… An den lieben Mann meiner Kollegin, der jetzt operiert wird (und die nächsten 5 Stunden). Er kann es gebrauchen. Und wer ein paar Daumen zum drücken übrig hat: die nehmen sie auch.
… oder so ähnlich
Ich weiss, ich weiss: Medikamentennamen sind schwierig. Trotzdem finde ich das nicht gerade vertrauenserweckend, wenn der verschreibende Arzt sie auch nicht kann. Was hat er gemacht? Einfach aufgeschrieben, was der Patient ihm gesagt hat?
Richtig wäre natürlich: Venlafaxin. Das ist der Wirkstoffname. Davon gibt es inzwischen sowohl Original (Efexor) als auch Generika (z.B. Venlafaxin Mepha).
Aber der Arzt befindet sich ja in bester Gesellschaft – wie man hier nachlesen kann:
Medikamentennamen sind schwierig (1)
Medikamentennamen sind schwierig (2)
Medikamentennamen sind schwierig (3)
Medikamentennamen sind schwierig (4)
Auch Ärzte machen Ferien
Ja, ganz ehrlich, ich meine: dürfen sie ja auch. Es scheint einfach immer wieder überraschend zu kommen für manche Patienten.
Ganz doof ist das bei selbst-dispensierenden Ärzten (diejenigen, die die Medikamente selber an die Patienten abgeben/verkaufen). Da hatte ich letzte Woche morgens einen älteren Mann in der Apotheke, der vorher etwa 1 Stunde vor der Arztpraxis gewartet hat, in der Hoffnung, dass sie doch noch öffnet, weil er seine Dauer-Medikamente „für Blutdruck und das Herz“ braucht. Angeschrieben war offenbar nichts – auf dem Anrufbeantworter hat der Arzt aber seine Abwesenheit angegeben und noch 2 Ersatzärzte. Allerdings, nachdem ich dem ersten angerufen habe und der AUCH in den Ferien weilt, habe ich beschlossen dem Mann einen Vorbezug für seine Medikation zu machen.
Er war dankbar. Ganz im Gegensatz zu der Frau einen Tag später, die sauer auf uns war (hässig für die Schweizer), weil wir „noch immer“ kein Rezept für ihr dringend benötigtes Medikament vom Arzt gefaxt bekommen haben.
„Ich habe es heute morgen um 9 Uhr dort verlangt.“
– Jetzt ist nach 5 Uhr.
Pharmama: „Wissen Sie, ob die Praxis noch offen hat? Dann könnte ich dort nachfragen.“
Frau: „NEIN, die Praxis hat heute zu – darum komme ich ja jetzt zu Euch!“
Hmpf. Offensichtlich noch ein Arzt in den Ferien. Aber das bringt gar nix, wenn sie ihm auf den Anrufbeantworter redet, oder das der Praxisassistentin mitteilt (die offensichtlich gelegentlich auch in dessen Ferien in der Praxis sind), wenn er selber nicht da ist.
A (pharmacists) Tale Of Two Countries
Eine Geschichte von Kollegin Mareike aus dem Rheinland:
Schöne oder weniger schöne Geschichte, die meine Kollegin und ich gestern im normalen Samstagsdienst erlebt haben
Ein Kunde mittleren Alters, würde schätzen so Mitte 50, kommt zu uns in die Apotheke und kauft ASS 100. Er fragte meine Kollegin dann aber auch in einem Zuge, ob sie ihm sein Metoprolol schonmal vorab ohne Rezept geben könnte, er hätte keins mehr, bräuchte das dringend und er würde das Rezept dann nachliefern.
Sie hat es ihm erstmal verweigert, sagte dann aber, nach mehrmaligem Nachbohren seinerseits, dass sie ja mal ihre Kollegin, also mich, fragen könne.
Sie fragt mich also, ob wir das vorab beliefern würden. Da sie diejenige ist, die schon 10 Jahre in dieser Apotheke arbeitet (ich erst etwas über 1 Jahr) und die Kunden, ob Stammkunden oder Kunden, die einfach so öfter mal vorbeischauen, besser kennt als ich, schätze ich das so ein, dass sie diesen Herren nicht kennt und verweigere ebenfalls die Abgabe ohne Rezept.
