Betäubungsmittel-Rezept-Kummer

Es ist bei uns zwar nicht ganz so übel wie in Deutschland, wo die Krankenkasse sich erlaubt für nicht gaaaanz korrekt ausgefüllte Betäubungsmittel-Rezepte einfach das Geld für den Bezug nicht zu bezahlen – aber: auch bei uns gibt es Vorschriften, wie so ein Rezept auszusehen hat.

Das Betäubungsmittelrezept muss enthalten:

Name, Adresse, Unterschrift und Stempel der verschreibenden Ärztin oder des verschreibenden Arztes;
Name, Vorname, Geburtsdatum und Adresse der Patientin oder des Patienten;
Ausstellungsdatum;
Bezeichnung des Arzneimittels mit kontrollierten Substanzen, seine Darreichungsform und Dosierung;
Menge;
Anwendungsanweisung.

Die Verschreibung von Betäubungsmittel ist vom verordnenden Arzt eigenhändig zu visieren und der entsprechende Beleg ist in der Krankengeschichte des Patienten aufzubewahren.

Es kommt als weisses Rezept mit 2 Durchschlägen: Blau = Kopie für Arzt/Ärztin; Rosa = Kopie an Krankenkasse, Weiss = Kopie an die Apotheke;

Ich habe schon Rezepte an den Arzt zur Korrektur zurückgeschickt, weil der Stempel fehlte, oder die Unterschrift – obwohl ich im Normalfall das Mittel abgebe, nachdem ich mich versichert habe, dass das Rezept rechtens ist (mit einem Anruf an den Arzt).

Gelegentlich kommt ein Patient, der nicht weiss, dass wir beide Teile (weiss und rosa) brauchen. Wenn der Patient in der Apotheke selber bezahlt, bekommt er den rosa Teil wieder zurück. Wenn wir das der Kasse abrechnen – nicht. Mit mir zu diskutieren bringt da gar nichts. Wenn Sie wirklich etwas für die Unterlagen brauchen, mache ich ihnen eine Kopie, und auf die Kopie einen grossen Stempel und den Vermerk „Kopie“.

Letztens hatte ich auch einen Arzt, der nicht wusste, dass wir beide Teile brauchen – da ist der rosa Teil einfach in der Praxis geblieben. O-Ton Arzt: „Oh, das wusste ich nicht …. ich stelle nicht oft Betäubungsmittelrezepte aus …“ – Das hätte wohl eher „noch nie“ heissen sollen. Ich habe ihm dann gesagt, auf was er dringend sonst noch achten muss.

Der rosa (und das blaue) Teil ist ein Durchschlag – das bedeutet, was man auf den weissen Teil schreibt, drückt sich durch.  Das kann aber auch noch nach dem Arztbesuch passieren …

Zum Beispiel das BG-Rezept das vom Arzt zum Patienten kommt und von ihm zur Spitex. Dort gerät es auf dem Schreibtisch unter andere Papiere, die beschrieben werden, und bis das Rezept bei uns ist zeigt der rosa Durchschlag noch viele Spuren der täglichen Spitex-Arbeit. Zum Glück bleibt das weisse Original in unserer Buchhaltung und über den roten Durchschlag darf sich die KK freuen.  :-)

Und letztens haben wir eine wahre Baustelle von einem BG-Rezept bekommen.

Das hier: (blauer Stift: das waren wir, der Rest ist Original)

bgrp
Ich meine: SO schwer ist das wirklich nicht – da steht ja alles drauf, was genau draufgehört und wo.

Es gibt aber immer noch genug, was man schief machen kann.

Zum Beispiel: Durogesic / Fentanyl …. faktisch dasselbe. Durogesic das Original und Fentanyl das Generikum. Mir ist es eigentlich egal, was der Arzt jetzt aufschreibt (ich darf das hier ja durch ein Generikum ersetzen) aber durchstreichen, neu schreiben, nochmals durchstreichen ist auf einem BG Rezept ein dickes „No-No“.

In Deutschland würde die Kasse jetzt wohl einen Aufstand machen wegen den „3d“ – das müsste, wenn ich das richtig mitbekommen habe ausgeschrieben sein als: „Alle 72 Stunden wechseln“

Aber ich habe noch ein Problem: 150 Mikrogramm – die Dosierung gibt es nicht. Es gibt 100 und es gibt 50 … und dann muss der Arzt das bitte als je eine Packung aufschreiben. Das darf er mit den neuen BG Rezepten auch auf dem selben Rezept.

