gruselige Herbstdeko

Ich mag den Herbst. Gut, das Wetter wird regnerischer, es wird kälter … dafür haben wir ein Feuerwerk von Farben an den Bäumen, gelegentlich (trotzdem) kontrastierend mit einem strahlend blauem Himmel. Kürbisse, glänzend braune Kastanien und Maiskolben.

Die eignen sich gut für Dekorationen:

Das kann man natürlich so lassen … oder man macht das zu einem Bastelprojekt mit Junior für Halloween.

Dann kommt sowas dabei raus:

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und das braucht nicht mal viel: ein paar Pfeifenputzer, wasserfester Filzstift … und für die Mumie eine Rolle (selbstklebende) Gaze.

Und das Beste beim Kürbisschnitzen:

Aus dem Inhalt kann man feine Suppe machen!:

(Notiz an mich selbst: die grossen Orangen Kürbisse sind innen weicher und darum einfacher zum aushöhlen).

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (4)

Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Was muss alles auf das Rezept?

Die Anwendung:

Später folgt das S: Signa oder signetur, die Angabe des Arztes für den Patienten. Der Apotheker schreibt diese Vorschrift des Arztes für den Patienten ab: wie oft und auf welche Weise er das Mittel einnehmen soll, vor dem Essen oder nach dem Essen, mit wieviel Wasser oder ohne Wasser usw. Der Arzt kann es vermeiden alles auf das Rezept schreiben zu lassen, dann soll er aber nicht vergessen den Patienten auf das genaueste aufzuklären: schon mancher Patient hat sich die grösste Mühe gegeben, eine Tablette ohne Wasser herunterzuschlucken oder auch ein Suppositorium, ohne es vom Stanniol zu befreien, in das Orificium ani zu stecken. Der Apotheker schreibt in diesem Falle auf die Arznei: Nach Bericht zu nehmen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Tabletten ohne Wasser? Genau angeben, wieviel Wasser? Heute fast nicht mehr verständlich … immerhin gehören Tabletten zu den häufigst angewendeten Arzneiformen – da fällt das wohl unter Allgemeinbildung. Aber auch ich hatte schon Leute, die Kapseln gekaut haben. Und Zäpfchen versucht haben zu schlucken … von dem her finde ich das ‚zu nehmen’ in der Beschreibung auch nicht optimal .

Die Sprache des Rezeptes ist, wie gesagt, lateinisch. Bei den mangelnden Kenntnissen in lateinischer Sprache ist auch das Latein kein reines Latein mehr, sondern ein Gemisch von lateinischen und landessprachlichen Worten, eine Art „Barbarismus“. So z.B. liest man auf einem Rezeptformular:
„Detur in einem braunen Glas“ oder „Adde einen Tropfer“ usw. Diese lateinisch-deutsche Sprachmengerei hat sich aber so eingebürgert, dass kein Arzt oder Apotheker an ihr Anstoss nimmt …

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Heute ist das Latein weitgehendst aus dem Rezept verschwunden. Man findet es höchstens noch bei Rezepturen oder Anmerkungen …

Die Arzneimittel werden verschrieben im Genitiv. Z:B. Rp. Kalii iodati 4.0
Soll heissen: Recipe quattuor grammata Kalii iodati, Nimm des Kalii iodati 4 g

Im allgemeinen ist es nicht statthaft, das Rezept zu stark abzukürzen. So z.B. wenn der Arzt das Kalium chloratum (KCl) abkürzt als Kal. Chlor., so könnte der Apotheker wenn er nicht daran denken würde, das Kalium chloricum abgeben (KClO3), das ein starkes hämolytisches Gift ist.

Der Arzt kürzt überhaupt sehr gerne ab, besonders wenn er nicht den Genitiv ableiten kann, was leider sehr oft der Fall ist: da hilft der Punkt aus. So machen z.B. die meisten Studierenden einen Fehler beim Genitiv der Kalomels: man liest sowohl Calomeli, wie auch bei den besser orientierten Calomelani trotzdem ist beides falsch: richtig ist Calomelanos.
Schreibt der Arzt Calomel., so ist der Punkt ein Helfer in der Not: dem Apotheker nimmt er die Gelegenheit sich im Stillen über den ungebildeten Doktor lustig zu machen, und dem Arzt gibt er die Möglichkeit, seine Unkenntnis zu verbergen.
Abkürzungen sind somit gestattet, sofern sie zu keinen Verwechslungen mit anderen Substanzen oder zu Irrtümern Anlass geben können.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Jetzt mal Hand hoch, liebe Apotheker: wer von Euch hätte die richtige Form des Genetivs gewusst? Irgendwelche Lateiner unter Euch? Ich muss zugeben: ich hatte Latein … aber 20 Jahre später – und ich wusste das auch nicht mehr. Mit Abkürzungen muss man aber auch heute noch sehr vorsichtig sein. Nicht jeder Apotheker kann wissen, dass TDF Tardyferon heissen soll – auch wenn das vielleicht in dem Spital üblicherweise so abgekürzt wird.

Das Calomel. hat mich interessiert – sagte mir so gar nichts, also habe ich es nachgeschlagen:

Kalomel = Quecksilber(I)-chlorid (von altgriechisch kalos ‚schön‘ und melas ‚schwarz‘, also „schönes Schwarz“; früher auch süßes Quecksilber, Quecksilberchlorür oder Quecksilberhornerz) ist ein farbloser Feststoff, der sich in Wasser nur sehr wenig löst und bei ca. 380 °C sublimiert. Die Summenformel lautet Hg2Cl2.

