Anderen zu leid leben – Fortsetzung oder Stopp?

Erinnert ihr euch noch an unsere Nachbarn mit dem Stalker – Problem?

Sie haben einen neuen Brief bekommen. Frankiert diesmal und mit höflicherer Anrede …. aber wirklich von ihrem „Unbekannt“. Darin war eine 20 Euro Note und geschrieben in Schreibmaschinenschrift stand da:

Lieber … und …

Mein Spiel mit euch hat mir viel Spass gemacht. Je mehr ihr euch aufgeregt habt, desto mehr habt ihr mich angetrieben weiterzumachen. Ich bin aber bereit aufzuhören, als Entschädigung liegt etwas Geld bei. Wenn ihr das beenden wollt, müsst ihr versprechen, keine weiteren Schritte gegen mich zu unternehmen – als Zeichen dafür hängt ihr einfach ein weisses Laken oder Kopfkissenbezug aus dem Fenster. In dem Fall würde ich euch einen weiteren Sühnebatzen zukommen lassen.

Keine Unterschrift natürlich und kein Absender.

Was meint ihr?

 

Validierung, Abfrage, Nachweis.

Abends nach 6 Uhr kommt ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept für ein Schmerzmittel.

Wir sind voll beschäftigt und die Kollegin übernimmt ihn. Beim Eingeben in den Computer sieht sie, dass er schon einmal da war, aber sie kann seine Krankenkasse nicht validieren (geht normalerweise mit ein paar Knopfdrücken via Internet) – der Grund ist schnell klar: er war seit 2008 nicht mehr hier und inzwischen hat die Nummer gewechselt.

Pharmaassistentin (PA): „Ich bräuchte noch ihre aktuelle Krankenkassenkarte“
Kunde: „Sie haben meine Info im Computer“
PA: „Die Info ist nicht mehr aktuell.“
Kunde: „Dann fragen sie halt bei der Krankenkasse nach.“

(Grumpf. Nicht: „Könnten sie nicht bei der …“)

PA: „Es ist zu spät heute, die haben schon zu. Ich kann noch versuchen die manuelle Abfrage via Internet zu machen – wenn das aber nicht klappt, müssen sie das Medikament selbst bezahlen.“

Die Abfrage war mit der Nummer von 2008 nicht möglich.

Der Kunde stürmt aus der Apotheke ohne Medikament.

PA (nervös): „Hast Du das mitbekommen?“
Ich: „Ja. Du hast das richtig gemacht. Die Krankenkasse schreibt uns die sofortige Validierung der Versicherungsdeckung vor – ansonsten zahlen sie je nachdem nicht. Es kann ja einiges gewechselt haben. Dass wir auch noch seiner Kassendeckung her rennen, das ist reiner Goodwill von uns.“

Am nächsten Morgen kommt derselbe Kunde wieder in die Apotheke und erklärt:
„Ich habe die Krankenkassenkarte nirgends gefunden – ich zahle die Medikamente.“

Okay!

… Irgendwie habe ich das Gefühl, er hat die Kasse gewechselt und dann zuhause festgestellt, dass er bei der neuen sowieso selbst zahlen muss … ansonsten hätte er auch noch mit der aktuellen Krankenkassenabrechnung kommen können und ich hätte dann telefonisch nachgefragt.

Alt und Neu: ABC – Pflaster

Eingesendet von Silke:

Hallo Pharmama, letzte Woche war ich in unserer Apo und bin auf dieses Schätzchen gestossen. Können Sie den Preis erkennen? 1,50 DM – lange ist es her. Das fotografieren des aktuellen Artikels überlasse ich Ihnen, wenn Sie es denn überhaupt wollen.

Ein Prachtstück!! Und jetzt weiß ich auch, woher das ABC eigentlich kommt. Danke vielmals!

