Unverständliches

Unleserliche Rezepte sind eines der (wenigen) Dinge, die ich in der Apotheke nicht ausstehen kann.

Sie verursachen enorme Mehrarbeit – ich muss es entziffern, eventuell die Kundin fragen was oder für was es ist und dann noch sicherheitshalber dem Arzt nachtelefonieren. Denn unleserliche Rezepte sind auch ein Sicherheitsrisiko: was, wenn ich mal versehentlich das falsche abgebe? Das ist eine Gesundheitsgefährdung und gibt noch mehr Arbeit das wieder – so möglich – in Ordnung zu bringen.

Letzten Samstag hatte ich ein Rezept, das ich tatsächlich nicht lesen konnte. Nada, njet, nix. Es hätte genausogut in arabisch oder chinesisch geschrieben sein können. Ich konnte es nicht entziffern (und ich bin sonst wirklich gut!), die Pharmaassistentin auch nicht, die Kundin hatte keine Ahnung für was es ist (das lasse ich hier mal unkommentiert) und der Arzt war – wie Samstag so üblich nicht erreichbar.

Weil die Kundin nicht aus der Gegend war, blieb mir nichts übrig als ihr das Rezept achselzuckend wieder zurückzugeben.

Das ist frustrierend.

Für sie und für mich.

Höhenkrankheit

Frau: „Ich glaube ich habe die Höhenkrankheit, seit ich letzthin mit dem Flugzeug geflogen bin.“

Pharmaassistentin „Das kann kaum sein, es sei denn sie haben während dem Flug auf dem Flügel gesessen.“

Man kann übrigens trotzdem bei langen Flugreisen eine abgemilderte Form der Höhenkrankheit bekommen, weil die Fluggesellschaften den Luftdruck nicht so hoch anheben (Standard ist ein Luftdruck wie auf etwa 2000 m.ü.m). Die Symptome sind dann Schwindel, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, die aber bald nach der Landung wieder verschwinden.

(Viel) mehr Info zur richtigen Höhenkrankheit hier.

Nicht auf den Mund …

Telefon.

Kunde: „Kann man Herpes bekommen vom Küssen?“

Apothekerin: „Wenn die andere Person es hat, ja.“

Kunde: „Und was ist mit der Variante auf dem Mund?“

Apothekerin: „Entschuldigung?“

Kunde: „Ich habe sie nicht auf den Mund geküsst …“

Apothekerin (gibt sich mental eine Ohrfeige): „Ja, auch dann.“

Lippenherpes (Herpes labialis) auch Fieberbläschen genannt und Herpes (Herpes genitalis) werden beide von Herpes simplex Viren verursacht. Der Lippenherpes mehr vom Typ 1, Genitalherpes mehr vom Typ 2.

Aber man kann auch vom Genitalherpes Fieberblasen bekommen….

Baby … was?

Drogistin zur Kundin in der Babyfoodabteilung: „Hallo, kann ich ihnen helfen?“

Kundin: „Verkaufen sie Baby Mayonnaise?“

Drogistin: „…Nein. Ernsthaft, ich glaube nicht, dass es das überhaupt gibt.“

Kundin: „Nicht??“

Es gibt ja inzwischen sehr viel im Bereich Babynahrung. Ich meine nicht nur die Anfangsmilchen und die Fertigbreis (die sehr praktisch sind). Da gibt es Spezialgetränke, Kinderbiscuits, Kinderjoghurt, Kinderpasta. Die Spezialgetränke bestehen hauptsächlich aus Mischungen von Tees (Fenchel, Fruchttee oder Rooibos) mit etwas Apfelsaft oder anderem Fruchtsaft. Das kann man auch sehr einfach selber machen. Die Biscuits sind oft sehr süss, da kann man auch diese Leibnitz Kekse nehmen. Die Joghurt … sind einfach kleinere Portionen als die Erwachsenenjoghurts und die Pasta (wie Plasmon) – sehr beliebt bei italienischstämmigen Eltern – ist einfach etwas kleiner. Im Prinzip sind das alles Dinge, wo man auch gut die normalen Esswaren nehmen kann.

Aber Baby-Mayonnaise? Nö. Da würde ich auch nicht die normale nehmen. Zu oder für was braucht ein Baby schon Mayo?

Forschung und Entwicklung im Kleinformat

Telefon, Frau: „Guten Tag, ich bräuchte eine Auskunft. Ich muss wissen, was und wie viel Konservierungsmittel ich in eine selbst gemachte Salbe machen muss, damit sie haltbar wird.“

Apothekerin: „Da kann ich ihnen nicht viel helfen, ich kann ihnen zwar sagen, was für Konservierungsmittel es gibt und in was für Konzentrationen sie normalerweise angewendet werden, aber es kommt sehr darauf an, was sonst noch in der Salbe drin ist. Da müssen Sie halt probieren.“

Frau: „Ich versuche Salbenmischungen mit frischem Gemüse und Obst drin haltbar zu machen um sie nachher zu verkaufen.“

Apothekerin: „Frische Früchte und Gemüse? Oh, das wird schwierig.“

Frau:  „Da muss es doch irgendwelche Vorschriften geben?“

Apothekerin: „Tut mir leid, nein. Die Entwicklung neuer Salben und Cremen braucht viel Zeit und Geduld, weil man probieren muss was geht. Und zum schauen, wie lange sie haltbar sind, müssten sie mit Proben Stabilitätsprüfungen durchführen – oder von Firmen durchführen lassen.“

Frau:Könnten sie mir das nicht machen?“

Apothekerin:  (denkt sich: für wie viel wohl – und wer kümmert sich in den paar Monaten um die Kunden?): „Nein. Das ist viel zu Zeitaufwändig. Vielleicht kann ihnen die BAG oder swissmedic weiterhelfen?“

In der Apotheke stellen wir noch ab und zu Salben her oder machen (häufiger) Mischungen aus Salben mit Wirkstoffen. Eine gute Sammlung von Vorschriften und Rezepturen sowie Kompatibilitätslisten findet sich auf www.magistralrezepturen.ch.

Für die Herstellung müssen die Regeln der GMP (Good Manufacturing Practice) eingehalten werden. Das bedeutet: Hygienevorschriften und mehr.  Selbst dann gibt es für die hergestellten Produkte nicht eigentliche Haltbarkeitsangaben sondern Aufbrauchsfristen. Und die sind auch bei konservierten Produkten nicht sehr lange – eben weil man es nicht testen kann.

Leider scheint das Rezeptieren eine immer mehr aussterbende Kunst zu sein – die neuen Hautärzte verschreiben praktisch nur noch fertige Spezialitäten. Schade eigentlich.