Die falsche Anwendung (8)

Da gibt es diese Kundin die fast jeden zweiten Tag kommt und Similasan „nervöse Herzbeschwerden“ Globuli kauft.

Und sie will, dass man beim Fläschen oben den Dosierer wegnimmt. Sie schluckt die Kügelchen gleich halb-glas-weise.

–Irgendwie hat sie das Prinzip der Homöopathie nicht verstanden.

Klassischerweise ist es in der Homöopathie so, dass je potenzierter, desto wirksamer. Potenzieren ist aber verdünnen … man könnte hier auch sagen: „Weniger ist mehr.“

Das oben ist eine klassische Verdünnungsreihe. Dabei wird der Originalstoff (in dem Fall Birkenkohle) mit Mannitol verrieben. D bedeutet es wird in 10er Schritten gearbeitet, d.h. von einem Schritt zum nächsten wird 1 Teil Stoff mit 10 Teilen Mannitol verrieben. Ein D6 bedeutet also z.B. dass es nur noch 0.0001% des Ausgangsstoffes enthält. Aber man arbeitet oft mit noch höheren Verdünnungen, wie z.B. D15 oder D30 – oder man geht in 100er Verdünnungsschritten vor, das sind dann die C-Potenzierungen.

Die normale Dosierung bei den Similasan Globuli (die im Normalfall D12, D15 und D30 Potenzierungen enthalten) ist übrigens 3 x täglich je 5-7 Globuli bei chronischen Beschwerden oder bei akuten Beschwerden kann alle 15 Minuten 5-7 Globuli genommen werden. (Viel mehr Info hier)

Gleich das halbe Glas zu schlucken ist irgendwie nicht der Sinn der Sache … wobei sie sagt, ihr hilft’s.

Entscheidungshilfe

Kunde: „Was ist besser? Algifor-L forte oder Saridon 400?“ *

Pharmaassistentin: „Das ist eigentlich dasselbe, da ist keines besser oder schlechter.“

Kunde: „Ok, also für meine Knieschmerzen, welches nehme ich da?“

Pharmaassistentin: „Welches sie wollen, sie sind gleich.“

Kunde: „Ok, welches wird besser wirken?“

Pharmaassistentin: „Schauen Sie, DA steht Ibuprofen 400mg und HIER steht Ibuprofen 400mg – es ist das gleiche drin!“

Kunde: „Jaaaa … aber da steht ein anderer Name drauf, also MÜSSEN sie unterschiedlich sein.“

Pharmaassistentin: „Nun, die Herstellerfirma ist unterschiedlich.“

so ging es noch ein paar Minuten weiter, dann:

Kunde: „Können sie nicht die Kollegin fragen, welches ich nehmen soll?“

Pharmaassistentin: „Ja, klar.“

Sie kommt zu mir, ich habe das ganze mitbekommen, also mache ich es kurz: „Sag ihm einfach er soll das Saridon* nehmen, das ist kleiner und leichter zu schlucken …“

– manchmal muss man dem Kunden die Entscheidung einfach abnehmen … meist mache ich das mit „Also ich würde …, weil …“

*Es könnte auch Alges-X, Perskindol dolo, Iproben, Dismenol, Dolo-Spedifen, Nurofen, Treupel dolo  oder sonst was gewesen sein. Ich will hier keine Markenwerbung machen, sondern nur zeigen, dass in verschiedenen Medikamenten dasselbe drin sein kann.

Still-end

Da war letzhin eine Frau in der Apotheke mit einer Frage betreffend Antibiotika während dem Stillen. Während ich sie mit ihrem Problem beriet, hatte ich meine Augen auf einem etwa 2-3 Jährigen Kind, das gerade Anstalten machte, unser Zahnbürsten-Regal auseinander zu nehmen. Erst als die Frau während der Beratung in Richtung Kind nickte realisierte ich, dass das Kind, dass sie stillte DIESES wilde 2-3 jährige war.

Sie glaubte mir auch nicht, dass Stillen mit diesem Antibiotikum zusammen ging. Aber eigentlich dachte ich bei mir: „Wäre es vielleicht nicht auch an der Zeit mit dem Stillen aufzuhören?“

Das Kind war fast 3 Jährig. Wild. Mit Zähnen.

Stillen ist gesund – und am Anfang kann das Baby ja nichts anderes zu sich nehmen als Milch. Und Muttermilch hat die perfekte Zusammensetzung … und ist ideal zur Allergieprävention. Und dann kommt die Zeit, wo man Breis gibt und dann normales Essen … und irgendwie finde ich es seltsam darüber hinaus weiterzustillen.

Und ihr?

kein Kaffee

(Nicht von mir, aber ich find’s einfach … geil. )

Kunde kommt mit einem grossen Rezept.

Apothekerin: Es wird ein paar Minuten gehen, bis das Rezept fertig ist.“

Kunde: „Bei Starbucks dauert es nie solange wie bei ihnen!“

Apothekerin: „Das hier ist ja auch eine Apotheke und  kein Kaffeeshop.“

Kunde: „Ich sehe nicht ein, wo da gross ein Unterschied sein soll: Ich gebe meine Bestellung ab und sie führen sie aus!“

Apothekerin: „Der Unterschied ist, dass wenn sie bei Starbucks einen Fehler machen, dann bekommen sie einen Entkoffeinierten Milchkaffee statt einem Caramel Macchiato und wenn wir einen Fehler machen sterben sie.

… Es dauert ein paar Minuten, ok?“

Etwas krass ausgedrückt, aber nicht ganz unwahr.

‚Da unten‘

Eine Kundin kommt und fragt nach einem Läusemittel.

Nachdem die Pharmaassistentin ihr eins empfohlen hat und ihr etwa 10 Minuten lang die Anwendung erklärt hat, sagt sie:

„ … Kann ich das auch ‚da unten’ benutzen?“

(Uiii, schon wieder Filzläuse?)

Noch nie …

Vorausschickend: wir verlangen für die etwa 15 Minütige, persönliche Beratung für die Abgabe der „Pille danach“ eine kleine Beratungspauschale- dabei sind wir immer noch günstiger als ein Besuch bei der Frauenärztin oder im Spital. Darauf weise ich die Frauen auch vor Beginn des ganzen Procedere hin.

So wie heute.

Reaktion der jungen Frau im O-Ton:

„Waaas? Seit wann denn das? Das hatte ich ja noch nie!“

… womit dann wohl auch Frage 10 (oder so) geklärt wäre: „Haben Sie die Pille danach schon einmal genommen? (Bitte weisen Sie die Patientin darauf hin, dass die Pille danach nur eine Notfallkontrazeption ist und nicht für die regelmässige Verhütung gedacht ist)“.