Lost in Translation

Hochdeutsch ist für uns Schweizer eine Fremdsprache – man merkt das schon manchmal hier im Blog – noch mehr würde man es merken, wenn man mich reden hören könnte :-). Wie bei jeder Fremdsprache gibt es Übersetzungsfehler … und gelegentlich Missverständnisse. Und das ist nicht nur bei mir so.

In die Drogerie kommt ein junger Mann. Er steuert direkt auf die nächste Mitarbeiterin zu – unser jüngster Lehrling.

Lehrling: „Grüetzi, was dörf’s sy?“

Kunde: „Guten Tag. Aspirin, bitte, das zum auflösen“. 

Sie geht und kommt mit Aspirin Brausetabletten und Aspirin Granulat zurück.

Kunde: „Was ist da der Unterschied?“

Lehrling (in hochdeutsch):  „Die hier (Brausetabletten) macht man in Wasser, die hier (Granulat) kommen direkt ins Maul …“

Kunde: „WAS?! Was haben sie da gesagt? Wie reden sie denn mit mir? Was fällt ihnen ein?!…“

Hoppla!

Der Lehrling ist vollkommen überrascht ob dem Ausbruch und weiss gar nicht, was sie sagen soll.

Das Problem ist folgendes: offenbar hat ihr noch niemand gesagt, dass „Maul“ nicht gerade ein netter Ausdruck ist im Hochdeutschen und eher für Tiermünder als für Menschen gebraucht wird.
Im Schweizerdeutsch dagegen sagt man noch öfters „Muul“ oder „Muël“ und meint das nicht mal böse.

Die Drogistin kam ihr dann zu Hilfe. Sie erklärt das auch dem Kunden – der das kaum glauben will.

Lieber glaubt er wohl, dass der Lehrling ihn beleidigen wollte?

Auf der anderen Seite finden eine Menge Schweizer das deutsche „Tschüss!“ zum Abschluss eines Gespräches seltsam – weil man das hier eigentlich nur zu jemandem sagt, den man (gut) kennt – und Duzt. Bei Kundenbegegnungen ist das etwas zu … persönlich.

65 Kommentare zu „Lost in Translation

  1. Dann war der Kunde entweder selten im Ausland oder hat noch nie was von verschiedenen Bedeutungen von Wörtern gehört, wenn er (trotz Erklärung) die Beleidigung vorzieht.

    Im Grossen und Ganzen versteh ich den schweizer Dialekt schon. (Ist es eigentlich ein Dialket oder eine „eigene“ Sprache? Möcht ja keinem auf die Füsse treten.)

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      1. Nur bedingt. Uns fehlen zb mehrere Zeiten. Versuch mal in Schweizerdeutsch etwas in der einfachen Vergangenheit (Präteritum) zu sagen.

        Beispiel: Ich ging.

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        1. Bairisch hat auch kein Präteritum. Außer man macht’s wie die „vornehmen Leute“ und bastelt sich künstlich eins zusammen. Grauenhaft!

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  2. Tschüss ist ja auch eigentlich nicht Hochdeutsch, sondern eher Norddeutsch und von dort aus verbreitet worden. Der Ursprung von „Tschüss“ ist übrigens „A Dios“, welches in den Häfen (insbes. Hamburg) eben zu „Tschüss“ wurde.

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  3. Ich habe darüber nie wirklich nachgedacht, aber ich sage Tschüss oder Tschau auch eher zu Freunden und Bekannten, zu Verkäufern oder Dienstleistern sage ich eher Wiedersehen.

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  4. @Rose (Sorry Pharmama, aber in der Mobileversion kann man nicht direkt auf einen Eintrag antworten)

    Das Schweizerdeutsch gehört zur allemanischen Dialektfamillie wie z.B. auch das Bayrisch oder Älls. Schweizerdeutsch ist sehr heterogen und regional. Das Chuchichäschtliorakel bestimmt z.B. anhand der aussprache von wörter wie Fenster, Hand, Mond die Herkunft eines Schweizerdeutschsprechers z.T. auf das Dorf genau.

