Diabetestag und nicht bestellbare Sensoren

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Heute ist Welt-Diabetes-Tag, wie auch der schweizerische Apothekerverein verkündet:
Heute, 14. Dezember, ist Weltdiabetestag. Die Behandlung und Betreuung von chronisch kranken Diabetes-Patienten stellt eine grosse Herausforderung für unser Gesundheitssystem dar. Die Apothekerinnen und Apotheker leisten auch hier einen wichtigen Beitrag bei der medizinischen Grundversorgung und stellen Hilfsmittel zur Verfügung.
Das erinnert mich daran, dass ich etwas noch nicht gebracht habe. Leserin (und Apothekerin) Barbara hat mich (wieder) darauf aufmerksam gemacht:  die neuen „ach so beliebten“ Freestyle Libre Geräten mit nicht bestellbaren Sensoren? Ich wäre ab sofort dabei einen kleinen Aufstand zu starten …
Hier ihr mail:
Am Freitag hatte ich so einen Typ vom Kundenservice von Abbott am Telefon … naja mit Service hatte es wohl doch nichts zu tun … Egal. Ich habe mich dort erkundigt, ab wann wir portofrei bestellen können. Antwort: „Sie können als Apotheke keine Freestyle Libre Sensoren bestellen.“
Ich: „Aber wir haben schon bei Ihnen bestellt. Also nochmals die Frage: ab welchem Betrag kann ich portofrei bestellen?“
Abbott-Typ: „Sie können gar nie portofrei bestellen!“
Ich: „Aha….und warum nicht?“
Typ: „Weil die Kunden selber die Sensoren bestellen müssen!“
Ich: „Aha…und was ist mit den Kunden die das nicht können? Deshalb möchte ich als Fachgeschäft für einen Kunden bestellen, portofrei.“
A-Typ: „Nein, Sie können nicht portofrei bestellen.“
(Also die Frage, was machen Kunden die nicht im Internet bestellen wollen/können wurde schon mal nicht beantwortet…)
Ich: „Also ich darf keine Sensoren bestellen und wenn doch nie portofrei? Ist das eine Verarsche für die Apotheken?“
A…: „Also in diesem Ton rede ich nicht weiter, ich werde das Gespräch jetzt beenden….“ bieeb bieeb biieeeb….
ich: „Hallo…???“
Also lange Rede, kurzer Sinn: WAS ist das für eine Firma??? Wie sind Eure Erfahrungen mit den Freestyle Libre? Ich finde es einfach gesagt zum ko…. müssen wir Apotheken eine Diskriminierung mit der Belieferungsstop für solche Teststreifen gefallen lassen??
Ich musste dies kurz loswerden….ich hoffe, ich bin nicht die Einzige, die sich darüber ärgert….😒😒

Nein, Barbara ist bei weitem nicht die einzige, die sich darüber ärgert, dass wir die Sensoren für das Gerät nicht bestellen können, die Firma will nicht, dass die Patienten das via Apotheke beziehen können. Schmälert ja nur ihre Marge. Dabei hilft, dass das ein Gerät ist, das vor allem die jungen Patienten anspricht. Ich finde das auch doof: das ist ja auch kein Kundenservice so … auch für sie nicht.  Und gelegentlich hat man doch wirklich Patienten, die das gerne (wie der Rest auch) via uns beziehen möchten.
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17 comments on “Diabetestag und nicht bestellbare Sensoren

  1. Hallo ihr Beiden,
    Ja ich habe das auch schon erlebt. Hatte in der ambulanten Pflege eine Patientin die durch ihre Sehbehinderung so besser messen konnte, aber eben kein Internet hatte. Unsere Apotheke die uns als PD belieferte und auch fast alle im Umkreis hatten das gleiche Problem. Einige Zeitlang habe ich sie dann Online für sie bestellt und sie gab mir dann das Geld. Irgendwann haben wir uns mit noch 2 PD und allen Apotheken im Umkreis zusammen getan und einen ziemlich klaren Brief, auch mit konkreten Fallbeispielen geschrieben. Ende vom Lied die Apotheken bekamen es geliefert, aber nur für die speziellen Patienten. Totaler Mist… nur ein wirklich gute Alternative, die ähnlich funktioniert kenne ich nicht ihr?