Und dann gings los:
„Ja, meinen zweiten Herzinfarkt hatte ich ja schon!“ „Habe gestern die letzte Tablette genommen.“ „Wenn ich nächste Woche tot bin, dann sind Sie schuld!“
Mein Kommentar (diesen Schuh wollen wir uns auf gar keinen Fall anziehen) war dann nur: “Na, wenn sie schon Herzinfarkte hatten, sollten sie doch gelernt haben rechtzeitig für neue Rezepte sorgen zu können, damit sie ihre Medikamente pünktlich bekommen. Sie können immer noch in den Notdienst gehen und sich ihr Medikament dann dort verschreiben lassen.“
Dafür hatte er dann aber natürlich keine Zeit!!!
Ich finde es unfassbar, wie ein erwachsener Mann mit so einer Krankheitsgeschichte (ob das stimmte sei dahin gestellt), uns dafür verantwortlich macht, dass er seine Medis nicht vorab beziehen kann, nur weil er keine Zeit/Lust hat, sich rechtzeitig um seine Rezepte zu kümmern. Faulheit? Ignoranz? Man weiß es nicht, aber da schalte ich auf stur und taub. Ich helfe gerne, telefoniere mit Ärzten und versuche Lösungen zu finden, aber so etwas hab ich auch noch nicht erlebt.
…
Das grenzt, nein, das ist von seiner Seite schon richtige Erpressung. Vor allem Angesicht der gesetzlichen Grundlagen in Deutschland hätte sie gar nicht anders handeln dürfen. So doof, unlogisch und patientenunfreundlich das ist.
Ich denke, das begreifen viele Leute nicht. Vielleicht sollte man einen Fall, wo die Apotheke nach so etwas gesetzlich verurteilt wurde mal ausdrucken und zur Erklärung abgeben. Leider kann man diesen Leuten trotzdem keine Eigenverantwortung beibringen.
Bei uns wäre das übrigens anders gelaufen – aber wir haben ja (Danke lieber Gesetzgeber) auch ein paar weiterreichende Verantwortungen als Apotheker in der Schweiz. (Dafür haben wir auch die Selbstdispensation durch die Ärzte, aber das ist ein anderes Thema).
Bei so einem Kunden wie oben könnte ich zum Beispiel nachschauen, ob er es schon einmal bei uns hatte – wir müssen Computerdossiers führen über die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente.
Falls Ja, könnte ich ihm entweder eine einmalige Wiederholung auf ein Rezept dafür machen – vorausgesetzt, es ist nicht mehr als 1 Jahr alt und er hat das nicht schon einmal so gemacht.
Oder ich könnte einen Vorbezug machen (wenn ich denke, dass er wirklich das Rezept vom Arzt besorgen geht),
Wenn er aber noch nie damit bei uns war, dann muss ich abklären, ob er es wirklich braucht (sieht in dem Fall stark danach aus), und entscheiden, was das Risiko ist, wenn ich es ihm abgebe (wenig) gegen wenn ich es ihm nicht gebe (könnte tatsächlich Herzprobleme machen) – und dann entscheiden ob ich ihm das als Vorbezug gebe (und das Rezept noch kommt) oder ihn das erst mal zahlen lasse (Bei einem Patienten, der noch nie da war eher das). Das liegt in meiner Verantwortung – der ich entsprechend sorgfältig nachgehe.
Also ja – hätte er das von mir wahrscheinlich bekommen können. Einmal. Unter der Voraussetzung, dass er wieder zum Arzt zur Kontrolle geht und ich vor einem eventuell nächsten Mal ein Rezept sehe.
Übrigens: das Aspirin 100 (bei uns cardio genannt) ist in der Schweiz rezeptpflichtig … und demnach hätte ich das ganze Prozedere oben auch für das machen müssen ….
So sind die Gesetzgebungen halt unterschiedlich.
