Copyright-Verletzung? Zahlen, bitte!

Etwas Aufregung zwischendurch: flattert meinem Blog ein Schreiben in den maileingang, in dem mir Copyright-Verletzung vorgeworfen wird und ich deshalb mehrere hundert Euro zu zahlen habe.

Authorization request / Unauthorized image use – Case no: XXXXXX
Dear Pharmama,
We, COPYTRACK, are writing to you on behalf of our client WENN Rights International Ltd, who has assigned us the monitoring and protection of their licenses and image rights. On January 7, 2025 we have been informed that Pharmama is likely using an image without permission and the client has exclusively commissioned us with the clarification, administration of the image rights for the territory of the Federal Republic of Germany and, if necessary, the enforcement of any copyright infringement through our partner lawyers. Images are protected by copyright law almost worldwide and infringements are actionable under the respective national law. Please see the attachment below for details.
On behalf of our client, we must first determine if you have a valid license to use the images in question in the territory of the Federal Republic of Germany. If you have a valid license or any other legal justification to use these images, please reply to this email and include proof of license purchase and/or any other necessary information to validate the usage.
Please note that you are obliged to provide the necessary information about the usage of the image to allow our client and us to verify the lawfulness of such usage. Please respond to this letter no later than January 18, 2025.
If this is not the case, your use of the image material most likely constitutes a copyright infringement within the territory of the Federal Republic of Germany. If no settlement can be reached, we as Copytrack are directly instructed to enforce these rights for the territory in the Federal Republic of Germany through our German partner lawyers and, in addition, to instruct our respective partner lawyers in other countries to examine and, if necessary, enforce the infringement of the rights in the respective countries. You could then be legally obligated to compensate our client for the damage caused by this copyright infringement.

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Ich frage mich, wie viele das gleich machen, um das Problem loszuwerden. Ich nicht. Ich gehe auch nicht irgendwelche Links klicken. Man sieht irgendwo in dem (sehr professionell aufgemachtem) mail das Bild und wo es ist.

Also mein erster Schritt: Um was geht es genau? Das Bild wurde 2010 (ja, vor 15 Jahren) gepostet. Es war ein Künstlerportrait, gemacht aus Tabletten und Kapseln. Ich fands toll – auch wegen dem Hintergedanken, den ich sah: der portraitierte Heath Ledger ist kurz vorher an einer Überdosis Medikamenten gestorben. Und so hab ich es kommentiert. Und den Künstler genannt. Und die Seite des Künstlers, von der ich das hatte verlinkt.

Screenshot

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber ich denke, ich habe da nichts falsch gemacht. Meiner Meinung nach fällt das posten dieses Bildes auf meinem Blog unter das „fair use“ Prinzip.

If you are commenting upon or critiquing a copyrighted work—for instance, writing a book review—fair use principles allow you to reproduce some of the work to achieve your purposes. Some examples of commentary and criticism include:
• quoting a few lines from a Bob Dylan song in a music review
• summarizing and quoting from a medical article on prostate cancer in a news report
• copying a few paragraphs from a news article for use by a teacher or student in a lesson, or
• copying a portion of a Sports Illustrated magazine article for use in a related court case.
The underlying rationale of this rule is that the public reaps benefits from your review, which is enhanced by including some of the copyrighted material
. (Quelle: https://fairuse.stanford.edu/overview/fair-use/what-is-fair-use/)

Und dann bezweifle ich irgendwie, dass die Copytrack-Firma, oder die Firma WENN, die sie vertreten, wirklich die Inhaber des Bildes sind. Leider ist die Seite des Künstlers nicht mehr existent. Wenn ich im Internet nach der Firma google, kommen einige andere Seiten, die auch so mails bekommen haben. Mindestens eine hat da erfolgreich nachrecherchiert wegen ihrem geposteten Bild – das einem Musem gehört, das auch von Copytrack angeschrieben wurde, wegen demselben Bild, dass sie da eine Copyright-Verletzung begangen haben …

Ich habe also zurückgeschrieben (nachdem sie das angemahnt haben, weil ich auf das erste mail nicht reagiert habe):

To whom it may concern at COPYTRACK,
I am writing in response to your recent mail regarding an alleged copyright infringement concerning the use of an image on the website pharmama.ch. I want to assure you that the matter has been taken seriously and has been reviewed thoroughly.
The image in question was posted in accordance with the principles of „fair use,“ on a non-profit private blog. It was commenting on the work of the artist and it was accompanied by proper attribution to the artist, including their name and a direct link to their original work. This context falls within the boundaries of fair use as outlined by copyright law.
Furthermore, I must express doubts as to whether the company you claim to represent, WENN, is genuinely acting on behalf of the copyright holder or whether this claim of yours is an attempt to unjustly solicit financial compensation. I kindly request that you provide verifiable documentation or other evidence proving your authority to act on behalf of the copyright holder in this matter.
Notwithstanding the above, the blog post and the associated image have been removed from public access. This decision was made after ensuring that all relevant evidence has been securely preserved.
Should this resolution not suffice in your view, please feel free to contact us again. However, please be advised that any further claims or disputes will be escalated to our legal counsel and insurance for appropriate handling.
Sincerely
Pharmama