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  2. Andreina Schaller sagt:

    Also ich habe keine Probleme zu bestellen. Portofrei ab 300 Franken aber nur zum offiziellen Migelpreis. D.h. Kundendienst pur! Ich verdiene nichts! Aber bei den herkömmlichen Teststreifen verdienen wir ja auch kaum etwas wenn man sie zum Migelpreis abgibt. Wir müssen uns mit dem Rest begnügen wenn der nicht auch noch direkt bei einer Versandapotheke bezogen wird. Ich bestelle nur für Patienten die alles bei uns beziehen.
    Bei Interesse kann ich all jenen ein Fax-Bestellformular zusenden die mir eine PN per FB Messenger senden.

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  3. Natascha sagt:

    Liebe Pharmama, wir haben an der heutigen Vorstandssitzung im IFAK Verein genau dieses Thema diskutiert. Fortsetzung folgt…

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  4. Ganz einfach: Die Firma liefert nicht an Apotheken. Zumindest nicht an mich. Punkt.

    Ich hatte hier im ersten Jahr des Produkts mindestens 3 Patienten, die auf Urlaub waren, und deren Sensor nicht mehr funktionierte. Hatte halt vor den offiziellem Auswechselzeitpunkt den Geist aufgegeben. Keinen Ersatz dabei. Apotheker – löse mein Problem! Alle habe ich mit ebenjenem Kommentar weggeschickt, dass der Hersteller NICHT mit Apotheken kooperiert. Alle meinten, ich würde sie vergackalbern. Aber ich wäre doch schön blöd, wenn ich Geld dran verdienen könnte – oder zumindest einen guten Ruf…

    Ich hatte eine ca. 90-jähriger Patient, der von seinem Facharzt für Diabetes ein solches Messgerät aufs Rezept geschrieben bekommen hat, mit dem Hinweis, jede Apotheke könne das beliefern. Dazu muss man wissen:
    a) Der Patient misst alle 4 Wochen sieben Tage lang am Stück 1x pro Tag Blutzucker.
    b) Der Patient hat eine nichtintensivierte Insulintherapie mit 2 Insulinen nach Schema „feste Tagesdosierungen“.
    c) Der Patient hatte keine Idee, wie das Gerät funktionieren würde – nur, dass es „ganz toll“ ist.
    d) Der Patient ist bei einer Kasse versichert, die für ihre Nichtgenehmigungswilligkeit bei Hilfsmitteln eher berüchtigt als berühmt ist.
    Mal davon abgesehen, dass schon mit Punkt B geklärt wäre, dass der Patient das Gerät gar nicht bekommen darf (!) gemäß der Therapierichtlinien seitens Hersteller und Krankenkassen, macht das Gerät gemäß Punkt A gar keinen Sinn. Als ich dem Patienten dann das Funktionsprinzip und die Anwendung (mit dem Sensor auf den Arm kleben und so) erläuterte – wegen Punkt C, fiel der aus allen Wolken und meinte: Nee, das lassen sie mal gut sein! Hat mich ca. 1/2 Stunde Beratung gekostet. Rohverdienst: 0,00€.

    Wenn man sich erheitern will, einfach mal den Gerätenamen bei ih-bäh! eingeben. Und sich dann fragen, es passieren kann, dass so viele Sensoren da landen. Und wer die wohl VORHER bezahlt hat – der Verkäufer, oder vielleicht doch dessen Krankenkasse…

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  5. Der Flo sagt:

    Der Freestyle Libre ist sowieso grosser Mist, bei mir kommt dieser Schrott nicht in die Praxis.

    Hat sich einer von Euch mal den Werbeprospekt angeschaut? Da findet man unter anderem eine Grafik, wo im Rahmen einer Studie die Messergebnisse des Gerätes mit klassischen Messungen mit Kapillarblut verglichen wurden. Als „sehr gut“ wurde da sogar noch Messungen gewertet, wo die Kapillarmessung 100mg/dl ergab, der FL aber nur 50. D.h., ein Normalwert wurde als Hypoglykämie gemessen. Manchmal aber auch als 200mg/dl – und das ist nun wirklich gefährlich: wenn man wegen einer vermeintlichen Hyperglykämie Insulin und sich damit ins hypoglykämische Koma spritzt.

