Krätzig

Vor mir steht das Monster vom dunklen See. Nein, nicht wirklich, aber der Mann hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Ding. Zumindest seine Haut hat.
Das muss der schlimmste Fall von Hautmilbenbefall sein, den ich je gesehen habe. Seine Hände, seine Arme sind voll bedeckt von dicker schuppiger Haut. An anderen Stellen (auch auf dem Kopf) sieht man es auch, aber nicht ganz so arg. Dort wo keine Schuppen sind, ist die Haut gerötet und entzündet.
„Haben sie mir etwas dagegen?“ fragt der Mann.
Ich schaue es mir von etwas näher an – aber ohne ihn anzufassen. Ja, tatsächlich die Krätze – Scabies, nennt man das in der Fachsprache.
„Woher haben sie das denn?“ frage ich – worauf er mir erzählt, dass er geschäftlich häufig unterwegs ist und halt auch in nicht so feinen Hotels übernachten muss – er denkt, er habe das aus einem Hotelbett aufgelesen.
Brrrr. Aber: möglich.
Also erkläre ich ihm, was er machen kann.
1. Die Entzündung muss zuerst weg. Für die übelsten Stellen gebe ich ihm eine Kortisoncreme. Das soll er 2-3 Tage lang nehmen
2. Wenn er die Behandlung anfängt, muss er auch seine Umgebung behandeln, d.h. Bettwäsche auskochen, jeden Tag wechseln, dasselbe gilt für die Kleidung, Polstermöbel und Teppiche mit dem Staubsauger reinigen, Milbenspray benutzen
3. Vor der Behandlung ein Bad nehmen, dann nach dem Trocknen das Mittel auftragen: auf den ganzen Körper, bei ihm auch am Kopf (ausser bei den Augen) – für die Hände zusätzlich Baumwollhandschuhe darüber. Das Mittel in der Schweiz ist Eurax (Crotamiton)– wobei eigentlich wäre ein Permethrin-Mittel besser, nur gibt es in der Schweiz keins in der nötigen Konzentration (Infectoflam aus Deutschland wäre eine Möglichkeit). Die Anwendung dauert 3-5 Tage, wobei es abends eingerieben wird.
Ich gebe ihm das alles – er will nicht zum Arzt – und erkläre ihm die Anwendung und dass er wenn es nicht bald besser wird trotzdem gehen muss.

Was soll ich sagen? Er kam ein paar Tage später, da sah es schon nicht mehr so entzündet aus und ich gab Starterlaubnis für das „Insektizid“.
Noch ein paar Tage später … und ein ganz anderer Mensch steht vor mir. Ohne das Geschuppe sieht er gar nicht so leid aus ;-)

Jedenfalls war die Behandlung auch dank seinen Bemühungen erfolgreich …. und wir haben einen treuen Kunden gewonnen.

Andere Medikamente?

Bei Neukunden soll man wegen möglicher Wechselwirkungen immer abklären, ob der Kunde noch andere Medikamente einnimmt. Manchmal ist es aber ein Problem, weil nicht jeder, das was er nimmt, auch als „Medikament“ ansieht…

Apotheker: „Nehmen sie im Moment andere rezeptpflichtige Medikamente ein?“
Patient: „Nein.“
Apotheker: „Und Vitamine oder pflanzliche Medis?“
Patient: „Ja, etwas für meine Lungen, damit ich besser atmen kann.“
Apotheker: „Und wie heisst das?“
Patient: „Rimifon, einmal täglich.“
Apotheker: (hoppla!) „Danke, ich halte das so in ihren Unterlagen fest.“

P.S. Das ist ein Antibiotikum, das man praktisch nur zur Behandlung der Tuberkulose braucht – demnach ist es für die Lunge, aber definitiv ein Medikament – sogar eins, bei dem man sehr aufmerksam sein muss was die Kombination mit anderen Medis anbelangt.

Nur nicht aufregen

Ein Kunde kommt mit einer  Flasche Comilfo, die er bei uns bestellt und gekauft hat, knallt sie der jüngsten Lehrtochter auf den Ladentisch und fährt fort sie praktisch anzuschreien:

„Ich will einen Ersatz! Diese Flasche ist defekt! Sie hat einen falschen Einsatz! Das müsste einer zum Tropfen sein und nicht zum schütten! Und das ist schon einmal passiert! Ich verlange, dass sie eine neue bestellen und sie mir ersetzen!“

Er wirft ihr noch seine Visitenkarte auf den Tisch und stürmt aus der Drogerie. Die erschreckte Lehrtochter hat währenddem kein Wort herausgebracht.