    Darum muss man in der Schweiz stets interpretieren, interpolieren und aus den zusammenhang auf das detail schliessen.

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  5. Da hatte ich auch mal ein etwas komisches Erlebnis mit einem (richtigen) Norddeutschen. Ich selbst komme aus Baden-Württemberg und schwätze schwäbisch. ;-)
    Ich sprach mit ihm und sagte ohne Nachzudenken: Das (bestimmte Person) ist doch ein Arschloch. Das entsetzte Gesicht war herrlich. Hier bei uns ist es gängige Umgangssprache, wir sind halt a bissele derb. (Meine Oma meinte erst gestern: Ha des isch doch a daube Sau.)

    Bei uns hört man übrigens auch raus aus welchem Flegga (Ort) man kommt.

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    1. Ist im Norddeutschen nicht anders – zumindest im Plattdeutschen. Gehst Du zwei Dörfer weiter, wird das Wort entweder anders ausgesprochen, oder es ist mal gleich ein anderes Wort…

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      1. Aber das Plattdüütsch ist auch eine eigene Sprache mit eigenen Dialekten. ;)

        Aber auch Plattdüütsch ist derb. Aber es ist eben was anderes ob man soetwas in „Hochdeutsch“, bzw. einem unbekannte Mundart, gesagt bekommt, oder eben in einer Sprache die einem alltäglich ist. Wobei natürlich nicht jeder Norddeutsche Platt kann.

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  6. Als Österreicherin darf ich sagen, was uns trennt ist die gemeinsame Sprache :)

    Wobei der Kunde da schon sehr, sehr empfindlich ist. Kunde halt :)

    Eine der schönsten Verwechslungen hat ich mal mit freunden aus dem Frankfurter Raum. (Die verwechslungen, wenn ich mir Frankfurter Würstel bestelle, die der rest der welt als „Wiener“ kennt, erspar ich euch :) ):

    Ich spreche mit den Freunden durchaus relativ einwandfreies hochdeutsch, wenn auch gewisse ausdrücke einfach umgangssprachlich so „drinn“ sind, dass man gar nicht merkt, WAS man sagt.

    Im Österreichischen ist es gang und gäbe als ungläubigen ausruf „spinnst?!“ zu sagen, was dann eigentlich „was du nicht sagst“ bedeuten sollte, …. die deutschen probanden sagen eher „spinn ich?“ beziehen es also auf SICH, nicht auf den anderen.

    Ich überlass es eurer fantasie, wie die blicke aussahen, als ich das erste mal „Spinnst??“ sagte :)

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    1. Das hört sich auch für mich schon stark nach „Spinnst Du?“ an …
      schon interessant, wie unterschiedlich dasselbe interpretiert werden kann.

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    2. kleine Zwischenbemerkung: im schwäbischen heißen die Wiener Würstchen Saitenwürstle

      Versteht auch keiner aus anderen Regionen.

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  7. Sehr schön ist auch immer das Durcheinander bei „fegen“ und wischen“.
    In der Schweiz wischt man trocken mit dem Besen und fegt nass mit dem Schrubber.

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  8. Wenn man in Bayern die Temperatur in einem Geschäft um 20 °C senken möchte, reicht es eigenlich vollkommen aus, als Kunde anstatt „Grüß Gott!“ „Guten Tag!“ zu sagen; das ist dort eigentlich schlimmer als jede andere Beleidigung.

    Umgekehrt gewöhnt man sich als Bayer in Norddeutschland das „Grüß Gott!“ auch ganz schnell ab.

