Manuell ausräumen

Man hört ja gelegentlich noch davon, dennoch bin ich immer etwas überrascht. dass Leute das tatsächlich auch selbst machen.

Da war dieser Mann, der in die Apotheke kam um etwas gegen Verstopfung zu holen. Dann holt er aus und erzählt, dass er so verstopft gewesen ist, dass er „es“ mit einem Löffel herausholen musste …

Nachdem man ihn ausführlich beraten hat und erst ein Klistier und dann regelmässige Gabe eines osmotischen Mittels empfohlen hat, geht er wieder.

Es scheint funktioniert zu haben, denn als nächstes kommt er mit seinen Rezepten zu uns.

Auf einem davon: MST Continuus.

Hmmhmmm … starke Opiate verursachen klassischerweise als Nebenwirkung Verstopfung. Kein Wunder hat er so Probleme. Erstaunlich nur, dass bis jetzt noch niemand darauf gekommen ist.

Apotheken in aller Welt, 87: Heidelberg, Deutschland

MonsterBiene schickt uns dies:

ein Bild für Deine Serie Apotheken aus aller Welt. Es handelt sich um die Hof-Apotheke in Heidelberg. Kein berauschendes Bild von einer Apo in einem wunderschönem alten Gebäude. Allerdings am Eingang einer beliebten Fußgängerzone: entweder man hat Menschenmassen im Bild, weil alle warten dass die Ampel grün wird. Oder man hat die vorbeifahrenden Autos.Ich hoffe, das Bild gefällt Dir trotzdem.

Klar!

 

Trau keiner Statistik …

… die Du nicht selbst gefälscht hast. Sagt der Volksmund.

Das gilt auch für Studien zu Medikamenten. Man sollte diese immer mit einem Körnchen Salz „geniessen“ und sehr genau anschauen. Der Grund: das tolle, neue Medikament, das da vorgestellt wird wurde in den allermeisten Fällen von denen getestet, die es entwickelt haben und das ist – um es mit einer Metapher zu sagen – „als ob die Eltern die Schulzeugnisse für das eigene Kind schreiben würden.“
Natürlich wollen die Entwickler, dass das Medikament den Menschen hilft. Noch mehr aber wollen sie, dass sie damit Geld verdienen.

An der Uni haben wir gelernt, was eine gute Studie ausmacht und worauf man achten soll.

Dinge wie :

Studienziel: was wollten sie mit der Studie eigentlich erreichen – und was ist effektiv dabei herausgekommen? Das ist bei weitem nicht immer dasselbe. Das Studienziel muss vorher festgelegt werden.
Was ist es für eine Studie? Meta Studie, Fall-Kontroll Studie, Klinische Studie, Kohortenstudie…
Anzahl der Studienteilnehmer: je mehr, desto besser: unter 100 ist es nicht wirklich aussagekräftig.
Dauer der Studie: auch hier: je länger, je besser.
Aufteilung in eine Verum und eine Placebogruppe: das bedeutet, die einen erhalten das neue Medikament, die anderen etwas was so aussieht, es aber nicht ist.
Randomisierung: die Aufteilung auf diese Gruppen erfolgt zufällig. Trotzdem sollten die beiden Gruppen idealerweise vergleichbar sein, was Altersgruppe, Geschlechtsverteilung etc angeht.
Blind: die Teilnehmer dürfen nicht wissen, zu welcher Gruppe sie gehören.
Doppelblind: auch die testenden Ärzte dürfen nicht wissen, zu welcher Gruppe die Patienten gehören, die sie testen.
Sehr gut ist auch, wenn das Gruppen nach einer gewissen Zeit sozusagen die Plätze tauschen, d.h. die Placebogruppe erhält dann das Medikament und die Verumgruppe das Placebo.
Man sollte ausserdem nicht nur gegen Placebo testen, sondern auch gegen die Standardtherapie einer Erkrankung. Erst dann kann man wirklich sagen, dass es besser ist.

Zum Bild: Das sieht toll aus – bis man sieht, dass sie den (gleichen) Wirkstoff 2000mg neu gegen 1500mg alt vergleichen. Da wundert die „bessere Wirkung“ gleich nicht mehr.

Es gilt auch auf Kleinigkeiten zu achten.
Aussagen wie: „Nebenwirkungen wurden keine beobachtet“ heisst nicht, dass das Medikament keine Nebenwirkungen hat, sondern dass sie die Patienten nicht gefragt haben, ob sie welche haben, sie also nicht festgehalten haben. (!)

Heute kommt es häufiger vor, dass ein Medikament nach der Zulassung und nachdem es einige Zeit bei einer grossen Population angewendet wurde, Effekte zeigt, die in den Studien nicht aufgetreten sind … oder nicht getestet wurden:

Beispiel Vioxx: Machte weniger Nebenwirkungen als bisherige NSAR (Schmerzmittel), darum wurde es zur Langzeittherapie von Schmerzpatienten zugelassen, aber es zeigte sich, dass die Mortalität (die Sterblichkeit) unter der Behandlung nach einigen Jahren grösser war als ohne Behandlung – genauer gesagt: mehr Herzinfarkte. Schlecht.