Und hier ist dasselbe heute: (nur noch mit Capsaicin)

Woher kommen unsere Medikamente – am Beispiel Lidocain und Lokalanästhetika

Als doch gelegentlicher Zahnarztbesucher ist das ein Thema, wo ich sehr dankbar bin, dass es lokal betäubende Mittel gibt.
Heute ist das selbstverständlich, aber bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts war die einzig wirkungsvolle Methode, den Schmerz bei Operationen zu begrenzen, den Eingriff möglichst kurz zu halten. Alkohol war eine andere Variante – aber das hatte so viele gesundheitsschädliche Wirkungen, dass das auch keine optimale Lösung war.

Dann kamen Ether, Chloroform und Lachgas – die eine ganz neue Welt der Operationsmöglichkeiten auftaten.

Manche Ärzte– zum Beispiel der Augenarzt Carl Koller – suchten jedoch nach weiteren Methoden, um nur bestimmte Körperregionen in Schlaf setzen zu können.

Siegmund Freud (ja, der Wiener Psychiater) machte Koller schliesslich auf Kokain, ein Wirkstoff des Coca-Strauches aufmerksam.
Der Coca-Strauch wurde in Peru und Bolivien traditionellerweise als Stimulans und Appetitzügler benutzt (heute noch) und der Schmerzstillende Effekt war dort bekannt und wurde medizinisch genutzt.

In einem Experiment, bei dem die beiden Wissenschaftler das Kokain einnahmen, bemerkten sie die anästhetische Wirkung des Kokains – ihre Zungen waren betäubt.
Das war die Geburtsstunde der Lokalanästhesie – das Wort kommt vom griechischen Anaisthesia = Unempfindlichkeit, Gefühllosigkeit und dem lateinischen locus = Ort, Stelle.

Kokain wird auch heute noch als Lokalanästhetikum (LA) gebraucht – z.B. in der Ophtalmologie, weil es das einzige ist, welches die Gefässe verschliesst (die anderen weiten die Gefässe) so dass es nicht so sehr blutet und langsamer abgebaut wird. Man gibt heute aus diesem Grund Adrenalin, Noradrenalin oder Phenylephrin mit manchen LA – es blutet weniger und wirkt länger.

Das Kokain gewann bald an Beliebtheit, aber man merkte dann, dass von dem neuen Wunderstoff, der auch schon zur Behandlung der Morphinabhängigkeit eingesetzt wurde selbst eine hohe Suchtgefahr ausging.

Um das Problem zu lösen, versuchten Forscher neue Lokalanästhetika zu synthetisieren.
Die ersten Wirkstoffe mussten wegen Nebenwirkungen oder Gewebeunverträglichkeiten verworfen werden.

Dann fand 1890 der Apotheker und Chemiker Dr. Eduard Ritsert das Benzocain, das er Anästhesin nannte. Irgenndwie ging das aber unter und wurde erst ab 1900 der Öffentlichkeit bekannt.

1904 fand Alfred Eichhorn das Procain, das dem Benzocain prompt die Schau stahl und als „glorreicher Schritt“ gefeiert wurde.
Der Nachteil der neuen Lokalanästhetika war ihr allergenes Potential. Dieser Risikofaktor wurde versucht durch weitere Synhtesen und neue Substanzen zu beseitigen.

1930 Tetracain – 10x stärker wirksam als Procain, aber auch 10 giftiger

1943 gelang es dem schwedischen Chemiker Nils Löfgren das Lidocain zu erzeugen – dieses besitzt statt der anderen Lokalanästhetika keine estertypische COO-Bindung in der Zwischenkette, sondern eine Amidgruppe .. und durch diesen kleinen Unterschied gibt es kaum noch allergische Reaktionen. Es ist schnell und gut wirksam und findet sich neben der Anwendung in Operationen (Stichwort: Zahnarzt-Kokain) heute auch in einer Menge OTC-Produkte wie Halswehmitteln, Zahnungsgels für Babies, Sprays zur Unterdrückung eines vorzeitigen Samenergusses …

Löfgren erkannte auch, dass viele der zur Betäubung eingesetzten Substanzen ähnliche Strukturen aufwiesen:
Lipophiler Teil (aromatisch, heterozyklisch)-ZwischenketteHydrophiler Teil (Amino-Gruppe)
Anhand dieses Schemas wurden in der Folgezeit weitere Narkotika entwickelt.