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  9. Eine Doppelbedeutung hab ich auch:
    Ich komme aus dem Pott, und lebe da auch schon mein ganzes Leben, aber meine Mutter ist aus Sachsen, und vor ihr habe ich das Wort wuschig, für verwirrt oder durcheinander.
    Dann sitze ich mit meinem Partner und einigen Freunden zusammen und meine nur so „Ich bin heute total wuschig“, und alle gucken mich an wie Auto und werden rot.
    Und dann klären die mich nach 20 Jahren auf, dass das Wort hier rattig bedeutet.
    Ist schon interessant, das ich das 20 Jahre lang fröhlich benutzt habe, und niemand hat es seltsam gefunden.

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    1. Ohh danke, dass du mich warnst. Ich komm auch aus Sachsen und wohne jetzt im Pott. Das spart mir peinliche Momente!

      Ich hab in einer WG gewohnt mit Leuten aus 5 unterschiedlichen Bundesländern und Österreich.
      Ich sag so: „Hat mal jemand eine Scheuerhader?“ Alle gucken mich doof an. (gemeint ist ein Putzlappen).
      Oder in Dresden heißt Abspülen „Aufwaschen“… was bei einer anderen Mitbewohnerin „Boden putzen“ bedeutet.
      Und es hat ein bisschen gebraucht, bevor ich begriff, dass unsere Österreicherin kein großes Polstermöbelstück in unsere Küche haben will, wenn sie sagt: „Ich hole noch schnell einen Sessel.“

      Und wenn ich „Nu“ sage als Dresdner, dann meine ich „JA“…

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    2. Ich komme aus der Ruhrpottgegend und hier ist „wuschig“ in beiden Bedeutungen geläufig, man erkennt aus dem Kontext, welches gemeint ist.

      Von daher hätte ich „wuschig“ i.S.v. „durcheinander“ eben auch nicht seltsam gefunden.

      Aber welche Begriffe geläufig sind, variiert ja nicht nur von Dorf zu Dorf, sondern mitunter schon von Freundeskreis zu Freundeskreis oder Familie zu Familie.

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    3. Sehr schöne Verwechslung!
      Hier bei mir im tiefsten Pott kenne ich auch niemanden, der wuschig mit verwirrt gleichsetzen würde. Allerdings ist es im Pott, glaube ich, generell eher nicht so peinlich das Wort generell zu verwenden ;)

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  10. Wie machen das Schweizer Autoren dann?
    Ich gehe davon aus, dass die einfach alle Hochdeutsch beherrschen, oder sind eure Bücher/Texte/Zeitungen auf Schweizerdeutsch geschrieben? Und falls ja, das füht dann doch auch zu anderer Wahrnehmung der Geschichte/des Textes? Das muss doch dann völlig seltsam klingen für euch?

    Ich kann mir davon grade kein Bild machen,

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    1. Tja, das ist in der Schweiz so eine Sache…

      Alles was „offiziell“ ist oder so wirken soll, wird in Hochdeutsch geschrieben: die Zeitung, Fahrpläne, Telefonbücher, Packungsbeilagen und auch amtliche Dokumente sind alle in Hochdeutsch verfasst. In der Schule wird Hochdeutsch gelehrt und geschrieben/gelesen. Die Tagesschau ist zum Beispiel auch auf Hochdeutsch.
      Aber nur schon die Nachrichten der Regionalsender sind im jeweiligen Dialekt gemacht. Und auch die Unterhaltungssendungen im schweizer Fernsehen sind oft auf Schweizerdeutsch.
      Andere Dinge wie Gedichte, Hochzeitseinladungen oder Todesanzeigen können auf beide Arten verfasst werden; da braucht es oft auch etwas Fingerspitzengefühl… Und es gibt keine „Rechtschreibung“ – jeder schreibt so wie ihm der Mund gewachsen ist…
      Ich zum Beispiel schreibe alle meine Postkarten, Briefe, Tagebücher, SMS und Emails auf Schweizerdeutsch – wenn der Adressat dies denn auch versteht. Einkaufszettel, Agenda oder To-do-Listen sind aber auf Hochdeutsch… SMS und Emails an meinen Chef schreibe ich aber immer auf Hochdeutsch. Auch meine Notizen für die Uni sind alle auf Hochdeutsch; obwohl die Unterrichtssprache (das Gesprochene des Dozenten) sowohl Hochdeutsch als auch Schweizerdeutsch sein konnte.
      Kommen wir noch zu den Autoren: Es gibt beides. Die meisten Bücher werden wohl in Hochdeutsch geschrieben; ABER es gibt auch schweizerdeutsche Literatur… die ist aber nur wenig bekannt.
      Und nicht jeder Schweizer beherscht die (hochdeutsche) Schriftsprache perfekt! Aus einem Bericht einer Freiwilligen Feuerwehr: „Eine Wärmebildkamera ist ein Gerät, wo den Zeitaufwand zur Rettung von Menschenleben reduziert und…“ ;-)

