Nichts Falsch zu machen – oder?

kleiner Gastbeitrag von PTA Barbara – von der wir auch das Foto einer Apotheke heute nachmittag bekommen haben:
Wir haben eine Kundin, von der wir wissen, dass sie etwas dement ist. Sie hat ein Kundenkonto bei uns, so können wir kontrollieren, dass sie nicht zu viele Tabletten kauft/ einnimmt auf Grund Ihrer Demenz.
Sie kommt regelmäßig und holt sich Schmerzsalben, mal auch Kopfschmerztabletten oder so. Unter anderm kauft sie regelmäßig ein Shampoo. Bei dem Shampoo dachten wir bis vor kurzem, dass man eigentlich nichts falsch machen kann …
…. Nur vor kurzem war der Sohn der Dame bei ihr zu Besuch und stellte fest, dass seine Mutter das Shampoo Teelöffel-weise einnimmt!
Autsch.

Gratis gibt’s nicht.

Ein Teil der Medikamente des Rezeptes wird von der Krankenkasse nicht übernommen. Es kommt zu folgendem Austausch:

Pharmama: „Wenn sie das wollen, müssen sie es selbst bezahlen.“

Kunde: „Was? Es ist nicht gratis?“

Grumpf. Nichts ist gratis. Irgendjemand bezahlt immer dafür.

Sie direkt, indirekt via Krankenkassen-prämien, ich (und alle) via Prämien, via die Steuern.

Nichts ist gratis. Auch nicht im Gesundheitswesen.

Gratis gibt es nicht.

Das ist etwas, das jeder lernen sollte und zwar so früh wie möglich – es ist so einfach wie wahr. Nichts im Leben ist wirklich gratis. Gratis ist ein Mythos und es kostet alles etwas.

Was meine Eltern mir schon früh beibrachten ist, dass Geld einen Wert besitzt und dass man es verdienen muss und es nicht verschwendet werden soll. Wenn ich etwas wollte, musste ich es mir selbst kaufen. Taschengeld ist zwar ein guter Start, aber wenn man es einfach wöchentlich oder monatlich bekommt, lernt man seinen Wert nicht unbedingt kennen. Mehr, wenn man etwas dafür machen muss (Zimmer aufräumen zum Beispiel).

Das gilt auch umgekehrt: wenn ich mir etwas gekauft habe, dann hatte das Wert für mich, eben weil es Geld gekostet hat – auch wenn es sich dabei um so etwas blödes wie grüne Stülpen handelte.

Ich weiss noch, wie ich Ferienjobs gemacht habe und bei manchen Dingen, die ich gerne haben wollte dachte „das sind 5 Stunden Arbeit“ oder „das sind 10 Tage Arbeit wenn ich das haben / kaufen will.“

Ich denke ein grundsätzliches Problem auch mit unserem Gesundheitssystem ist, dass die Leute oft nicht sehen, wie viel etwas wert ist. Wenn die Medikamente alle über die Krankenkasse gehen und der Kunde nicht einmal sieht, wie viel die jetzt kosten .. oder wenn der Spitalaufenthalt auch direkt mit der Krankenkasse verrechnet wird, ohne dass man eine Chance erhält, vorher einen Blick darauf zu werfen (was auch noch wichtig wäre, weil man sonst nie sieht, *was* denn da alles auf der Rechnung steht – Kontrolle irgendwer?)

Und dann ist es so, dass die Leute denken: „Wenn ich schon Prämien monatlich einzahle, dann will ich auch etwas dafür bekommen – möglichst gleich.“

Und wenn man Medikamente und Leistungen etc. einfach überreicht bekommt, ohne den wahren Wert dahinter zu sehen, dann sind Probleme vorprogrammiert.

Ich behaupte auch, dass Missbräuche eher vorkommen, wenn man selbst die finanziellen Konsequenzen solcher Handlungen nicht sieht und nicht zu tragen hat.  Zum Beispiel wenn man immer gleich zum Arzt rennt wegen Bagatell-beschwerden – gut, dass ist bei uns in der Schweiz weniger das Problem, weil wir für jeden Arztbesuch erst die Rechnung vom Arzt bekommen, hier rechnen viele noch nicht direkt mit den Kassen ab. Oder wenn man wegen Erkältungen in den Notfall geht, oder wenn man verschriebene Medikamente zuhause hamstert –die man dann bei einem Wechsel der Medikation nur noch entsorgen kann.

Und dazu kommt häufig die Grundeinstellung, dass das Gesundheitssystem „gratis“ zu sein hat. Unsere Dienstleistungen in der Apotheke inklusive. Was wir machen hat Wert – und die Leute müssen das lernen. Wir sollten unsere Leistungen, unsere Arbeit auch nicht „gratis“ geben, das unterstützt solches Verhalten nur. Trotzdem … tun wir das noch häufig.

