Die Artikel kommen aus der Zeit, als es noch kaum Fertig-Spezialitäten gab und die Medikamente nach Vorschrift des Arztes in der Apotheke gemischt wurden.
Was für teils bedenkliche Wirkstoffe da verwendet wurden, habe ich schon ein paar Mal erwähnt (spezifisch in den „Wie stelle ich ein Rezept aus- Anno 1936“ Postings). Aber manchmal sind es nicht nur die einzelnen Wirkstoffe – gelegentlich macht auch die Kombination etwas wirklich gefährlich.
Ausschnitt aus der wöchentlichen Zeitung Lancet Medicine and Surgery von 1886
Explosive Medikamente
– es ist wohlbekannt, dass die Handhabung bestimmter pharmazeutischer Heilmittel oder ihrer Präparate, sei es durch Unwissen oder Unvorsichtigkeit zu Explosionen führen kann, welche, wenn schon nichts anderes, dazu bestimmt sind, den Hersteller dazu zu bringen, ernsthaft in Betracht zu ziehen, seinen Beruf zu wechseln. Die Liste ist ziemlich umfangreich und wir könnten hier einen guten Service bieten, indem wir ein paar von diesen dem Berufsstand aufzeigen, dessen Mitglieder schon mehr als genug Sorgen selber haben sie zu vertreiben auch ohne zusätzliche unnötige und vermeidbare Quellen der Aufregung.
Ohne weiter einzugehen auf die elementaren Vorsichtsmassnahmen, die in der Herstellung und Umgang mit Nitro-Glycerin zu tun haben – dem nun, dank Dr. Murrell beliebten Heilmittel – möchten wir aufmerksam machen auf die Gefährlichkeit von Mischungen von Kaliumchlorat und Schwefel das auf Erschütterung und Reibung Explodiert. Dies ist ein konstant wiederauftretender Unfall und doch etwas, das jeder Schuljunge kennen sollte.
Kaliumchlorat und Phosphor ist auch der Bestandteil von Knallerbsen – vielleicht deshalb die Anspielung auf den Schuljungen? Nitroglycerin stellen wir heute nicht mehr selber her in der Apotheke (zum Glück!), das gibt’s aber noch als Kapseln und Pflaster für das Herz oder in Salbe für Analfissuren.
Weiter, von einer Mischung von Kaliumchlorat und Kautschuk ist bekannt, dass es explodiert, wenn es als Zahnpulver benutzt wird. Noch nicht so lange her hat der Fall einer Flasche mit Lycopodium in einer Apotheke in Strasburg zu einer Explosion geführt, als das hochentzündliche Pulver an einer Gasflaschenflamme sich entzündet hat.
Bärlappsamen ist ein feines, mehlartiges Pulver, das in Zusammenhang mit offener Flamme sich entzündet und explosionsartig abbrennt. Bäckereien müssen sich heute vor solchen Staubexplosionen hüten und wirklich sauber arbeiten.
Andernorts wurde ein Apotheker, der dabei war etwas Calciumhypophosphit über einem Sandbad zu trocknen, von der Explosion getötet. Oxalat und Calciumcitrat sind ebenfalls verantwortlich dafür bei hohen Temperaturen zu explodieren. Kaliumpermanganat in Verbindung mit jeglicher organischer Substanz explodiert spontan und eine Mischung aus Kaliumchlorat, Eisenchlorid und Glycerin ist schon in der Tasche eines Patienten, der das mit sich herumgetragen hat explodiert.
Ein Apotheker in Paris hat Ozon präpariert zusammen mit Pulver bestehend aus gleichen Teilen Manganperoxid und pulverisierter Oxalsäure. Jede Vorsichtsmassnahme wurde gemacht, aber die Pulver waren noch nicht lange gemischt, da hat es die Flasche, die sie enthielt in ihre Atome zerblasen.
Es gab tatsächlich einige Mischungen, die bekannt dafür waren, dass sie explosiv sein konnten. Für die Herstellung wurde in so einem Fall geraten, die Ingredienzien erst einzeln in Porzellanschalen zu pulverisieren, auf die Reihenfolge zu achten (erst mit nicht-oxidierbarem mischen), bei der Mischung einen Holzstab oder Federfahne zu nehmen und allgemein sehr vorsichtig zu sein. Bei der Abgabe sollte daran erinnert werden, sie von Feuerfunken, brennendem Licht, Druck fernzuhalten und auch nicht dort aufzubewahren, wo sie heiss wird (in der Ofenröhre …) ! Beruhigend. Nicht.
Erst kürzlich hat ein Mediziner einen klagenden Brief geschrieben an einen Kollegen, in dem er von seiner Erfahrung erzählt, die er gemacht hat, als er versucht hat Terebene herzustellen indem er Terpentinöl mit reiner Schwefelsäure reagieren liess. Eine Explosion folgte, und obwohl dank der Tatsache, dass er die Flasche vorsichtigerweise in ein Tuch gewickelt hat, nichts schlimmeres passiert ist als ernsthafter Schaden an einem neuen Paar Hosen, hat er gedacht, es sei seine Pflicht andere vor diesem Experiment zu warnen.
