Ferien mit Familie Pharmama – Tag 2

Wir haben kein Gepäck und ich habe die Bordkarten schon. Trotzdem sind wir über 2 Stunden vorher auf dem Flugplatz und … das wurde trotzdem knapp. Gar nicht gereicht hätte es, wenn wir noch Gepäck hätten Einchecken müssen. Die Schalter waren voll, die Halle war voll, ich hätte gerne noch gefragt, ob wir das Gepäck in Nairobi jetzt selber durch die Sicherheitskontrollen bringen müssen … Gestern hat die am Transfer Desk gemeint, das sei möglich. Aber: sooo viele Leute … Und dann fielen nicht nur beim ersten, sondern auch noch beim zweiten Infodesk wo ich fragen wollte der Computer aus. Wenn mal der Wurm drin ist …

Also herde ich meine Familie vorwärts in Richtung Gates … Dabei kann ich nicht einmal mit Sicherheit sagen, welches Gate, da auf unseren Tickets nichts steht und die Bildschirme, die in der Nähe waren auch ausgefallen sind und ich nicht (Nicht!) durch die ganzen Leute vor den Schaltern wieder heraus wollte / konnte. Gut, die Schalter waren die richtigen, dann dürfte das schon richtig sein. Hoffe ich.

Das ist glaub eine der Schwierigkeiten vom Eltern-sein: trotz all der Unsicherheiten dem Kind eine zumindest stabil wirkende Situation präsentieren. Es hat niemand etwas davon, wenn ich jetzt auch anfange zu Hypern. Brummbär ist schon nahe daran … das wird auch nicht besser, als wir in der 200 m Schlange vor der Sicherheitskontrolle stehen. Und die durchleuchten alle. Das volle Programm: Totalzerlegung Gepäck (also: durchsichtigen Plastikbeutel mit Flüssigkeitscontainern unter 100ml raus, iPad raus, alle Hosentaschen leeren, Jacke ab, Schuhe aus … Auf die kleinen Container verteilen, die und Gepäck durch den Scan schicken …) Und selber steht man in den Ganzkörperscanner auf diese gelben Fusstapfen und muss die Arme heben. Jeder. Sogar Junior. Und dann tasten sie einen danach noch ab. Jeden. Das volle Programm – ein richtiges Theater … über dessen Effektivität ich meine ernsthaften Zweifel habe. Auch mit Ganzkörperscanner – überhaupt Das ist ein „First“ für mich.

Jedenfalls nutze ich die Anstehzeit um einem Freund zu SMSen, ob er herausfindet, welches Gate. Der ruft auch prompt mit der Info zurück. Wir stehen richtig.

Das ist beruhigend, denn wenn nicht … Gut, es gäbe noch so etwas wie eine Fast-Lane. Dort nehmen Sie Business- und First-Class und knappe Passagiere durch. Wenn das bei unserem Rückflug auch so wird, müssen wir die in Anspruch nehmen.

Brummbär wettert immer noch etwas von „Nie mehr Schiphol“ und „KLM ist für mich gestorben!“ Dann sind auch wir endlich dran und durch.

Dahinter ist dann auch eine funktionierende Anzeigetafel, also scheuche ich die Familie weiter. An uns vorbei rennt ein junger Mann, dabei verliert er eine Hose und eine Unterhose (nicht die, die er an hat) : der ist noch knäpper dran als wir und dem haben sie wirklich das Handgepäck aufgemacht. Wir heben die Kleidungstücke auf und legen sie wieder in seine Arme, damit er weiter kommt. Unterwegs zum Gate kommen wir aber an 2 weiteren Unterhosen vorbei.

Junior meint nur lapidar : „Ich hoffe, dass er wenigstens den Flug erwischt“

Unser Flug steht da. Und wir können schon wieder anstehen – zum Boarding.

Ich frage noch, wie das aussieht wegen unseren Koffern, aber sie kann mir das auch nicht sagen. Wir sollen in Nairobi an einem Infodesk Fragen.

