommen und der Wirkstoff erst im Darm abgegeben wird.

Ich finde es etwas ungeschickt angeschrieben. Für was es wirklich ist, steht zwar auch drauf, aber … welcher medizinische Laie weiss schon was Antiphlogistikum oder Analgetikum bedeutet? Bei Antirheumatikum kann man sich vielleicht noch denken, dass das gegen Rheuma ist, aber … weshalb schreibt man das nicht an mit Schmerz- und Entzündungshemmendes Mittel?

Kein Problem

Kundin in der Apotheke:

"Bitte geben sie mir ein Schmerzmittel ohne Penicillin drin, Da bin ich hochgradig allergisch drauf !"

Das könnte ich nicht mal, wenn ich wollte … Penicillin ist ein Antibiotikum und hat eine spezielle Struktur. Kreuzallergien gibt es nur mit Sachen mit ähnlicher Struktur – also andere Antibiotika wie zum Beispiel Cephalosporin oder Amoxicillin. Theoretisch noch gegen einige (Schimmel-)Pilze. Aber: keine andere Medikamente und also auch keine Schmerzmittel.

Kein Problem.

Amüsanter Versprecher

Patient: "Ich hätte gerne das Anthrax vom Rezept."

Atarax. Wenn der Arzt ihnen Anthrax aufgeschrieben hätte, wären Sie jetzt wohl nicht mehr hier.

Aber es ist so: Medikamentennamen sind schwierig. Sieht man auch hier:

Medikamentennamen sind schwierig (1)

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Medikamentennamen sind schwierig (4)

Medikamentennamen sind schwierig (5)

Medikamentennamen sind schwierig (6)

Es gibt keine dummen Fragen …

Es gibt keine dummen Fragen. Aber es gibt Leute, die fragen nur, damit gefragt ist. Scheint mir jedenfalls so. Beispiel?

Die Pharmaassistentin (PA) berät eine Kundin. Ich höre mit halbem Ohr zu.

Kundin: „Was ist der Unterschied zwischen diesen?“ (legt verschiedene Schmerzmittel mit Ibuprofen auf die Theke)

PA: „Sie haben alle den selben Wirkstoff, es sind einfach unterschiedliche Hersteller.“

Kundin: „Warum ist dieses hier günstiger als das da?“

… Ich bekomme selber einen Kunden und kann darum nicht weiter zuhören, aber als ich fertig bin – etwa 10 Minuten später, ist die PA immer noch an derselben Frau.

„He, und was ist das?“ Zeigt das Fläschchen Betadine, das sie mitgebracht hat.

PA: (ich merke, dass sie langsam genervt ist): „Das ist ein Desinfektionsmittel für Wunden.“

Kundin: „Kann ich das auch in den Mund machen oder schlucken?“

PA: „Nein, es ist nicht für die Anwendung für Schleimhäute gedacht und auch nicht zum einnehmen.“

Kundin: „Dann ist es nicht gegen Bakterien? Ich habe eine Infektion.“

PA: „Wenn sie das im Mund anwenden oder einnehmen, könnte es ihnen schlecht werden.“

Kundin: „Und was könnte sonst noch passieren?“

Die PA zählt ein paar Dinge auf

Kundin: „Ach, ich rufe einfach beim ToxZentrum an und frage die. Haben eigentlich Kleider einen Einfluss auf Zahnschmerzen?“

PA: “Was?“

Kundin: „Kleider – unterschiedliche Kleider.“

PA: „Ja … vielleicht.“ (ich glaube im Moment will sie sie nur noch loswerden)

Kundin: „Danke!“

Perfekt für mich

Herr Tswerg ist wieder da. Er macht immer … grenzwertige Komplimente an unsere jungen, weiblichen Mitarbeiter und heute hat er sich Lehrling Minnie als Opfer ausgesucht.

Zuerst komplimentiert er sie über ihre Stimme, die er schon am Telefon gehört habe.

Ein paar Mal. Ich muss in der Zwischenzeit weg, anderes machen.

Als ich zurückkomme ist er immer noch dran.

„Wie gross sind Sie?“

Minnie :“Eins siebzig“

Herr Tswerg: „1 m 70? Das passt ja, ich bin 1. 75! Das ist perfekt. Und Sie sind so hübsch und am Telefon haben Sie eine so hübsche Stimme!“

Perfekt? Für was bitte?

Er hängt immer noch an der Theke herum, und ich merke, wie Minnie sich unbehaglich fühlt. Der Typ ist ihr unheimlich – mal abgesehen von etwa 3 mal so alt wie sie und versucht ganz offensichtlich, sich an sie ran zu machen.

„Wie heissen Sie denn zum Vornamen?“ fragt er

„Das … will ich Ihnen lieber nicht sagen.“

Herr Tswerg (unbeeindruckt): „Auf ihrem Namensschild steht M. Wander. Dann nenne ich Sie einfach Martina!“

Minnie: „Also mir ist es lieber, wenn wir bei den Nachnamen bleiben …“

Höchste Zeit, etwas zu tun.

… Also lasse ich das Telefon läuten (Anruf vom Handy hinten), dann gehe ich nach vorne und sage zu Minnie: „Du hast ein Telefon von deinem Freund.“

Erst ein verwirrter Blick – dann ich lauter: „Ich habe es hinten auf Pause gestellt, er wartet!“

Dankbar verschwindet sie nach hinten.

Nicht dass ich denke, dass das reicht um ihn abzuschrecken. Auch das nicht, dass ich ihm sage, dass er auch von mir nicht ihren Vornamen bekommt und gefälligst (Bitte, Danke) beim Sie zu bleiben habe.

Der kommt wieder.