Die Brausetablette im Weltall …
Die NASA präsentiert: wie sieht eine Brausetabletten-Reaktion im Weltraum aus? Antwort: Eine Wasserkugel in der die Bläschen es wegen fehlender Gravitation kaum nach draussen schaffen. Gefilmt auf der ISS mit einer speziell scharfen Bilder liefernden Kamera.
Wie man Mückenschutzmittel testet
Die Mücken sind dieses Jahr wieder übel – Fenistil gel und Fenipic plus gehen ab wie warme Semmeln und auch die Mittel zum Vorbeugen (bei uns in der Gegend vor allem Antibrumm) – und genau in der Zeit da stolpere ich über diese nette Beschreibung eines Tests von Repellentien:
Bei fünf von sechs Produkten liegt die Schutzzeit demnach über sieben Stunden. Ein Spray versagt laut Vorankündigung bereits nach etwa einer halben Stunde. Der Test sei sogar frühzeitig abgebrochen worden, um den Probanden zu schützen.
Armer Proband :-)
Aber das erinnert mich daran, dass ich die Geschichte von David noch nicht gebracht habe!
Der war für ein halbes Jahr nämlich Mückenzüchter im Tropeninstitut in Basel und auch Produktetester. Er schreibt:
Blut lassen zum füttern mussten wir nicht, aber weil die Käfige aus Fliegengitter ja nie wirklich ganz dicht sind, schwirren im Raum (28 Grad, 70% Luftfeuchte) ja immer ein paar dieser Aedes aegypti herum.
Man wird also rund 50-80 Mal gestochen pro Tag. Aber Aedes, die ägyptischen Tigermücken, stechen nicht so wie unsere europäischen Stechmücken. Also gerade mal eine kleine Schwellung, etwas Hautrötung, und nach fünf Minuten ist es vorbei – kaum ein Juckreiz.
Füttern mussten wir die Tiere mit Schweineblut. Jede Woche erhielten wir frisch vom Schlachthof fünf Liter Blut, mussten es auf etwa 30 Grad aufwärmen, in Petrischalen abfüllen und mit Parafilm abdecken, und mit dem Parafilm nach unten afu den Mückenkäfig legen… die Biester stechen dann durch den Film durch.
Wenn du in deiner Apo irgend ein Mückenschutzmittel mit dem Tropeninstitut-Logo siehst, ist es möglicherweise durch mich persönlich getestet worden. :)
Mittel auf den Unterarm auftragen, einen Gummihandschuh anziehen (getestet wird ja nur der Unterarm, nicht die Hand), und dann jeweils zur vollen Stunde den Arm für 10 Minuten in den Käfig halten. Also 10 Minuten Arm rein, 50 raus, etwas arbeiten, 10 Minuten Arm rein… usw.
Im Käfig sind jeweils fünf weibliche Mücken, die seit drei Tagen kein Blut mehr lecken konnten. Wenn der erste Stich innerhalb der ersten drei Stunden nach Versuchsbeginn stattfindet, fällt das Mückenschutzmittel durch, und das Produkt darf nicht unser Logo erhalten.
Aber am besten ist das:
Einmal schickte ein Hersteller ein Mückenschutzmittel – auf pflanzlicher Basis – zu uns. Durchgefallen im Test. Mein Chef schickte das Testresultat zurück, und er erhielt schon bald eine neue Flasche – mit dem Hinweis, bei der vorherigen Charge sei ein Produktionsfehler unterlaufen.
… das scheint auch dort die Leute misstrauisch gemacht zu haben …
Er sandte die neue Flasche direkt ans Chemische Institut weiter, mit der Bitte, das Ganze auf das synthetische DEET zu untersuchen. Volltreffer. Versenkt. :)
Noch Mal im Klartext: der Hersteller des durchgefallenen Mittels hat versucht mit einer Beimischung von DEET im als rein pflanzliche deklarierten Mittel den Test zu bestehen, weil das ohne nicht ging. Zu gerne hätte ich gewusst, welcher Hersteller das war, aber das hat David nicht durchsickern gelassen …


