Apotheken aus aller Welt, 436: Aurich, Deutschland

Aus dem hohen Norden schicke ich dir hier die Apotheke aus Aurich.

Autzeit

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Das ist ja eine schnuggelige, ältere Apotheke :-)

Besten Dank an Autzeit dafür! Und Autzeit, wenn Du das liest: ich glaube Dein mail ist eines von denen, das mir durch die Maschen geschlüpft ist. Ich versuche regelmässig, meine mails zu beantworten – trotzdem kommt das gelegentlich vor und das ist doof. Denn ich freue mich über jedes mail und jedes Bild. Und will dazu eigentlich auch „Danke“ sagen.

Die Tablette ist zu klein!

Ja, das war die Reklamation der älteren Dame gestern: „Die Tablette ist zu klein!“

Also ich persönlich bin ja froh, wenn die Tablette nicht allzu gross ist. Meistens sind sie dann einfacher zu schlucken.

Aber ich habe die Frau auch verstanden, nachdem sie mir erklärt hat, warum sie gerne grössere Tabletten haben will:

Sie hat ganz furchtbare Arthritis und Probleme damit, die kleinen Tabletten aus der Packung zu bekommen und dann vom Tisch aufzunehmen.

Zum Glück hat sie momentan nur eine kleine Packung. Ich habe ihr versprochen für das nächste Mal Tabletten zu suchen, die grösser sind.

Trotzdem eine amüsante Reklamation.

 

Was ich auch schon hatte: „Gibt es die Tabletten nicht in grösser? Dann könnte ich sie besser hälfteln (oder vierteln – oder in einem Fall: achteln)“.

Da haben wir dann einfach das Problem, dass das auch noch reichlich ungenau ist. Man teilt die Tabletten, ja – aber ob das dann wirklich die Hälfte der Dosis oder ein Viertel oder gar ein Achtel der Dosis ist??

Und der beste:

„Je grösser die Pille, desto besser die Wirkung – also so kleine Pillen können gar nicht gut wirken!“

Die Wirkung ist vom Wirkstoff abhängig – und von manchen braucht man mehr, von anderen weniger. Zum Beispiel Paracetamol 500mg und Ibuprofen 200mg. Das gibt dann halt auch verschieden grosse Tabletten … denn auch die Pharmaindustrie will die Tabletten nicht grösser haben als unbedingt nötig.

Von daher: Mal schauen, ob ich für die Dame grössere Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff finde. Ansonsten müssen wir uns etwas anderes überlegen.

Glasklar, was sie will, oder?

Glasklar, was sie will, oder?

Glasklar, was sie will, oder? (Reblogg von tumblr)

A Japanese woman enters the pharmacy. No idea what she’s asking … she asks for a piece of paper and …. what an artist! hahahaha

Japanische Frau kommt in die Apotheke. Ich habe keine Ahnung, was sie mich fragt. Sie fragt nach einem Blatt Papier und … was für eine Künstlerin!

Basteln mit Junior: Sharpie-Batik

Lieber Götti / Gotte / Tante und Omas von Junior: bitte nicht lesen! … Oder zumindest schauspielern üben, damit Du auch ordentlich überrascht aussiehst, wenn Du das zu Weihnachten bekommst :-)

Was man braucht:

Sharpies – das sind spezielle wasserfeste Filzstifte. Die eignen sich enorm gut zum permanenten anschreiben von fast allem – inklusive Kleidern. Gibt es zum Beispiel hier: Sharpie Permanentmarker F-Schreibspitze 1,0 mm Strichbreite in Etui 12 Stück farblich sortiert

Stoff zum drauf malen. Wir haben Leinentaschen bemalt, man könnte aber auch sehr gut zum Beispiel T-Shirts gestalten. Das sind die Taschen, die wir genommen haben: Große Einkaufstasche, 38 x 42 cm

Alkohol 96% – ca. 100ml gibt’s in der Apotheke. Der mit Kampfer geht gut. Je höher prozentig, desto besser, wahrscheinlich ginge auch der 70%, den man sonst zum desinfizieren verwendet.

Diverse Gläser – ev. in verschiedenen Grössen. Marmeladegläser gehen gut, auch wegen den Rillen oben – da hält der Stoff besser.

Schnur oder (besser) Gummibänder zum festmachen.

Strohhalm oder Pipette um den Alkohol aufzutropfen

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Man spannt den Stoff mit den Gummibändern straff über die Gläser.

Auf den gespannten Teil malt man Muster, Punkte oder was man will. Verschiedene Farben mischen lohnt sich! Auch Schwarz gibt nette Effekte.

Basteln mit Junior: Sharpie-Batik

Nicht warten!: Mit der Pipette oder mit dem Strohhalm tropft man in die Mitte der Zeichnungen die Alkohollösung.

Die Farbe verläuft dabei nach aussen und es gibt einen wirklich schönen Effekt. Man benutzt soviel Alkohol, bis der Rand des Glases erreicht ist.

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Die Alkohollösung verdunstet relativ schnell so dass man die Gläser für das nächste Stück Stoff brauchen kann.

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Man lässt das ganze über Nacht trocknen oder einen Durchgang im Tumbler, danach kann man den Stoff bügeln. Das ganze sollte jetzt sogar waschfest sein. (Das muss ich allerdings erst noch testen).

