Drogen oder Essen?

Vor nicht allzu langer Zeit erreichte mich hier ein Kommentar, den ich nicht freigegeben habe … ich denke, man sieht, wieso, wenn man das liest. Ich finde es immer wieder erstaunlich und auch ziemlich traurig, was die Sucht so aus den Leuten macht. Hier gut sichtbar, dass die Sucht einen höheren Stellenwert einnimmt als selbst das Essen … auch das ist „ein Gesicht der Abhängigkeit“.

Mann ich habe ein ziemliches sucht Problem. Habe mich in den letzten 5 Wochen ziemlich in die Scheisse geritten mit Dormicum 15mg. Ich bin ziemlich verzweifelt!! Bekomme mein (winziges Sozialgeld… 120 Fr. pro woche (da ich es wochenweise bekomme das Geld)

Eine solche Dormicum 15mg Tablette (100er Schachtel kostet ca. 60 Fr. offiziell) das heisst, pro Tablette 60 Rappen (cent)… Aber ich muss auf der Strasse für eine einzige zw. 7 und 10 Franken hinblättern für EINE 15mg Tablette!!! 😦 Das ruiniert mich finanziell total!! Habe so viel gewicht verloren in den letzten wochen… Für Essen reichts halt einfach nicht mehr!

Habe NIE Geld um Essen zu kaufen, geschweige denn Kleider oder sonst was!! Dabei wären diese Tabletten von Roche sowas von Billig!!! Wieso kann mir niemand mit Connections helfen, diese zum Normalen Preis zu bekommen!? (oder halt auch ein Bischen mehr… würde halt auch 100 Franken für 1 100er Schachtel zahlen!!) Das kann doch nicht so schwer sein an eine Schachtel ran zu kommen. Könnte per Nachnahme zahlen am postschalter! Oder (wenn in der Nähe, lege ich das geld auch Bar auf den Tisch! Ich bin sehr ehrlich und auch verschwiegen. Würde doch NIEMALS meine Quelle preisgeben!! Dann hab ich sie halt auf der Strasse gekauft, wo jedesmal ein anderer Bote die Schachtel bringt. Kenn doch die Typen nicht!! Das würd ich sagen… Aber doch nicht von wem ich sie wirklich habe¨! NIEMALS!!

Aber vermutlich kann mir ja sowieso niemand helfen… Bin auch kein Polizist oder so imfall!!

Gedanken? Was denkt ihr, wenn ihr so etwas lest? Ein armer Kerl? Total selber schuld?

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 03/05/2017 in Apotheke und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 30 Kommentare.

  1. Er erkennt das Problem, tut aber dem Anschein nach nichts, um aus der Sucht raus zu kommen. -> Selbst schuld.
    (Zeit damit beschäftigt: Unter 60 Sekunden.)

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  2. „Armer Kerl oder selber Schuld?“

    Ich denke ganz einfach beides. Selber Schuld mit Sicherheit, aus Versehen werden die Wenigsten abhängig. Aber armer Kerl dennoch, weil er eben nicht selber Schuld daran ist, dass eine Abhängigkeit eben eine Abhängigkeit ist. Er kann ja gar nicht von alleine da raus finden und mir scheint, das will er auch gar nicht. Er fragt ja nach billigeren Möglichkeiten und nicht nach einem Ausweg. Ich hoffe, es gibt in seinem Umfeld aufmerksame Menschen oder er kommt vielleicht irgendwann selber auf den Gedanken, dass eine (Entzugs-)Therapie der bessere Weg ist, als immer mehr Geld, das er nicht hat, für immer mehr Medis, die ihn kaputt machen, auszugeben! Von daher: Ja, definitiv auch armer Kerl!
    Das versuche ich generell immer unabhängig von der Schuldfrage zu sehen, sonst dürfte ich ja kaum einen Patienten behandeln, schon gar nicht gut behandeln. An den meisten Erkrankungen ist man ja doch – manchmal in höherem, manchmal in geringerem Maße – selber schuld.

