Fragen Sie …. wen?

Das finde ich gelegentlich hochgradig frustrierend:

Da kommt jemand mit einem (medizinisch lösbaren) Problem in die Apotheke, die Apothekerin schaut sich die Sache an und überlegt sich eine wirksame und machbare Behandlung und versucht ihnen zu sagen, was sie machen sollen … und dann hört die Person einfach nicht auf die fachliche Beratung!

So geschehen auch letzthin, als eine Frau mit Sonnenbrille kam. Hinter der Sonnenbrille waren ein paar ziemlich entzündete rote Augen und geschwollene Liddeckel, zusätzlich verklebt mit etwas weissem, was sich später als Nivea Creme herausstellte.

Ihr Problem: Ihr war beim eincremen etwas Gesichtscreme in die Augen geraten, was diese nicht gut tolerierten. Das war gestern, heute sind sie sehr rot und die Lider schmerzen etwas. Die Nivea Creme hat sie draufgemacht, um es etwas zu lindern.

Ok. Erstens: NIE Gesichtscreme um die Augen herum auftragen, und ganz sicher nicht Nivea (das ist eine sehr fette Salbe, keine Creme wie die Packung suggeriert). Die Haut ist dort viel empfindlicher und braucht spezielle Grundlagen.

Ich sage ihr: „Machen Sie die Nivea Creme ab. Stattdessen gebe ich ihnen ein Muster Widmer Augencreme für um die Augen.“

Das will sie nicht! „Ich mache das immer so mit der Gesichtscreme, das ist gar kein Problem.“ … (Ja, man siehts!).

Für in die Augen gebe ich ihr abschwellende, entzündungshemmende Augentropfen: „Die können sie auch vorsichtig auf die Lider auftupfen, aber besser wäre es, wenn sie 2-3 x täglich Kompressen machen würde mit Schwarzteebeuteln“.

Oh nein, SIE nimmt Kamille!

Pharmama: „Ok, das geht auch, aber besser wäre …“

Kundin:  „Eigentlich ist mir das zuviel Aufwand. Ich habe ja jetzt die Augentropfen, das müsste wohl reichen.“

Zahlt und geht, wobei sie das Muster Augencreme nicht mittnimmt.

Seufz.

Auch toll ist, wenn die Person mit dem Problem eine Freundin, Freund, Nachbarin, Tochter etc. dabeihat, die dann mitten in der Beratung findet, sie wisse genau was die andere Person braucht, weil sie darüber in einer Zeitschrift / im Internet gelesen hat, es im Fernsehen gesehen oder eine Bekannte mit dem gleichen Problem hat etc.

Und dann kauft die Patientin das, statt auf die Fachperson zu hören.

Da frage ich mich dann manchmal, wofür ich 5 Jahre alles über Arzneimittel und ihre Anwendung studiert habe.

Man kann es nicht allen Recht machen

Das ist etwas, was man in der Apotheke und Drogerie sehr schnell lernt. Natürlich ist es wichtig, dass wir freundlich sind mit den Kunden und ihre Wünsche soweit möglich erfüllen.

Aber manchmal … und da kann man nicht einmal etwas dafür, geht das einfach nicht.

Da war z.Bsp. der alte Mann, der regelmässig seine Valverde Schlaftabletten holen kam (meist auf Rezept, manchmal auch ohne).

Jedenfalls kam die Firma auf die Idee die Packungen zu ändern. Von unterschiedlichen Farben vorher (in dem Fall blau) alle zu Rosa (Brrrrr, ehrlich: WAS habt ihr Euch dabei gedacht?).

Es steht natürlich immer noch Valverde Schlafdragees drauf.

Kunde: „Das ist nicht das, was ich will!“

Pharmama: „Ich weiss, es sieht neu anders aus. Sie haben die Packung aussen geändert. Aber sehen Sie: es sind die Valverde Schlafdragees, die sie immer hatten“ (Ich zeige ihm sogar die Tabletten innen)

Es nützt nichts.

Er glaubt mir nicht und geht ohne.

Etwas später steht er wieder in der Apotheke mit einer Packung Valverde Schlafdragees – in blau.

Kunde: Sehen Sie: das sind die die ich wollte. Ich habe sie jetzt in einer anderen Apotheke geholt, weil sie sie nicht mehr haben.“

Pharmama: „Gut Möglich, dass die noch ein paar alte Packungen an Vorrat hatten, aber spätestens wenn sie nachbestellen müssen … bekommen auch sie die neuen Rosaroten.“

Der Kunde glaubt mir immer noch nicht und geht, etwas verärgert.

Nach 1 Jahrzehnt Arbeit in der Apotheke habe ich auch die Gelassenheit und Erfahrung , dann ruhig zu bleiben … auch weil ich weiss, dass selbst Kunden die laut ausrufen „Ich komme nie wieder hierher!“ … wiederkommen.

So auch in dem Fall.

Telefonvermittlung

Telefon:  – (es ist Nachmittag und der Laden ist voller Kunden)

Pharmama: Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Apparat“

Mann: Hallo, sind sie die Apotheke beim Kaufhaus …?“.

