Dann kaufen sie es doch einfach! (Warum berate ich überhaupt?)

Kunde in der Apotheke:

„Ich weiss, Sie haben mir Cetirizin für meine Allergie empfohlen. Aber mein Nachbar hat gesagt ich soll Ranimed nehmen. Er ist Tierarzt!“

Arrrgh!

Drei Mal habe ich Anlauf genommen, um ihn den Unterschied zwischen H1 und H2-Histamin-Rezeptoren zu erklären. Es ist wirklich nicht so schwer: H1= Rezeptor, der für die allergische Reaktion verantwortlich ist. H2= Rezeptor, der für die Magensäure-Produktion verantwortlich ist. H1-Blocker = Cetirizin hilft also bei Allergien. H2-Blocker= Ranitidin hilft bei zuviel Magensäure. Nicht umgekehrt, nicht kreuzweise, Njet.

Dann habe ich es aufgegeben und ihm sein Ranimed verkauft.

Soll er doch schauen, ob der Placebo-Effekt für ihn gross genug ist.

Ich kann mehr als Du denkst! Welt-Down-Syndrom Tag

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Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag und darauf will ich hier aufmerksam machen.

Ein weltweiter Tag für Menschen mit Trisomie 21 – wozu?

  • um einen Moment der Solidarität zu leben
  • um sich Zeit zum Kennenlernen zu nehmen
  • um zu verstehen und Ängste abzubauen
  • um dem Anderssein Aufmerksamkeit zu schenken
  • um sich einen Moment des Nachdenkens über die eigene Rolle und die der Gesellschaft zu gönnen, sich Zeit zum gemeinsamen Handeln zu nehmen

Das Poster hat für mich noch eine spezielle Bedeutung, kenne ich doch den … ich muss jetzt wohl sagen ‚jungen Mann‘ auf dem Rasenmäher – ein Kind ist er schon lange nicht mehr. Ich hatte das Vergnügen vor einigen (einigen!) Jahren ihn und seinen Bruder zu hüten. Ich könnte mir auch heute kaum ein lieberes Kind vorstellen und bin Dankbar, dass ich meine – zugegebenermassen nicht grossen Kenntnisse in Punkto Kinder hüten an ihm und seinem jüngeren Bruder anbringen durfte. Und ich habe auch ein paar Sachen gelernt, dabei. Ja, er sieht etwas anders aus- und er brauchte ein bisschen länger für manches, aber – was soll’s? Er ist eine Persönlichkeit – und als solche soll er auch behandelt zu werden.

Das Poster stammt von der Seite tri21.ch – mit freundlicher Genehmigung (Hallo H.!)

Fasnacht in dr Abideeg

Andrea sendet mir diese Bilder von der Basler Fasnacht – offenbar ein Besuch einer Schnitzelbank in der Schifflände Apotheke.

Ihren Text lasse ich mal unübersetzt – So wie ich das sehe ist das echtes Baseldeutsch :-)

Villicht kasch Du die Bilder vo dr Fasnacht au no bruuche. Mir sinn gescht z’Oobe bim Gässle an dr Schiffländi-Abideegg verby ko und hänn dä Bangg entdeggt, wo in dr Abideegg gsunge het. Mr hänn laider nid yyne kenne, will dr Ruum gstoosse voll und d’Dyyre gschlosse gsi isch (d’Zueschauer hänn sich hinter dr Handgräämeeduube gstaaplet) – schaad! Ass es sich um e Abideegg handlet, gseht me an dr Usslaag ainewäg ganz guet… :-)

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nicht ganz derselbe Dialekt wie bei mir, aber … seid ihr jetzt nicht froh, dass ich in Hochdeutsch schreibe? (Naja – fast).

Betäubungsmittel-Rezept-Kummer

Es ist bei uns zwar nicht ganz so übel wie in Deutschland, wo die Krankenkasse sich erlaubt für nicht gaaaanz korrekt ausgefüllte Betäubungsmittel-Rezepte einfach das Geld für den Bezug nicht zu bezahlen – aber: auch bei uns gibt es Vorschriften, wie so ein Rezept auszusehen hat.

Das Betäubungsmittelrezept muss enthalten:

Name, Adresse, Unterschrift und Stempel der verschreibenden Ärztin oder des verschreibenden Arztes;
Name, Vorname, Geburtsdatum und Adresse der Patientin oder des Patienten;
Ausstellungsdatum;
Bezeichnung des Arzneimittels mit kontrollierten Substanzen, seine Darreichungsform und Dosierung;
Menge;
Anwendungsanweisung.

Die Verschreibung von Betäubungsmittel ist vom verordnenden Arzt eigenhändig zu visieren und der entsprechende Beleg ist in der Krankengeschichte des Patienten aufzubewahren.

Es kommt als weisses Rezept mit 2 Durchschlägen: Blau = Kopie für Arzt/Ärztin; Rosa = Kopie an Krankenkasse, Weiss = Kopie an die Apotheke;

Ich habe schon Rezepte an den Arzt zur Korrektur zurückgeschickt, weil der Stempel fehlte, oder die Unterschrift – obwohl ich im Normalfall das Mittel abgebe, nachdem ich mich versichert habe, dass das Rezept rechtens ist (mit einem Anruf an den Arzt).