In einem solchen Fall wird das Medikament wieder vom Markt zurückgezogen – aber vorher geht der Fall erst durch die Medien. Und in Amerika verklagen sie natürlich den Hersteller.

Dabei sind bei der Sache noch ein paar Dinge unklar.
Z.B. ob die Wahrscheinlichkeit an einer Magenblutung, die durch die Langzeiteinnahme von NSAR wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen oder Indometacin zu sterben nicht doch höher ist als das Risiko einer Herzinfarktes unter Rofecoxib (Vioxx) oder wie es um das Herzinfarktrisiko bei der Daueranwendung der alten NSAR steht – denn davon existieren noch gar keine Langzeitstudien!

Und mein Kommentar: Augen auf!

„Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen … aber das Wissen ändert sich.“

Apotheken in aller Welt, 86: Hannover, Deutschland

Philipp schickt und Bilder „seiner“ Apotheke in Hannover:

heute bin ich endlich dazu gekommen, meine Stammapotheke zu photographieren: die Sahlkamp-Apotheke im gleichnamigen Stadteil Hannovers. Auf Nachfrage durfte ich sogar ein Bild von Inneren machen, das allerdings nicht sonderlich gelungen ist.
Auch wenn das Gebäude sicher nicht das schönste ist, ist diese Apotheke doch eines der Traditionsunternehmen hier im Viertel und die Beratung war bisher immer ausgezeichnet.

Noch mehr nervige Vertreter

Da war letzthin ein Vertreter, der tatsächlich ein Besuchs-Avis geschickt hat, zusammen mit (wie üblich) den Bestellzetteln … und als er dann in die Apotheke kommt sagt er nur:

Wo ist die Bestellung? Ich bin nur hier, um die Bestellung entgegen zu nehmen!“

Nun, die Bestellung, die mache ich normalerweise nachdem der Vertreter hier war und mir gezeigt hat, was es Neues gibt, wo es vielleicht Aktionen gibt und wenn ich die Retouren mit ihm angeschaut habe etc.

Ich brauche ihn auch nicht zwingend damit er die Bestellung entgegen nimmt – die hat nämlich (s)eine Faxnummer drauf, an die ich sie schicken kann.

Und wenn er ohne Info zu geben wieder abrauscht … nun, dann brauche ich ihn wohl gar nicht mehr. Aber die Bestellung, die werde ich jetzt noch besser anschauen, ob ich davon wirklich etwas brauche.

Es gibt gute Vertreter. Das war keiner von denen.

Alt und Neu: Kaliumiodid

Heute mal etwas besonderes:

Oben die alte, unten die neue Verpackung. Sieht gar nicht so alt aus, die alte – nicht?

Das ist ein Medikament das so nicht im Handel ist und trotzdem haben wir in der Apotheke einige davon an Lager. Dabei hoffe ich, es NIE brauchen zu müssen.

Warum? Ich darf Wikipedia zitieren:

Kaliumiodid hat im Strahlenschutz eine Bedeutung. In Form von Tabletten (umgangssprachlich als „Jodtabletten“ bezeichnet) wird Kaliumiodid bei Strahlenunfällen vorbeugend verabreicht. Die durch das Kaliumiodid bewirkte Iodblockade führt zu einer Verminderung der Aufnahme radioaktiven Iods (131I) in die Schilddrüse um den Faktor 90 und darüber.

In der Schweiz wird Kaliumiodid präventiv an die Bevölkerung im Umkreis von 20 km um Kernkraftwerke abgegeben. Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit ordnet bei einem Unglücksfall die Einnahme der Kaliumiodidtabletten über Sirenenalarm und Radiomitteilungen an.

Also: Im Falle eines Reaktorunfalls oder sonst bei Austreten von Radioaktivität muss man das nehmen, damit sich das radioaktive Jod nicht in der Schilddrüse ansammelt und Krebs verursacht. Nicht nur die Bevölkerung um die Atomkraftwerke hat das bei sich zu Hause, in der Schweiz sind ausserdem die Schulen, Behörden, Krankenhäuser und Apotheken mit Packungen ausgerüstet – noch mehr dürften sich in den Militärbeständen befinden. Info siehe auch hier: http://www.kaliumiodid.ch/

Obige alte Packung stammt auch aus einer Schule. Die Packungen sind abgelaufen und sie haben neue bekommen- eigentlich hätten sie die alten direkt an die Armee zurückschicken sollen, aber gewisse fanden es einfacher, es in die Apotheke zu bringen zum entsorgen.

Kleiner Nachtrag: Das ist so ein Fall, wo das Verfalldatum der Tabletten absolut keinen Sinn macht. Die gehen nicht kaputt, der Wirkstoff baut sich nicht ab – trotzdem werden sie ausgetauscht.