      Kurz: es ist sehr kompliziert und für „Aussenstehende“ wohl auch etwas schwierig zu verstehen… Und es gibt eben auch Sachen, die man nur auf Hochdeutsch oder im Dialekt sagen kann… Auf jeden Fall ist die Wahl der „richtigen Sprache“ eine Bauchentscheidung, über die man oft nicht einmal nachdenkt.

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      1. Nachtrag: Es ist übrigens auch eine Generationen-Frage ob Hoch- oder Schweizerdeutsch geschrieben wird!

        Meine Grossmutter und meine Mutter schreiben NUR Hochdeutsch und sagen auch, dass sie das Schweizerdeutsche nicht richtig lesen können… Sprechen tun sie aber nur Dialekt; ausser das Gegenüber würde es nicht verstehen.
        Mein Papa dann wiederum schreibt schweizerdeutsche SMS, obwohl er etwas älter ist als meine Mutter.
        In meinem Alter (etwa 30) jedoch kenne ich keinen, der seine SMS noch auf Hochdeutsch schreibt.

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        1. Dann kennst Du jetzt jemanden: mich :-( Ich habe Mühe damit in Schwyzerdüütsch zu schreiben – eben weil es nicht wirklich eine offizielle Rechtschreibung gibt (wobei das stimmt so auch nicht: es gibt ja Bücher darüber) …

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          1. Ja, aber wer hat schon ein Idiotikon zu Hause?!? :-D

            „Ich schriibe eifach so, wien ichs denne au wörd uusspräche bem lääse…“

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          2. @pharmama: Na, geht doch! :-D

            Schwierig ist es beim Lesen einfach, wenn der Kommilitone, der mir eine wichtige Email schreibt, aus dem Wallis oder dem tiefsten Solothurn kommt. Dafür ist das dann oft auch sehr lustig… ;-)

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        2. Danke für den Einblick!
          Diese Dialekteinflüse kenne ich aber auch aus dem Schwäbischen, Nördlich von Hessen wird man schon sehr komisch angeschaut, wenn man „der Mann, wo..“ sagt :)

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  11. Und wenn ich Deutsche ein Müsli esse, denkt Ihr Schweizer, ich nasch meiner Katze das Mäuschen weg…Ihr schreibt es Müesli.

    Sprache ist schon spannend.

    Übrigens gibts in meinem Heimatdialekt den Ausdruck „Schietbüdel“ für ein kleines Windelkind.
    Übersetzt wäre es der Schei*beutel, was natürlich gar nicht freundlich klingt. Aber die niederdeutsche Form ist ein durchaus nettgemeinter Ausdruck und wird ohne böse Hintergedanken verwendet.

    Noch so ein Klassiker: Der norddeutsche Feudel und das Fahrtuch. Versteht keiner südlich von Hannover!

    Dabei ist der Feudel das Aufwischtuch für den Boden und das Fahrtuch ist der Wischlappen, mit dem man die Spüle, Arbeitsplatte und den Tisch abwischt.