Kurz vor dem Ticket abgeben meint Junior: „Wo ist mein Rucksack?“ – worauf kurz Panik ausbricht, aber er hat ihn nur am Fenster stehen lassen und findet ihn gleich wieder. Zum Glück. Da ist nämlich Max drin.

Du musst auf deinen Rucksack aufpassen!“ schimpft Brummbär „weisst Du, was sie mit stehengebliebenen Gepäck hier machen? Die sprengen sie!“

„Oh-HAaah!“ macht Junior überrascht. Das ist im Moment Der Ausdruck, wenn ihn etwas sehr bewegt. Dann fängt er fast an zu weinen: Maxli gesprengt?! Neeeiiin! Zum Glück können wir dann gleich an Bord.

Der Flug verläuft dankbar unspektakulär und Junior ist einfach nur zufrieden, hat die grosse Maschine doch ein Bordunterhaltungsystem in den Sitzen eingebaut. Das funktioniert sogar einigermassen.

flugzeug

Unterwegs bekommen wir ein Formular zum Ausfüllen für den Zoll in Kenya. Wenigstens nur eines pro Familie für den Transit. Afrikaner lieben Formulare.

Pünktlich landen wir nach etwa 8 Stunden in Nairobi.

Aus dem Flugzeug raus wird man auf 2 Busse verteilt. Wir gehen in den Transit- Bus und werden im internationalen Teil des Flughafens wieder ausgeladen. Treppe hoch, den Schildern nach „Transit“ dann um die Ecke, doch Halt! Da hinten sitzt eine Frau an einem Tisch, halb verdeckt, aber das sieht nach Infodesk aus, also gehen wir zu ihr, fragen. Ein Mann neben uns hatte dieselbe Idee … und wie sich schnell herausstellt dasselbe Problem: auch er wurde umgebucht, muss zum Kilimanjaro Airport und muss schauen wegen den Koffern. Die Frau kann es uns aber auch nicht sagen, wir sollen unten fragen. Dafür muss man -Überraschung!- wieder durch eine lange Schlange für eine Sicherheitskontrolle. Und wieder werde ich nervös: bisher habe ich nichts gesehen, wo man den Koffer wieder bekommen könnte … Und dann mit dem Koffer wohl nochmals durch eine Sicherheitskontrolle? Ich schiele auf die Uhr und trample von Fuss zu Fuss. 2 Schalter haben Sie für das Riesen- Flugzeug offen (für etwa 400 Leute) und wir sind ja nicht das einzige Flugzeug. Ein Schalter davon ist nur für Business/ First Class … Und diejenigen, die sie schon aufrufen, weil sie am boarden sind.

Wir schaffen es durch. Wir hetzen durch die Gänge und suchen nach einem Hinweis auf unseren Anschlussflug: der ist nämlich nicht auf der elektronischen Anzeigetafel. Ein Info-Desk. Wir reihen uns hinter 3 anderen ein, nur um zu hören, dass sie es uns auch nicht sagen können, was mit unseren Koffern ist, aber dass unser Gate die Nummer 23 hat und dass das nicht auf der Tafel steht, weil die (abwinkende Handgeste) ein elektronisches Problem hat. Wir sollen Lydia am Gate fragen wegen dem Gepäck.

Lydiah (mit h) weiss es dann tatsächlich: unser Gepäck ist hier, es wird gerade eingeladen. Halleluljah!

Weil fast alle da sind, dürfen wir an Bord des Mini-Fliegers von Precision Air, der tatsächlich etwas früher als geplant fliegt (huh?) und uns um fast Mitternacht auf dem Kilimanjaro Airport entlässt. Die einzige Reklamation zu dem Flug kommt von Junior: keine Bordunterhaltung?

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Endlich auf Tanzaniischem Boden mit 27 Stunden Verspätung. Wir haben die speziell für Kinder vorgesehenen Aktionen heute verpasst: Schulbesuch und Kaffeestampfen, aber wir sind da.