    All diese Messfehler werden vom Hersteller als okay angesehen. Unfassbar…

    Aber letztlich hatte die Firma bei mir schon verschissen, als ihre Vetreterin mir mitteilte, die Kassen würden die Sensoren nicht bezahlen, aber ich könne das mit einem Trick umgehen. Wer mich auffordert, die Kassen zu behummsen, fliegt bei mir achtkantig ab (wobei: beim Chaos-Laden namens „CSS“ würde ich glatt drüber nachdenken…).

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    • Pharmama sagt:

      Ist schon länger her, dass ich das habe … aber ich glaube bei kläui (der das getestet hat) gelesen zu haben, dass es geht – mit Einschränkungen. Es hat eine gewisse Zeitverzögerung, man sieht erst später im Libre als in der Blutzuckermessung am Finger eine Änderung (etwa 20 Minuten später), Messgenauigkeit bemängelt er auch etwas und dass die Messungen abgelesen werden müssen – das meldet nicht kontinuierlich und löst keinen Alarm aus bei Unterzuckerung.
      https://klaeuiblog.ch/2016/05/freestyle-libre-in-der-schweiz/
      Interessant auch die anderen Kommentare, vor allem der vom 15. November dieses Jahr wegen den Bestellproblemen bei Abbott … vom Patienten, nicht von der Apotheke.

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    • Ist doch genau das selbe wie bei ALLEN Blutentnahmen zur BZ-Bestimmung, die NICHT aus den Finger- oder Ohrläppchen-Kapillarblut (oder gar venös) genommen wird. Meistens sind dann dafür sogar andere Kappenfarben für die Lanzett-Systeme vorgeschlagen, denn mit diesen Kappen erreicht man a) einen Unterdruck (um mehr Blut zu gewinnen) und b) tiefere Löcher (tut am Arm / Bein / Bauch ja nicht so weh wie an der Fingerspitze).

      Ich empfehle bei Nachfrage ALLEN meinen Diabetes-Patienten, alternative Blutentnahmestellen ZU MEIDEN. Loch in Finger, sonst ist ungenau – und dann kommt nur MIST bei der Messung raus. Das einzige Teil, was davon abweicht, war eine Insulinpumpe mit integriertem BZ-Mess-System in der Bauchdecke (mit einem Sensor, der der Portnadel zum verwechseln ähnlich sah. Ich weiß gar nicht, ob es dies System noch gibt, da ich Insulinpumpen nicht betreuen DARF und daher seit Jahren keinen Überblick über die Systeme mehr habe.

      Zugegeben, beim Libre kenne ich selber jemanden, der damit recht zufrieden ist als junger Typ-1-Diabetiker, und bei dem ich mir selber auch mal Infos zu den Einsatzgrenzen des Sensors geholt habe (weil ich ja Seitens des Herstellers nicht informiert werde). Was ich jedoch echt kritisch sehe ist der Traum der Diabetiker: Die Kopplung des Sensors mit der Pumpe. Ich halte das bei der derzeitigen Entwicklungssituation für BRANDgefährlich. Aber das ist nur meine persönliche Meinung…

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      • Der Flo sagt:

        „Ich weiß gar nicht, ob es dies System noch gibt“

        Also meine Schwester hat zumindest so ein System.

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        • Wenn ich mich recht erinnere, gab es das mal (und gibt es noch?) von Med()Tronic. Jene, die ich gesehen habe damals[TM], hat mittels des aktuellen BZ-Werts und hinterlegter Software Vorschläge zur Insulinabgabe gemacht, die der Patient dann umsetzen konnte oder nicht. Die strikte Trennung zwischen „Messen“ und „Spritzen“ halte ich auch für zwingend, um Dosierungsprobleme bei Fehlmessungen vorzubeugen.

          Aber wie gesagt, da ich Insulinpumpen und -zubehör seitens der Kranken Kassen schon seit ca. 10 Jahren nicht (mehr) beliefern DARF, stehe ich da auch nicht (mehr) in der Materie. Übrigens hatte die fragliche Kasse mir das damals auch nicht leicht gemacht. Für jede einzelne Batterie und Gewindestange mußte ich einen Kostenvoranschlag einreichen, die Firmen haben mich als Kleinstkunde… naja, sagen wir mal nicht bevorzugt behandelt… nur mein Patient war immer zufrieden mit mir. 😉 Bis es mir verboten wurde und die Versorgung direkt an die Firmen zugewiesen wurde (oder an „spezielle Pumpen-Versender“).

