jetzt habe ich dir mal wieder ein paar Bilder von einer Apotheke gemacht. Zwar ist es keine wirklich besondere, aber ich dachte vielleicht willst du die auch haben. Es ist die Apotheke im Flughafen Lyon Saint Exupery, wie gesagt nichts besonderes aber vielleicht auch zeigens-, erwähnenswert. Da wären zwei Bilder bzw Perspektiven der Apotheke (da war leider ne Säule sonst hätte ich sie gerne frontal gehabt), einmal das Kreuz welches links von der Apo als „Wanddeko“ war und dann hab ich dir noch das obligatorische franz. Blinke Kreuz fotografiert.
Kategorie: Apotheke
Nicht lieferbar (die zweite)
Nach der ersten Geschichte „Lieferunfähig“ von kelef, folgt nun das zweite Beispiel. Wiederum ohne Erwähnung des betroffenen Medikamentes oder der Herstellerfirma (aber ich kenne beide und kann das zumindest bestätigen, dass das leider gelegentlich wirklich so läuft).
Viel Spass beim Lesen!
Es gab ein altes, gut eingeführtes Mittel gegen Zwangsstörungen. Dieses Mittel war eines der ersten auf dem Markt, gut erprobt und vielfach verschrieben. Nun muss man dazusagen, dass Zwangsstörungen ja an sich das Leben eines Menschen ganz schön schwer machen können – ob sich das nun in zwanghaftem Händewaschen, Zählen aller vorbeifahrenden Autos, farblichem Sortieren von was auch immer, oder auch „nur“ dem Benützen ausschließlich eines einzigen Weges z.B. zur Bank äußert. Nicht nur der Patient selbst, sondern vielfach auch seine Umgebung werden davon stark beeinflusst. Dabei sind sich diese Patienten aber durchaus sehr oft im Klaren darüber dass ihr Verhalten nicht „serienmäßig“ ist und einer Behandlung bedarf, und sind ansonsten in keiner Weise auffällig. Auch intellektuell stehen viele eher im oberen Bereich, und haben entsprechende Ausbildungen und Berufe.
Ein Mittel, das diese Zwangsstörungen mindert oder überhaupt verschwinden lässt ist also ein durchaus wichtiges und, wie alle Psychopharmaka, sehr regelmäßig einzunehmendes Medikament.
Damit nun alle Tabletten, die ein Patient einnehmen muss, voneinander unterschieden werden können wurden schon immer verschiedene Formen, Überzüge und Farben gewählt. Das erleichtert einerseits dem Patienten den Überblick (früher gab es Tabletten ja in Röhrchen oder Fläschchen, versehentlich ausgeleert war das Auseinandersortieren sehr wichtig), andererseits können anhand von Form und Farbe in Notfällen Ärzte und Apotheker sofort und ohne chemischen Test feststellen um welches Medikament es sich handelt.

Die Verwendung eines anderen Farbstoffes wäre eine Änderung in der Zusammensetzung gewesen, und war auf Grund der internationalen Gesetzeslage ein schwieriges und langdauerndes Verfahren, kostenintensiv und mit einer Unzahl von Auflagen verbunden. Einfacher war es, die Farbe wegzulassen und das Medikament in Hinkunft statt in blau in weiß zu produzieren.
Nun, was vor vielen Jahrzehnten möglich, erhältlich oder sinnvoll war, das war später einfach anders. Unser vielerprobtes und bewährtes Mittelchen gegen Zwangsstörungen war hellblau. Die Farbe kam von einem natürlichen Farbstoff aus einem fernen Kontinent, ungefährlich, biologisch, toll. Leider war dieser Farbstoff aus verschiedenen Gründen (ich sag‘ nur: „Rettet den Regenwald“ hat viele Gründe) nicht mehr in der erforderlichen Qualität und Menge verfügbar. Das war vorhersehbar, der Hersteller des Farbstoffes schloss sein Werk, und der Hersteller des Medikamentes begann zu überlegen. Es handelte sich um ein sehr altes Präparat, in der Zwischenzeit gab es eine Menge neuerer, selektiverer Präparate, die Ärzte hatten schon lange begonnen diese neuen Präparate vermehrt zu verschreiben und das gute alte Mittel nur mehr den Patienten zu rezeptieren die schon sehr lange damit lebten. Patienten mit Zwangsstörungen und Änderungen – von was auch immer – sind logischerweise keine gute Kombination.
