Apotheken in aller Welt, 125: Mayen, Deutschland

Von Leser Morell:

hier mal eine Apotheke aus der Innenstadt Mayen (Vulkaneifel, ca. 25 km westlich von Koblenz, Deutschland). Von außen und von Innen (soweit von außen zu erkennen) nicht sehr spektakulär, aber das Schild ist doch ungewöhnlich. Auch wenn ich die eigentliche Krone abgeschnitten habe. Die Bildqualität ist leider nicht sehr hoch, ich hatte nur das Mobiltelefon dabei.

Es gibt auch eine Homepage mit weiteren und besseren Bildern auch von Innen.

Auch hübsch! Schade ist die Krone abgeschnitten, aber Schlange und Becher sehen auch gut aus.

Aber Sie müssen sich an mich erinnern!

Tatsächlich, wir erinnern uns.

Die Drogisten-Kollegin, hat die Kundin etwa 1 Stunde lang ausführlichst beraten, bis sie sich für ein Produkt entschieden hat. Dann wollte sie es als Geschenk eingepackt haben, während sie rasch etwas trinken geht. Sie sagte, sie käme gleich zurück es zu bezahlen.

Sie kam nicht mehr. Leider hat sie auch keinen Namen genannt, so dass man ihr telefonieren konnte.

Man hielt ihr das Geschenk 1 Woche auf der Seite, falls sie doch noch kommt, dann hat man es wieder ausgepackt und versorgt.

Und jetzt – 2 Wochen später ruft sie an und will es.

Kundin: „Sie erinnern sich sicher noch an mich, ja? Ich habe ganz vergessen es abzuholen, aber da ich es ja bezahlt habe …“

Drogistin: „Ja ich erinnere mich, aber … es wurde noch nicht bezahlt.“

Kundin: „Doch, doch, das weiss ich ganz genau – sie müssen sich doch auch daran erinnern?“

Drogistin: (Schaut nochmal nach): „Tut mir leid, aber es wurde noch nicht bezahlt. Wir können jeden Verkauf im Computer nachvollziehen. An dem Tag haben wir das Produkt nicht verkauft – also auch nicht an sie.“

Kundin: „Doch, doch, das habe ich bezahlt,  und … ich komme das jetzt abholen!“

Drogistin: „In Ordnung, aber sie müssen entweder den Kassabon mitbringen, als Zahlungsbeleg – oder es beim abholen zahlen.“

Sie kommt tatsächlich und macht nochmals den gleichen Aufstand, aber einen Beleg hat sie logischerweise keinen.

Was war das? Der Versuch gratis an ein (teures) Kosmetik- Produkt zu kommen? Wusste sie es wirklich nicht mehr?

Die Selbstdispensation in den Medien

Was kostet die Selbstdispensation?
Zahlreiche Studien wurden zur Frage verfasst, ob die Selbstdispensation oder die Abgabe in Apotheken aufgrund von ärztlichen Rezepten kostengünstiger ist. Konstantin Beck, Ute Kunze und Willy Oggier kommen in ihrer Studie zum Schluss, dass in den SD-Kantonen,nach Korrektur um die sozioökonomischen Unterschiede, um 243 Franken höhere Medikamentenkosten pro Einwohner und Jahr anfallen als in den Rezepturkantonen. Der Kostenunterschied zwischen SD-Kantonen und Kantonen mit Mischsystem sei erwartungsgemäss kleiner; er beträgt aber immer noch signifikante 35 Franken pro Kopf und Jahr
Quelle: Beck, Ute Kunze und Willy Oggier, „Selbstdispensation: Kosten treibender oder Kosten dämpfender Faktor?‘, in Managed Care 6/2004

Die Politik zur Selbstdispensation
In 17 Kantonen haben die Ärtzte heute ganz oder gebietsweise das Recht, Medikamente selber abzugeben. Und das Geschäft mit dieser sogenannten Selbstdispensation ist äusserst lukrativ. Der Preisüberwacher hat letztes Jahr in einer Studie aufgezeigt, dass die Ärzte mit eigener Apotheke allein durch den Medikamentenverkauf ihr Einkommen im Durchschnitt um 106 000 Franken aufbessern konnten.
Genau diese Verknüpfung zwischen Einkommen und Medikamentenabgabe ist Couchepin nun aber ein Dorn im Auge. Wo ein Arzt mit Medikamenten verdiene, bestehe die Gefahr, dass er mehr und Teureres verschreibe als nötig. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind die Medikamentenkosten in Kantonen mit Selbstdispensation deutlich höher – um 250 Franken pro Person. «Diese Situation ist unhaltbar», sagt Couchepin.
Quelle: Tagesanzeiger 22.9.09 ZH

