Stop die Laus!

18

Lausfrei

Etwas ungewöhnlich für die Jahreszeit – das Problem haben wir häufiger im Sommer, aber: die Ferien sind vorbei und die Läuse gehen wieder um. Das Mädchen gestern hatte die dicksten Viecher im Haar, die ich je gesehen habe. Riesig (für eine Kopflaus). Ich meine es ist klar, dass man eine Schule nicht total Lausfrei halten kann, aber um eine Kopflausepidemie einzudämmen und vor allem um ständiges Wiederanstecken zu verhindern braucht es ein bisschen Koordination. Und zwar von Schule und Eltern. Wenn nicht alle gleichzeitig gegen die Läuse vorgehen und sie auf irgendeinem Schopf überleben … geht die Ansteckung immer weiter.

Manchmal würde ich gerne das machen:

Brief an die Eltern

Betrifft: Kriechgetier

Also, ich werde nicht um den heissen Brei herumreden: In der Klasse Ihres Kindes gibt es Kopfläuse.

Nun, nachdem Sie aufgehört haben zu schreien, sollten Sie wissen, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Wirklich.

Ernsthaft. KEINE PANIK. Das ist eine ziemlich verbreitete Angelegenheit. Kopfläuse sind sehr kleine Tierchen die sich an die Kopfhaut ihres Kindes anheften. Sie beissen die Haut und saugen Blut. Die Bisse jucken, das ist das was die Lehrerin der Kinder wahrscheinlich darauf aufmerksam gemacht hat: das ständige Kratzen.

Kopfläuse legen Eier, die am Haarschaftt kleben und perlgrau aussehen. Sie ähneln etwas Kopfschuppen. Wenn sie etwas, das aussieht wie eine Schuppe einfach wegnehmen können, dann ist es keine Nisse. Wenn es am Haarschaft klebt und keine Tendenz zeigt sich zu lösen … ja, dann sind es Kopfläuse-eier. Die Läuse selber sehen Sie übrigens selten – die sind zu flink.

Läuse übertragen sich von Person zu Person. Eine Übertragung durch geteilte Haarbürsten oder Mützen kommt vor, heutzutage ist es häufiger wegen der Selfies: wenn die Kinder die Köpfe zusammenstecken. Ausserdem springen sie ziemlich weit. – Nein, das war ein Witz. Läuse können nur in unmittelbarer Nähe der Kopfhaut überleben.

Kopfläuse werden die nächsten Tage Ihres Lebens bestimmen, wenn Sie darauf aus sind, sie auszulöschen. Ich möchte daran erinnern, dass es Kakerlaken und Kopfläuse sind, die einen Nuklearschlag überstehen, also werden sie eine permanente Angelegenheit – ausser man ist darauf vorbereitet alles zu tun, um sie loszuwerden. Sagen Sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!

Erster Schritt ist die Kontrolle, wer alles befallen ist. Dazu wäscht man der Person die Haare, befeuchtet sie am besten noch mit Conditioner (das ist das Zeug, damit sie danach auch besser kämmbar sind) und kämmt die Haare mit dem Läusekamm durch, den man immer wieder an einem Tuch abwischt. Da nasse Läuse in eine Art Schockstarre verfallen, kann man sie so entfernen und auf dem Tuch bestens erkennen. Der Fund auch nur einer Laus weist auf einen Befall hin – und diese Person muss behandelt werden. Vergessen Sie den Papa nicht – man hat festgestellt, dass Wiederansteckungen häufig von der Seite kommen.

Wechseln Sie die Bettwäsche, wenn sie sich besser fühlen – nötig ist das allerdings nicht. Läuse, die sie ausserhalb der Kopfhaut ihrer Familienmitglieder (oder anderer Menschen) finden, sind entweder tot oder auf dem besten Weg dazu. Kochen Sie Bürsten und Kämme aus. Schmeissen Sie das Lieblingsstofftier von ihrem Kind in den Trockner … wenn das nicht geht, stecken sie es in einen Plastiksack und für ein paar Tage in die Garage – das Stofftier, nicht das Kind.

Und wir sind noch nicht einmal bei den Chemiewaffen. Nicht dass Loxazol oder Prioderm noch viel nützen – die meisten Läuse sind inzwischen immun dagegen. Deshalb erstickt man sie heute mit Kokos-oder Silikonöl – gegen ersticken kann man nicht resistent werden. Zur Behandlung besorgen Sie sich aus der Apotheke ein Läuseshampoo und folgen deren Anweisungen – das bedeutet: lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie es lange genug einwirken. Versichern Sie sich, dass sie den Kopf nach der Behandlung mit dem feinen Läusekamm sorgfältig durchkämmen um so viele der Nissen wie möglich zu entfernen. Behandeln Sie jeden, der befallen ist – oder alternativ alle Familienmitglieder gleichzeitig. Ja, ich weiss, das ist ein riesen-Aufwand. Tun Sie’s trotzdem … ansonsten werden Sie es nämlich später eventuell mehrmals wieder holen müssen.