1957 Bupivacaine
1959 Prilocaine

… (man merkt, dass sie alle auf -cain enden. Wer bei den Wirkstoffen eines Mittels das sieht, weiss also, dass es ein LA ist).

Moderne Lokalanästhetika werden zur örtlichen Betäubung eingesetzt und besitzen keine euphorisierende oder Suchterzeugende Wirkung.
Sie entfalten ihre Wirkung an der Zellmembran von Nervenzellen, wo sie Natriumkanäle und Kaliumkanäle blockieren und die Bildung und Erregungsübertragung abschwächen oder unterbrechen. Dadurch werden Reize und Empfindungen wie Temperatur, Druck oder Schmerz und in höheren Dosierungen auch die motorischen Impulse beeinflusst.

Nebenwirkungen: Lokalanästhetika könnten nicht nur die Peripheren Nerven blockieren, sondern auch in anderen Bereichen, wie Hirn oder Herz. Das passiert im Normalfall nicht, weil sie direkt in die Nähe von peripheren Nerven oder Rückenmark appliziert werden. Gelangt aber eine zu grosse Menge in den Kreislauf (z.B. bei unbemerkter intravenöser Applikation) kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen: Geschmacksstörungen, Taubheit, Zittern, Müdigkeit, bei noch höheren Dosen Konvulsionen bis Koma, Atemstillstand und Herzrhythmusstörungen bis Kreislaufkollaps.

Gute Apothekerin – Schlechte Apothekerin

Manchmal lasse ich den Tag und die Kundenbegegegnungen am Abend Revue passieren und überlege, ob ich heute wohl für die Kunden eine gute Apothekerin gewesen bin, oder eine schlechte.

Das kann dann so aussehen:

Für den Kunden eine Packung seines Medikaments abgegeben, weil das Dauerrezept abgelaufen ist, er aber erst in 2 Wochen einen Arzttermin hat. – gute Apothekerin.

Dem Stammkunden, dem der neue Arzt ein neues Medikament als was er bisher hatte aufgeschrieben hat, verweigert einfach ohne Rückfrage beim Arzt das alte Medikament abzugeben- schlechte Apothekerin

Der sozial eher schwachen Assura Kundin, die Krebsmedikamente bekommt (teuer) und die diese eigentlich erst selbst bezahlen muss eine Speziallösung gefunden und bei der Krankenkasse durchgedrückt, so dass ich jetzt direkt der Kasse abrechnen kann – gute Apothekerin

Für die Kundin, die noch nie bei uns war am Samstag Nachmittag den Arzt zuhause (sorry) angerufen, weil das wichtige Medikament, das er am Vortag aufgeschrieben hat nirgends vorrätig ist. Mit ihm zusammen einen Ersatz gesucht und gefunden den wir haben – gute Apothekerin

Derselben (!) Kundin am Montag darauf die Rückgabe eben jenes Medikaments verweigert – sie hat beschlossen, sie brauche das nicht und es trotz Erläuterungen, wie wichtig das ist (von Arzt und uns) nicht genommen – schlechte Apothekerin.

Dem Kunden mit dem Rezept vom Spital seine Medikamente so herausgesucht, dass er genug hat bis zum Hausarztbesuch in 10 Tagen und keine Medikamente doppelt – ein Teil hatte er schon vor dem Spital auf Dauerrezept und bezogen. Generika statt Original – und auf eine unangenehmere Wechselwirkung mit einem der neuen Medikamente aufmerksam gemacht – über letzteres war die Assistenzärztin, mit der der Kunde nachher Rücksprache genommen hat alles andere als erfreut, sein Hausarzt war allerdings meiner Meinung – gut oder schlecht? Urteil noch ausstehend

Und dann noch dutzende Rezepte mehr, die keine solche Probleme machten, ein paar, wo ich die Medikamente bestellen musste … soll ich dieses eine jetzt nicht vielleicht doch an Lager nehmen? …