ZÜRICH Immer mehr Ärzte geben ihren Patienten Medikamente ab. Zwischen 2005 und 2008 stieg ihre Zahl um 6 Prozent auf 4300, wie eine Studie der grössten Krankenkasse Helsana zeigt. Gleichzeitig verkauften die selbstdispensierenden Ärzte in dieser Zeit 16 Prozent mehr Medikamente. Die Kasse errechnete pro Jahr einen Durchschnitts-Reingewinn von 55 000 Franken pro Arzt oder 7.40 Franken pro Packung. «Ein ungerechtfertigter Profit», wie die Helsana findet. Die Ärzte erhalten die gleiche Marge wie die Apotheker. Ihnen bleibt mehr Gewinn, weil sie geringere Fixkosten haben. Es dürfe keine Anreize mehr für die Ärzte geben, möglichst viele Medikamente abzugeben
Quelle: Sonntags Zeitung

Mein Arzt hat zu mir gesagt, dass die Medikamente bei ihm billiger sind als in der Apotheke, stimmt das?
Diese Aussage ist nicht richtig. Der Medikamentenpreis ist staatlich verordnet und gilt für alle Leistungserbringer: Spitäler, Apotheken und Ärzte. Jeder Leistungserbringer kann bei der Medikamentenabgabe für die Leistung die Tarife verrechnen, welche mit der Krankenkasse vertraglich festgelegt worden sind. Die Tarife der Apotheken sind sogenannte Fallpauschalen, welche unabhängig vom Zeitaufwand sind. Der Arzt verrechnet seinen Aufwand gemäss TarMed im 5-Minuten-Takt (ca. CHF 18.- pro angebrochene 5 Minuten). 
Genau genommen sind die Medikamente in den öffentlichen Apotheken billiger, weil diese gemäss LOA-Vertrag den Krankenversicherungen bei der Abrechnung der Rezepte auf die Medikamentenpreise 2.5% Rabatt geben (Kostenstabilisierungsbeitrag). Gerade bei teuren Medikamenten macht dies sofort ein paar Franken aus. Bisher leisten die Ärzte keinen solchen Beitrag zur Kosteneinsparung bei den Medikamenten.
Quelle: Apothekerverband Zürich

Zusammenarbeit in Gefahr
Der Medikamentenverkauf der SD-Ärzte hat sich als Blockade für jegliche Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker erwiesen. pharmaSuisse freut sich sehr, auch künftig zum Wohle der Bevölkerung in enger Kooperation mit der Ärzteschaft zu arbeiten.
Die Ärzte müssen für ihre ethisch hochstehende Arbeit korrekt entlohnt werden, nicht aber für den Verkauf der von ihnen verschriebenen Medikamente
Quelle: Homepage pharmasuisse

„Miteinander statt Gegeneinander“

Ein wichtiger Aufruf von Nicoretta:

Liebe Leser von Pharmamas Blog,

Pharmama hat uns in ihrem Blog schon über „Die Folgen der Selbstdispensation“ informiert und uns auch erklärt „Warum es Apotheker braucht“. Aus aktuellem Anlass werde ich diese Themen nun in einem Gastbeitrag nochmals kurz aufgreifen:

Ärzte und Apotheker geniessen unterschiedliche medizinische Ausbildungen und haben deshalb logischerweise auch unterschiedliche Fachkompetenzen. Der Arzt ist der Spezialist für die Diagnose und die Behandlung; der Apotheker kennt sich mit der Pharmakologie und der Galenik bestens aus und kümmert sich um die Versorgung des Patienten mit Medikamenten. Die beiden Leistungserbringer des Gesundheitswesens ergänzen sich also optimal und erhöhen durch ihre Zusammenarbeit die Patientensicherheit und die Qualität der Therapie.

Die Selbstdispensation stört das gute Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen (Haus-)Ärzten und Apothekern empfindlich, weil sie aus jahrhundertealten Partnern Konkurrenten macht. Und genau deshalb ist folgendes internationaler Standard: Wer verschreibt, der gibt nicht ab! Dies soll auch falsche finanzielle Anreize bei der Verschreibung verhindern und wird deshalb zum Beispiel auch vom Preisüberwacher gefordert.