Pharmama: „Ja.“

Mann: „Verbinden sie mich mit dem Kaufhaus Kundendienst. Ich kann die Nummer nicht finden.“

Pharmama: Das kann ich nicht. Wir sind ein eigenständiges Geschäft, unsere Telefonanlagen sind nicht verbunden.“

Mann: „Dann schicken sie jemanden, der jemanden vom Kundendienst ans Telefon holt.“

Pharmama: „Entschuldigen sie, das kann ich auch nicht, dafür habe ich einfach zuwenig Leute. Rufen sie doch die Auskunft an und fragen sie nach der richtigen Telefonnummer, ok?“

Mann: „Aber…“

Pharmama: „Haben Sie sonst noch eine Frage an die Apotheke?“

Mann:Nein….“

Pharmama: „In dem Fall: auf Wiederhören.“

(Wie gesagt, der Laden war voll).

Kinderdosierung

Kundin: Kann ich bei diesen Augentropfen statt einem ganzen Tropfen auch nur einen halben Tropfen nehmen? – es ist für mein Kind.“

Apothekerin: „Es ist nicht nötig und ich bezweifle dass sie das fertig kriegen nur einen halben Tropfen  aus der Flasche zu bekommen, …. aber falls doch: Ja klar.“

Trickbetrug in der Apotheke

Diese Warnung kam letzthin per Fax über eine Trickbetrügerin:

Eine Frau bezahlte etwas für ca. Fr. 5.00 mit einer 200er Note. Nachdem Sie das Retourgeld erhielt, äusserte sie noch zwei neue Wünsche und verwickelte die Mitarbeiterin in ein Gespräch, so dass diese vergass, die 200er Note in der Kasse zu versorgen. Als die Mitarbeiterin die Kasse verliess, um das gewünschte Medikament zu holen, lag die 200er Note immer noch bei der Kasse, unter der Tastatur eingeklemmt. Die Kundin entwendete darauf die 200er Note über die Theke hinweg und verliess sofort die Apotheke.

Ich lege die gefaxte Info für unsere Mitarbeiter zum lesen auf – damit sie in Zukunft auch vorsichtig sind. Sagt der eine Lehrling zu mir: „Und der ganze Aufwand für 5 Franken?“
Sage ich: „Nein, nicht 5 Franken. 195 Franken: Sie hat ja das Rückgeld UND ihren eigenen Schein wieder mitgenommen!“

Das erinnert mich an einen Fall, den wir bei uns einmal hatten. Einer Stammkundin kommt beim Bezahlen an der Kasse in den Sinn, dass sie noch etwas aus der Kosmetik möchte. Sie und die Drogistin gehen zu dem Steller, die Kundin lässt ihre Geldnote bei der Kasse liegen – es wurde erst ein Teil getippt und noch nichts einkassiert.

In der Zwischenzeit kommt ein anderer Kunde an die Kasse und eine andere Mitarbeiterin kommt zum einkassieren. Der Kunde nimmt einfach die Note (unbemerkt von der Mitarbeiterin) und bezahlt damit! Als die Stammkundin mit der Drogistin an die Kasse zurückkommt ist die Note dementsprechend weg.
Es folgt eine kurze Diskussion darüber, ob das jetzt wohl ein Diebstahl an uns oder an der Kundin war. Die Kundin ist der Meinung, dass sie uns die Note ja gegeben hätte (eigentlich nicht, sie hat sie einfach liegenlassen) und darum sollten wir das als bezahlt anschauen. Angesichts der Tatsache, dass sie eine Stammkundin ist liessen wir das durchgehen. Halt ein Verlust für uns.

Aber von da an weisen wir die Kunden in ähnlichen Situationen darauf hin, dass sie auf IHR Geld aufpassen müssen – es gibt da auch welche, die gleich das Portmonne liegenlassen. Ja, auch in Läden wird gestohlen – weniger von den Mitarbeitern vielleicht als von den Kunden, wenn sie unaufmerksam sind!

Zum Aktionspreis

Kunde kommt und fragt (ohne Hallo, Guten Tag oder Grüetzi): „Wieviel kostet die Voltaren dolo Salbe?“

Ich sage es ihm: „23 Franken 10 für die grosse Tube“ (Ja, ich kann das auch ohne Begrüssung)

Kunde: „Das kann nicht sein, das letzte Mal habe ich nur etwa 19 Franken bezahlt.“

Pharmama: „Schon möglich. Wo und wann war das?“

meint er: „Hier, im November oder so.“

Pharmama: „Ja, das ist möglich, da hatten wir eine Aktion: Jetzt sind sie 23.10.-“

Kunde: „Ich kann sie also nicht für  19 Franken bekommen?“

Pharmama: „Doch.  ….bei unserer nächsten Aktion. Im Oktober oder so….“

Ich glaube ich erinnere mich sogar an ihn. Er hat damals grad einen Vorrat von 4 oder 5 Tuben gekauft. Damals habe ich ihn darauf hingewiesen, dass er bei längerer Anwendung vielleicht mal einen Arzt aufsuchen sollte.