Einmal werden Sie es auch dann noch wiederholen müssen: nach 10-14 Tagen. Denn: wenn Sie nicht wirklich alle Nissen erwischt haben beim Auskämmen, können aus den paar, die die Behandlung unweigerlich überlebt haben, neue Läuse schlüpfen – und die müssen Sie gleich erwischen, bevor sie anfangen sich wieder zu vermehren. Also: gleiches Procedere wie oben – und dann war es das. Hoffentlich. Wenn das die anderen Eltern auch machen.

Wenn all das versagt … kann man immer noch den Kopf rasieren.

Das ist alles über die Läuse.

Mit freundlichen Grüssen

Ihre Pharmama


Mehr lesen auf Pharmama über Läuse hier: Klick

Advertisements

18 comments on “Stop die Laus!

  1. Sebastian sagt:

    Danke, wir hatten die Epidemie gerade in der Schule. Alle paar Wochen ein neuer Brief und regelmäßig hatte unsere Große auch Besuch. Immer nur ganz wenig, aber immer behandeln, zum nächsten (Kinder-)Arzt (der häufig weniger gründlich geschaut hat als wir selbst) und dann wieder gesund schreiben lassen.
    Nach vielen Rundbriefen an alle Eltern kam schließlich das Gesundheitsamt und hat /alle/ Kinder und Lehrer untersucht. Von den Kindern durften dann ca. 5% gleich nach Hause. Seit dem ist aber wenigstens Ruhe.
    Die Empfehlung der Schule zu geflochtenen Haaren gilt aber nach wie vor. Damit scheint die Infektionsgefahr geringer zu sein.

    Gefällt mir

  2. Anima Chutzpanit sagt:

    Ich lasse das mit Bettwäsche und Stofftieren gänzlich sein – ich habe nämlich gar keinen Trockner.
    Und Chemie brauche ich auch keine. Der ganz normale Conditioner tut’s auch. Einfach eine grosszügige Menge davon auf den Kinderkopf geben, mit Lauskamm auskämmen. Die Behandlung alle zwei Tage wiederholen – spätestens beim dritten Mal findet man nur noch Nissen. Dann zweimal wöchentlich so weiterbehandeln, 14 Tage lang. Danach kann, wer will, noch einmal wöchentlich weiterkontrollieren, aber eigentlich ist es ausgestanden, wenn man gar keine Nissen mehr findet. Vorteil: man hat 1:1-Zeit für das Kind.
    Zugegeben: hätte ich 10 langhaarige Mädchen, wäre das mir auch zu aufwendig.

    Gefällt mir

    • Elawen sagt:

      OT: Conditioner ist auch Chemie 😎
      Bei 2 langhaarigen Mädels (eins in Sachen Haare suuuuuperempfindlich!!!), langhaariger Mama und meist mittelkurzhaarigem Jungen greife ich auf Läuseshampoo zurück. Da bin ich gnadenlos. Parasiten, die sich hier rein trauen, wird sofort der Garaus gemacht. Vielleicht hatten wir es deswegen erst 2x 😉 (aber ich will nix beschreien)

      Gefällt 1 Person

    • Pharmama sagt:

      @Anima: das geht natürlich auch – braucht nur einiges mehr an Zeit – und eigentlich sollte das Kind dann bis zum dritten Mal (also 6 Tage) zu Hause bleiben. Nicht ganz für alle machbar. Mit Kokosöl- oder Silikonöl etc. funktioniert das auch gut und ist absolut ungefährlich. „Chemie“ ist eigentlich so ziemlich alles 🙂

      Gefällt mir

  3. Nina sagt:

    Es gibt doch auch Mittel, die man nur einmal anwenden muss (z.B. lic**** , um keine Werbung zu machen). Was sind deine Erfahrungen, sind die weniger zuverlässig?
    Ich bin sonst stiller Leser des Blogs, aber hier waren wir auch selbst betroffen….

