Stuhl-run?

Mann in der Apotheke (ärgerlich): „Irgendeines der Medikament, die ich nehmen muss, macht mir Durchfall!“

Pharmama: „Oh, das ist sicher unangenehm.“

Mann: „Ja, ich denke, ich stoppe alle Medikamente, die ich nehme – ich kann es mir nicht leisten jeden Tag auf die Toilette zu rennen!“

Pharmama: „Jeden Tag …. wie oft haben sie denn Durchfall an einem Tag?“

Mann: „Einmal.“

Pharmama: „Das hört sich nicht so schlimm an, wegen dem würde ich nicht einfach alle Medikamente absetzen, das dürfte viel üblere Folgen haben, als das.“

Mann: „Aber ich brauche jetzt eine Rolle Toilettenpapier pro Woche!“

Pharmama: „Ahh … und wie oft mussten sie früher denn auf die Toilette?“

Mann: „Einmal pro Woche, vielleicht zwei Mal.“

Pharmama: „Das hört sich eher an, als seien sie früher verstopft gewesen und jetzt sind sie es nicht mehr. Aber … beschreiben sie mir doch, was sie unter Durchfall verstehen.“

Mann: „Naja, es kommt einfach raus. Ich muss fast nicht pressen. Und dann muss ich häufig nachwischen!“

Pharmama: „Ist es wässrig?“

Mann: „Wässrig? Nein.“

Pharmama: „Was sie mir beschreiben ist eigentlich das, was es sein sollte. Und einmal täglich auf die Toilette zu gehen ist auch normal.“

Mann: „Aber nicht für mich!“

Pharmama: „Lassen Sie mich ihnen sagen: es ist ganz normal und gut so.“

Mann: „Aber das passt mir nicht. Ich will es wieder so haben wie vorher!“

Pharmama: „Ich kann ihnen nichts geben dafür, *das* wäre wirklich nicht gesund.“

Mann: „Dann gehe ich eben woanders hin.“

….

Seufz.

Das Billigste?? (2)

Das neuste Apothekenbashing von Saldo. Ob der Fehlinformation in dem Artikel bekomme ich noch ein Magengeschwür.

Im Saldo im Februar war ein Artikel drin, der wieder nett auf die Apotheken los geht. Titel:

Apotheken verkaufen lieber teure Generika.

Man hat ein paar Leute losgeschickt mit Rezepten und geschaut, was sie darauf in den Apotheken bekommen haben. Auf den Rezepten: Omeprazol oder Losartan. „Schockierendes“ Ergebnis:

Keine Apotheke verkaufte die günstigsten Produkte.

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich hatte es schon einmal, nach was für Kriterien wir (und ev. auch andere Apotheken) Generika aussuchen. Der Preis ist dabei nur ein Kriterium, es geht auch um Einnahmefreundlichkeit, Unterstützung durch die Herstellerfirma (wie sieht es mit Retouren aus …) um das Sortiment der Firma (nicht alle machen alle Generika oder auch nur alle Formen von einem) um Beschaffung (da gibt es Firmen, deren Produkte häufiger wieder nicht lieferbar sind) und so fort.

Nicht zu Vergessen: die Preise ändern. Wenn ich immer das günstigste Generikum von allen an Lager halten wollte, könnte ich alle paar Monate ein Drittel meines Lagers umändern – und wie mache ich das, wenn genau die Hersteller der superbilligen Generika die alten nicht retournehmen?

Diskutieren lässt sich jetzt natürlich darüber, ob ich als Apotheke den Kunden darauf aufmerksam machen muss, dass er jetzt grad NICHT das günstigste Generikum bekommt. Wenn er daran interessiert ist … wo bleibt dann hier die Selbstverantwortung? Man kann auch fragen!

Ich habe Generika an Lager, die günstig sind. Nein, das günstigste (meist) nicht.

Vor allem, wenn – wie heute häufig, die Preisdifferenzen zwischen den Generika (und manchmal auch zwischen Generika und Original) nur im Rappen- oder unterem Frankenbereich liegen.

Im Beispiel im Artikel ist Omeprazol genannt. Günstigstes Mittel: Fr. 19.65.- Häufigst abgegebens Mittel: Fr. 20.60.-, zweithäufigstes Fr. 20.75.-   – Wegen 90 Rappen respektive wegen Fr. 1.10.- soll ich als wieder Riesendiskussionen mit den Kunden führen und er muss vielleicht wieder kommen, weil ich es bestelle (kann ich!). Auch im Artikel erwähnt: Das teuerste Generikum ist Fr. 26.15.- …. das wurde nie abgegeben.

