Das ist keine Einbildung!

Was macht man eigentlich mit einer Kundin, die einem in vollem Ernst erzählt, dass in ihrer Haut Käferlarven leben seit sie vor einigen Jahren in Osteuropa in einem See baden war?

Sie sagt, sie habe die Larven noch heute, und von Zeit zu Zeit schlüpfen wieder ein paar aus und fressen sich durch ihre Haut nach draussen, weswegen sie diese hässlich aussehenden Hautläsionen hat.- Die sehen für mich zwar genauso aus wie immer wieder aufgekratzte Bibeli, so lange gekratzt, bis es bleibende Narben sind.

Sie sei schon bei X Ärzten gewesen, aber keiner nehme sie ernst, weil man das hier halt nicht kenne – das gibt’s nur im Osten. Und das beisse so. Sie haben auch schon Hautproben genommen, finden aber keine Larven –aber sie sind hier, schliesslich kommen ja immer wieder welche raus.

Sie behelfe sich halt mit den Fettsalben und Cortisonhaltigen Cremes gegen das Jucken, die die Ärzte ihr aufschreiben, aber … gibt es nicht eine Methode, die Viecher rauszuholen?

Nein, Jacutin und Eurax hat sie schon ausprobiert (das sind Mittel gegen Insekten, die man einreiben kann), das hat gar nichts gebracht.

Es gibt ja schon Insekten, die sich den Menschen mehr oder weniger absichtlich als Wirt aussuchen (wer Mut hat, google mal nach Bot fly oder Dasselfliege), Flöhe, Läuse und Milben gehören da auch drunter, sowie gewisse Würmer, die in unseren Eingeweiden gedeihen. Und sicher gibt es einige, die ich auch nicht kenne, weil sie hier nicht heimisch sind. Aber bei den Untersuchungen hätte zumindest eine Spur davon gefunden werden müssen.

Mein Verdacht ist ja, dass das psychische Beschwerden sind und sie sich –grob gesagt – das Getier nur einbildet. Aber: wie sagt man das anständig?

Es wäre vielleicht gut, wenn sie einmal einen Psychiater aufsuchen würden?

Aber ich bilde mir das nicht ein! Die sind echt!

Krätzig

Vor mir steht das Monster vom dunklen See. Nein, nicht wirklich, aber der Mann hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Ding. Zumindest seine Haut hat.
Das muss der schlimmste Fall von Hautmilbenbefall sein, den ich je gesehen habe. Seine Hände, seine Arme sind voll bedeckt von dicker schuppiger Haut. An anderen Stellen (auch auf dem Kopf) sieht man es auch, aber nicht ganz so arg. Dort wo keine Schuppen sind, ist die Haut gerötet und entzündet.
„Haben sie mir etwas dagegen?“ fragt der Mann.
Ich schaue es mir von etwas näher an – aber ohne ihn anzufassen. Ja, tatsächlich die Krätze – Scabies, nennt man das in der Fachsprache.
„Woher haben sie das denn?“ frage ich – worauf er mir erzählt, dass er geschäftlich häufig unterwegs ist und halt auch in nicht so feinen Hotels übernachten muss – er denkt, er habe das aus einem Hotelbett aufgelesen.
Brrrr. Aber: möglich.
Also erkläre ich ihm, was er machen kann.
1. Die Entzündung muss zuerst weg. Für die übelsten Stellen gebe ich ihm eine Kortisoncreme. Das soll er 2-3 Tage lang nehmen
2. Wenn er die Behandlung anfängt, muss er auch seine Umgebung behandeln, d.h. Bettwäsche auskochen, jeden Tag wechseln, dasselbe gilt für die Kleidung, Polstermöbel und Teppiche mit dem Staubsauger reinigen, Milbenspray benutzen
3. Vor der Behandlung ein Bad nehmen, dann nach dem Trocknen das Mittel auftragen: auf den ganzen Körper, bei ihm auch am Kopf (ausser bei den Augen) – für die Hände zusätzlich Baumwollhandschuhe darüber. Das Mittel in der Schweiz ist Eurax (Crotamiton)– wobei eigentlich wäre ein Permethrin-Mittel besser, nur gibt es in der Schweiz keins in der nötigen Konzentration (Infectoflam aus Deutschland wäre eine Möglichkeit). Die Anwendung dauert 3-5 Tage, wobei es abends eingerieben wird.
Ich gebe ihm das alles – er will nicht zum Arzt – und erkläre ihm die Anwendung und dass er wenn es nicht bald besser wird trotzdem gehen muss.