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  3. Definitiv arme Sau. Und noch nicht weit genug unten.

    Weil, schon klar, das die Suchtbefriedigung in den Ruin treibt, und doch sucht er/sie momentan nur nach einer billigeren Variante. Die Schuldfrage bei Abhängigkeiten ist so eine Sache, sicher ist zumindest eine Teilschuld, wenn man das so nennen möchte, beim Abhängigen vorhanden.
    Von Entzug/Therapie ist nicht die Rede, nur die böse, böse Welt macht „meine“ Tabletten so teuer, das ich sie mir nicht leisten kann. Da muss „mir“ doch jemand Helfen!

    Wenn jemand auf den Vorschlag eingehen würde – der macht sich doch strafbar, oder?

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    • Ja, der Apotheker, der ihm das ohne Rezept verkaufen/abgeben würde macht sich strafbar. Und weil er kein „normaler“ Dealer ist, besteht dann noch die Möglichkeit, dass man die Berufsbewilligung verliert. Das ist kein Geld wert.
      Es besteht, wie Kathy schreibt, bei willigen Patienten die Möglichkeit einer kontrollierten Abgabe – mit dem Ziel das irgendwann abzubauen.

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  4. Über Schuld und Einsicht will ich nicht urteilen. Aber gerade in der Drogensubstitution und Entzug hat sich in den letzten Jahren viel getan (v.a. Heroin, Alkohol, Nikotin etc.) – aber diese Sucht wird totgeschwiegen. Verstehe einen Arzt nicht, der Methadon-Substitution oder Alkoholentzug unterstützt, aber die Abgabe hier verwehrt. Süchtige „Schuld“ einzureden bringt nix. Die Einsicht muss von Selbst kommen. Bis dahin soll man die kontrollierte Abgabe versuchen. Beikonsum gibts oft – aber dass jemand ans Existenzminimum geht wegen einer Krankheit, ist in der Schweiz nicht nötig (wenn kooperativ mit Arzt und Apotheke).
    Aber da brauchts gute Hausärzte und Suchtmediziner.

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  5. turtle of doom

    Ich sehe es als positives Zeichen, dass er sich den Kosten seiner Sucht (weniger Essen…) wenigstens bewusst ist. Aber seine Idee, über die richtige „connection“ grössere Mengen zu beziehen, führt ja lediglich zu einem effizienteren Drogenkonsum – more bang for the buck…

    Ich hoffe, er sucht Hilfe.

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  6. Und hier lese ich die Kommentare, und alles sind ernsthafte Antworten. Und wenn ich die Frage am Ende ehrlich beantworte, was ich denke wenn ich das lese, dann muss ich sagen, der erste Gedanke war: „Mann! Die verdeckten Ermittler werden auch immer glaubwürdiger!“

    Aber mal ernsthaft. Ich finde es einfach nur traurig, wenn Menschen so in einer Sucht gefangen sind. Über die Schuldfrage mag ich nicht wirklich urteilen, da ich speziell in diesem Fall ja nicht mal weiß, wie die Person in die Sucht rein gerutscht ist, und auch allgemein einfach zu wenig über den Anfang einer Sucht Bescheid weiß. Aber ich vermute, dass es sehr einfach ist mit etwas Pech an einen ähnlichen Punkt zu gelangen. Von daher ganz klar: „Armer Kerl“ unabhängig davon, wie viel Schuld er nun hatte, oder nicht.

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  7. Ich bin neben einer Entzugsanstalt großgeworden, werde selbst nie Drogen nehmen, sofern ich es beeinflussen kann. Für mich waren die Folgen der Sucht bereits als Kind abschreckend – die Nachbarstochter ist abhängig geworden. Ich denke, jeder Mensch ist anders, denkt anders. Fast jeder, mit dem ich mich unterhalten habe, hat mir erzählt, dass er dachte, er könne seinen Konsum kontrollieren, habe „es“ im Griff …

