Unfreiwillig komisch (6)

Normalerweise habe ich es nicht so mit den Schreibfehlern. Tatsächlich ist es so, dass ich über die meisten wohl hinweglese – weil ich ja weiss, was es heissen soll.

Hier weiss ich auch, was es heissen soll, aber es ist mir trotzdem aufgefallen – wahrscheinlich, weil es so schön isoliert auf dem Briefumschlag stand. Ein Couvert, das eine Weiterbildungseinladung enthält. Ein Stempel. Extra dafür … und dann falsch:

Autsch!

Unfreiwillig komisch (5)

Unfreiwillig komisch (4)

Unfreiwillig komisch (3)

Unfreiwillig komisch (2)

Unfreiwillig komisch (1)

Die Colchicin Story

Colchicin wird gebraucht bei Gichtanfällen (darüber habe ich hier schon einmal geschrieben: mit Gift gegen Gicht). Der Wirkstoff ist alt, man hat darüber viele Erfahrungsberichte, ein paar randomisierte Versuche, man weiss von der Wirkung, aber … es fehlten anhin die richtigen Studien zu Wirkung und Unbedenklichkeit.

So auch in Amerika.

2006 startete die FDA (die amerikanische Gesundheitsbehörde) ihre „Medikamente ohne Zulassung-Initiative“ (Unapproved Drugs Initiative) anhand derer sie für solche alten Medikamente, die teilweise nie wirklich getestet wurden vorschrieben, dass neue Studien gemacht werden müssen – ansonsten verlieren die Medikamente ihre Zulassung. Zum Beispiel eben das Colchicin, ein Wirkstoff, von dem es einige Medikamente auf dem Markt gab, die sehr günstig zu haben waren.

Eigentlich ein lobenswertes Unterfangen.

Aber Studien sind teuer, weshalb die FDA 2009 mit einer Firma, die ein solches Colchicin Medikament (Colcrys) vertreibt einen Deal machte: Die Firma URL Pharma bekam das Exklusive Recht das Medikament die nächsten 3 Jahre zu vermarkten – dafür würden sie die Studien über Wirksamkeit und Pharmakokinetik durchführen.  Konkret hiess das, die Firma investierte in 17 neue Studien und 100 Millionen Dollar in das Produkt – davon gingen allerdings 45 Millionen schon mal an die FDA zurück als Zulassungstaxe.

Colchicin wurde dafür 2009 von der FDA als Monotherapie für 3 verschiedene Indikationen zugelassen: Gicht Prophylaxe, Therapie von Gicht Anfällen und als Orphan Drug  gegen familiäres Mittelmeerfieber. Und die FDA entzog dann allen anderen Colchicin Produkte die Zulassung, liess sie aber noch ausverkaufen.

Und was passierte dann? Die Firma URL Pharma hob danach den Preis für ihr Colchicin Medikament an: Vorher kostete eine Tablette 0.09$, danach 4.85$ (!) Ausserdem verklagte sie die Firmen, die dem Marktrückzug nicht nachgekommen sind, so dass sie wirklich das Monopol auf den Wirkstoff hatten. Zumindest in Amerika.

Die Preissteigerung hatte natürlich Auswirkungen auf die Versicherungen. So stiegen die Ausgaben für Medicaid für das Medikament von 1 Million Dollar auf 50 Millionen Dollar jährlich an. Dasselbe gilt für andere Versicherungen auch – wie zum Beispiel die staatliche Medicare (die Arbeitslose und Sozialfälle versichert) … kurz gesagt war es auch für den Staat selber ein riesiges Verlustgeschäft. (Und man bedenke, dass die FDA eigentlich zum Staat gehört).

Man kann daraus folgern, dass es günstiger wäre für den Staat – und auch die Versicherungen, wenn SIE für derartige Studien zahlen würden. Aber die Hauptlast finanziell tragen die Patienten oder deren Versicherer.

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Colchicine

Wir in der Schweiz haben übrigens kein eigenes Colchicin Medikament – offenbar lohnt sich das nicht für einen Hersteller, das bei uns zuzulassen und zu vertreiben (zu kleiner Absatzmarkt?, zu teuer die erforderlichen Studien zu bringen), weshalb wir darauf angewiesen sind, das aus Deutschland zu importieren. Und weil es nicht zugelassen ist von der swissmedic, zahlen es die Krankenkassen auch im Normalfall nicht. Auf der Positiv-Seite: es ist bei weitem nicht so teuer wie in Amerika.