Die Herstellfirma also dachte nach was alles zu beachten sei, und schrieb zwei Jahre im Voraus alle Ärzte an. Und alle Apotheker. Und alle Grossisten. Und alle, die noch damit zu tun haben könnten: Kliniken, Gesundheitsministerien, etc. – eine Unmenge von Papier wurde auf den Weg geschickt. Die Ärzte wurden gleichzeitig auch darauf aufmerksam gemacht dass durch die Änderungen in der Gesetzgebung (gleiche Indikationen für Substanzen in allen EU-Ländern) die Indikation Zwangsstörung für dieses Medikament wohl nicht aufrechterhalten werden könne, weil dazu eine Anzahl von neuen Studien durchgeführt werden müsste, und es ja in der Zwischenzeit eine Menge anderer, neuerer und selektiverer Präparate gebe. Falls möglich, sollten also neue Patienten gleich auf ein anderes Präparat eingestellt werden, bei den anderen Patienten solle eine Umstellung in Betracht gezogen werden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werde das betreffende Medikament jedenfalls nicht mehr blau sondern weiß sein. Die Pharmareferenten wurden entsprechend geschult, das Werbematerial entsprechend überarbeitet, eine Menge Leute hatten eine Menge zu tun. Damit ja nichts passiert wurden Erinnerungsschreiben an die o.a. Empfänger in schöner Regelmäßigkeit verschickt, ebenso wie dann das Schreiben das kund und zu wissen tat dass nunmehr der Tag gekommen sei: Tablette weiß statt blau.
…
Es kam wie es kommen musste: die Patienten beschwerten sich über die „Tabletten ohne Wirkstoff“. Aber auch eine Unzahl von Ärzten, Apothekern, Grossisten beschwerte sich über die „falschen“ Tabletten. Das ging telefonisch, per Fax und per Einschreiben, via Rechtsanwalt und Behörde. Herstellerschlamperei, Gesundheitsgefährdung, Pharmamörder, das Angebot an Beschimpfungen war groß, die Grossisten hielten die Ware bis zur Klärung des Sachverhaltes zurück, das Medikament wurde von Apotheken nicht mehr abgegeben auch wenn es auf Lager war, die Behörden überlegten schon Sonder-Sachbearbeiter einzusetzen. Ein derart wichtiges Medikament – und das war es ja tatsächlich – war vom bösen, bösen Pharmahersteller einfach falsch hergestellt worden, oder es war ein falsches Medikament in der Schachtel, und überhaupt: Angehörige gingen mit den Patienten in die Notaufnahme, Notärzte wurden gerufen, alles was man sich vorstellen kann. Die Meldungen an alle die zuständig waren (oder auch nicht) überschlugen sich.
Der Hersteller erhielt seitenlange Briefe von Patienten mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen, die Arzneimittelsicherheits-Abteilung machte Überstunden, den Rechtsschutzversicherungen seien die Drohungen wegen Gesundheitsgefährdung, absichtlicher schwerer Körperverletzung etc. gedankt.
Das Präparat wurde immer wieder als „nicht lieferbar“ bezeichnet, obwohl der Hersteller eine Menge auf Lager hatte, und obwohl alle Zuständigen immer wieder informiert wurden. Dauerte einige Monate, bis sich die Wellen gelegt hatten.