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  8. Erwachsene Menschen sollten das Recht auf selbstschädigendes Verhalten haben. Die Gesellschaft kann unterstützend helfen, wenn Hilfe erwünscht ist. Jeder weiß, dass der Initiator dann aber auch der Abhängige selbst sein muss.
    Eine moralische Überlegenheit sollten wir uns als Nicht-(Drogen)Abhängige verkneifen. Und die beginnt bereits bei Schuldzuweisungen und Aussagen wie „armer Kerl“ etc. Das steht uns nicht zu. Ich würde mir für diese Menschen Würde wünschen. Bedeutet, dass sie sich nicht kriminalisieren lassen müssen, indem sie in windigen Ecken von wirklichen Kriminellen überhöhte Preise für gepanschte Drogen ausgeben müssen und damit die Mafia unterstützen. Übrigens sind die meisten Todesfälle eben auf gepantschte Drogen zurückzuführen. Ich bin ganz klar dafür, Abhängigkeiten zu legalisieren. Hilfe und Unterstützung muss man trotzdem anbieten.

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    • Erstaunlich finde ich immer wieder die gesellschaftliche Bandbreite zwischen Akzeptiertem und Verbotenen. Alkohol, Zucker, Fett, Zigaretten, nicht wirklich gesund, wird aber klaglos hingenommen und bei Missbrauch hochpreisig versucht wieder zu heilen. Dagegen ein Zug an der Haschpfeife and all hell breaks lose.

      Würde! Find‘ ich einen guten Aspekt.

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  9. Er weiss wo sein Problem ist, aber er ist noch nicht so weit , das er das Problem ändern will. Ich habe im Bekanntenkreis das Problem, und hier in der nähe ist ein Platz für die Süchtigen. Deswegen weiss ich das der Mensch es will nicht die Umgebung .
    Lg Carlinda

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  10. Würde auch sagen: armer Kerl der selber Schuld ist. Ändert nur Nichts an seiner Situation – er steckt tief in der Scheisse und muss sich aus Dieser selbst rausholen wollen.

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  11. Es wirkt leider schon sehr außer Kontrolle. Also es wirkt nicht nur so, seine Sucht IST es längst. Ich verstehe den Kommentar als „Ich frag jetzt nicht direkt danach ob mir hier wer helfen kann, aber vielleicht errege ich genug Mitleid damit mir wer weiter hilft.“
    Da setzt das logische Denken einfach schon aus. Überhaupt wenn das Geld schon nicht mehr fürs Essen reicht finde ich das schockierend 😦

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  12. Die Meinung des Artikel-Betrachtetn sowie ein paar der Kommentare dazu werfen mehrere philosophische Fragen auf, die ich zwar etwas herausarbeiten kann, die ich aber nicht allgemeinverbindlich beantworten kann und will:

    1) Ein Arzt ist zur Hilfe verpflichtet; aber eine Substitutionstherapie mit Midazolam gibt es m.W.n. nicht. Würde der Arzt – so er Dormicum verschreibt – dem Patienten helfen (Geld für Essen übrig) oder in seiner Sucht weiter be- und verstärken? Ist es die „bessere“ Hilfe, ebenjene ärztliche Verschreibung zu verweigern?

    2) Gibt es ein Menschenrecht auf „selbstschädigendes Verhalten“, und wenn ja, wie stark ist das selbstschädigende Verhalten unsanktioniert?

    3) Aus 2. ergibt sich die Frage: Wenn es ein Recht auf „unbegrenztes selbstschädigendes Verhalten“ der Einzelperson gibt, gibt es dann im Gegenzug ein Recht auf „Therapiekostenverweigerung durch die Solidargemeinschaft“, welcher der Selbstschädigende (ja nur noch teilweise) angehört? Darf die Solidargemeinschaft sagen, dass sie die Folgekosten des selbstschädigenden Verhaltens ab einem bestimmten Punkt nicht mehr (er)trägt? Insbesondere dann, wenn das selbstschädigende Verhalten nicht fahrlässig (Unfall, psychische Erkrankung) sondern vorsätzlich (angekündigt) erfolgt(e)?