Geschrieben mit Hilfe, damit es sich entsprechend professionell und rechtlich anhört, aber ich war durchaus bereit, das an den Anwalt weiterzuleiten. Wir haben eine Rechtsschutzversicherung, die Internet/Online-Probleme einschliesst.

2 „wir haben ihre Nachricht bekommen“ und „haben sie die Fallnummer angegeben?“ mails später:

Dear Pharmama Team,
thank you for your message and explanation.
Please kindly find our client’s confirmation of assignment attached herein for your perusal.
We have reviewed the information provided and decided to close this case.
Thank you and best regards,
Carl
Legal Department
COPYTRACK GmbH
Saarbrücker Straße 18, 10405 Berlin
Germany

Angefügt war übrigens ein Bild von einem Blatt, auf dem bestätigt wird, dass die Firma WENN (in London) der Firma Copytrack (in Berlin) mit der „Auffindung unrechtmässiger Bilder im Internet, deren Urheber oder Nutzungsrechtinhaber ich bin“ beauftragt. Das bestätigt nicht, dass die Firma WENN wirklich Nutzungsrechtinhaber des Bildes ist. Der Künstler Jason Mecier, dessen Werk ich wirklich schätze, ist Amerikaner.

Aber egal, fast überlesen in der Aufregung: Wir haben beschlossen diesen Fall zu schliessen.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt, dass das nicht eine Masche ist – die mails sehen, auch wenn professionell, sehr nach Massenware aus. Vielleicht KI-generiert, die das Internet durchsucht nach möglichen Copyright-Verletzungen. Das ist günstig und schnell. Und schnelles Geld, wenn ohne Widerspruch gezahlt wird.

14 Kommentare zu „Copyright-Verletzung? Zahlen, bitte!

  1. Hoi Pharmama,

    weil ich immer wieder mal Bilder auf Wikipedia rauflade ein paar Sachen über das Urheberrecht:

    • „fair use“ gibt es in den USA, und es beruft sich auf 17 U.S.C. § 107: „for purposes such as criticism, comment, news reporting, teaching (including multiple copies for classroom use), scholarship, or research, is not an infringement of copyright“. Mit Ausnahme von Grossbritannien (mit ihrer anderen Rechtstradition) gibt es in ganz Europa kein „fair use“-Prinzip. Als (wenig brauchbarer) Ausweg böte sich das Zitatrecht an – aber dann muss eine Auseinandersetzung mit dem Zitat erfolgen. Ein „Zitat“ zur Illustration? Nö.
    • „bezweifle ich, dass die Copytrack-Firma, oder die Firma WENN, die sie vertreten, wirklich die Inhaber des Bildes sind“: Das ist immer eine gute Frage. Wer etwas fordert, muss die Forderung auch beweisen können.
    • Diese Firmen hoffen auch, dass eingeschüchterte „Kunden“ schnell bezahlen, ohne viel abzuklären. Das sind quasi industrielle Betriebe, die kaum etwas manuell prüfen.

    Aber jetzt die wirklich gute Nachricht:

    • Im Urteil 4A_168/2023 vom 21. April 2023 ging es um die widerrechtliche Nutzung von Luftbildern, die ein Fotograf für sehr teures Geld angefertigt hatte. Der Kläger forderte mehrere tausend Franken, das Bundesgericht verurteilte die Beklagten, 55 Franken samt Zinsen zu überweisen, weil dies der übliche Betrag für eine legal erworbene Nutzungslizenz darstellt.

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    1. Na, immerhin ist der Künstler ja Amerikaner … und wo sitzt WordPress schon wieder? Aber ja, Copyright Gesetze sind wichtig, aber ziemlich unübersichtlich online, wer da wie jetzt zuständig ist. Ich bin froh, hat es so geklappt, der nächste Schritt (Anwalt und Rechtsschutzversicherung) war schon in Vorbereitung.

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      1. Die Rechtslage kann wirklich haarig sein. Rein theoretisch muss jede Online-Veröffentlichung den Urheberrechtsgesetzen jedes Staates genügen, weil der „Erfolg“ der Urheberrechtsverletzung überall dort eintritt, wo eine Person ein urheberrechtlich geschütztes Werk herunterlädt.