Aber der Wandel kommt.

Zuviel Nasenspray

Mann in der Apotheke:  „6 Nasenspray bitte.“ (die von der abschwellenden Sorte)

Lehrling: „uh – 6?? Wieso brauchen sie so viele?“

Kunde (schon gereizt) „Einen für die Manteltasche, einen fürs Büro, einen für zu Hause, einen als Reserve und für meine Freundin und … für meine Mutter.“

Lehrling: „Ah, wir haben eine Beschränkung, sie können 2 haben.“

Kunde: „Was? Wieso??“

Lehrling: „Man soll Nasenspray nicht ständig anwenden – die Nase gewöhnt sich daran, danach ist es sehr schwer davon loszukommen. Die langfristige Anwendung macht auch die Nase selbst kaputt. Wenn sie das Problem schon haben, können wir ihnen zeigen, wie …“

Kunde: „Nein. Ich will einfach meine 6  Nasensprays!“

Lehrling schaut mich hilfesuchend an, aber ich schüttel einfach den Kopf. Sie macht das eigentlich gut, aber jetzt wendet er sich an mich, wohl weil er merkt, dass ich hier darüber entscheide.

Kunde (vorwurfsvoll): „In der Kreuz-Apotheke habe ich schon 6 bekommen!“

Pharmama: „Das mag sein. Aber wie gesagt, wir haben unsere Richtlinien.“

Kunde: „Ich könnte auch einfach hier die 2 nehmen und dann in die nächste Apotheke gehen!“

Pharmama: „Das könnten sie. Das ändert nichts an ihrem Problem.“

Kunde (ignoriert das): „Oder ich könnte die 2 nehmen, rausgehen und wieder reinkommen und nochmals 2 kaufen.“

… darauf brauche ich wohl nichts zu sagen, oder? Denkt der wirklich dass wir uns nach ein paar Minuten nicht mehr an ihn erinnern?

Jetzt haben wir glaub alles an Argumenten durch, die man bei so was zu hören bekommt, ausser vielleicht noch: “aber ich brauche das!“ ... das kommt nicht, stattdessen zitiert er den Götz von Berlichingen:

Kunde: „Ach leckt mich doch am…!“

und geht raus.

Meine innere Pharmazeutin gratuliert, dass ich standhaft geblieben bin und ihn in seiner Abhängigkeit nicht unterstützt habe … und vielleicht macht er sich jetzt doch ein paar Gedanken mehr darüber? Gleichzeitig schilt mich die innere Verkäuferin – hätte ich doch auf einen Schlag 6 Sprays verkaufen können ….

Es ist ein echtes Problem. Speziell jetzt, wo wegen Allergien die Nase lädt, fangen wieder einige Leute trotz Warnungen beim Kauf eines Nasensprays wieder an, sie regelmässig und lange zu nehmen. So entwickelt sich eine Rhinitis medicamentosa … die Nase läuft mit der Zeit sobald man den Nasenspray nicht mehr nimmt …eine Gegenreaktion gegen das künstliche „austrocknen“ sozusagen. Also muss man weitersprayen. Und je länger man sprayt, desto mehr geht die Schleimhaut der Nase kaputt – selbst der Geruchssinn kann darunter leiden. Es ist also wichtig, dass man damit wieder aufhört. Solange man das aber nicht als Problem erkennt für sich … gibt es halt auch Reaktionen wie die oben.

Ich glaube, da gibt es einfach keine vollständig richtige Reaktion. 2 hätte er haben können – und ein paar gute Ratschläge und Tipps. So wie hier: Nasensprayabhängigkeit

Apotheken in aller Welt, 217: Kyoto, Japan

Besten Dank an Gudula, die in ihren Fotos gestöbert und das für mich gefunden hat:

Das sind keine „reinen“ Apotheken, sondern so halbe Drogeriegeschäfte. Ich hab ein/zwei Geschäfte gesehen, wo man wirklich nur Medizin bekam, habe aber leider kein Foto davon. In diesen Geschäften kriegt man auch Drogerieartikel und in einer Ecke ist dann eine Theke, wo es Medizin gibt. Die Trennung scheint da auch nicht so strikt zu sein, also man kriegt einiges an Medikamenten in diesen Läden.
Auf Bild 2 das Schriftzeichen auf dem gelben Schild bedeutet übrigens „Medizin“. (Darüber die beiden in rot passenderweise „Alkohol“ und „Tabak“, das gehört aber zu einem anderen Geschäft.)

Selbst wenn die Schriftzeichen nicht wären – ich würde merken, dass das Japan ist – da scheint alles so quietschebunt zu sein…