    3a) Ist es zulässig, wenn 2. mit „nein“ oder auch nur „tweilweise“ beantwortet wird, denjenigen unter physischen und/oder psychischen Zwang (man könnte jetzt unter Umständen sogar „Folter“ schreiben) von seiner Selbstschädigung abzuhalten? Wie sieht es aus, wenn die Person neben ihrer Selbstschädigung auch die Schädigung Dritter in Kauf nimmt oder gar beabsichtigt?

    4a) Wenn 3. mit „ja“ beantwortet wird, ab welchem (voraussichtlichen) Schaden für die Solidargemeinschaft greift die Regelung? Darf man jemanden, dessen Menschenrecht auf Würde unverletzlich ist, wegen seines Menschenrechts auf selbstschädigendes Verhalten elendig verrecken lassen?

    4b) Wenn man 3. mit „nein“ beantwortet, dürfen dann wenige mit massiven unsolidarischem Verhalten die Solidargemeinschaft (bis zu ihrer eventuellen finanziellen Zerstörung) schädigen? Daraus ergibt sich: Wenn Selbstschdigung erlaubt und zu schützen ist, ist die damit einhergehende Fremdschädigung auch erlaubt und zu unterstützen. Wenn die indirekte Fremdschädigung (via Solidargemeinschaft) erlaubt und zu schützen ist, ist dann nicht auch die direkte Fremdschädigung (Beschaffungskriminalität) erlaubt und zu schützen?

    Ich habe darauf zwar persönliche (mehr oder weniger gute) Antworten, die ich aber hier nicht zur Diskussion stellen möchte. Ich bin kein Philosoph, und ein Großteil der Fragen ist hoch philosophisch, sowohl ethisch als auch ökonomisch. Ich bin auch gar nicht auf Antworten aus…

    Ich möchte mit den Fragen eher zum Nachdenken über die Problematik anregen…

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    • turtle of doom

      Beim Durchlesen ist mir gerade der Kopf explodiert. Jetzt muss ich mich wieder sammeln und etwas gegens Kopfweh einnehmen.

      Tatsächlich gibt es da keine klaren Antworten. Zwar gestehe ich jeglichen Menschen das Recht auf Selbstschädigung und Selbstvernachlässigung zu. Jedoch sind viele Drogenabhängige in ihrer Selbstwahrnehmung schon so getrübt, dass sie sich gar nicht mehr zum Aufhören entschliessen könnten.

      Als Arzt würde ich pragmatisch vorgehen – er soll eine Therapie suchen, und bis diese beginnt, gibts eine fraktionierte Abgabe fürs Dormicum.

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    • Natürlich gibt es ein Menschenrecht auf selbst schädigendes Verhalten. Was ist denn gesund daran, alleine im Auto zu fahren, Nahrungsmittel per Flugzeug durch die Welt zu karren oder mit Ohrstöpseln bei Rot über die Ampel?

      Wenn man alles Verhalten mit kühler Ratio betrachten würde und die sachliche Erkenntnis ohne weltanschauliche Vorlieben umsetzen würde…. aber wir Menschen tun es eben nicht.

      M.E. ist die spannende Frage, warum bestimmtes Verhalten „angesehen“ und bezahlt wird, während anderes eben nicht. Dem fetten Übergewichtler wird ein Herz transplantiert und lebenslange Nachsorge spendiert, der Drogie abgeschoben.

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      • Dass ein Vorgehen allgemein (lokal oder global) akzeptiert ist, heißt noch lange nicht, dass desswegen ein (menschen)Recht darauf besteht. Beispiel? Genitalverstümmelung bei Mädchen in Afrika vs. „(Menschen)Recht auf Unversehrtheit“.

        Umgekehrt: Dass ein bestimmtes Menschenrecht besteht, heißt noch lange nicht, dass dieses Menschenrecht allgemein akzeptiert ist. Beispiel? Folterverbot (= Menschenrecht auf Unversehrtheit) vs. Wasserfolter in Guantanamo.