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Kunden erziehen …

Wir haben da so eine Patientin – nennen wir sie Frau Misteli-  die … ist wirklich gut darin, das System zu bearbeiten. Sie ist etwa 50, bezieht Sozialhilfe und ist offensichtlich unfähig zu arbeiten. Woran das liegt, weiss ich nicht, anhand der Medikamente, die sie bekommt, kann ich keinen Grund sehen. Jedenfalls. Wenn ich sage „System bearbeiten“ meine ich aber nicht nur die Sozialhilfe. Sie bekommt ausserdem Unterstützung zuhause in Form der Haushilfe, die für sie aufräumt und einkaufen geht. Mittags sieht man sie häufig im Cafe des Quartiers, das nicht weit von uns liegt. Dort pflegt sie ihre sozialen Kontakte, bevor sie dann selber shoppen geht – unter anderem auch bei uns.

Sie bezieht so ziemlich alles, was möglich ist via Arzt und Rezept … das ist für sie praktisch, da ihr die Krankenkassenprämien ziemlich sicher auch von der Sozialhilfe bezahlt werden, also kostet es sie kaum etwas. Sehr häufig will sie von uns Vorbezüge … und dass wir danach beim Arzt selber das Rezept verlangen. Der Arzt unterschreibt auch immer brav alles … obwohl ich ihn auch schon darauf hingewiesen habe, dass ich sehr wohl dazu bereit wäre das einzuschränken. Wir reden hier von Dingen wie Halswehlutschtabletten, Sinupret, Nasenspray und derartigem, nicht nur ihrem Blutdruckmittel.

Gelegentlich will sie auch, dass man ihr Dinge vorbeibringt. Wir haben ja einen gratis Hauslieferdienst. Das ist in Ordnung, nur … Jetzt fängt sie an da zu übertreiben.

Sie kann ihre Sachen selber holen – Kleider, Lebensmittel und häufig auch einfach Nippes schleppt sie auch ganz alleine nach Hause. Ich denke, sie lässt das nur aus dem Grund machen, weil es für sie soviel praktischer ist. Sie hat auch keine (erkennbaren) psychischen Probleme – also so etwas wie Panikatacken. Tatsächlich ist sie direkt schamlos, was den Umgang mit anderen Leuten angeht. Ein bisschen distanzlos auch.

 

Das nur als Vorgeschickte, als Erklärung für das was folgt. Ehrlich – wir verhalten uns nicht jedem Patienten gegenüber so …

 

Also gestern, da ruft sie am Morgen an, weil man ihr ein Medikament vorbeibringen soll. Das Blutdruckmedikament. Auf Vorbezug – sie habe das Rezept zu Hause. Man macht das. Sie gibt dem Lehrling aber das Rezept nicht mit. Deshalb ruft man sie danach an, worauf sie sagt:

„Ich habe vergessen, dass da noch ein paar Sachen auf dem Rezept drauf stehen … ich schicke die Spitex vorbei. Ich kann heute unmöglich aus dem Haus gehen!“

Später bringt die Spitex dann 2 Rezepte (!)– gefolgt vom Telefonanruf der Frau: „Ich brauche die restlichen Sachen dringend noch heute! Bringen Sie mir das um 2 Uhr.“

Mit Mühe überzeugt mein gutmütiger Lehrling Minnie sie, bis nach der Mittagslieferung zu warten … ich daneben mache nur ausholende „Nein! Nein, NEIN!“ Gesten : dass wir 2 x am Tag bei einer Kundin vorbeigehen – das sollte für Notfälle vorbehalten bleiben. Die Sachen auf den Rezepten … die übrigens mehrere Tage alt sind … fallen da wirklich nicht drunter.

Es nützt nix. Trotz allem also geht der Lehrling das bringen … und kommt eine geschlagene Stunde später wieder zurück: „Sie hat so lange auf mich eingeredet. Ich bin einfach nicht weggekommen!“ jammert sie.

„Das nächste Mal sagst Du, dass Du in 5 Minuten zurückerwartet wirst. Ansonsten bekommst Du Probleme- von mir.“

Eine Stunde später sagt meine Pharmaassistentin zu mir, die aus dem Fenster schaut: "Du, Frau Misteli ist gerade vorbeigelaufen und ins Cafe gegangen."

„Nein!" Sage ich. "Ernsthaft?“
Tatsächlich, da sitzt sie.

Der würde ich am liebsten was erzählen, was wir davon halten, dass sie uns durch die Gegend hetzt, eine Mitarbeiterin eine geschlagene Stunde von der Arbeit abhält und danach geht sie, als ob nichts sei, einen trinken!

„Ich weiss auch wie“ – sagt meine Pharmassistentin und grinst. „Darf ich rasch etwas kaufen gehen gegenüber?“

„Klar.“ Sage ich.

Und schaue ihr zu, wie sie (im Schurz) ins Cafe über der Strasse geht – an Frau Misteli vorbei. Die hat sie natürlich gesehen und versucht sich hinter ihrem Kaffee zu verstecken. Donna, meine PA tut als ob sie stutzt, macht einen Schritt zurück und wendet sich dann Frau Misteli mit einem erstaunten / enttäuschtem Gesichtsausdruck, wie nur sie das hinbekommt direkt zu. Was sie ihr sagt, kann ich nicht sagen, aber die Reaktion von Frau Misteli sehe ich: sie versinkt fast im Stuhl.

„Was hast Du gesagt?“ frage ich Donna, als sie zurück ist.

Och nur: „Frau Misteli ?!? Sie hier?!?“

„Und sie?“

„Hat nur etwas gestammelt von ‚es ginge doch auf einmal besser und da konnte ich doch raus.’“

Ich glaube, das nächste Mal überlegt sie sich das noch einmal, ob sie uns durch die Gegend hetzen soll, wenn sie danach noch ins Cafe will.

Hoffentlich.