Und könnten Sie mir noch …

Situation: die Kundin ist im Einkaufszentrum nebenan gestürzt und hat Verletzungen, die sich unbedingt der Arzt, respektive die Notfallstation ansehen muss. Namentlich eine Platzwunde am Kopf und aufgerissene Haut am Arm. Beides haben wir in der Apotheke provisorisch verarztet.
Frau: Ich muss aber noch rasch nach Hause, meine Einkäufe ablegen!“
Also rufen wir ein Taxi für sie.
Die Pharmaassistentin geht mit ihr zum Eingang des Zentrums, um zu warten. Dabei trägt sie die Einkaufstaschen der Frau.
Frau: Oh– ich muss noch meine Uhr vom Uhrmacher abholen, könnten sie ….“
Die Pharmaassistentin kann. Mit dem Abholzettel rennt sie los und holt die Uhr.
Kaum ist sie zurück, ist das Taxi da. Sie hilft beim Einladen und instruiert den Fahrer, dass er die Frau nicht nur nach Hause, sondern danach gleich ins Spital bringen soll.
Frau: „Aber mein Einkaufswagen!
Pharmaassistentin: „Kein Problem, ich bringe ihn zurück!“
Frau: „Da sind noch meine 2 Franken Depot drin! Könnten Sie …?“
Die Pharmaassistentin kann und rennt nochmals mit dem Einkaufswagen los und kommt mit den 2 Franken Depot zurück…

und bekommt nicht mal ein Dankeschön zu hören.

Nicht empfehlenswert

Im Moment ist enorm viel Werbung im Umlauf für so „Stifte“ zur „einfachen Behandlung von Nagelpilz“ – ich habe sie mir angesehen – ja, dank Nachfrage, verkaufen wir sie auch – aber irgendwie … ich kann nicht wirklich dran glauben, dass das hilft. Bis ich irgendwelche Rückmeldungen von Kunden bekommen habe – oder anständige Studien gesehen habe, fallen die bei mir in die Kathegorie „eher fragliche Mittel“. Davon gibt es auch bei uns (leider) einige.

Ich dachte mir, ich mache mal eine Liste. Also: Sachen, mit denen ich Mühe habe bei der Beratung / die ich nicht empfehle:

die meisten Mittel gegen Nagelpilz – nicht Fusspilz, Nagelpilz. Aus eigener Erfahrung und der der Kunden ist das enorm schwierig selbst zu behandeln. Es gibt Mittel, aber auch bei korrekter, sehr langer Anwendung kann es sein, dass es nicht genug ist. Da hilft nur zum Arzt zu gehen. Es gibt nämlich Tabletten die wirken, deren Anwendung aber abgeklärt werden soll.

Alle Mittelchen gegen Schnarchen. So leid es mir tut, aber Nasenpflaster geben wohl mehr Luft, nützen aber höchstens wenn das Problem in der Nasenscheidewand liegt, was selten der Fall ist. Rachensprays, Plättchen zum Lutschen etc mögen kurzfristig etwas bringen, aber eigentlich hatte ich noch keinen, der zurückkam und sagte das ist es! Über’s Schnarchen und mögliche Behandlungen habe ich übrigens hier schon mal geschrieben.

Die meisten Mittelchen zum abnehmen. Abnehmen tut man wegen einer Kombination aus Ernährungsanpassung, Stichwort ‚gesundes Essen’ und ‚Energiebilanz’ sowie Bewegung und Lifestilekorrektur. All die Mittelchen sind äh, unterstützend und nicht mehr.

Eine Menge der Mittel gegen genetisch bedingten Haarausfall. Ja, es gibt solche, die wirken, ABER die sind dann regelmässig und immer anzuwenden und nicht preisgünstig und dann sollten wir noch ein Wort über die Nebenwirkungen von manchen verlieren. Und: NEIN, auch wenn das auf dem Shampoo steht: das nützt nix. Mehr darüber hier.

Ohrenkerzen: in meinen Augen reiner Humbug. Wenn das jemand kaufen will, ok, empfehlen werde ich das NIE. Und: Bitte nicht alleine anwenden, ich habe schon genug Fälle von Verbrennungen gehört, weil etwas Wachs ins Ohr getropft ist. Kurzfristig waren doe Dinger bei uns sogar verboten, inzwischen bekommt man sie wieder.

Fusspflaster: Äh ja. Es wird braun über Nacht. Ich bezweifle aber dass das wirklich Gift- und Schlackestoffe sind. Aber zumindest habe ich hier noch von keinem gehört, der sich damit geschadet hätte.