Wenn sie uns reinlassen, heisst das. Nach dem kurzen Gang über das Rollfeld (ich mag kleine Flugplätze!) werden wir an der Eingangstüre aufgehalten, weil sie unsere Gelbfieberimpfung im Impfausweis sehen wollen. Ein Glück habe ich darauf bestanden, das zu machen, obwohl eigentlich nicht mehr obligatorisch. Aber wir reisen ja jetzt von Kenya ein, nicht von Europa, also gelten da wieder andere Vorschriften. Ich weiss nicht, was sie mit denen machen, die das nicht haben: gleich am Flugplatz impfen? Mir schaudert ein wenig: die Hygienebedingungen sind hier oft … nicht optimal, ein Grund weshalb ich auch Spritzen- und Nadelzeug dabei habe.  (Im Koffer. Der hoffentlich hier ist.) In der Schweiz darf Gelbfieber ja nur in speziellen Zentren geimpft werden. Momentan denke ich, das hier zu verlangen ist eine gute Einnahmequelle. Wie das Visum, das kann man auch bei Einreise für 50 Dollar pro Person bekommen … Oder vorher für 70 Franken. Ich habe unsere vorher besorgt, also können wir diese Schlange zumindest auslassen. Dafür bekommen wir jetzt ein Formular für den Zoll zum ausfüllen. Für 3 Personen also 3 Formulare. Ich sage doch, die lieben ihre Formulare hier. Ich verstehe nur nicht, weshalb wir die nicht auch im Flugzeug hätten bekommen und ausfüllen können. Jetzt stehen / kauern alle da oder warten darauf, dass ein Kugelschreiber frei wird und schreiben. Mit dem Wisch und den Pässen kommen wir durch die Einreisekontrolle, wobei mein Kuschelbär (wieder besserer Laune) den Zöllner verwirrt, weil er ihm auch noch das Formular vom Flugzeug für Kenya hinstreckt. Richtig: das wollten sie dort nicht sehen.

Jetzt aber: Koffer! Und: sie sind tatsächlich da! Erleichterung.

Durch den Zoll, direkt zum Ausgang und da steht jemand mit einem Schild mit unserem Namen drauf. Erschöpft fallen wir ins Safari- Auto.

Eine Dreiviertelstunde später in der Lodge und wir fallen in Schlaf.

Jetzt sind wir da.

17 Kommentare zu „Ferien mit Familie Pharmama – Tag 2

  1. Uff uff uff… Man leidet beim Lesen schon mit. In London haben sie bei der Sicherheitskontrolle (Transit Kapstadt/Basel) darauf bestanden, den halb gegessenen Apfel vom 4jährigen zu röntgen. Da fragt man sich wirklich…

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      1. Jaaa 😂. Und der Kleine hat ja vor deren Augen noch am Apfel herum genagt.
        Was zum Kuckuck sollte man damit anstellen können? Das interessiert mich wirklich. (Ich glaube ja, die Engländer sind leicht James Bond-geschädigt. Oder liegt es daran, dass wir als Teenies alle zu oft McGyver geschaut haben? Anders kann ich es mir nicht erklären)

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        1. C4 („Plastiksprengstoff“)kannst DU alle Farben und Formen verpassen – und „ungiftig“ ist es auch. Da die modernen Röntgengeräte aber auch schon bestimmte Sprengstoffe detektieren können…

          Und wenn man sich mal irgendwelche Zoll-Dokus anschaut, wo in augehölten Buchdeckeln Sachen geschmuggelt werden – ist ein halb ausgehölter Apfel echt nicht das Ding. Die Tarnung mit dem daran knabbernden Kind ist geradezu perfekt.