Das günstigste Medikament ?

 … dass die Apotheken eigentlich durch das Gesetz zur Wirtschaftlichkeit“ verpflichtet wären. Sie müssten daher das günstigste Medikament abgeben.

Bitte WAS? Habe ich da etwas nicht mitbekommen?

In den Verordnungen des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung steht :

Artikel 34 Wirtschaftlichkeit
Für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Arzneimittels werden berücksichtigt:
a. dessen Fabrikabgabepreise im Ausland;
b. dessen Wirksamkeit im Verhältnis zu anderen Arzneimitteln gleicher Indikation oder ähnlicher Wirkungsweise;
c. dessen Kosten pro Tag oder Kur im Verhältnis zu den Kosten von Arzneimitteln gleicher Indikation oder ähnlicher Wirkungsweise

und in der Verordnung über Krankenversicherung 

und Art 65b KVV
Art. 65b1 Beurteilung der Wirtschaftlichkeit im Allgemeinen
Ein Arzneimittel gilt als wirtschaftlich, wenn es die indizierte Heilwirkung mit möglichst geringem finanziellem Aufwand gewährleistet.
Die Wirtschaftlichkeit wird aufgrund des Vergleichs mit anderen Arzneimitteln und der Preisgestaltung im Ausland beurteilt.

Es stimmt, ich bin der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Da steht aber nirgends, dass nur das günstigste Medikament von der Krankenkasse bezahlt wird oder dass nur das günstigste Medikament von der Apotheke abgegeben werden soll oder darf.

Absichtliche Fehlinformation? Mir ist schon klar, dass es da im Hintergrund Bestrebungen in genau diese Richtung geht – dass nur noch das günstigste abgegeben werden darf.

Aber wenn das kommt, haben wir Zustände wie in Deutschland.

Für diejenigen, die nicht wissen, wie das dann funktioniert, hier eine kleine Zukunftsaussicht:

  • alle paar Monate wechselt das günstigste Präparat und dadurch bekommen Leute, die Dauermedikamente nehmen müssen, alle paar Monate ein neues Mittel. Das ist ganz toll, weil vor allem ältere Leute, die mehrere Tabletten nehmen müssen ständig neu aussehende (und anders heissende) Mittel bekommen. Weil sie die Übersicht nicht mehr haben, nimmt die Einnahmetreue ab, die Grundkrankheiten treten wieder auf und es folgen Komplikationen, vermehrte Arztbesuche und Spitalaufenthalte. Dito wegen eventueller Wirksamkeitsänderungen oder Nebenwirkungen weil man manche Generika nicht einfach ersetzen soll: sie dürfen ja eine Differenz von 20% zum Original aufweisen – Generika untereinander können aber noch grössere Differenzen haben. – Eine Kontinuität der Behandlung hat Vorteile für alle!
  • die Lagerhaltung für die Apotheken wird wegen der ständigen Wechsel der Generika noch teurer und noch schwieriger. (Einziger Trost für mich: den selbstdispensierenden Ärzten ginge es genau so … aber die bekämen wahrscheinlich wieder eine Ausnahmeregelung)
  • Wegen der Kontrollen, was den jetzt aktuell das günstigste Mittel ist, das von den Krankenkassen übernommen wird (oder zu einem bestimmten Zeitpunkt war) dürfte auch der Verwaltungsaufwand der Krankenkassen ansteigen. Das könnten sie natürlich dadurch wieder wettmachen, dass sie den Apotheken entweder das Geld nicht (ganz) zahlen, wenn sie das „falsche“ Generikum abgeben (in Deutschland Retaxation genannt) oder indem sie es von den Patienten selbst zurückverlangen.
  • der Mehraufwand, die steigende Lagerhaltungskosten und die (sowieso) sinkenden Margen machen noch viel mehr Apotheken unrentabel (schon jetzt operieren 30% am Existenzrand) und führen zu Schliessungen … natürlich vor allem in ländlichen Gebieten und in kleineren Dörfern. Das führt zu erhöhten Beschaffungskosten durch die Patienten selbst (Fahrtkosten …)

… und all das wegen Beträgen im Bereich von Rappen bis wenigen Franken??? Im übrigen: was hat das für einen psychologischen Aspekt, wenn der Kunde weiss, dass nur noch der Preis eine Rolle spielt bei der Auswahl des Generikums? Nocebo-Effekt Ade.