Gelegentlich kommt ein Patient, der nicht weiss, dass wir beide Teile (weiss und rosa) brauchen. Wenn der Patient in der Apotheke selber bezahlt, bekommt er den rosa Teil wieder zurück. Wenn wir das der Kasse abrechnen – nicht. Mit mir zu diskutieren bringt da gar nichts. Wenn Sie wirklich etwas für die Unterlagen brauchen, mache ich ihnen eine Kopie, und auf die Kopie einen grossen Stempel und den Vermerk „Kopie“.

Letztens hatte ich auch einen Arzt, der nicht wusste, dass wir beide Teile brauchen – da ist der rosa Teil einfach in der Praxis geblieben. O-Ton Arzt: „Oh, das wusste ich nicht …. ich stelle nicht oft Betäubungsmittelrezepte aus …“ – Das hätte wohl eher „noch nie“ heissen sollen. Ich habe ihm dann gesagt, auf was er dringend sonst noch achten muss.

Der rosa (und das blaue) Teil ist ein Durchschlag – das bedeutet, was man auf den weissen Teil schreibt, drückt sich durch.  Das kann aber auch noch nach dem Arztbesuch passieren …

Zum Beispiel das BG-Rezept das vom Arzt zum Patienten kommt und von ihm zur Spitex. Dort gerät es auf dem Schreibtisch unter andere Papiere, die beschrieben werden, und bis das Rezept bei uns ist zeigt der rosa Durchschlag noch viele Spuren der täglichen Spitex-Arbeit. Zum Glück bleibt das weisse Original in unserer Buchhaltung und über den roten Durchschlag darf sich die KK freuen.  :-)

Und letztens haben wir eine wahre Baustelle von einem BG-Rezept bekommen.

Das hier: (blauer Stift: das waren wir, der Rest ist Original)

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Ich meine: SO schwer ist das wirklich nicht – da steht ja alles drauf, was genau draufgehört und wo.

Es gibt aber immer noch genug, was man schief machen kann.

Zum Beispiel: Durogesic / Fentanyl …. faktisch dasselbe. Durogesic das Original und Fentanyl das Generikum. Mir ist es eigentlich egal, was der Arzt jetzt aufschreibt (ich darf das hier ja durch ein Generikum ersetzen) aber durchstreichen, neu schreiben, nochmals durchstreichen ist auf einem BG Rezept ein dickes „No-No“.

In Deutschland würde die Kasse jetzt wohl einen Aufstand machen wegen den „3d“ – das müsste, wenn ich das richtig mitbekommen habe ausgeschrieben sein als: „Alle 72 Stunden wechseln“

Aber ich habe noch ein Problem: 150 Mikrogramm – die Dosierung gibt es nicht. Es gibt 100 und es gibt 50 … und dann muss der Arzt das bitte als je eine Packung aufschreiben. Das darf er mit den neuen BG Rezepten auch auf dem selben Rezept.

Ähnliches Problem auch beim Oxynorm: es gibt kein 50 mg (pro was?) – es gibt 10mg/ml – also will er wohl, dass der Patient 5 ml nimmt – maximal alle Stunde.

Für das habe ich grad ein ganz neues Rezept verlangt beim Arzt. Ich finde das auch ziemlich schlampig, den Patienten mit so einem Rezept zu entlassen. Zum Glück darf ich das hierzulande aber so abgeben, auch wenn ich das neue Rezept noch nicht in der Hand halte – ist auch besser so. Das hier sind starke Schmerzmittel, die der Patient braucht … ansonsten leidet er. Toll auch, weil das natürlich vor einem Wochenende reinkam.

Dress to impress

Verschiedene Apotheken, verschiedene Kleidungsvorschriften.

In der ersten Apotheke, in der ich gearbeitet habe, haben die Angestellten Kittel tragen müssen – der Chef / Apotheker dagegen lief locker leger in normaler Strassenkleidung umher. Ich habe dann auch aufgehört den Kittel anzuziehen, was mir dann erst mal einen Rüffel von der Mutter des Chefs, die auch dort arbeitete einhandelte. Worauf  ich sie darauf hinwies, dass ich – als (zugegeben frischer) Apotheker ja nur das machen würde, was der Chef auch macht. Danach habe ich keine Reklamationen mehr gehört. … was nicht heisst, dass sie zufrieden war, damit. Heute verstehe ich sie etwas besser: als Apothekenmitarbeiter hat man auch ein Image. Und dazu gehört halt auch der weisse Schurz.

In der Apotheke, wo ich jetzt bin, haben wir uns darauf geeinigt weisse Kittel zu tragen und zwar geschlossen. Andere Apotheken schreiben zwar auch Kittel vor, erlauben es aber, ihn offen zu tragen (oder: nur offen?) – und noch andere Apotheken haben gar keine Kittel mehr, aber dafür Einheitskleidung – zum Beispiel: alle dasselbe Arbeits-T-Shirt plus weisse oder schwarze Hosen.

Nun gut, unterschiedliche Leute, unterschiedliche Meinungen. Und jetzt interessiert mich Eure Meinung.

Zur Hilfe, wie das aussehen kann: (die Schürzen müssen aber nicht sooo lange sein)

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Drugdealer …

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gefunden auf  fmylife.com

Today, I received a phonecall from my son’s school. Apparently, for the past week he has been telling everyone ‚mummy works as a drug dealer.‘ I am a pharmacist. FML

Heute habe ich einen Anruf von der Schule meines Sohnes erhalten. Offenbar hat er während der letzten Woche jedem erzählt ‚Mama arbeitet als Drogenhändler.‘ Ich bin Apothekerin. FML

Gut – wenn der noch Mommy sagt, wird er noch nicht so alt sein … :-) Könnte mir so ähnlich auch noch passieren.