Habe ich oder habe ich nicht?

Telefon in der Apotheke.

Eine ältere Frau: „Ich habe hier meine neuen Tabletten, die ich täglich nehmen muss … jetzt weiss ich nicht mehr, ob ich die heutige Tablette schon genommen habe oder nicht. Was soll ich tun?

Apothekerin: „Sie haben die Packung neu, nicht?“

Frau: „Ja.“

Apothekerin: „Moment, bitte.“

Geht ins Dossier der Frau, sieht, wann die Packung bezogen wurde und rechnet nach.

Apothekerin: „Also, wenn sie an dem Tag begonnen haben, an denen sie die Packung bezogen haben, dann müssten es noch 18 Tabletten darin sein. Wenn sie 19 haben, haben sie sie heute vergessen.“

Kundin: „Oh, danke.“

Bitte sehr!

Worst Case Szenario

Oh ja, er hat mir leid getan, aber ich kann wirklich nichts dafür….

Also. Es kommt am Morgen ein Mann in die Apotheke mit einem Rezept. Kurzer Blick darauf und ich weiss, dass ich 2 der Medikamente bestellen muss … es handelt sich um ziemlich teure Mittel gegen Hepatitis C.

Pharmama: „Ich muss 2 der Mittel bestellen, aber sie sind heute mittag nach 4 Uhr hier.“

Kunde: „Oh gut, ich muss nämlich morgen mit der Therapie anfangen.“

Pharmama (am Computer und alles am eingeben, sieht, dass er noch nie bei uns war): „Haben Sie mir noch ihre Krankenkassenkarte?“

Kunde: „Ja, klar.“

Sagt’s und zückt eine Karte der Assura. Au weia. Über das Problem habe ich schon geschrieben.

Pharmama: „Au weh. Die Assura hat keinen Vertrag mit den Apotheken, da müssen sie in der Apotheke selber zahlen.“

Kunde: „Oh, ok.“ (Offensichtlich hat er keine Ahnung).

Pharmama: „Das sind aber ziemlich teure Medikamente. Haben sie eine Idee wieviel das kostet?“

Kunde: „Nein.“

Pharmama (immer noch eifrig am eingeben): „Also das macht … 2’395 Franken …“

Kunde: WIEVIEL???“

– Ja, eben.

Ich weiss genau wie er sich fühlte – etwa so, wie ich als der Zahnarzt mir erklärte, das das Implantat 3’500.- kostet …

Oh ja, das ist viel, Virenmedikamente sind teuer. Das ist wirklich das „Worst Case Szenario“ … superteure Medikamente die man sofort braucht und dann gleich noch bezahlen muss.

Die Assura zahlt die Medikamente dem Patienten schon zurück, aber sie zahlen nicht direkt an die Apotheke. Dafür empfehlen sie dem Kunden doch nach einer Rechnung zu fragen …. das ist gut und recht, aber wenn der Kunde dann nicht zahlt, kann die Apotheke dem Geld nachrennen …. und da habe ich gerade bei Assura Kunden schon schlechte Erfahrungen gemacht. Ich mache das vielleicht noch bei Stammkunden, aber nicht bei jemandem, der noch nicht hier war.

Das Beste war einmal als mein Vorgänger bei einem eine solche Rechnung gemacht hat. Er hat sie uns nicht bezahlt, sie aber der Krankenkasse eingeschickt … die sie ihm zurückerstattet hat (!) … und dann ist er nach Thailand ausgewandert …

Immer noch nass

Nachdem die Pharmaassistentin am Vortag eine geschlagene Dreiviertelstunde lang ein geeignetes Inkontinenzprodukt für die gebrechliche ältere Frau herausgesucht hat und ihr Muster von 2 Sorten mitgegeben hat, kommt diese wieder zurück und beklagt sich, dass sie immer noch nicht wirklich trockene Unterhosen hat.