Ganz toll auch:

(die Apotheken) … belasteten zusätzlich  eine Medikamenten-Check Pauschale von Fr. 4.30.-  Der Einkauf verteuerte sich somit um 20%.

HALLO? Das ist die LOA! Die Abrechnungsvereinbarung zwischen Apotheken und den Krankenkassen (ja, der santesuisse). Das ist seit 2002 so, dass unsere Leistung separat angegeben ist. Von wegen „zusätzlich“ – vorher war das einfach im Medikamentenpreis drin enthalten. Das ist eine Pauschale, die gleich hoch ist EGAL wie teuer das Medikament ist. Ja, bei günstigen Medikamenten ist das Prozentmässig mehr vom Medikamentenpreis. Erstaunlich. Im übrigen ist das unser Einkommen – das seit 2002 (der Einführung der LOA) nicht zugenommen hat. …Hattest Du seit 10 Jahren auch keine Lohnerhöhung mehr?

So, ich denke, ich sollte vielleicht für mich selber ein Omeprazol nehmen. Die gibt’s inzwischen übrigens auch ohne Rezept.

Das hätte schiefgehen können

Der Stammkunde legt uns ein neues Rezept aus dem Spital hin und sagt: „Ich komme morgen wieder, ich weiss, dass sie etwas bestellen müssen.“

Auf dem Rezept:

1 OP Krebsmedikament

1 OP Oxycontin

Letzteres ist ein starkes Schmerzmittel und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, das bedeutet, ich brauche dafür auch ein spezielles Rezept. Das hier ist keines. Ich rufe deshalb im Spital an, das das Rezept ausgestellt hat. Erfreulicherweise ist auf dem Rezept ein deutlicher Stempel des ausstellenden Arztes vorhanden, sodass ich für einmal nicht 5x weiterverbunden werden muss, sondern direkt mit der Ausstellenden Ärztin verbunden werde. Denke ich.

Denn, als ich ihr das mit dem Rezept erkläre sagt sie: „Von heute? Das habe ich nicht ausgestellt!“

Na toll. Wenn es nicht ein Stammkunde wäre, dessen medizinische Geschichte mir bekannt ist, wäre das der Zeitpunkt, wo ich extrem misstrauisch werden würde. Das Schmerzmittel wird leider auch immer wieder mal missbraucht.

Für die Ärztin scheint das Thema damit erledigt, aber für mich kann es das noch nicht sein, also hake ich nach. Immerhin steht ihr Stempel auf dem Rezept.

Pharmama: „Die Unterschrift sieht auch nicht nach ihrer aus, sondern eher nach etwas Mit A…M… – könnten Sie in ihren Unterlagen nachschauen, wer den der betreuende Arzt gewesen ist?“

Widerwillig macht sie das, aber …. Da ist nichts. Keine Unterlagen.

Gemeinsam versuchen wir es weiter … entziffern, wer könnte das sein … am Schluss lande ich bei der richtigen Stelle.

Der Arzt ist noch nicht dazu gekommen das zu dokumentieren. Er hat den Stempel verwechselt. Er wusste nicht, dass man für das ein Betäubungsmittelrezept braucht. (Der Kunde hatte es schon beim Hausarzt und es verlangt bei ihm, weil der Arzt in den Ferien ist). Aber er ist bereit uns ein Betäubungsmittel-Rezept dafür zu schicken.

Das hätte schief gehen können. Für das Wohlbefinden des Patienten ist das Schmerzmittel hier essentiell.

Nachtrag 2 Tage später: Im Moment scheint es im Spital wirklich nicht gerade rund zu laufen. Das Betäubungsmittel-Rezept, das sie uns geschickt haben hatte keinen Stempel drauf und ging grad wieder retour.

Oh, und dann rufen sie an, warum wir vom Krebsmittel (eine Spritze) nur eine Packung mitgegeben hätten.

Pharmama: „Weil nur eine Packung verschrieben war?“

Arzt: „Er muss das wöchentlich bekommen.“

Pharmama: „Er hatte dieses Mittel noch nicht, aber – wenn sie das auf das Rezept drauf schreiben, dann ist das kein Problem. Schreiben sie ein neues Rezept? Und: soll ich gleich noch eine Packung bestellen?“

Arzt: „Drei, bitte.“