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    1. Müesli ist ja auch ein schweizerdeutsches Wort; aber die ganze Welt spricht es leider falsch aus! :-)
      Das (schweizerdeutsche) Müesli ist ein kleines Mus; ein Müs-chen sozusagen. Im Bircher Original ist es geraffelter Apfel und Haferflocken… lecker :-(
      Zum Glück gibt es inzwischen modernere Varianten :-D

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      1. Ich komm wohl aus Österreich bin aber mit dem musartigen Müsli aufgewachsen.
        (Hafer, Weizen, Roggen Dinkel und Leinsamen geschrotet, über Nacht mit Wasser quellen lasssen, am Morgen noch Honig, geriebenen Apfel und Haferflocken zugeben) meine Eltern haben mir lange nicht geglaubt dass ich nach dem Frühstück immer Magendrücken hatte.

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        1. MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli… MüEsli…

          doch, jetzt klappt das inzwischen schon ganz gut… ;-)

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    2. Hmm.. ich kenne es nur als Fatuch, aber kommt aufs selbe hinaus.

      Wobei… wenn Du schon den Feudel erwähnst, was ist dann mit dem Leuwagen? Den brauchst doch auch?
      Schön finde ich auch immer wieder den Begriff Handeule.

      Aber leider gehen die Worte hier in der Großstadt immer mehr verloren. Ich werde ja schon schief angeschaut wenn ich alle mit „Moin“ begrüße…

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      1. aufgewachsen in der Haupstadt, mit Eltern aus westfalen und Norddeutschland und Urlaub grundsätzlich im Norden Deutschlands oder Europas, „Moin“se ich auch in meiner wetsdeutschen Universitäts- und Fahrradstadt konsequent alle. An der Uni fällt das nicht so auf, aber im Rest der Stadt führt das schon mal zu komischen Blicken.

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      2. Ja sicher! Ich kenn alles, außer Fahrtuch…aber das ist auch wieder son Wort…meine beste Freundin sagt Schüsseltuch (?!), bei uns heißt es einfach Lappen, und bei anderen Freunden vornehm Wischtuch oder -lappen.
        Moin sagt hier eigentlich jeder, aber nicht jeder verstehts…kommen die Leutchen nachmittags um halb fünf in die Apo, ich sag Moin, Antwort:
        „Guten Morgen!“ Sehr schön…

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  12. Ich selber komme aus dem Pott, mein Freund ursprünglich aus dem Rheinland (Köln). Liegt gar nicht so weit auseinander, trotzdem bekomme ich auch nach fast vier Jahren immernoch Wörter zu hören, mit denen ich ohne Erklärung nichts anfangen kann.
    Wie zB Köbes für einen Kellner im Brauhaus. Oder drüsch für trocken.
    Besonders lustig wird es dann, wenn er sich mit seiner Mutter, oder seinen Großeltern unterhält. Da rutscht er auch gerne mal in „seine Umgangssprache“.

    Lustig finde ich allerdings auch die unterschiedliche Sprechgeschwindigkeit, die wir haben. Da ich schon immer im Pott gelebt habe, spreche ich eher schnell, da man im Pott nicht zwischen allen Wörtern eine Pause macht beim sprechen. Da werden schonmal mehrere Wörter so hintereinander weggesprochen, dass Leute von weiter weg Probleme haben einer Unterhaltung zwischen zwei Menschen aus dem Pott zu folgen. Mein Freund wiederrum macht zwischen so gut wie allen Wörtern kleine Pausen, spricht aber auch nicht wirklich langsam. Bei ihm erkennt man einfach nur besser, was jetzt wozu gehört und wozu nicht ;)

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  13. Jaaa … als ich in den Ruhrpott umgezogen bin, musste ich mir auch das Masematte abgewöhnen (ich komme ursprünglich aus Münster /Westf.). Obwohl keine 100 km dazwischenliegen, haben mich alle doof angeguckt, als ich gefragt hab, wo der Schont ist … gemeint war das WC.