        Die USA ist hier höchstens relevant, wenn WordPress sich weigert, nach einer Benachrichtigung das beanstandete Bild von deinem Blog zu löschen.

        Aber das IPRG sieht vor, dass du als „Täterin“ einer international beanstandeten Urheberrechtsverletzung an deinem Wohnort verklagt werden musst, und somit wird nur Schweizer Recht tangiert.

        Natürlich darf jedermann beliebige Rechnungen über beliebige Fantasiebeträge stellen, mit oder ohne Beauftragung des eigentlichen Urheberrechts-Inhabers…

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  2. In dem freundlichen Anschreiben steht doch:

    most likely constitutes a copyright infringement within the territory of the Federal Republic of Germany

    Also hätte ich die doch mal freundlich darauf hingewiesen, dass Switzerland „not under German jurisdiction“ ist, schon gar nicht „within the territory of [Germany]“ sich befindet, und sie dich mal am Stützli undsoweiter.

    Oder gar nicht geantwortet und den Absender einfach in meinem Mailprogramm als „move to: Junk“ markiert.

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      1. Ja, manchmal ist das nicht gut. Aber wenn ich das Schreiben so sehe: Am Ende wird’s hundsmiserables Englisch:

        “ (we are) directly instructed to enforce these rights for the territory in the Federal Republic of Germany through our German partner lawyers and, in addition, to instruct our respective partner lawyers in other countries to examine and, if necessary, enforce the infringement of the rights

        Ich habe ChatGPT (kostenlose Version) gebeten, „to convert that phrase into proper English“:

        „We are expressly authorized to enforce these rights within the territory of the Federal Republic of Germany through our German partner lawyers. Additionally, we are authorized to instruct our respective partner lawyers in other countries to assess potential infringements of these rights and take enforcement action if necessary.“

        Ich habe das aus reiner Faulheit von Chatty machen lassen, aber selbst mir fiel auf, dass „if necessary, enforce the infringement of the rights“ keinen Sinn ergibt. Keine internationale Anwaltskanzei würde so schreiben wie die es tun. Ich halte das für Massen-Scam und deinen Aufwand für die Antwort zwar für ehrenwert, aber Zeitverschwendung. Man kann Mails auch einfach „bouncen“ lassen, also nicht annehmen und in den Mülleimer verschieben, sondern die Annahme verweigern. Wo genau ich das in meinem Mailprogramm finde, da müsste ich mal schauen, aber gehen tut das.

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  3. Ja, das ist eine Masche. Es gibt diverse solcher Firmen. Ein ehemaliger Arbeitgeber bekommt solche Emails regelmäßig, weil er z.T. Promotion-Webseiten für die Markeninhaber betreibt und dabei natürlich auch deren Logos benutzt. Nicht nur mit Erlaubnis, sondern sogar im direkten Auftrag der Inhaber. Die haben dann i.d.R. noch nie etwas von diesen Rechteverwertern gehört, die in ihrem Namen Geld eintreiben.

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    1. Das ist ja nett. Aber jeweils ziemlich schnell gelöst.
      Machen die Markeninhaber dann etwas gegen diese Betrüger? Die benutzen ja eigentlich dann unrechtsmässig ihren Namen.

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  4. Sorry, aber bereits nach den ersten Zeilen schrie die eMail so sehr „Betrug!“, dass es schon rummste. Und dass schnell nachgehakt wird, wenn man nicht sofort zahlt, um Druck aufzubauen, ist auch sehr typisch.

    Die Masche ist übrigens schon alt, nimmt aber derzeit massiv zu, weil – wie Du schon vermutet hast – KI die „Arbeit“ ungemein erleichtert. Das ist ein Milliardenmarkt, und selbst wenn nur 1% der Angeschriebenen zahlt, verdienen sich diese Betrüger immer noch eine goldene Nase.

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  5. ich würde abgemahnt weil ich auf einer Stiftungswebsite den Vortrag einer Lehrerin hinterlegt habe und sie einen Cartoon zur Illustration von Uli Stein benutzt hat. Die Stiftung ist gemeinnützig und es gab keinerlei kommerzielle Interessen … Nach Einschaltung eines Anwalts habe ich mit den klagenden Anwälten den Betrag etwas reduzieren können und bezahlt … es war eine Kanzlei die das Abmahnen als Geschäftsmodell betreiben ….

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  6. Damals, als noch der Mörser im Header war …

    Es gibt sie also weiterhin noch, die Copyright-Abmahner. Ob das jemals aufhört?

    Den Artikel hast du – wenn ich das richtig sehe – offline genommen?

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