Ähnliches Problem auch beim Oxynorm: es gibt kein 50 mg (pro was?) – es gibt 10mg/ml – also will er wohl, dass der Patient 5 ml nimmt – maximal alle Stunde.

Für das habe ich grad ein ganz neues Rezept verlangt beim Arzt. Ich finde das auch ziemlich schlampig, den Patienten mit so einem Rezept zu entlassen. Zum Glück darf ich das hierzulande aber so abgeben, auch wenn ich das neue Rezept noch nicht in der Hand halte – ist auch besser so. Das hier sind starke Schmerzmittel, die der Patient braucht … ansonsten leidet er. Toll auch, weil das natürlich vor einem Wochenende reinkam.

Schwierige Rezeptbeschaffung

Der Patient braucht wieder seine Medikamente. Leider ist sein Rezept abgelaufen und das sind Medikamente, die ich nicht so gerne als Vorbezug gebe. Dafür hätte ich gerne erst ein Rezept vom Arzt. Ich erkläre das dem Patienten. Der sagt, wir sollen es besorgen.

Wir faxen dem Arzt den Vorbezug (bevor ich es abgebe).

Tag 2 – Der Patient kommt  – das Rezept ist noch nicht hier.

Tag 3 – Das Rezept ist immer noch nicht hier. Der Patient ist sauer. Er ruft selbst beim Arzt an.

Der Arzt ruft in die Apotheke an.

Dr. Späth: „Ist das die Apotheke?“

Pharmama: „Ja?“

Dr. Späth: „Hier ist Dr. Späth. Ich verstehe, Sie haben versucht mich zu erreichen wegen einem Vorbezug.“

Pharmama: „Ja, das haben wir. Für Herrn …“

Dr. Späth: „Nun, sie haben es in die falsche Praxis gefaxt. Ich arbeite in zwei Arztpraxen und der Patient ist in dieser Praxis hier angemeldet. Bitte faxen sie es hierher.“

Das gibt’s offenbar immer öfter: dass ein Arzt in mehr als einer Praxis arbeitet. Nun gut – kann ich nicht schmecken, bei uns ist unter seiner Konkordatsnummer – das ist die Abrechnungsnummer für die Kasse – nur eine Adresse angegeben.

Pharmama: „Okay, wie ist die Nummer?“

Dr. Späth: „Oh, ich weiss sie nicht. Das ist nicht etwas, was ich mir merken muss.“

… ich warte – nichts kommt mehr. …

Pharmama: „Ich würde es Ihnen gerne faxen, aber – wenn Sie mir nicht die Nummer angeben, kann ich das schlecht.“

Dr. Späth: „Haben Sie die Nummer schon im Internet gesucht?“

(Waaa..? Macht der sich über mich lustig?)

Am Ende gibt er mir die Adresse der Praxis, ich finde die Faxnummer heraus … obwohl es einfacher gewesen wäre, hätte er rasch die Praxisassistentin gefragt.

Wir faxen es noch einmal.

Keine Antwort.

Tag 5 – Der Patient kommt mit einem handgeschriebenen Rezept vom Arzt.

So wie’s jetzt aussieht (Datum vom Rezept) hat der Patient das beim letzten Besuch bekommen – weshalb der Arzt uns einfach kein neues Rezept ausstellen wollte. Und jetzt hat der Patient das wieder gefunden…

Grrrr.

Das hätte der Arzt ja auch sagen können – oder?

Gute Zusammenarbeit

Ich schreibe häufiger mal von Problemen mit Ärzten, aber jetzt will ich auch einmal ein Beispiel von einer Vorbildlichen Zusammenarbeit bringen. Das gibt es nämlich auch.

Die Stammkundin hatte vor ein paar Monaten eine Glaukomoperation (an beiden Augen), die problemlos abgelaufen ist. Sie sah danach sogar besser als vorher, da sie gleichzeitig an der Linse ihre Fehlsicht etwas korrigieren konnten. Darum ist es um so erstaunlicher als sie kommt und über einen plötzlichen Sehverlust im einen Auge klagt.