    Gefällt mir

  4. Was bin ich froh, dass die Viecher mich echt nicht mögen.
    Hätten schon zwei mal Läuse in der Familie. Einmal so heftig das meiner Schwester die Haare komplett kurz geschnitten werden mussten…. Tja und ich selber hatte als Einzige absolut gar keine Läuse. Mitbehandelt wurde ich leider trotzdem. nerv

    Gefällt mir

    • Pharmama sagt:

      Ich hatte als Kind nie Läuse, aber ob das an den Haaren liegt, oder daran, dass ich gerne ein bisschen mehr Abstand halte, weiss ich auch nicht. Junior hat aber mal welche eingeschleppt – und mir gegeben. Aber wir sind sie wieder losgeworden – und seitdem ist Ruhe.

      Gefällt mir

  5. nickel sagt:

    Ich hatte einmal Läuse in meiner Frühpubertät. Und mit Locken ist das eine richtig fiese Sache! Kann ich nicht empfehlen. 1/5 Punkten ;D

    Gefällt mir

  6. Der Flo sagt:

    Dass die meisten Läuse gegen Loxazol resistent sein sollten, wäre mir neu. Ich verwende es in meiner Praxis immer noch sehr erfolgreich.

    Dafür muss ich bei den Ölen widersprechen – diese Behandlungen sind bei den Fachgesellschaften noch sehr umstritten.

    Gefällt mir

    • Pharmama sagt:

      Dann hast Du vielleicht Glück (das kann auch Gebietsweise sehr unterschiedlich sein). Ich hatte grad letztes Jahr die letzte Weiterbildung dazu 🙂 Die „Erstickungsmethode“ wird heute definitiv favorisiert. Loxazol habe ich inzwischen nicht einmal mehr an Lager, da es zu wenig gebraucht wird … obwohl das (denke ich) vielleicht noch von der Zusatzversicherung übernommen wird? Ansonsten bezahlen die Krankenkassen ja keine Lausmittel.

      Gefällt mir

      • Der Flo sagt:

        Hmmm, habe mir gerade mal eine Übersicht zu dem Thema angeschaut: das Kokosöl scheint ja von der Wirksamkeit auch nicht der Bringer zu sein. Eher noch das Silikonöl.

        Finde ich aber spannend, dass so ein Paradigmenwechsel nicht in den regelmässigen Rundmails an die Schulärzte weitergegeben wird.

        Gefällt mir

  7. Nadin sagt:

    Ich muss ehrlich sagen, das schlimmste daran sind meiner Meinung nach die Kosten. Bei 3 zu behandelnden Personen a je 2 Anwendungen sind wir da mal eben bei rund 120€ (Deutschland). Da kommt doch Freude auf. Und gelegentlich kommt man mit 2 Anwendungen nicht mal hin.

    Gefällt mir

    • Also bei mir kostet eine Doppelpackung „Ny^da Pumpspray“ (2x50ml) so 20€. Dazu noch nen guten Metall-Nissenlkamm (wiederverwendbar) für ca. 5€, macht bei mir 65€. Und ich mache definitiv keine „Versandhandelspreise“. Auch in Deutscheland muss man nicht übertreiben… 😉

      Gefällt mir

      • Nadin sagt:

        Ich habe beim letzten Mal für 1 Flasche Mos**** (100ml) knapp über 18€ bezahlt 🤔 und die reichte für 1 Anwendung aus. Und mir wurde auch gesagt ich soll die komplette Flasche benutzen bei langen Haaren. Vielleicht sollte ich beim nächsten mal die Apotheken vergleichen.
        Leider sind meine Kinder mittlerweile aus dem Alter raus wo man es noch verordnen lassen kann. Ich hoffe einfach das es uns erstmal nicht so schnell wieder erwischt. Hatten ganz lange Glück und dieses Jahr direkt 3x das Vergnügen..

        Gefällt mir

    • Davon abgesehen… bei Kindern >12 Jahre (und >18 Jahre bei „Entwicklungsstörungen“) darfs der Kinderarzt ungestraft aufs rosa Rezept drucken. Zumindest die „gemäß Anlage V Arzneimittelrichtlinie“ verordnungsfähigen Medizinprodukte. Die (gute) Apotheke hilft dem Kinderarzt auch gerne weiter, was derzeit verordnungsfähig ist (z.B. Ny^da) und was derzeit nicht verordnungsfähig ist (z.B. Ny^da^Express).

      Gefällt mir

  8. B. Cottin sagt:

    Gibt es eigentlich noch den elektrischen Läusekamm?

    Gefällt mir

  9. anonymesAuto sagt:

    Obwohl ich bisher erst einmal mit Läusen zu tun hatte, was auch schon über zehn Jahre zurückliegt, juckt bei mir schon vom Lesen der Kopf.

    Gefällt mir

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s