Ist ja nicht so, als ob man damit etwas dummes machen könnte!

Die rüstige Frau um die 60 kommt in die Apotheke und verlangt von mir 2 Fläschchen Codeinhaltige Hustentropfen.

„Ist es für Sie selber?“ 

„Nein, ich soll das meiner Freundin mitbringen.“

Das kann so sein oder nicht. Ich glaube es jetzt mal. Sie selber sieht nicht wirklich so aus, als ob sie regelmässig das holen würde.

Pharmama: „Haben Sie eine Ahnung, was für eine Art Husten ihre Freundin hat?“

„Nein, sie hat mir nur gesagt ich soll ihr das mitbringen“

„Ich kann Ihnen ein Fläschchen geben. Es ist aber nur für trockenen Husten gedacht – könnten Sie das ihrer Freundin deutlich sagen?“

„Sie hat aber gesagt ich soll 2 Flaschen mitbringen.“

Ja, das hat sie sicher. Ich finde es immer wieder spannend, wenn man andere Leute vorschickt, um Medikamente zu holen – speziell, wenn die nicht wissen, für was die Mittel sind.

„Ich kann ihnen nur eine geben.“ Ich stelle ihr das Fläschchen auf die Theke.

„Aber warum? Ist ja nicht so, als ob man damit etwas dummes machen könnte!“

Sagt sie.

„Und ich könnte auch einfach in eine andere Apotheke gehen und es dort kaufen!“

Dass ich das von ihr hören muss!

Ich ziehe die Augenbraue hoch. Soll sie doch merken, was ich von der Aussage halte.

„Wir verkaufen nur eine Flasche pro Person, weil das gerne missbraucht wird – und weil man, wenn der Husten länger dauert, das auch mal vom Arzt anklären lassen soll. Es könnte ja auch eine Lungenetzündung geben und ähnliches.“

„Missbrauchen? Weshalb?“

Sie ist wirklich fast amüsant ahnungslos. Und ich stehe jetzt vor einem kleinen Dilemma. Wieviel soll ich ihr darüber erzählen?

„Ich soll ihnen erzählen, was passiert?“

„Ja?“

„Nun, dieses Mittel enthält Codein – ein Hustendämpfer. Ein Teil davon wird aber, wenn man es nimmt, im Körper umgewandelt in Morphium – das sagt ihnen etwas? …Dementsprechend macht es ein Hochgefühl – und Abhängig. Es ist nicht ungefährlich, es dämpft in den hohen Dosen nicht nur den Husten, sondern die Atmung selber.“

„Und da gibt es Leute, die das so trinken?!?“

„JA.“

„Oh. Das wusste ich nicht. Geben sie mir das eine Fläschchen – ich sage das meiner Freundin.“

Sie hat das tatsächlich begriffen. Cool.

Wobei ich ja noch interessiert wäre, wie das Gespräch mit der Freundin nachher gelaufen ist. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die das Mittel missbraucht.

Hustensirup Missbrauch

Das Schild hängt an einer amerikanischen Apotheke.

Das mit dem „wir führen kein Promethazin mit Codein-Sirup mehr“ ist genau wie bei uns. Ich habe auch beschlossen, dass wir einen bestimmten Hustensirup (Ja, ebenfalls mit Codein) nicht mehr offiziell an Lager haben – und nur noch bestellen, wenn jemand ein Rezept dafür hat.

Der Grund: der wird praktisch ausschliesslich von Jugendlichen verlangt um ihn dann zu missbrauchen – lies: Ex zu trinken. In Amerika mischen sie den noch gerne mit Sprite und Bonbons zu einem „Purple Drank“ – die Farbe kommt dabei vom Hustensirup.

Wir haben von Anfang an nur je 1 pro Person verkauft – und sie mussten alt genug sein. Keine Jugendlichen. Ein nächster Schritt, den Sirup nur noch auf ID und Beweis, dass man über 18 ist abzugeben hat kaum Besserung gebracht. Es kamen trotzdem (mindestens) alle Woche wieder dieselben das verlangen. Und auffallend: wenn das dann mal einer bekommen hat, konnte man damit rechnen, dass in der nächsten halben Stunde noch 2 weitere mit demselben Wunsch auftauchten. Unser Absatz stieg – von anfangs etwa 4 monatlich auf fast 30. Im Sommer! Da habe ich die Bremse gezogen. Jetzt wird einfach ein anderer Saft als Alternative angeboten und wenn sie den nicht wollen … Tja. Pech.

Das ist doof für diejenigen, die das wirklich gegen Husten brauchen – aber immerhin *kann* ich das noch geben. Dauert (vielleicht) ein bisschen länger …

Aber wenn das mit dem Missbrauch nicht bessert kann ich mir vorstellen, dass das der Gesetzgeber auch bei uns rezeptpflichtig macht. Das wäre dann sehr unschön.

Nichts für Kinder

Keine Sorge, der Inhalt ist absolut jugendfrei.

Medikamente gehören nicht in Kinderhände – da sind wir uns wohl alle einig. Zu gefährlich, dass da etwas falsch angewendet wird – oder dass es überhaupt genommen / angewendet wird. Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene. Es gibt physiologische Unterschiede  und dann fehlt bei vielem noch das Verständnis.

Aber mir ist letzthin wieder aufgefallen, wie häufig das auf Produkten auch draufsteht.