        Will meinen: Wenn jemand in unserer Gesellschaft sich selbst schädigt, und die Gesellschaft nichts (aktiv) dagegen unternimmt, leitet sich daraus noch lange kein „Recht“ ab. Beispiel? Wenn jemand bei Rot über die Ampel latscht – das ist übrigens durch die StVO verboten – scheint das vielleicht trotzdem gesellschaftlich akzeptiert, eben weil sich offensichtlich (auch aus Selbtschutz) niemand drum schert. Wenn dann aber ein Unfall passiert, dürfte derjenige Rotläufer eine nicht unerhebliche Teilschuld am Unfall bekommen und damit (je nach Sachlage) ebend auch durchaus saftige finanzielle Einbußen zu verkraften haben…

        Ach ja, und im Christentum zählt Suizid zu den Totsünden. Selbstmord ist eben auch Mord – und heißt es doch in durch Gott selber (via Moses) Du sollst nicht töten!. Da hilft auch der Otto-W.-Witz nichts: „Übrigens soll der Papst Selbstmord begangen haben. Warum nicht, wenn man sich beruflich verbessern kann?!“ 😛

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        • Selbstmord zähltE in der römisch-katholischen Theologie zu den Todsünden. Bei den anderen Konfessionen sieht das anders aus.

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          • Ich meine, so etwas vor vielen Jahren mal in der (evangelischen) Christenlehreals Kind gehört zu haben… die Herleitung kam mir logisch vor. 😉 Aber ich bin kein Theologe.

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      • Ich widerspreche, – vehement!
        ist es ok, wenn ich einem anderen dabei einfach nur zusehen, wenn er sich von einer Brücke in den Tod stürzt? Soll ich ihn vielleicht sogar noch übers Geländer helfen? Den Verzweifelten vom Dach schupsen? Schärfe ich dem Borderline-Patienten noch die Rasierklinge, damit der Schnitt noch tiefer geht? Und warum trete ich nicht gleich selber zu, wenn sich ein Mitmensch vor mir in der Sch**** wälzt?
        Wer sich absichtlich selber verletzt ist IMHO nicht zurechnungsfähig. Und es ist meine Pflicht, ihn von seinem selbstverletzenden Verhalten abzubringen, bzw. ihn nicht noch dabei zu unterstützen. Sich selber zu verletzen ist absolut unnatürlich. Jedes Lebewesen versucht mit allen Mittel Schmerz und Leiden zu entgehen.
        Alle Substitutionsprogramme, die ich kenne sind nicht: gebt ihnen halt die Drogen und läßt sie ansonsten in ihrem Sumpf ersaufen. Es ist immer das Ziel, die Süchtigen wieder in ein normales Leben zu führen, mit Familie, Arbeit etc. Sie werden immer Süchtige bleiben, so wie andere eben Diabetiker sind, aber sie verletzen nicht mehr sich selber und alle um sie herum.
        Es ist ein Irrtum zu glauben, ich verletze nur mich selber mit meiner Drogensucht, oder meinem selbstzerstörerischen Verhalten. Es gibt immer Menschen um mich herum, die mitleiden, ohne das zu wollen. Und wenn es „nur“ die sind, die ein Süchtiger beklaut, um an Geld zu kommen.
        Recht auf Selbstmord? Aber dann bitte so, daß es nicht ein armer Lokführer der ist, der den „Selbstmord“ durchführen muß, oder die Sanis, die dann die Leiche des Turmspringers vom Asphalt kratzen dürfen.

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    • gedankenknick: Das war sehr einsichtig … und besser geschrieben, als ich das könnte. Ich sehe das simpel so: Die persönliche Freiheit geht so weit, bis sie die persönliche Freiheit des nächsten anfängt einzuschränken – da ist die Grenze. Ich bin auch nicht dafür jemandem einfach alles … nicht nur zu erlauben, sondern ihn darin auch noch zu unterstützen, wenn er damit sich selber schadet.
      Das gute Fee-Paradox gefällt mir! Regt sehr zum Nachdenken an.