… fällt noch jemandem etwas ein? (Und lassen wir die Homöopathie hier mal vor, das sind sie jetzt schon genug am diskutieren)

Frage an die Ärzte

Blogleser Steven fragt (und ich gebe das hier so weiter, weil es mich auch interessiert):

„Was mich persönlich interessieren würde:
Ich nehme an, dass in der CH Ärzte ebenfalls wie Apotheken verpflichtet sind, ein Patientendossier zu führen. Ist sowohl beim Arzt als auch in der Apo sinnvoll, keine Diskussion.

Wie sieht das eigentlich in D aus? Sind Ärzte gesetzlich verpflichtet, ein Patientendossier zu führen oder tun sie das einfach (illegalerweise), weil es halt sinnvoll ist?
Persönlich hab ich noch nie bei nem deutschen Arzt eine Einwilligung zur Speicherung persönlicher Daten unterzeichnen müssen. Wenn der Arzt nicht ausdrücklich die Verpflichtung hat, müsste er doch auch erstmal eine Einwilligungserklärung über die Speicherung persönlicher Daten von seinen Patienten einfordern, oder?

Kann mir das ein deutscher Arzt beantworten?“

Und: Wenn in der CH ein Patientendossier auch vom Arzt geführt werden muss … warum ist es dann so, wenn ich wegen einem unleserlichen Rezept dort anrufe die Praxisassistentin mir sagt, der Arzt habe nichts aufgeschrieben? Dossier noch nicht nachgeführt?

Verweigert

Vorausschickend: Ich sage nicht gerne nein. Aber manchmal muss es sein. Aus gesetzlichen Gründen, aus Vernunftsgründen und manchmal auch nur für meinen Seelenfrieden.

Telefon Kundin: „Ich bräuchte da eine Auskunft vom Arzt – ich erreiche ihn aber nicht. Könnten Sie ihm nicht anrufen, dass er mir zurückrufen soll?“
Pharmama: „Äh, nein, das können sie direkt selbst machen, dafür brauchen sie mich nicht.“
Kundin: „Nein, rufen sie ihm an, das geht schneller.“
Pharmama: „Das macht keinen Unterschied, ob sie oder ich es sind, die ihm telefonieren, nur dass es nochmals eine Verzögerung gibt, weil er dann sie ja noch zurückrufen muss.“
Kundin: „Aber bei ihnen nimmt er eher ab, als wenn ich anrufe.“
Pharmama: „Das glaube ich nicht. Ausserdem bin ich hier ziemlich beschäftigt. Das müssen sie wirklich selber machen, ich habe hier keine Zeit  für sie herumzutelefonieren.“
Kundin: „Aber ihre Kollegin hat das schon gemacht, und dann hat er nach einer Stunde zurückgerufen!“
Pharmama: „Ich mache es aber nicht. Ausserdem muss ich jetzt, da warten schon wieder ein paar Kunden …“ (Ja, ehrlich!)

Kommt noch dazu: wenn ich jetzt einwillige die Sekretärin zu spielen, bin ich wirklich ständig am Telefon nur um zu schauen, ob ich jetzt vielleicht durchkomme und dann ruft die Kundin wahrscheinlich noch 10 x zurück, ob ich den Arzt jetzt schon erreicht habe. Das kann ich beides jetzt wirklich nicht brauchen. Plus: mach so etwas einmal, dann kommt sie immer wieder mit solchen Anliegen.

Darum: Nein.

Das musste ich so lernen. Fällt es Euch einfach, „Nein“ zu sagen?

Dechiffrierung

Telefon Kundin:
„Mein Mann ist gerade beim Arzt gewesen, der hat ihm ein neues Rezept ausgestellt.
Wir sind beide nicht allzu gut zu Fuss, ich schicke jemanden mit dem Rezept.
Darauf steht … Se..r..o… hmm. „

Apothekerin: „Seropram vielleicht? Oder Seroquel?“
Kundin: „Irgendetwas mit 20mg …“
Apothekerin: „Wahrscheinlich Seropram. Was noch?“
Kundin: „Das zweite heisst …. Nein, das kann ich gar nicht lesen.“

Kundin (ärgerlich): Jetzt rufe ich extra an, weil ich denke, sie könnten es vielleicht vorbereiten. Und dann schreibt der Arzt sowas von …
Also ich schicke jemanden mit dem Rezept.
Nichts für ungut!“

Hängt auf.

Jaja, die schönen handgeschriebenen Rezepte. Überlasst die Dechiffrierung dem Apotheker … der kann das. (Meistens)