Weisheiten aus Pharmamas Apotheke

  • Wenn ich sage, dass wir etwas nicht an Lager haben, dann wird die Frage „Sind sie sicher?“ das Produkt nicht magisch erscheinen lassen.
  • Vor 9 Uhr morgens bin ich nur bedingt ansprechbar. Ja, ich bin ein Morgenmuffel. Nein, Kaffee hilft da auch nicht.
  • Ich habe kein schlechtes Gewissen den Fresszettel den Sie anstelle der Versicherungskarte mitgebracht haben abzulehnen – vor allem wenn die Info darauf nicht korrekt ist.
  • Ich werde einen Vorbezug machen, auch zwei, aber wenn ich merke, dass sie nicht selbst um die Rezepte dafür besorgt sind, gibt es keinen dritten.
  • Ich arbeite gerne, aber ich arbeite um zu leben, ich lebe nicht um zu arbeiten.
  • Reichtum und Berühmtheit beeindrucken mich nicht und ändern mein Verhalten in der Apotheke ihnen gegenüber auch nicht.
  • Bestechung mit Schokolade funktioniert dagegen normalerweise.
  • Ich bevorzuge zufriedene Kunden und werde alles tun, damit Sie es auch sind. Wenn Sie nicht zufrieden sind … vielleicht haben Sie ja auch unrealistische Vorstellungen oder sonstige Probleme die ich nicht lösen kann?
  • Wie man sich einer Verkäuferin (also auch Drogistin, Pharmaassistentin oder Apothekerin) gegenüber verhält, sagt viel über den Charakter einer Person aus.
  • Wenn ich erkläre, dass ein Produkt nachmittags um 4 Uhr da ist, bringt es gar nichts, wenn sie um 2 Uhr kommen um es abzuholen.
  • Fragen Sie nicht, tönen Sie nicht an und versuchen Sie’s gar nicht erst: ich werde die Krankenkassen nicht betrügen, indem ich etwas anderes abgebe als verrechne.
  • Ich habe gelernt, dass Arm nicht Dumm bedeutet und Reich nicht Intelligent.
  • Ich kann Charakter ziemlich gut einschätzen. Ich kann auch den Unterschied zwischen einer guten Person, die einen schlechten Tag hat und einem einfachen Arschloch erkennen.
  • Wenn ich ihnen die Anwendung des Medikamentes nicht auf Deutsch (Französisch, Englisch, Italienisch oder Spanisch) erklären kann, kann ich nichts dafür, wenn sie die Anweisungen nicht verstehen.
  • Samstags kann ich den Arzt nicht anrufen. Wenn Sie kein Rezept haben, führe ich nur Notfallmedikamente aus. Dazu gehören Schlafmittel nicht.

Ich bin sicher es gibt noch mehr …

Fertig Panik!

Heute gehört:

Kundin: „Muss ich die Maske denn zuhause auch tragen?“

Die Kundin lebt alleine und wollte unbedingt Masken haben zur Sicherheit.

Ja, wir haben wieder welche. Nein, auch wenn die WHO Stufe 5 des Pandemieplans ausgerufen hat, ist das kein Grund jetzt gleich nur noch mit Maske das Haus zu verlassen – und Zuhause muss man sie ganz sicher nicht anziehen.

Ich sage: Genug der Panikmache!

Die Kasse

Dinge (und auch Medikamente und Drogerieartikel) kosten Geld. Und da die wenigsten Menschen grad den Betrag passend haben – oder aber keine Zeit zum Münz heraussuchen, haben wir natürlich eine Kasse. Eine mit einer Menge Münz darin und gegen Ende des Tages hoffentlich auch einigen Noten.

Die Kasse zu bedienen ist keine Kunst. Der Computer rechnet die eingescannten Produkte selbst zusammen, man kann Sachen sogar wieder rausnehmen und Gutscheine oder Rabatte anrechnen. Am Schluss hat man ein Total, das der Kunde dann irgendwie begleichen muss: Bar, Kreditkarte, Hosenknöpfe – ok, letzteres eher nicht, obwohl ich schon Münz in der Kasse gefunden habe, das etwa denselben Wert hat. Wieviel ist wohl 1 Zloty wert? Da hat wohl jemand nicht gut aufgepasst.

Nun gut. Meistens bekommen wir ja Noten und eventuell das ungerade in Münz.Dann gibt es Rückgeld: ich persönlich zähle das meist sogar laut heraus.

„Das macht 16 Franken 80“. Ich bekomme eine Fünfzigernote.

Also: Griff in die 20er: „auf 17“, Griff in den 1er: 18“, Griff in den 2er: „20“, Griff in den Noten-20er: „40“, Griff in den Noten-10er: „und auf 50. Danke vielmals. Brauchen sie eine Tasche?“

Da gibt es diesen einen Kunden, der hocherzürnt mit dem Kassabon zurückkam: „Das stimmt so nicht!“ ruft er aus

Was ist passiert? Habe ich ihm falsch herausgegeben?

Nein. Was für ihn nicht stimmte war der Bon. Da gibt es nämlich eine Zeile drauf, wo steht (direkt unter dem Total): Gegeben: CHF 16.80.-

Kunde: „Da müsste stehen CHF 50.-!, ich habe ihnen ja eine 50er Note gegeben!“

Oh ja. Ich entschuldige mich und erkläre ihm, dass das etwas ist, was man machen kann mit der Kasse: man gibt das erhaltene Geld ein und die Kasse berechnet dann auch das Rückgeld. Weil man dazu aber 4-5 Tasten mehr drücken muss, verzichte ich meist darauf. Das geht etwas schneller.

