Trickbetrug in der Apotheke

Diese Warnung kam letzthin per Fax über eine Trickbetrügerin:

Eine Frau bezahlte etwas für ca. Fr. 5.00 mit einer 200er Note. Nachdem Sie das Retourgeld erhielt, äusserte sie noch zwei neue Wünsche und verwickelte die Mitarbeiterin in ein Gespräch, so dass diese vergass, die 200er Note in der Kasse zu versorgen. Als die Mitarbeiterin die Kasse verliess, um das gewünschte Medikament zu holen, lag die 200er Note immer noch bei der Kasse, unter der Tastatur eingeklemmt. Die Kundin entwendete darauf die 200er Note über die Theke hinweg und verliess sofort die Apotheke.

Ich lege die gefaxte Info für unsere Mitarbeiter zum lesen auf – damit sie in Zukunft auch vorsichtig sind. Sagt der eine Lehrling zu mir: „Und der ganze Aufwand für 5 Franken?“
Sage ich: „Nein, nicht 5 Franken. 195 Franken: Sie hat ja das Rückgeld UND ihren eigenen Schein wieder mitgenommen!“

Das erinnert mich an einen Fall, den wir bei uns einmal hatten. Einer Stammkundin kommt beim Bezahlen an der Kasse in den Sinn, dass sie noch etwas aus der Kosmetik möchte. Sie und die Drogistin gehen zu dem Steller, die Kundin lässt ihre Geldnote bei der Kasse liegen – es wurde erst ein Teil getippt und noch nichts einkassiert.

In der Zwischenzeit kommt ein anderer Kunde an die Kasse und eine andere Mitarbeiterin kommt zum einkassieren. Der Kunde nimmt einfach die Note (unbemerkt von der Mitarbeiterin) und bezahlt damit! Als die Stammkundin mit der Drogistin an die Kasse zurückkommt ist die Note dementsprechend weg.
Es folgt eine kurze Diskussion darüber, ob das jetzt wohl ein Diebstahl an uns oder an der Kundin war. Die Kundin ist der Meinung, dass sie uns die Note ja gegeben hätte (eigentlich nicht, sie hat sie einfach liegenlassen) und darum sollten wir das als bezahlt anschauen. Angesichts der Tatsache, dass sie eine Stammkundin ist liessen wir das durchgehen. Halt ein Verlust für uns.

Aber von da an weisen wir die Kunden in ähnlichen Situationen darauf hin, dass sie auf IHR Geld aufpassen müssen – es gibt da auch welche, die gleich das Portmonne liegenlassen. Ja, auch in Läden wird gestohlen – weniger von den Mitarbeitern vielleicht als von den Kunden, wenn sie unaufmerksam sind!

Zum Aktionspreis

Kunde kommt und fragt (ohne Hallo, Guten Tag oder Grüetzi): „Wieviel kostet die Voltaren dolo Salbe?“

Ich sage es ihm: „23 Franken 10 für die grosse Tube“ (Ja, ich kann das auch ohne Begrüssung)

Kunde: „Das kann nicht sein, das letzte Mal habe ich nur etwa 19 Franken bezahlt.“

Pharmama: „Schon möglich. Wo und wann war das?“

meint er: „Hier, im November oder so.“

Pharmama: „Ja, das ist möglich, da hatten wir eine Aktion: Jetzt sind sie 23.10.-“

Kunde: „Ich kann sie also nicht für  19 Franken bekommen?“

Pharmama: „Doch.  ….bei unserer nächsten Aktion. Im Oktober oder so….“

Ich glaube ich erinnere mich sogar an ihn. Er hat damals grad einen Vorrat von 4 oder 5 Tuben gekauft. Damals habe ich ihn darauf hingewiesen, dass er bei längerer Anwendung vielleicht mal einen Arzt aufsuchen sollte.

Weisheiten aus Pharmamas Apotheke

  • Wenn ich sage, dass wir etwas nicht an Lager haben, dann wird die Frage „Sind sie sicher?“ das Produkt nicht magisch erscheinen lassen.
  • Vor 9 Uhr morgens bin ich nur bedingt ansprechbar. Ja, ich bin ein Morgenmuffel. Nein, Kaffee hilft da auch nicht.
  • Ich habe kein schlechtes Gewissen den Fresszettel den Sie anstelle der Versicherungskarte mitgebracht haben abzulehnen – vor allem wenn die Info darauf nicht korrekt ist.
  • Ich werde einen Vorbezug machen, auch zwei, aber wenn ich merke, dass sie nicht selbst um die Rezepte dafür besorgt sind, gibt es keinen dritten.
  • Ich arbeite gerne, aber ich arbeite um zu leben, ich lebe nicht um zu arbeiten.
  • Reichtum und Berühmtheit beeindrucken mich nicht und ändern mein Verhalten in der Apotheke ihnen gegenüber auch nicht.
  • Bestechung mit Schokolade funktioniert dagegen normalerweise.
  • Ich bevorzuge zufriedene Kunden und werde alles tun, damit Sie es auch sind. Wenn Sie nicht zufrieden sind … vielleicht haben Sie ja auch unrealistische Vorstellungen oder sonstige Probleme die ich nicht lösen kann?
  • Wie man sich einer Verkäuferin (also auch Drogistin, Pharmaassistentin oder Apothekerin) gegenüber verhält, sagt viel über den Charakter einer Person aus.
  • Wenn ich erkläre, dass ein Produkt nachmittags um 4 Uhr da ist, bringt es gar nichts, wenn sie um 2 Uhr kommen um es abzuholen.
  • Fragen Sie nicht, tönen Sie nicht an und versuchen Sie’s gar nicht erst: ich werde die Krankenkassen nicht betrügen, indem ich etwas anderes abgebe als verrechne.
  • Ich habe gelernt, dass Arm nicht Dumm bedeutet und Reich nicht Intelligent.
  • Ich kann Charakter ziemlich gut einschätzen. Ich kann auch den Unterschied zwischen einer guten Person, die einen schlechten Tag hat und einem einfachen Arschloch erkennen.
  • Wenn ich ihnen die Anwendung des Medikamentes nicht auf Deutsch (Französisch, Englisch, Italienisch oder Spanisch) erklären kann, kann ich nichts dafür, wenn sie die Anweisungen nicht verstehen.
  • Samstags kann ich den Arzt nicht anrufen. Wenn Sie kein Rezept haben, führe ich nur Notfallmedikamente aus. Dazu gehören Schlafmittel nicht.