          Ist halt D mit seiner Bürokratie… Denn wenn ein Patient mal wieder dringende Probleme hat, zucke ich nur noch mit den Schultern. Hatte ich neulich erst wieder einen Fall: Freitags ca. 16.00 Uhr; 3 Wochen alte Rezepte für Pumpenzubehör, Patient im Urlaub hier, und MORGEN brauch wird die nächste Kartusche gebraucht! Tja, bei mir gerne, wenn a] in ca. 4 Tagen ausreicht (Direktbestellung beim Hersteller) und b] die 150€ in Vorleistung gegangen und patientenseitig mit der gKV verrechnet werden. War beides nicht gewünscht, ja nu, so isses Leben.

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  6. debe sagt:

    Die Belieferung auch an Privatpatienten (in diesem Fall in D) ist auch nicht gerade perfekt. Als Privatpatient (keine Ahnung, wie das die PKV macht) bestellt man zum Sparen von Aufwand und anteiligen Versandkosten gleich die Maximalzahl Sensoren (ich glaube, 6 Stück) – dann sind aber auch ein paar Hundert Euro weg vom Konto. Bei dieser Lieferung (war erst die eine, die wir hatten) waren schon zwei Sensoren defekt von den ersten vier, die wir probiert hatten (Nadel offensichtlich beim Applizieren verbogen – laut Support „kann das gar nicht passieren, das ist idiotensicher“) – immerhin gab es kostenfreien Ersatz. Aber auf Lieferfristen und so kann man sich leider gar nicht verlassen. Ich glaube aber, dafür wollten die das Rezept nicht einmal sehen. Alles äusserst merkwürdig, hatte was von Elektronik bei Alibaba direkt in China bestellen.

    Meine Meinung zum Nutzen für den Patienten: Das Ablesen geht viel schneller, auch durch den Pulli oder eine dünne Jacke, und auch mit dem Smartphone, das man sowieso mit sich herumträgt. Dafür hat man immer so einen Buckel auf dem Oberarm – nicht schön, und für schulterfreie Kleidung eher nicht so geeignet, gerade bei jungen Leuten, die vielleicht gerne etwas mehr Haut zeigen als ihre Elterngeneration 🙂

    Den Messfehler hat es übrigens wirklich, aber meist eher harmlos, und auch durch die Verzögerung zu erklären. Aber eben auch gelegentlich mal „50“, obwohl man sicher gerade eher einen hohen Wert hat (den man dann besser mit Teststreifen kontrolliert). Ein bisschen Gefühl hilft dabei einzuschätzen, ob das Ding gerade Mist misst.

    Dass es nicht über die Apotheke geht, ist lästig. Für einen Patienten wäre das doch ideal, denn Insulin etc. muss man da sowieso holen. Aber die Apothekerin meines Vertrauen (sorry, Pharmama, wir wohnen nicht bei Dir um die Ecke) hat natürlich keine Chance, da ranzukommen.

    Ich glaube, die wollen vor allem die Patientendaten. Messwerte über dene Cloud austauschen vom Smartphone zum PC (denn direktes Auslesen geht nur mit technischen Tricks, bei Interesse gerne PM), der Arzt soll dann auch über deren Cloud drauf zugreifen… Davon halte ich dann lieber Abstand.

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    • Wer viel misst, misst viel Mist. alte Ingenieursweisheit 😉

      Warum heißt die Cloud Cloud? Weil man daraus… alte Programmiererweisheit 😛

      Prinzipiell finde ich die Idee des Geräts sogar prima. Aber die Umsetzung seitens der Firma (und deren Firmenpolitik) ist einfach…. enttäuschend.

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  7. kathasbuecherstapel sagt:

    Ich fände es wirklich toll, wenn meine Oma sich ihre neuen Sensoren einfach in der Apotheke kaufen könnte. Sie ist Mitte 70 und nicht wirklich fit mit dem Computer, es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis meine Mutter und ich ihr das endlich fertig eingerichtet hatten, was vor allem daran lag, dass meine Oma erst einmal eine Kreditkarte brauchte und wir außerdem recht weit weg wohnen.
    Glücklicherweise kann sie ihre Sensoren jetzt eigenständig nachbestellen, aber es ist furchbar umständlich für sie. Es scheint also in Deutschland nicht viel anders zu sein.

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