Der Kunde begreift das gar nicht. Er regt sich auf. „Das ist so nicht korrekt! Ich habe ihnen 50 Franken gegeben, nicht 16.80!“

„Entschuldigung“ sage ich: „habe ich ihnen falsch herausgegeben?“

Grummeliges Nein. „Aber die Kasse stimmt am Abend nicht!“ (Er meint sein Portmonnaie, nicht unsere).

Ich biete ihm an, einen neuen, ‚korrekten’ Bon herauszulassen. Es dauert etwas, weil ich den alten löschen muss und einen neuen Verkauf machen muss – man kann abgeschlossene Bons nicht einfach wieder öffnen. Er regt sich immer noch auf.

„Ich begreife einfach nicht, warum das nicht automatisch geht! Im Coop schaffen sie das jedesmal problemlos“ – ich verkneife mir die Bemerkung, dass im Coop 1., die Preise nicht auf den Waren stehen und es darum öfters vorkommt, dass dann der Bon nicht stimmt (nur merkt er das sicher nicht) und 2. dass ich dort schon häufiger falsch rausbekommen habe, ob da ein ‚gegeben’ draufsteht oder nicht.

Meine Mitarbeiter wissen seitdem alle, was sie bei ihm machen müssen. Interessant ist, dass sobald wir eine neue Mitarbeiterin (oder Lehrling) haben, er immer auf die zusteuert – damit er wieder dasselbe Theater abziehen kann.

Ich glaube er braucht das.

Feierabend!

Telefonanruf um halb sechs am Samstag: „Wann schliessen sie?“

Pharmama: „Um 6“.

Anrufer: „Dann kann ich ihnen jetzt das Rezept rasch vorbeibringen und um 7 Uhr abholen?“

Pharmama: „Äääh,  nein.“

Schwangerschaftstests (2)

Schwangerschaftstests sind immer für ein paar Fragen und manchmal interessante Situationen gut. Ein paar Sachen habe ich ja schon hier erwähnt.

Ich meine, da ist z.B. das Problem, wenn wir mal einen für die Patientin durchführen müssen. Wie sagt man ihr das Testergebnis am besten? Ich weiss ja nicht, ob ich sagen kann: „Gratuliere, sie sind schwanger!“ oder „Es tut mir leid, … „. Im Normalfall beschränke ich mich erst mal auf: „Der Test war positiv / negativ“ und schaue dann, wie sie reagiert.

Aber die meisten testen ja zuhause. Da gibt es doch ein paar Unterschiede in der Sensitivität der Teste, also ab wann man testen kann.

Die Patientin wiederholt, was ich ihr über Schwangerschafts-tests gesagt habe: „Also, Sie sagen, ich kann Fortel etwa 3-4 Tage vor der erwarteten Periode durchführen, oder ich nehme den Clear Blue Test für wenn ich darüber bin … und welchen Test nehme ich, wenn ich meine Periode bekomme?“

Aufgestellte junge Frau: Wie früh kann ein Schwangerschaftstest anzeigen, dass ich schwanger bin?“

Apothekerin: „Nun, sie sind alle recht zuverlässig, aber es gibt schon ein paar Unterschiede. Warum? Von wie früh reden wir denn?“

Frau: (mit riesengrossem Grinsen) „Oh, von letzter Nacht!“


Erpressungsversuch

Zur Diskussion über die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente ohne Rezept fällt mit das Pärchen ein, das letzhin in der Apotheke war.

Frau (mit Zettel in der Hand): „Ich brauche … eine Bepanthen plus creme und ein Mephi.. Mefa… na, das Lariam Generikum.“

Pharmama: „Sie brauchen ein Malariamittel?“

Frau: „Es ist nicht für mich, es ist für meinen Mann hier – zieht ihn heran – er geht übernächste Woche einige Zeit zurück nach XY (ein Zentralafrikanisches Land) seine Heimat und da braucht er ein Malariamittel als Prophylaxe ….“

(Interveniert er auf Französisch: „Als Notfallmittel!“ Sie zurück auch auf französisch: „Nein, als Prophylaxe!“).

Pharmama: Was sie meinen ist das Mephaquin, aber das ist Rezeptpflichtig, dafür müssen sie vorher zum Arzt.“

Frau: „Was? Nur wegen dem zum Arzt? Er hat es aber auch schon gehabt!“

Pharmama: Es ist Liste A und damit verschärft Rezeptpflichtig. Es muss sein.“

Frau: „Sie wollen es mir also nicht geben? Was, wenn er geht und dann Malaria bekommt, weil er das Mittel nicht hat, dann sind Sie schuld wenn …“

Pharmama: (denkt: ‚Oh, versuchen wir, die Apothekerin zu erpressen?‘ :-/ ) „Sie haben eben gesagt, er geht erst in 2 Wochen. Das ist genug Zeit zum Arzt zu gehen. Im Notfall gibt es auch das Tropeninstitut, wo sie sehr rasch ein Rezept bekommen.“

Frau: „Aber der Arzt kostet! Ich will nicht noch mehr … können sie es mir nicht einfach geben? Muss ich wirklich noch andere Apotheken dafür abklappern?“

Pharmama: denkt: ‚Aha, noch ein Erpressungsversuch‘ und schaut sie einfach wartend an.

Frau: „Fein.“

Zahlt das Bepanthen und geht.

Merke: Nur weil sie nicht zum Arzt gehen wollen ist das für mich kein Grund ein Medikament das Rezeptpflichtig ist abzugeben. Und das Geld für die Reise haben sie offensichtlich auch aufbringen können, also … Ausserdem lasse ich mich nicht erpressen. Da reagiere ich ziemlich allergisch drauf.