Warum vergleichen sie eigentlich die Medikamentenpreise nicht mit denen in Amerika? Da kämen selbst wir noch teilweise sehr günstig weg.

Die andere Frau

Eine Frau diskutiert mit mir, was „die andere Frau“ ihr das letzte Mal erklärt und empfohlen hat.

Ich: „Ja, ich erinnere mich, das war ich.“

Frau: „Nein, das waren Sie nicht!“

Was denn? Wieso sollte ich da lügen???

Apotheken aus aller Welt, 265: Winningen, Deutschland

und nochmals von Mathias:

Das Schild der Schlickum-Apotheke in Winningen hat ebenfalls Weintrauben als Schmuck. Die Familie Schlickum war/ist so bekannt, dass nicht nur ein Hinweisschild am Nebenhaus angebracht wurde, sondern es wurde auch eine Straße nach ihr benannt wurde (ebenfalls in Winningen).

 

Interessanterweise findet sich nicht einmal ein Wiki-Artikel über die Schlickum Apotheker. Aber zumindest Oscar Schlickum war sehr aktiv und hat eine Menge Bücher geschrieben, die man heute noch findet. Unter anderem „über die Ausbildung des Apothekenlehrlings und seine Vorbereitung zum Gehilfenexamen“ …

Zu teuer. Was nun?

Ein Mann kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Schmerzmittel und Antibiotika.

Das Rezept ist vom Spital. Das Problem ist, dass der Kunde eine Versicherung hat, wo er direkt in der Apotheke bezahlen muss. Und das vom Arzt ausgewählte Antibiotikum – für das es noch kein Generikum gibt – ist sehr teuer.

Als der Mann hört, wie teuer, will er es nicht haben. Ich erkläre ihm, dass es wichtig ist -sonst hätte der Arzt es nicht aufgeschrieben- und versuche eine Lösung zu finden. Soll ich es ihm auf Rechnung nehmen? – aber er meint, das verschiebt das Problem nur um ein paar Wochen. Ich rufe also im Spital (Notdienst) an und – nach einigem Verbinden- erwische ich den verschreibenden Arzt. Ich erkläre ihm die Situation und dass der Kunde nicht in der Lage ist, das Antibiotikum zu bezahlen. Ob es nicht möglich ist, ein anderes zu wählen, vielleicht eines, wo es Generika gibt, die günstiger sind?

Sagt der Arzt: „Ich weiss, dass das teuer ist, aber unser Gesundheitswesen ist halt so.“

Pharmama: „Und was schlagen Sie stattdessen vor, zu machen?“

Arzt: „Dann muss der Patient halt nochmals vorbeikommen“.

Und hängt auf.

So eine Situation frustriert mich und ich habe wirklich Mitleid mit dem Patienten.

Wirklich, ich weiss, wie wichtig es ist, das richtige Antibiotikum für eine Infektion auszusuchen. Ich versuche auch nicht die Autorität des Arztes zu unterminieren mit meinem Telefonanruf und der Frage nach einem Ersatz. Ich versuche es nur für den Patienten einfacher zu machen.

Wenn Sie sich weigern etwas günstigeres aufzuschreiben und der Patient sich die Behandlung wirklich nicht leisten kann, dann … raten Sie mal? Er wird es nicht nehmen. Ganz einfach.  Dann wird die Infektion schlimmer und der Patient landet vielleicht wieder im Spital.

Also … etwas aufzuschreiben, was der Patient sich nicht leisten kann ist wahrscheinlich schlimmer als etwas aufzuschreiben, das nicht ganz so gut wirkt. Oder?

Wenn jemand wirklich kein Geld hat und es so weit geht, dass er zwischen Medikament und Essen wählen müsste wird er immer das Essen wählen. Die einzige Ausnahme dabei sind vielleicht noch Schmerzmittel.

Sein Verhalten trägt auch nicht wirklich zum Vertrauen des Patienten in das Gesundheitswesen bei.  Das ist der Moment, wo Patient denkt es gibt ein Zweiklassen-System. Und dass er definitiv in der zweiten Klasse ist.