Pharmaassistentin: „Welche haben sie den ausprobiert? Die Einlagen oder die Pants?“

Frau: „Beide.“

Pharmaassistentin:Und war eine vielleicht etwas besser?“

Frau: „Nein. Ich habe beide gleichzeitig an, bin aber immer noch nass.“

Pharmaassistentin: „Wie – Gleichzeitig??“

Die Frau erklärt, dass sie die Unterhose an hat und darüber die Pants mit der Einlage drin.

Sie will kaum glauben, dass man entweder die Einlage in die Unterhose macht oder die Pants (die Höschen) statt der Unterhose anzieht.

– Kein Wunder hat sie immer noch das Gefühl es sei nass.

Man hat es ihr übrigens nicht angesehen, dass sie all das (ziemlich dicke Einlage und gepolsterte Höschen) gleichzeitig anhatte. Ein Wunder dass sie noch normal laufen konnte.

Die falsche Anwendung (8)

Da gibt es diese Kundin die fast jeden zweiten Tag kommt und Similasan „nervöse Herzbeschwerden“ Globuli kauft.

Und sie will, dass man beim Fläschen oben den Dosierer wegnimmt. Sie schluckt die Kügelchen gleich halb-glas-weise.

–Irgendwie hat sie das Prinzip der Homöopathie nicht verstanden.

Klassischerweise ist es in der Homöopathie so, dass je potenzierter, desto wirksamer. Potenzieren ist aber verdünnen … man könnte hier auch sagen: „Weniger ist mehr.“

Das oben ist eine klassische Verdünnungsreihe. Dabei wird der Originalstoff (in dem Fall Birkenkohle) mit Mannitol verrieben. D bedeutet es wird in 10er Schritten gearbeitet, d.h. von einem Schritt zum nächsten wird 1 Teil Stoff mit 10 Teilen Mannitol verrieben. Ein D6 bedeutet also z.B. dass es nur noch 0.0001% des Ausgangsstoffes enthält. Aber man arbeitet oft mit noch höheren Verdünnungen, wie z.B. D15 oder D30 – oder man geht in 100er Verdünnungsschritten vor, das sind dann die C-Potenzierungen.

Die normale Dosierung bei den Similasan Globuli (die im Normalfall D12, D15 und D30 Potenzierungen enthalten) ist übrigens 3 x täglich je 5-7 Globuli bei chronischen Beschwerden oder bei akuten Beschwerden kann alle 15 Minuten 5-7 Globuli genommen werden. (Viel mehr Info hier)

Gleich das halbe Glas zu schlucken ist irgendwie nicht der Sinn der Sache … wobei sie sagt, ihr hilft’s.

Entscheidungshilfe

Kunde: „Was ist besser? Algifor-L forte oder Saridon 400?“ *

Pharmaassistentin: „Das ist eigentlich dasselbe, da ist keines besser oder schlechter.“

Kunde: „Ok, also für meine Knieschmerzen, welches nehme ich da?“

Pharmaassistentin: „Welches sie wollen, sie sind gleich.“

Kunde: „Ok, welches wird besser wirken?“

Pharmaassistentin: „Schauen Sie, DA steht Ibuprofen 400mg und HIER steht Ibuprofen 400mg – es ist das gleiche drin!“

Kunde: „Jaaaa … aber da steht ein anderer Name drauf, also MÜSSEN sie unterschiedlich sein.“

Pharmaassistentin: „Nun, die Herstellerfirma ist unterschiedlich.“

so ging es noch ein paar Minuten weiter, dann:

Kunde: „Können sie nicht die Kollegin fragen, welches ich nehmen soll?“

Pharmaassistentin: „Ja, klar.“

Sie kommt zu mir, ich habe das ganze mitbekommen, also mache ich es kurz: „Sag ihm einfach er soll das Saridon* nehmen, das ist kleiner und leichter zu schlucken …“

– manchmal muss man dem Kunden die Entscheidung einfach abnehmen … meist mache ich das mit „Also ich würde …, weil …“

*Es könnte auch Alges-X, Perskindol dolo, Iproben, Dismenol, Dolo-Spedifen, Nurofen, Treupel dolo  oder sonst was gewesen sein. Ich will hier keine Markenwerbung machen, sondern nur zeigen, dass in verschiedenen Medikamenten dasselbe drin sein kann.