Auch gut, bei Reklamationen soll man nämlich zuerst einmal zuhören. Ich beruhige sie erstmal und sage ihr, dass ich mich darum kümmere und ihn auch nehme, wenn er wiederkommt.

Das Ganze ist mir allerdings etwas suspekt. Ein falscher Einsatz? Aussen auf der Comilfo Flasche steht nur „äusserliche Anwendung“ …

Nun, bestellen wir mal eine neue Flasche und sehen sie uns an.

Die neue Flasche kommt und hat genau denselben Ausguss. Sie kommt in einer Schachtel – allerdings ohne Packungsbeilage.

Zeit die Firma anzurufen.

„Ah“ sagt die nette Dame am Telefon, „ich denke ich weiss, warum sie anrufen.“

„Ja? Sage ich, warum denn?“

Dame: „Sie wollen fragen, ob man das noch Einnehmen kann, weil ja nichts mehr draufsteht.“

Pharmama: „Fast. Es geht um einen Kunden, der sich beschwert, weil es keinen Tropfer mehr auf der Flasche hat …. aber wahrscheinlich nimmt er es schon ein, sonst bräuchte er es ja nicht zu tropfen.“

Die Sache war dann schliesslich so: Comilfo Kräutertropfen sind ein Produkt vergleichbar mit Melisana Klosterfrau Melissengeist oder Carmol Tropfen. Nur hat die Frau des bisherigen Inhabers des Patentes es nach seinem Tod unterlassen die Tropfen neu registrieren zu lassen als Heilmittel. Demnach darf nicht mehr draufstehen, dass man es auch einnehmen kann und nicht nur äusserlich für Umschläge brauchen … und demnach darf offenbar auch kein Tropfer mehr drauf-sein.

Das Produkt wurde nun aber von einer neuen Firma übernommen und sie arbeiten an einer Neuregistrierung, wie mir die nette Dame zusicherte. Man könne es auch weiterhin einnehmen bei Magenbeschwerden und ähnlichem … und ich dürfe das dem Kunden auch so sagen.

Das mache ich dann auch. Ich telefoniere ihm und erkläre das Ganze. Am Telefon ist er einiges anständiger als im Geschäft.

Und ich biete ihm an, eine Flasche mit Pipette dazuzugeben – da ja der Einsatz offensichtlich nicht bald ändern wird.

… Kunde zufrieden – und ich hab‘ auch wieder etwas gelernt.

die falsche Anwendung (10)

Sagt der Kunde (den ich noch nie vorher gesehen habe) nach dem Kauf einer Packung Detensor* zu mir:

„Weisst Du, wofür Detensor auch gut ist? Wenn Du auf Drogen bist und davon loskommen willst, hilft es beim kalten Entzug. Ich werfe einfach abends ein paar ein und verschlafe dann die Entzugserscheinungen …“

Uh, ähh … dafür sind sie aber nicht wirklich gedacht. Sie so überzudosieren kann gefährlich sein.

Und ausserdem: diese Schneewittchen-Methode ist neben der Gefahr der Überdosierung und Nebenwirkungen nicht dauerhaft, immerhin hat er es angeblich schon ein paarmal gemacht … und ist danach wieder rückfällig geworden.

*ein Schlafmittel auf Antihistamin-Basis, freiverkäuflich.

Normalerweise

Eine Kundin, die ich noch nie vorher gesehen habe kommt mit einer Packung Vitamintabletten und fragt:
„Sind das die Vitamintabletten, die ich normalerweise nehme?“

Telefondienst

Telefon in die Apotheke

Frau am Telefon: „Hallo ich bin Frau Fordernd, könnten Sie für mich den Arzt anrufen? Ich habe seine Telefonnummer nicht mehr und ich brauche einen Termin!“

Pharmama: „Ah, Nein. Ich kann ihnen gern die Telefonnummer ihres Arztes gern geben, aber sie sollten selber anrufen und den Termin abmachen. Er will sicher mit ihnen reden, worum es geht und ich weiss ja auch nicht, wann sie Zeit haben.“

… und ausserdem bin ich nicht ihre Sekretärin.