Die Kunst der Reklamation

Ich weiss noch, wie ich das Problem mit einem anderen Kunde hatte, aber trotzdem war das hier … anders.

Ein herziges älteres Fräulein kommt in die Apotheke und fragt: „Ist die nette Dame von gestern nicht hier heute?“

Weil sie mir die Haarlänge zeigt, weiss ich, dass es sich um meine Kollegin handeln muss. „Nein, sie arbeitet heute nicht, aber vielleicht kann ich ihnen helfen?“

Frau: „Ja, vielleicht. Sehen sie, ich habe bei ihr gestern das hier gekauft (zieht eine Packung Bepanthen plus Salbe heraus) und zuhause zeigt mir meine Freundin das hier“ (zeigt auf den Aufdruck auf der Lasche, wo Charge und Verfall draufsind).

Pharmama: „Ja? Darf ich mal sehen?“

Frau: „Ja. Ich glaube hier steht … Feb 09 … könnte es sein, dass die Packung abgelaufen ist?“

Ich schaue es mir an. Da steht wirklich Feb09, allerdings steht davor: MFD Feb09,

also erkläre ich: „Sehen Sie das MFD? Das heisst ManuFacturing Date. Das ist das Herstellungsdatum. Schauen Sie, darüber steht EXP Okt12: Das ist das Verfallsdatum. Die Packung ist noch 3 Jahre lang gut.“

Frau: „Oh, da bin ich aber erleichtert …. vor allem, das ich nicht hier hineingestürmt bin und sie angeschrieen habe …“

Pharmama: „Ja, da bin ich auch froh!“

Wir lachen uns an und sie geht zufrieden wieder.

Auflösungserscheinungen

Kommt ein Mann in die Drogerie mit folgendem Problem:

Er hat aus den Ferien in Afrika als Souvenir eine Trommel mit Fellbesatz mitgebracht. Jetzt ist ihm aufgefallen, dass das Fell irgendwie … einfach verschwunden ist. Und das noch grössere Problem: auch sein wertvoller Teppich fängt jetzt an sich aufzulösen. „Haben sie da etwas dagegen?“

Der Verdacht ist ganz klar, dass er mit der Trommel auch ein paar kleine Tierchen mitgebracht hat – die sich jetzt, wo sie mit den Haaren vom Fell fertig sind, eine neue Nahrungsquelle gesucht und gefunden haben – den Teppich. Wenn er Pech hat gehen sie dann später auf den Vorhang und dann … (Irgendwie habe ich da die Vorstellung wie langsam aber sicher alles Textile in seinem Heim sich einfach … auflöst).

Ich gebe ihm also einen wirksamen Insektenspray mit und empfehle ihm den Teppich draussen gründlich einzusprühen und etwas an der Sonne zu lassen. Die Trommel sollte er besser entsorgen, so weh das auch tut, Ferienerinnerungen wegzuwerfen. Die ist nämlich nicht so leicht von allem Ungeziefer zu befreien.

Lassen Sie mich das wiederholen (6)

Sie haben also wegen ihrem gebrochenen Bein tägliche Spritzen zur Thromboseprophylaxe aufgeschrieben bekommen – aber sie wollen sie nicht haben, weil sie ‚Nadeln nicht mögen’  – aber irgendwie habe ich Probleme das zu glauben, wenn ich ihre 3 (sichtbaren) Tattoos und 5 Piercings anschaue. … Aber natürlich frage ich gerne den Arzt an, ob bei ihnen auch etwas anderes ginge.

Aus dem Notfalldienst

Telefon im Notfalldienst.