    Umgekehrt war das einzige Wort, das ich nachlernen musste, als ich ein Praktikum in der Nähe von Hamburg gemacht habe, „pekig“ …

    Und hier im Blog auch immer wieder schön „Ich bekomme ein Telefon“ – würde ich z.B. nur sagen, wenn mir jemand tatsächlich einen Telefonapparat schenkt.
    Hab mich aber mittlerweile dran gewöhnt … ;-)

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  14. „Anschreiben“ ist auch so ein Wort. Nördlich der Schweiz macht man das in der Kneipe (Schankwirtschaft) oder in einem Tante-Emma-Laden, wenn man nicht zahlen kann.
    Und obwohl ich Apotheker in Norddeutschland bin, fällt mir gerade keine passende Umschreibung dazu ein. „Beschriften“ oder „Kennzeichnen“ trifft es wohl noch am ehesten.

    Wie bekannt ist eigentlich das norddeutsche „Moin“ oder „Moin Moin“ schon in der Schweiz geworden? Das ist ja die letzten Jahre wahnsinnig weit in den Süden gewandert.

    Zu Studienbeginn in Hessen wurde ich noch gefragt, warum ich allen auch nachmittags und abends noch „guten Morgen“ wünsche.

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    1. Anschreiben heißt in Norddeutschland überraschenderweise auch anschreiben, würde ich jetzt nicht wirklich für einen Dialektbegriff halten. Moin Moin sagt man übrigens nicht in Norddeutschland, sondern ausschließlich in Hamburg.

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  15. Und einst in Berlin sagte ich zu meinem Patienten „Grüß Gott“ und er sah mich ganz seltsam an und sagte „Na, ick hoffe nich! Oder ham se mir wat zu sagen Frau Dokter?“

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  16. ge amo nunner ins Ort, un schau obbs reint!
    Eine durchaus geflügeltes Wort bei uns. Habt ihr das irgendwie verstanden, oder genauer: Habt ihr das irgenwie verstanden getan?

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      1. Geh mal runter in den Ort und schau, ob es regnet? Würde ich zumindest vermuten.

        Was ein Glück übrigens, dass ich aus dem Teil Deutschlands komme, vom man Hochdeutsch für eine gesprochene Sprache hält (wie ich mir mal sagen lassen musste).

        Ich finde es ja irgendwie putzig, dass die Leute weiter im Süden alle einen komischen Dialekt haben, statt einfach so zu sprechen, wie man schreibt. Teilweise weiß man nicht mal mehr, ob das überhaupt Deutsch sein soll oder irgend eine exotische, ausländische Sprache. ;-)

        Und wenn sie dann doch mal Hochdeutsch reden, haben sie lauter komische Wörter. Zu Portmonee sagen sie Geldbeutel (klingt irgendwie sehr altmodisch). Zu einer Mettwurst sagen sie Salami (obwohl das Ding doch nur aus Pizza Salami heißt), unter Mettwurst verstehen sie aber eine Streichmettwurst (was doch was ganz anderes ist). Und zum Sonnabend sagen sie Samstag (was aber immerhin konsequrnt ist, weil man Samstag tatsächlich Samstag ausspricht, während Sonnabend natürlich wie Sonnamt ausgesprochen wird).

        Irgendwie seltsam, dass ich aus der einzigen Ecke komme, wo die Leute *richtiges* Deutsch sprechen, nicht wahr? ;-)

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        1. Ach, im Süden spricht man schon wie man schreibt, allerdings hat da die Dudenredaktion was dagegen. ;-)
          Ich halte mich momentan in einer norddeutschen Stadt auf. Dort ist man auch stolz auf seine annähernde Schriftsprache, was die Leute allerdings nicht davon abhält, zu einem Fahrrad „Leeze“ zu sagen. Das finde ich schon etwas „schofel“.

          Und zu kulinarischen Besonderheiten: Irgendwie kocht man aus Hasenfutter dort auch einen Eintopf, normalerweise mit geräucherten Bratwürsten, die dort Mettenden heißen.