          Die Welt ist schlecht geworden… Und was ich selber denk und tu, das trau ich auch den andern…

          Bleibt nur noch die Frage, was man aus GB rauschmuggeln und nach Südafrika reinschmuggeln wollen würde? Maximal was, was explosiv oder steuerrelevant ist. Mehr Fantasie habe ich da auch nicht zu.

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  2. Schipol kenne ich auch nur rennend….Tönt nach einer Horrorreise, das kanns bei Anschlussflügen immer geben. Unsere Giraffe hing letztes Jahr einen Tag in Paris im Hotel rum, weil Air France ihren Flug nach Madagascar gestrichen hatte…. Das sagte man ihr aber nicht in Zürich sondern erst in Paris..
    Zum Glück wurde Max, oder hm wie heisst er, wieder gefunden, das wäre ja echt ein Drama gewesen!

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  3. Das ist fast schon echtes Abenteuer, wenn auch nicht sehr entspannend. Ich weiß schon warum ich keinen Urlaub in Gegenden machen, die man nur mit Flugzeug erreichen kann.

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    1. Ah- es ist zum Glück bei weitem nicht immer so. Tatsächlich hatte ich bisher echt Glück. Das ist erst mein 3. Flugzeug, das ich verpasse (nur bei einem war ich selber schuld) und es hat sich immer eine anständige Lösung gefunden. Abgestürzt ist auch noch keines mit mir (das ist die Hauptsache) und sogar das Gepäck hat es bisher immer mitgeschafft – was schon halb an ein Wunder grenzt.

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  4. Die Gelbfieberimpfung braucht ihre Zeit, bis sie wirkt. Meines Wissens nach verlangen viele Länder, dass die Impfung bei Einreise mindestens 6 Wochen zurück liegen muss, um die ausreichende Wirkung erlangt zu haben. Das Impfen vor Ort würde also nicht viel bringen.

    Ich hätte eher den Verdacht, dass man im internationalen Bereich so lange festgehalten wird, bis man sich selber einen „Rückflug“ – also einen Wegflug – organisiert. Oder bis man „gegangen“ wird.

    Wie lange man im Transit-Bereich eines Flughafens leben kann, zeigte bereits „Mehran Karimi Nasseri“ – angeblich 18 Jahre hat er im Terminal1 vom FH Charles de Gaulle gelebt. Verschiedene Filem wurden darüber gedreht, unter anderem „Terminal“ mit Tom Hanks.

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  5. WIr sind mit dem Bus von Nairobi nach Arusha gefahren. Da gibt es an der Grenze für die Touris Extra-Schlangen an der Grenze, die um einges kürzer sind die als für die Afrikaner. Der Bus fährt aber trotzdem nicht schneller weiter ;-)

    Vielleicht liegt’s auch daran, dass die meisten Touris das Visum erst da lösen. Uns sagt man, sás sei billiger. Stimmt auch, es sei denn man kommt aus den USA, dann ist es teurer, warum auch immer. Eine Lady vor uns ist deswegen fast geplatzt, hat dann aber doch gezahlt. Naja, der Transitbereich da ist eine kleine Hütte an einer staubigen Straße, da mag man wohl eher nicht 18 Jahre lang leben.

    Die Gelbfieber-Impfung hat bei uns niemanden interessiert, weder in Kenia noch in Tansania.

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    1. Das letzte Mal sind wir auch über die Grenze dort gekommen. Da waren unglaublich viele Leute – nicht nur Grenzgänger, sondern solche, die dir etwas verkaufen wollten. Bei uns haben sie damals gestaunt, wieviel wir für das Visum bezahlen mussten zu Hause. Gelbfieberimpfung wollten sie damals schon sehen. Da waren sie echt scharf drauf.

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    1. So schlimm ist es gar nicht – und sicherer als der Autoverkehr sogar. Nur halt gelegentlich (mindestens) so aufregend. (Grrrr.)
      Und bis sie das Beamten erfinden, nehme ich das halt gezwungenermassen auf mich. Sonst dauert das ewig, bis man wo hin kommt.

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