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  13. Hier noch ein neuer Aspekt zur Sucht zum Anregen:
    Laut Eckhart Tolle ist die größte Sucht auch die am meisten verbreitete: zu denken:

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  14. Abhängigkeiten sind ein schwieriges Thema. Ich verstehe, rational, wie im Verlaufe einer Therapie mit bestimmten Arzneimitteln (vor allem OTC-Präparate oder viel verordnete AM.) eine Sucht schleichend entstehen kann, vorallem in unserem maroden Allgemeinarzt-System.

    Was ich nicht verstehe ist, wie ‚einfach so‘ und ’schleichend‘ eine Abhängigkeit bei BtM-Arzneimitteln enstehen kann. Der verordnende Arzt wird sich, so gebietet es doch die medizinische Sotgfalt, gut überlegen müssen was er da wem, wie oft und in welcher Dosis verordnet und sollte hier doch bei einer Folgeverordnung eindeutige Anzeichen für eine Sucht erkennen können (Häufigkeit der Verordnungen, etc) und somot Konsequenzen ziehen bzw. dem Patienten helfen.

    Sobald der Patient auf den Schwarzmarkt zurück greifen muss sollte ihm also auffallen dass er ein Problem hat und sich Hilfe suchen und somit ist es an ihm zu Handeln.

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    • Frage ist (und das wissen wir nicht): ist die Sucht nach Benzodiazepinen hier wirklich aus etwas entstanden, das verordnet wurde … oder kam das nach Beginn der Abhängigkeit auf einen anderen Stoff als Komedikation und schliesslich Ersatz?

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  15. Wow, das ist heftig.

    Ich gestehe ja gerne meine Nikotinabhängigkeit ein: Ein Leben ohne dass es um mich herum raucht und dampft, das kann ich mir nicht vorstellen. Und auch dass ich zusammen mit meiner derzeitigen Freundin gerne mal an einem Abend einen Liter Rotwein (pro Person, wohlgemerkt) im Sinne des österreichischen Liedermachers Wolfgang Ambros („mir geht es wie dem Jesus, nur hab ich nicht die Klasse; denn ich verwandle nur den Wein in Wasser, das ich lasse) gerne mal leere, und dass meine Leberwerte nicht die besten sind, ach geh, was soll’s.

    Und genau aus diesem Grund sage ich, dass Drogenabhängige ihre Drogen auf Rezept bekommen sollten. Kein Substitut, sondern den richtigen Stoff. Der (beispielsweise Vergleich Heroin und Methadon) außerdem noch sehr viel billiger wäre.

    Und es wäre vielen Menschen geholfen, wenn Europa einige Drogen wieder legalisieren würde. Mein Einfluss auf die Politik ist sehr beschränkt, aber ihr Apotheker könntet etwas ändern, wenn ihr wollen würdet.

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    • „Wir Apotheker“ (in D) schaffen nicht mal, die Politik dahingehend zu ändern, dass unser Berufsstand nicht von ein paar holländischen Geschäftemachern mit schweizer Hintermännern und saudiarabischem Kapital platt gemacht wird. Und da sollen wir etwas an der Drogenpolitik ändern?

      …dass Drogenabhängige ihre Drogen auf Rezept bekommen sollten. Kein Substitut, sondern den richtigen Stoff…
      „Christal Meth“ aufs Rezept? Methylphenidat für Erwachsene ohne ADS? Letzthin auch jeden Tag drei Flaschen Klaren zu Lasten der Sozialkassen? Alles all You can eat und all inclusive ? Mutiger Vorschlag… Gibt es für die Hippster mit der schneeweißen Line auch die Platin-Kreditkarte und den gerollten 500€-Schein mit dazu?

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  16. Letzten Endes ist die Verantwortung von jedem selbst, auf sich aufzupassen und zu hinterfragen, was Ärzte einem verabreichen. Bei suchterzeugenden Medikamenten bin ich immer sehr kritisch. Die dürfen mir die Ärzte nur verabreichen, wenn es nicht mehr ohne geht – und den Zeitpunkt bestimme ich.

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