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          1. Wo sagt man denn zu einem Fahrrad Leeze? Ein Fahrrad heißt Fahrrad, schließlich ist es auch ein Fahrrad.

            Und was meinst du mit Hasenfutter? Doch nicht etwa Grünkohl? Das ist kein Hasenfutter, sondern lecker. Und ich bedaure sehr, dass man das in südlicheren Regionen noch immer nicht verstanden hat.

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          2. Ja, ich meine Grünkohl. Und ja, der ist lecker. Hab ich in 25 Jahren Süddeutschland noch nie gegessen. Wie gesagt, das läuft dort wirklich eher unter Hasenfutter. Hier wird da anscheinend ein richtiger Kult um das Gewächs gemacht.

            Kulinarisch kann ich übrigens aus Süddeutschland eine Stadtwurst, Schäufele, Karpfen und Semmelknödel empfehlen. Als Gebäck zum Kaffee Striezel und Knieküchle.
            Und als ich mal meinen Kollegen zur Weihnachtszeit echte Elisen-Lebkuchen mitgebracht habe, wollte die zunächst mal keiner essen, da man dieses Gedöns aus dem Supermarkt gewöhnt ist. Als sie die original Nürnberger Lebkuchen probiert hatten, gingen den Jungs und Mädels die Augen auf. Da waren die 8 Lebkuchen für 10 Euro dann verdammt schnell weg.

            So hat jede Region ihre Besonderheiten.

            Achja: Eine Leeze wird Dir im Münsterland über den Weg laufen. Genauso wie die Worte „jovel“ und „schofel“.

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      2. Gehe einmal ins Dorf und schau ob es regnet; genau. Das ist ein Spruch, mit dem man testet ob der, den man für nicht ganz so furchtbar schlau hält, wirklich einen IQ von 60 hat (morgens 20, mittags 20, abends 20). Statt ins Dorf zu gehen (in dem er ja sowieso schon ist), würde es ja reichen einfach aus dem Fenster zu sehen. Und die Umschreibung mit dem „gehabt getan“ ist eine Formulierung die man hier ständig hört.

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  17. den tschüss-fettnapf habe ich neulich auch volle kanne genommen, als ich mit einem schweizer reisebüro telefoniert habe. peinliches schweigen scheint international zu sein… und jetzt weiß ich endlich, warum der telefonische abschied so krampfig war… ;)

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  18. Spannend!
    Aber auch wenn man denkt, man spricht Hochdeutsch, hat es teils Begriffe, die keiner woanders kennt.
    Ich komm aus Hannover, und ich habe im Laufe der Zeit gelernt, daß nur Leute von hier wissen, was ich will, wenn ich frage, ob wer Lust auf Krökeln hat. Alle anderen sagen Kickern, Tischfußball, …
    Vorher dachte ich, die „Lüttje Lage“ wär der einzige spezielle Begriff bei uns (kleines obergäriges Bier und kleiner Schnaps, klassisch aus zwei Gläsern mit einer Hand gleichzeitig getrunken, typisches Schützenfestgetränk hier)

    Inzwischen weiß ich, daß unsere Gramatik hier zwar recht hochdeutsch ist, aber sich noch so einige regionale Begriffe eingeschlichen haben (Mölm für dicke, dreckige Luft find ich zB herrlich), und auch manche Aussprache ein wenig anders sein kann („Ki-a-sche“ statt Kirsche zB, oder „Knust“ für das Endstück eines Brotlaibs)

    Wie sagt man eigentlich in der Schweiz zu Krapfen?
    Das war bei Feiern auch schon öfter ein Streitthema, ob wir grad Berliner essen, eben Krapfen, Pfannkuchen, … einer warf auch Prillecken ein, obwohl dies Braunschweiger Karnevalsgebäck ein bißchen anders zubereitet wird.

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  19. Das mit dem „Tschüss!“ wird ja noch komplizierter, da man es in einigen Regionn der Schweiz auch zur Begrüssung verwendet.

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