Älterer Anrufer: „Ich habe gerade meine Tante vom Notfalldienst abgeholt.“

Apothekerin: „Ja?“

Anrufer: „Und die Ärzte haben ihr ein paar Sachen aufgeschrieben, eines davon Xanax.“

Apothekerin: „Ok.“

Anrufer: „Jetzt beklagt sie sich, dass die linke Seite ihres Körpers schmerzt.“

Apothekerin: „Die linke Seite?“

Anrufer: „Ja. Sie sagt auch die Brust mache ihr weh.“

Apothekerin: Sie müssen sie sofort zurück in den Notfall bringen. Das hört sich nach einem Herzanfall an.“

Anrufer: „Was? Aber wir kommen gerade von da!“

Apothekerin: „Ich weiss. Aber sie müssen sie wieder hinbringen.“

Anrufer: „Warum? Denken sie es war das Xanax?“

Apothekerin: „Ich weiss es nicht. Aber bringen sie sie so schnell wie möglich.

Anrufer: „Aber die im Notfall haben ihr das gegeben. Warum soll ich sie jetzt wieder dorthinbringen?“

Apothekerin: „Ich weiss nicht was der Auslöser war, aber sie können sie ja fragen, wenn sie sie in den Notfall gebracht haben! (muss ich noch deutlicher werden?)

Anrufer: „Oh, ok.“ (hängt auf.)

Tönte nicht so, als wäre er sehr erfreut sie wieder hinbringen zu müssen.

Übrigens: vor allem Frauen zeigen bei Herzinfarkten oft nicht so typische Symptome, dort wird das häufig mit Magenschmerzen, Kiefer- oder Zahnschmerzen (!) und ähnlichem verwechselt. Trotzdem ist es wichtig, dass man bei Verdacht rasch reagiert. Hier findet man mehr über die Symptome.


Ferienmedikation

Kunde (auf englisch): „Ich bin nur in den Ferien in der Schweiz, jetzt gehen meine Medikamente aus. Könnte ich ein paar von ihnen bekommen? Es sind die kleinen runden weissen.“

und das ist alles, was er wusste.

Keine Chance für die Apothekerin.

Also: wenn man in die Ferien geht, sollte man genügend von seiner Dauermedikation mitnehmen und eine Liste mit den Medikamentennamen oder noch besser den Inhaltsstoffen und Dosierungen entweder mitnehmen oder so hinterlegen, dass man drankommt. Sei das bei einem Bekannten oder -die modernere Variante – als mail auf seiner mailbox.

Denn dann kann ich zumindest nachschauen was es vergleichbares bei uns gibt.

Eine Dummheit gemacht

Telefon, eine beunruhigt tönende Frau: Sind sie die Apothekerin? Ich  habe da eine wichtige Frage.“

Pharmama: „Ja, um was geht es denn?“

Frau: „Also mein Sohn, er ist 19 Jahre alt, hat letzthin bei seiner Freundin übernachtet …“

Pharmama: „Jaaa?“

Frau: „Und da hat er eine Dummheit gemacht.“

Pharmama: „Jaa?“ (denkt sich: uh, oh.)

Frau: „Er hat sich nämlich erkältet: Schnupfen, etwas Fieber …“

Pharmama: …??…

Frau: „Und da hat seine Freundin ihm am Morgen einfach eine Antibiotikum Tablette gegeben, die sie noch daheim hatte.“

Pharmama: „Ah.“

Frau, aufgebracht: „Ja, und das ist doch ganz schlecht! Ich meine, wie kann sie nur?“

Pharmama: „Ist er denn allergisch dagegen?“

Frau: „Nein, aber man soll doch nicht einfach Antibiotika nehmen … und wenn er jetzt aufhört, ich habe gehört das ist auch nicht gut, wenn man zu früh aufhört das zu nehmen!“

Pharmama: „Nun, man sollte Antibiotika möglichst geziehlt nehmen und eine einfache Erkältung ist nicht die richtige Anwendung. Aber er hat nur eine Tablette genommen?“

Frau: „Ja.“

Pharmama: „Nun, dann sagen wir in dem Fall, einmal ist keinmal. Er soll einfach keine mehr nehmen und seine Erkältung mit normalen Mitteln behandeln. Dafalgan gegen das Fieber falls nötig und Schnupfenspray vielleicht. … und sagen sie der Freundin vielleicht, dass sie nicht einfach übriggebliebene Medikamente anderen verabreichen soll …“

Frau, bestimmt: „Oh ja, das werde ich ganz sicher!“