Ich schicke sie sofort zum Augenarzt. Gehen Sie nicht über Start, ziehen sie keine 20’000 Franken ein, gehen Sie sofort zum Arzt. Jetzt!

Sehverlust und / oder plötzliche Schmerzen in den Augen – das sind klassische Warnsignale.

Etwas später kommt sie mit einem Rezept für befeuchtende Augentropfen und einem Mittel gegen entzündete Augen wieder.

„Was hat er gefunden?“ frage ich

Kundin: „Er ist sich nicht ganz sicher, er hat eine Probe aus dem Auge genommen, die er noch anschauen will, bis dahin hat er mir das hier aufgeschrieben.“

Sie geht, aber nur wenig später bekomme ich direkt ein Telefon vom Augenarzt.

Augenarzt: „Es ist eine Herpes Zoster Infektion. Was haben Sie am Lager, das ich ihr aufschreiben kann? – sie braucht gleich etwas.“

Das ist toll – er schreibt nicht einfach etwas aus, was ich vielleicht nicht habe und das ich erst ersetzen oder besorgen muss – es schaut, was ich hier habe! Eile tut Not und so … geht es tatsächlich am schnellsten.

Zusammen mit dem Augenarzt finde ich ein geeignetes Antivirenmittel (Valacyclovir), das wir auch an Lager haben, das sie zusammen mit Cortison Augentropfen und einem Schmerzmittel dazu noch bekommt. Er faxt das Rezept, ich führe es aus und lasse es sofort vorbeibringen.

Herpes Zoster ist das Virus, das erstens Windpocken und später Gürtelrose macht. Die Gürtelrose kann man an allen möglichen Nervensträngen bekommen – leider auch an denen im Auge. Unbehandelt kann das üble Langzeitfolgen haben – Schmerzen und in ihrem Fall bleibender Sehverlust. Je früher man da eine Behandlung beginnt, desto besser.

Kleiner Nachtrag: Sie hat ihre Sehkraft praktisch wieder vollständig zurückbekommen – aber das musste einige Wochen behandelt werden. Sie ist heute eine unserer dankbarsten Kundinnen.

Zusammenbruch der Zusammenarbeit. Folgen der Selbstdispensation

Selbstdispensierende Ärzte können ein Problem sein.

Meine … Kollegin arbeitet in einem Kanton, wo ein Teil der Ärzte selber Medikamente abgibt – ein anderer Teil aber nicht.

Man bekommt teils Rezepte auch von den selbstdispensierenden Ärzten, vor allem, wenn sie etwas nicht haben. Lies: alles, was etwas ungewöhnlicher ist.

Rezepte können … fehlerhaft sein. Das ist unser täglich Brot: zu kontrollieren wegen Dosierung und Anwendung und im Fall einzugreifen. Meist ist es kein Problem, das mit dem verschreibenden Arzt zu klären – aber manche der SD Ärzte sind da offenbar sehr eklig gegenüber den Apothekern. Anfragen werden nicht beantwortet, es wird nicht innert nützlicher Zeit zurückgerufen, Vorbezüge für Dauermedikamente werden nicht ausgestellt und ganz allgemein ist das Verhalten mehr als kühl .. unhöflich!

So auch der Arzt, der dem 4-jährigen Kind einen Cortison-Nasenspray aufgeschrieben hat. Nach der Erläuterung der Mutter sollte das aber eher ein Inhalationsmittel sein. Also für die Lunge – nicht die Nase.

Die Apothekerin rief der Praxis an, das zu klären und eventuell zu ändern.

Der Arzt gab dann auch zu, dass er den Inhalator verschreiben wollte, aber er war am Telefon so etwas von unfreundlich … dass sie da nicht mehr so bald anrufen wird.

Lieber schickt sie die Patienten mit so einem Problemrezept gleich selber wieder zum Arzt, das zu klären. Das ist nicht sehr Patientenfreundlich und es ist wirklich eine Schande, wenn die Profis im Gesundheitssystem nicht zusammenarbeiten können um den Patienten die beste, sicherste und schnellste Service zu bieten.

Aber der Apothekerin  werfe ich das hier nicht vor.

Lassen Sie mich durch, ich muss zum Gemüse!