Da es wegen seiner äußerst geringen Wasserlöslichkeit vom Körper kaum resorbiert wird, fand es vielfältige Anwendung in der Medizin: gegen Entzündungen in Nase und Rachen, als Abführmittel, zur Anregung der Gallenfunktion, gegen Brechdurchfall, bei Wassersucht, Milz-, Leber-, Lungenleiden und gegen Syphilis, sowie äußerlich gegen Hornhautflecken, Geschwüre und Feigwarzen.

Außerdem wurde es bis in die 1990er-Jahre als Spermizid in chemischen Verhütungsmitteln eingesetzt.

– Umm, noch etwas, was heute ausser vielleicht in Homöopathika nicht mehr zu finden ist. Brrrr. Aber damals noch gang und gäbe.

​Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (1) Einleitung

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (2) Zusammenarbeit mit Apotheken

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (3) – wie sieht das Rezept aus?

Musik ist eine Zeitmaschine

Naja, jedenfalls für mich. Da gibt es so Songs … die transportieren mich geradewegs zurück.

Das ist einer davon:

… und schwups bin ich wieder in der Schulzeit, wo ich den Film und den Song das erste Mal gehört habe.

Gut, das dürfte bei noch einigen der Fall sein, die den Film The Breakfast Club gesehen haben – der immer noch zu meinen Lieblings-Filme gehört, auch wenn meine Teenie-Zeiten lange vorbei sind.

Aber ich habe noch einige mehr. Meistens fällt mir nicht ein, welche Songs das jetzt sind … bis zu dem Moment, wo ich sie höre. Und dann lande ich genau wieder dort, wo ich sie gehört habe – das erste Mal? Häufig? wegen der umgebenden Situation selber?

"Strong enough" vom Album Believe von Cher … und schon fahre ich wieder im 4×4 auf dem Strand von Fraser island auf Sand an laaangen Wellen vorbei. Das war 1999, in den Ferien nach dem Studium. Das Lied war immer wieder im Radio. Jetzt brauche ich den Song nur zu hören, da kann ich das Meer praktisch riechen.

Oder: Morning has broken von Cat Stevens – unser Hochzeitstag

Habt ihr auch solche Zeitmaschinen-Songs? Und wohin bringen sie Euch?

Das müssen Sie ihr sagen!

Es gibt Frauen und auch Männer, die haben offensichtlich … Angst vor ihrem Partner.

So wie wohl der ältere Kunde letztens. Auf dem Rezept ein neues Medikament für seine Frau.  Das Medikament haben wir bisher noch nicht gebraucht – und dementsprechend auch nicht an Lager.

Pharmama: „Ich muss es bestellen – es ist aber schon heute mittag nach 4 Uhr hier.“

Jetzt sieht der Mann doch eher … beunruhigt aus.

Mann: „Oh – das ist nicht gut, sie braucht es gleich!

Okay – das Rezept ist vom Arzt, heute ausgestellt, einzunehmen einmal täglich, morgens. Aber … um einen Tag kommt es dabei nicht drauf an.

Es ist ein Wechsel der Therapie. Nicht für etwas brandneues, nicht für ewas, das nicht einen Tag warten könnte.

Trotzdem:

„Hmm…“ – sage ich – „mal schauen, was ich machen kann.“

Es gibt andere Generika – aber ich habe keine davon hier.

Anruf bei den Nachbarapotheken – leider auch nichts.

Pharmama: „Tut mir leid, aber … vorher bekomme ich es nicht.“

Mann: „Dann müssen Sie das ihr aber sagen!“

Er hört sich an, als würde sie mir den Kopf durchs Telefon versuchen abzureissen, wenn ich das mache …

Pharmama: „Natürlich. Ich rufe ihr rasch an.“

Telefon. Sie nimmt auch gleich ab.

„Guten Tag Frau … hier ist Pharmama von der Apotheke. Ihr Mann ist gerade hier mit ihrem Rezept. Das Problem ist, dass ich das Medikament darauf nicht an Lager habe und die anderen Apotheken in der Umgebung auch nicht …  Aber ich kann es auf heute mittag 4 Uhr bestellen – und dann gleich bringen lassen, wenn …“
Frau (in absolut unaufgeregtem Tonfall): „Oh, Danke, aber das ist nicht nötig. Ich komme dann morgen selber in die Apotheke dafür.“

Das war doch gar nicht schlimm.

Oder macht sie ihn jetzt zuhause deswegen zur Schnecke?

Mini-Medi-Packungen

Vor ein paar Tagen hatte ich es doch von den Mini-Produkten der Mini-Mania.

Nun stelle ich fest, dass es in der Apotheke so Mini-Produkte schon gibt:

Hier der Beweis: (hinten Originalpackung, vorne Miniatur)

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Zur Erklärung: es handelt sich um die neuen Muster-Packungen. Die sehen inzwischen aus wie die Originalpackungen, enthalten die gleichen Packungsbeilagen und mussten von der swissmedic zugelassen werden – das heisst, sie haben aussen auf der Packung auch die Listung drauf: Liste C oder Liste D. – Also Abgabe nur in Apotheken (C) oder auch Drogerien (D).

Und das für je 2 (oder 3) Tabletten.

Was das wohl wieder kostet. Kein Wunder gibt es kaum mehr Muster.