Ich bin sicher es gibt noch mehr …

Fertig Panik!

Heute gehört:

Kundin: „Muss ich die Maske denn zuhause auch tragen?“

Die Kundin lebt alleine und wollte unbedingt Masken haben zur Sicherheit.

Ja, wir haben wieder welche. Nein, auch wenn die WHO Stufe 5 des Pandemieplans ausgerufen hat, ist das kein Grund jetzt gleich nur noch mit Maske das Haus zu verlassen – und Zuhause muss man sie ganz sicher nicht anziehen.

Ich sage: Genug der Panikmache!

Die Kasse

Dinge (und auch Medikamente und Drogerieartikel) kosten Geld. Und da die wenigsten Menschen grad den Betrag passend haben – oder aber keine Zeit zum Münz heraussuchen, haben wir natürlich eine Kasse. Eine mit einer Menge Münz darin und gegen Ende des Tages hoffentlich auch einigen Noten.

Die Kasse zu bedienen ist keine Kunst. Der Computer rechnet die eingescannten Produkte selbst zusammen, man kann Sachen sogar wieder rausnehmen und Gutscheine oder Rabatte anrechnen. Am Schluss hat man ein Total, das der Kunde dann irgendwie begleichen muss: Bar, Kreditkarte, Hosenknöpfe – ok, letzteres eher nicht, obwohl ich schon Münz in der Kasse gefunden habe, das etwa denselben Wert hat. Wieviel ist wohl 1 Zloty wert? Da hat wohl jemand nicht gut aufgepasst.

Nun gut. Meistens bekommen wir ja Noten und eventuell das ungerade in Münz.Dann gibt es Rückgeld: ich persönlich zähle das meist sogar laut heraus.

„Das macht 16 Franken 80“. Ich bekomme eine Fünfzigernote.

Also: Griff in die 20er: „auf 17“, Griff in den 1er: 18“, Griff in den 2er: „20“, Griff in den Noten-20er: „40“, Griff in den Noten-10er: „und auf 50. Danke vielmals. Brauchen sie eine Tasche?“

Da gibt es diesen einen Kunden, der hocherzürnt mit dem Kassabon zurückkam: „Das stimmt so nicht!“ ruft er aus

Was ist passiert? Habe ich ihm falsch herausgegeben?

Nein. Was für ihn nicht stimmte war der Bon. Da gibt es nämlich eine Zeile drauf, wo steht (direkt unter dem Total): Gegeben: CHF 16.80.-

Kunde: „Da müsste stehen CHF 50.-!, ich habe ihnen ja eine 50er Note gegeben!“

Oh ja. Ich entschuldige mich und erkläre ihm, dass das etwas ist, was man machen kann mit der Kasse: man gibt das erhaltene Geld ein und die Kasse berechnet dann auch das Rückgeld. Weil man dazu aber 4-5 Tasten mehr drücken muss, verzichte ich meist darauf. Das geht etwas schneller.

Der Kunde begreift das gar nicht. Er regt sich auf. „Das ist so nicht korrekt! Ich habe ihnen 50 Franken gegeben, nicht 16.80!“

„Entschuldigung“ sage ich: „habe ich ihnen falsch herausgegeben?“

Grummeliges Nein. „Aber die Kasse stimmt am Abend nicht!“ (Er meint sein Portmonnaie, nicht unsere).

Ich biete ihm an, einen neuen, ‚korrekten’ Bon herauszulassen. Es dauert etwas, weil ich den alten löschen muss und einen neuen Verkauf machen muss – man kann abgeschlossene Bons nicht einfach wieder öffnen. Er regt sich immer noch auf.

„Ich begreife einfach nicht, warum das nicht automatisch geht! Im Coop schaffen sie das jedesmal problemlos“ – ich verkneife mir die Bemerkung, dass im Coop 1., die Preise nicht auf den Waren stehen und es darum öfters vorkommt, dass dann der Bon nicht stimmt (nur merkt er das sicher nicht) und 2. dass ich dort schon häufiger falsch rausbekommen habe, ob da ein ‚gegeben’ draufsteht oder nicht.

Meine Mitarbeiter wissen seitdem alle, was sie bei ihm machen müssen. Interessant ist, dass sobald wir eine neue Mitarbeiterin (oder Lehrling) haben, er immer auf die zusteuert – damit er wieder dasselbe Theater abziehen kann.

Ich glaube er braucht das.

Feierabend!

Telefonanruf um halb sechs am Samstag: „Wann schliessen sie?“

Pharmama: „Um 6“.

Anrufer: „Dann kann ich ihnen jetzt das Rezept rasch vorbeibringen und um 7 Uhr abholen?“

Pharmama: „Äääh,  nein.“