Dennoch haben die aargauer Ärzte anfangs dieses Jahres eine Volksinitiative lanciert („Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe“), um das Selbstdispensations-Verbot im Aargau an der Urne aufheben zu lassen.

Sollte der Aargau ein Selbstdispensations-Kanton werden, so werden viele Apotheken schliessen müssen. Dann wird man sich dort auch keine Medikamente für die Selbstmedikation mehr kaufen können. Besonders die Apotheke im Dorf wird es treffen, so dass das gute Apothekennetz im Aargau geschwächt wird ohne, dass neue Hausärzte dazu kommen! Denn die ärztliche Selbstdispensation löst das aktuelle Problem des Hausärztemangels nicht.

Die Apotheken haben im Gesundheitswesen der Schweiz noch andere Aufgaben als die Abgabe von Medikamenten auf Rezept: Sie bieten zum Beispiel ohne Voranmeldung eine gratis Beratung durch eine Medizinalperson und entlasten so die Hausärzte von Bagatellfällen. Ausserdem beliefern sie Heime, bieten einen 24-h-Notfalldienst an, machen Hauslieferungen und bestellen fehlende Medikamente innerhalb eines halben Arbeitstages.

Bezieht man seine Medikamente beim Arzt verzichtet man auf eine doppelte Kontrolle (4-Augen-Prinzip) und eine unabhängige Zweitmeinung durch eine Medizinalperson, nämlich den Apotheker. Ausserdem muss man bei jedem Bezug beim Arzt normalerweise auch eine Konsultation bezahlen; das lohnt sich besonders bei Langzeittherapien nicht.

Deshalb haben die aargauer Apotheker nun ihre eigene Initiative gestartet: „Miteinander statt Gegeneinander“! . Diese will die Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten, aber auch anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen fördern und das Selbstdispensations-Verbot aufrecht erhalten, was hoffentlich auch Kosten sparen wird.

Ich bitte nun all jene Leser die im Aargau stimmberechtigt sind, in eine Apotheke im Aargau zu gehen und dort für unsere Initiative zu unterschreiben, damit wir auch in Zukunft noch für unsere Patienten da sein können.
Eure Nicoretta

Dazu kann ich nur sagen: Mitmachen! Wer im Aargau wohnt und auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker will und eine gutes und zahlbares Gesundheitssystem, der unterschreibe die Petition. Entweder direkt in einer Aargauer Apotheke, oder man kann auf  der „Miteinander statt Gegeneinander“ – Seite das Formular herunterladen und selbst Unterschriften sammeln.

Abfall(ent)sorgen

Bei uns ist es so, dass wir für den Abfall spezielle Säcke oder (alternativ) Marken für die Säcke brauchen.
Beides kostet.
Offenbar genug, dass manche Leute denken, es lohnt sich, wenn sie unsere Abfallsäcke, die wir am Vorabend auf die Strasse gestellt haben, nehmen und den Inhalt in irgendeinen Vorgarten zu kippen, nur um an einen gratis Sack zu kommen.

Herausgefunden haben wir das, weil sich ein Nachbar per Telefon über  Abfall in seinem Garten beklagt hat, der eindeutig von uns war.

Na toll.
Wir entfernen zwar alle Patientendaten und schreddern Dokumente, aber unsere Adresskleber sind noch auf weggeworfenen Produkten von der Drogerie drauf.

Und dann kam beim nächsten Abfallsammeltag das zweite Telefon.
Wieder eine Nachbarin, die uns informieren wollte, dass in Ihrem Garten Unser Abfall liegt. Die Drogistin am Telefon entschuldigte sich natürlich ausführlich dafür und bot ihr an, jemanden vorbeizuschicken mit einem Sack, der das zusammensammelt und entsorgt – aber die Nachbarin wollte das nicht.

Warum?

Nachbarin: „Ach wissen sie, ich habe entdeckt, dass da noch eine Menge noch brauchbarer Sachen drin sind, die nehme ich einfach und entsorge den Rest selber.“

Ja, da drin waren nicht mehr gebrauchte Tester von Hautcremen, Parfum-Tester von Parfums, die nicht mehr im Handel sind und alte Muster….

Trotzdem haben wir Massnahmen ergriffen, damit das nicht mehr vorkommt. Unsere Abfallsäcke kommen jetzt erst am Morgen des Abholtages heraus.