Was soll ich sagen? Er kam ein paar Tage später, da sah es schon nicht mehr so entzündet aus und ich gab Starterlaubnis für das „Insektizid“.
Noch ein paar Tage später … und ein ganz anderer Mensch steht vor mir. Ohne das Geschuppe sieht er gar nicht so leid aus ;-)

Jedenfalls war die Behandlung auch dank seinen Bemühungen erfolgreich …. und wir haben einen treuen Kunden gewonnen.

Auflösungserscheinungen

Kommt ein Mann in die Drogerie mit folgendem Problem:

Er hat aus den Ferien in Afrika als Souvenir eine Trommel mit Fellbesatz mitgebracht. Jetzt ist ihm aufgefallen, dass das Fell irgendwie … einfach verschwunden ist. Und das noch grössere Problem: auch sein wertvoller Teppich fängt jetzt an sich aufzulösen. „Haben sie da etwas dagegen?“

Der Verdacht ist ganz klar, dass er mit der Trommel auch ein paar kleine Tierchen mitgebracht hat – die sich jetzt, wo sie mit den Haaren vom Fell fertig sind, eine neue Nahrungsquelle gesucht und gefunden haben – den Teppich. Wenn er Pech hat gehen sie dann später auf den Vorhang und dann … (Irgendwie habe ich da die Vorstellung wie langsam aber sicher alles Textile in seinem Heim sich einfach … auflöst).

Ich gebe ihm also einen wirksamen Insektenspray mit und empfehle ihm den Teppich draussen gründlich einzusprühen und etwas an der Sonne zu lassen. Die Trommel sollte er besser entsorgen, so weh das auch tut, Ferienerinnerungen wegzuwerfen. Die ist nämlich nicht so leicht von allem Ungeziefer zu befreien.

‚Da unten‘

Eine Kundin kommt und fragt nach einem Läusemittel.

Nachdem die Pharmaassistentin ihr eins empfohlen hat und ihr etwa 10 Minuten lang die Anwendung erklärt hat, sagt sie:

„ … Kann ich das auch ‚da unten’ benutzen?“

(Uiii, schon wieder Filzläuse?)

Es kreucht und fleucht …

Ein Mann kommt in die Apotheke mit so einem Gefrierbeutel, den er mir unter die Nase hält: „Was ist das?“

*Das* – sind diverse Maden die sich immer noch lebhaft winden.

Pharmama: „Das sind Maden. Wo haben sie die her?“

Mann: „Aus unserer Küche. Seit ein paar Tagen finden wir immer wieder eine Menge von diesen Dingern … keine Ahnung wo die her kommen. Haben sie mir etwas dagegen?“

Pharmama:  (denkt IIIgitt) „Nun, ich kann ihnen einen Insektenspray geben, aber sie müssen herausfinden, wo die Maden herkommen.“

Mann: „Ich weiss wirklich nicht woher.“

Pharmama: „Also meistens sind es irgendwelche Lebensmittel. Reis, Flocken, irgendwo in den Vorräten … oder vom Abfall … sie müssen alles herausnehmen und durchschauen.“

Mann: Aber wir haben schon geschaut, wir finden nichts! Ausserdem sind wir erst seit 3 Monaten in dieser Wohnung.“

Pharmama: „Nun, irgendwo kommen sie her. Vielleicht müssen sie auch hinter die Einbauschränke versuchen zu schauen und die Ritzen überall aussprühen…“ (denkt, es könnte auch irgendwo eine tote Maus liegen oder so)

Mann: „Aber: wir haben schon geschaut …“

Die Drogistin hat zugehört und springt mit ein:

Drogistin: „Also beim Suchen können wir ihnen nicht helfen. Hier ist der Spray. Räumen sie die Schränke aus, putzen sie sie aus, sprayen sie sie ein, vor allem auch die Ritzen und kontrollieren sie jedes Lebensmittel einzeln, bevor sie es wieder hineinstellen. Wenn sie irgendwo drin Fäden sehen –wie Spinnweben – dann ist es befallen.“

Brrrr….

Am Schluss wollte er den Beutel noch bei uns lassen … ich habe ihm dann gesagt, er soll ihn bitte draussen entsorgen.

Was zum Geier?

Junger Mann rennt in die Apotheke und ruft laut:

„WAS IST DAS BESTE GEGEN FILZLÄUSE?“

Ich (auch laut): „JACUTIN!“

und er rennt wieder raus.

Keine Ahnung was das sollte, vielleicht eine verlorene Wette oder so was.

Übrigens: das ist schon eine Zeitlang her, inzwischen haben sie das Jacutin leider aus dem Handel genommen, so dass uns in der Schweiz nur noch das Prioderm als zugelassenes Mittel gegen Filzläuse bleibt – und dagegen sind schon einige resistent. Für ein wirklich … abschreckendes Foto von einem Filzlausbefall hier klicken.