Natürlich musste das so kommen, meinte der Medical Director des Herstellers, was bitte erwartet man denn von Patienten mit Zwangsstörungen? Die KÖNNEN ja so eine Farbänderung nicht akzeptieren, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil Zwangsstörungen das eben so mit sich bringen, könnten die Patienten mit solchen Änderungen umgehen dann wären sie ja gesund. Deshalb wurden ja alle verständigt …
Dass die Ärzte, Apotheker, Grossisten nichts von der Änderung wussten war auch schnell geklärt: alle, die die vielen Schreiben bekommen hatten – lt. Adressliste ist das ja nicht so schwierig nachzuvollziehen – meinten, sie würden die Zuschriften von Pharmafirmen gar nicht lesen. Die würden entweder auf einen Haufen gelegt zur gelegentlichen späteren Lektüre, oder gleich weggeworfen. Wozu die Pharmareferenten den Fachärzten mehrfach die Farbänderung angekündigt hatten erschloss sich nie.
…
Was blieb von der Geschichte? Der böse Nachgeschmack: ein großer Pharmakonzern, und dann ist so ein wichtiges Präparat nicht lieferbar weil bei der Herstellung geschlampt wurde und kein Wirkstoff in der Tablette war. Oder war nur das Falsche abgepackt worden? Sabotage? Missachtung psychisch kranker Menschen? Hm. Jedenfalls: böse Firma.
Hustensirup zum trinken
Vorausschickend: ich brauche am Morgen ein bisschen Zeit, bis ich warmgelaufen bin. Ich schiebe es auf das, dass ich den Mann nicht verstanden habe. Obwohl … eigentlich habe ich es auch jetzt noch nicht ganz verstanden.
Als: Samstag. Morgens früh, der erste Kunde des Tages. Ein jüngerer Mann – er sieht selbst so aus, als sei er noch nicht allzu lange aus dem Bett gefallen.
Mann: „Ich hätte gerne einen Hustensirup zum trinken.“
Pharmama: „Ist es für sie selber?“
Er: „Ja“
Pharmama: „Was für eine Art Husten haben sie denn?“
Er: „Mehr so trocken, aber … ich will einen, den ich so trinken kann.“
Pharmama: „Nun … (ich versteh’s nicht ganz) wenn es Hustensirup ist, dann ist er flüssig …“
Er: „Ja, ja, aber ich will etwas, wo ich so viel nehmen kann, wie ich will!“
Pharmama: „Nun … dann würde ich höchstens einen homöopathischen empfehlen. Oder vielleicht den von Weleda? Da kann man alle 2 Stunden …“
Er: „Haben sie nichts anderes?“
Pharmama: „Oh, ich habe noch eine Menge andere, aber … das ist alles medizinischer Hustensirup. Den kann man nicht einfach so trinken – den nimmt man Löffelweise, maximal 3 x pro Tag.“
Er: „Dann hole ich mir halt einen Hustensirup aus der Migros!“
Sagt’s und geht wieder raus. Ist das nur mein Eindruck, dass ich das Gefühl habe, er schwankt dabei leicht?
Was zum Geier?
Entweder meint er normalen Sirup – das gibt’s auch beim Lebensmittelhändler. Oder er meint Hustensirup und hat auf etwas „stärkeres“ spekuliert. Nicht, dass ich die Leute unterstütze, die tatsächlich Hustensirup auf Ex kippen, nur um sich einen „Kick“ zu holen.
Ich versteh’s nicht.
Ich bin eigentlich immer noch am Kopf kratzen.
Vielleicht sollte ich es auch einfach hinnehmen, dass es Leute gibt, die denken, wenn es Sirup ist, kann ich davon nehmen so viel ich will. Oder für was. Immerhin gibt es auch Leute, die aus Hustensirup Glace machen. Was? Ja. Guckst Du hier:
Von der Seite Unwholesome foods: „Today we topped our cough syrup ice cream with chicken-flavored whipped cream, Nyquil and a cough drop!“
Ah. Bäh! Ich sagte schon, dass ich noch keinen Hustensirup gefunden habe, der gut schmeckt? Aber vielleicht überdeckt die Kälte den Geschmack etwas.
Apotheken aus aller Welt, 312: Padua, Italien
Apotheken aus aller Welt, 312: Venedig, Italien
Das wäre ein nettes Taschengeld …
„Was? Das Rezept ist nicht da? Der Arzt hat mir gesagt, er würde es sofort faxen!“
Wenn ich für diesen Spruch jedesmal 2 Franken bekommen würde …