Beispiel 1: Ein Medikament gegen Husten. Inhaltsstoff Codein. Leider auch noch gerne missbraucht – weshalb hier sogar auf der Packung steht: „Nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.“ – Bedeutet: Abgabe erst ab 18 Jahren. Finde ich noch verständlich. Besser noch, als das sie es rezeptpflichtig machen.

hustensirup

Beispiel 2: Haarfärbemittel. Darüber habe ich schon berichtet. Das Problem hier: häufig Allergien, speziell die dunklen Farben. Abgabe: ab 16 Jahren – und bitte vorher auf allergische Reaktionen testen – wie oft steht das jetzt in unterschiedlicher Formulierung drauf?

haarfarbe

Beispiel 3: Duschmittel. Was? Duschmittel?!? Wiesoooo?  Keine Ahnung wieso, aber hier zum Beispiel auf dem neusten Produkt von Biotherm zu finden:

duschmittel

Was als nächstes?

Das musste ja kommen …

Kunde: „Haben Sie mir etwas gegen Husten?“

Pharmama: „Für Sie selber?“

Kunde: „Ja.“

Pharmama. „Trocken oder Verschleimt?“

Kunde: „Verschleimter Husten, schon eine ganze Weile.“

Ich gebe ihm etwas dagegen. Er packt das in seinen durchsichtigen Plastiksack, wo schon eine Stange Zigaretten weilt.

Pharmama (mit Blick auf die Stange): „… Und es würde natürlich auch helfen, wenn Sie nicht mehr rauchen würden.“

Kunde: (grinsend): „Das musste ja kommen …

Ich: „Na, erwarten Sie etwas anderes von der Apotheke?“ 

„Oh“ (lacht er) – „Da habe ich wohl einen taktischen Fehler gemacht – ich hätte die Zigaretten nachher kaufen sollen.“

Wird mir das Mittel schaden?

Mann in der Apotheke: „Ein Bexin Sirup, Bitte.“

Ich hole ihm das gewünschte. Bevor ich etwas dazu sagen kann, meint er:

„Wird mir das Mittel schaden?“

Leicht seltsame Frage, aber …

Pharmama: „Haben Sie Probleme mit irgendeiner Art von Zucker?“ (das Mittel enthält Fructose) – „Nein.“

Pharmama: „Sind sie allergisch auf irgendwelche Medikamente?“ –  „Nein.“

Pharmama: „Haben Sie das vorher schon einmal genommen?“„Das nicht, aber Pulmofor Sirup.“ (das ist der gleiche Wirkstoff)

Pharmama: „Dann denke ich nicht, dass das ihnen schaden wird.“

Und dann…

Mann: „Für was braucht man das denn?“

Ich glaube ich nehme ihm die Flasche wieder ab.

Hustensirup zum trinken

Vorausschickend: ich brauche am Morgen ein bisschen Zeit, bis ich warmgelaufen bin. Ich schiebe es auf das, dass ich den Mann nicht verstanden habe. Obwohl … eigentlich habe ich es auch jetzt noch nicht ganz verstanden.

Als: Samstag. Morgens früh, der erste Kunde des Tages. Ein jüngerer Mann – er sieht selbst so aus, als sei er noch nicht allzu lange aus dem Bett gefallen.

Mann: „Ich hätte gerne einen Hustensirup zum trinken.“

Pharmama: „Ist es für sie selber?“

Er: „Ja“

Pharmama: „Was für eine Art Husten haben sie denn?“

Er: „Mehr so trocken, aber … ich will einen, den ich so trinken kann.“

Pharmama: „Nun … (ich versteh’s nicht ganz) wenn es Hustensirup ist, dann ist er flüssig …“

Er: „Ja, ja, aber ich will etwas, wo ich so viel nehmen kann, wie ich will!“

Pharmama: „Nun … dann würde ich höchstens einen homöopathischen empfehlen. Oder vielleicht den von Weleda? Da kann man alle 2 Stunden …“

Er: „Haben sie nichts anderes?“

Pharmama: „Oh, ich habe noch eine Menge andere, aber … das ist alles medizinischer Hustensirup. Den kann man nicht einfach so trinken – den nimmt man Löffelweise, maximal 3 x pro Tag.“

Er: „Dann hole ich mir halt einen Hustensirup aus der Migros!“

Sagt’s und geht wieder raus. Ist das nur mein Eindruck, dass ich das Gefühl habe, er schwankt dabei leicht?

Was zum Geier?
Entweder meint er normalen Sirup – das gibt’s auch beim Lebensmittelhändler. Oder er meint Hustensirup und hat auf etwas „stärkeres“ spekuliert. Nicht, dass ich die Leute unterstütze, die tatsächlich Hustensirup auf Ex kippen, nur um sich einen „Kick“ zu holen.
Ich versteh’s nicht.

Ich bin eigentlich immer noch am Kopf kratzen.

Vielleicht sollte ich es auch einfach hinnehmen, dass es Leute gibt, die denken, wenn es Sirup ist, kann ich davon nehmen so viel ich will. Oder für was. Immerhin gibt es auch Leute, die aus Hustensirup Glace machen. Was? Ja. Guckst Du hier:

 

Von der Seite Unwholesome foods: „Today we topped our cough syrup ice cream with chicken-flavored whipped cream, Nyquil and a cough drop!“

Ah. Bäh! Ich sagte schon, dass ich noch keinen Hustensirup gefunden habe, der gut schmeckt? Aber vielleicht überdeckt die Kälte den Geschmack etwas.