Vom Einkaufszentrum nebenan kommt eine Mitarbeiterin in die Apotheke gerannt:

„Kommen sie schnell, da ist eine Frau vor der Gemüseabteilung umgefallen!“ 

Ich packe Handschuhe und Traubenzucker (die zwei Sachen brauche ich meistens) und spurte los. Als ich ankomme, ist schon eine Ärztin vor Ort, die wohl auch einkaufen war und bereits dabei ist, die bewusstlos am Boden liegende ältere Frau zu untersuchen. Aufgrund deren Leibesfülle hat sie ziemlich Mühe damit:

„Ich kann keinen Puls finden!“ sagt sie zu mir.

Zuerst ist unklar ob wegen der Fettschichten oder ob keiner vorhanden ist, aber als die Frau aufhört zu atmen wird die Frage überflüssig. Wir drehen sie auf den Rücken. Sie beginnt mit der Herzmassage und fragt nach Unterstützung:

„Haben Sie keine Beatmungsmasken oder einen Defibrillator?“

Doch! Rennen und holen.

Wir schliessen den Defibrillator an die Frau an. Das Ding ist wirklich super, auch wenn ich es noch nicht brauchen musste bisher. Es redet einen durch den Prozess: „Kleben Sie die Elektroden an die bezeichneten Stellen“„Kein Herzschlag vorhanden“. „Bitte zurücktreten, Schock wird ausgelöst“. „Jetzt Schockknopf drücken“ Bzzzzt! Und nochmal „Bzzzt!“

Während wir uns abmühen und die Mitarbeiter vom Kaufhaus mit Tüchern einen Sichtschutz um uns erstellen, bekomme ich nur im Hintergrund mit, wie die Kunden reagieren. Da wird natürlich versucht etwas zu sehen und herumgestanden – es passiert ja so selten etwas aufregendes. Noch mehr, als die Sanität eintrifft und einen grösseren Defibrillator mitbringt.

Und dann gibt es diesen einen Mann im Anzug, den nur eines interessiert (und das bekommen auch wir hinter dem Tuch mit): „Lassen Sie mich durch! Ich muss zu meinem Gemüse da hinten!“

Leider hat es die Frau trotz aller Bemühungen nicht geschafft. Und der Mann auch nicht – jedenfalls nicht an dem Tag zum Gemüse.

Auch Apotheken haben Notdienst

Gut, *der* Krug ist dieses Jahr an uns vorbeigegangen, aber … einige von uns sind auch diese Festtage da draussen und arbeiten. Genau wie Josephine und der kinderdoc – ich denk‘ an Euch, Leute!

In 2008, the following message was left on my office voicemail around 8:30 p.m. Christmas Eve:
„Hello, I’m calling from Local Pharmacy about a refill for Dr. Grumpy. It’s on patient Amy Loid, for her medication. The idiots at her nursing home didn’t realize she was all out until 5 minutes ago, and then were stupid enough to think they could just waltz down here and get more. But no, there were no refills.

„So if someone could please call me to refill this, this bunch of bozos at the care home want it tonight. And I’ll be here, tonight, on Christmas Eve, at Local Pharmacy, all damn night. So you can reach me whenever you call. My name is Joy. Thank you.“
Übernommen von „Doctor Grumpy in the House
Übersetzung:
2008 wurde auf dem Anrufbeantworter von Dr. Grumpys Büro abends um 8:30 Uhr an Weihnachten diese Nachricht hinterlassen:
„Hallo, ich rufe von der lokalen Apotheke an wegen einer Wiederholung eines Medikamentes ausgestellt von Dr. Grumpy. Es ist für die Patientin Amy Loid. Die Idioten in ihrem Pflegeheim haben bis vor 5 Minuten nicht bemerkt, dass sie keine Medikamente mehr hat und waren doof genug zu denken, sie könnten einfach hier rein marschieren um neue zu bekommen. Aber nein, sie hat kein Rezept mehr dafür.
Also, wenn mich bitte irgendjemand hier anrufen würde, damit ich das abgeben kann, dieser Haufen Deppen vom Pflegeheim wollen es noch heute Nacht. Und ich bin hier heute Nacht, am Weihnachtsabend, in der lokalen Apotheke, die ganze verdammte Nacht lang. Also können sie mich erreichen, wann immer sie anrufen. Mein Name ist Joy. Danke.“