Iod, mit Ammoniak behandelt formt wenn es trocknet eine Verbindung, die gewaltige Detonationsfähigkeit aufweist, was sich schon verschiedene Male als fatal erwiesen hat.
Terebene ist eine obsolte Medizin, die aus verschiedenen Zubereitungen bestand, die Hauptsächlich Terpene enthielten, die von Kampfer oder Terpentin extrahiert wurden Es wurde eingesetzt als schleimlösendes Mittel oder als Antiseptikum zum desinfizieren. Dass das heute so nicht mehr gebraucht wird, wundert mich bei der Extraktionsmethode wenig (bäh!).
Aus dem Medical and Surgical Reporter (wöchentliches Journal) vom July-December 1870
Explosive Mischungen
Zwei Vorfälle wurden uns letztens zugetragen, die die Notwendigkeit illustrieren grosse Vorsicht walten zu lassen, wenn man Medikamente und chemische Mischungen herstellt. Ein englischer Arzt schrieb das folgende Rezept, welches Resultate zeigte, die nicht erwartet waren:
Argenti oxidi gr. Xiviik
Morph. Muriat. Gr j
Ext. Gentianae g.s.
Make 24 pills and silver them
Die Pillen wurden gemischt, hergestellt und in eine normale Pillendose übergegeben und die Lady für dessen „gute Gesundheit“ sie verschrieben wurden hat sie an ihrem Busen getragen. Der Lagerort erwies sich als zu warm für die anfällige Natur der Mischung und das Resultat war eine Explosion nach einer dreiviertelstunde, die ihre Unterwäsche in Asche verwandelte, die rechte Brust stark verbrannte und dem Chirurgen zusätzlich noch eine Brandwunde am Bauch zum Verbinden gab. Aber stellen Sie sich vor, die Explosion hätte sich im Bauch zugetragen!
Interessant: Pillen (nicht Kapseln oder Tabletten), die von Hand in der Apotheke hergestellt wurden. Überzogen mit Silber! Das hat man gemacht mit Blattsilber, das auf die Pillen aufgetragen wurde. Man machte das bei Pillen, die schlecht schmecken (dürften die oben mit dem Enzianextrakt, der ist sehr bitter), zur optischen Aufbesserung (die sahen sicher toll aus) und vielleicht schon damit die Wirkstoffe nicht so schnell freigegeben werden und länger wirken. Das überziehen mit Silber hatte aber den Effekt, dass manchmal gar kein Wirkstoff mehr rauskam …
Der Problematische Wirkstoff hier ist das Silbernitrat – das kombiniert mit etwas oxidierbarem (organischem) in der Pillen-grundsubstanz … und schon hat man ein potentielles Problem.
Ein weiterer trauriger Fall hat sich kürzlich ereignet, der die Wichtigkeit zeigt, kompetentes Personal arbeiten zu lassen in Apotheken.
Mr. Whitesman, ein Angestellter bei den Warenlagern von Mandel Bros. Ind Chicago, Illinois wurde gesandt um eine Mischung zu holen, die sich zusammensetzte aus Salpetersäure und Quecksilber. Er ging in die Apotheke von B.A. Leavenworth und fragte danach. Es war ein Angestellter im Laden, der wusste wo die Schwefelsäure war und auch wo das Quecksilber war und es brauchte nicht viel chemisches Wissen die beiden in eine Flasche zu schütten und dicht mit einem Korken zu schliessen.
Das war was er tat, aber er scheint nicht gewusst zu haben, was für einen Effekt diese beiden starken Mittel aufeinander haben oder wie man sie in anständigen und harmlosen Proportionen mischt. Die traurige Konsequenz war, dass der nichts ahnende junge Mann die Flasche nahm – die kaum weniger zerstörerisch und gefährlich ist als ein Torpedo –und seines Weges ging. Er kam nicht weit, bevor die Mischung explodiert ist, dabei sein Gesicht und seinen Körper schrecklich verbrannt hat und, am schlimmsten von allem, sein Augenlicht für immer genommen hat. Er wurde zu sich nach Hause gebracht und Dr. Walker und andere wurden zu seiner Hilfe gerufen. Sie haben alles gemacht, was Kunst und Wissenschaft konnte um sein Leiden zu mildern, aber es war jenseits der Macht der Menschen seinen verdunkelten Augen wieder Licht zu geben.
Was der Angestellte da unabsichtlich produziert hat ist Knallquecksilber. Das ist entzündlich durch einen leichten Stoss. Aber für was die Mischung normal gebraucht wurde … keine Ahnung. Ziemlich hässlich ist das jedenfalls.
Wer hätte gedacht, dass unsere Arbeit so brandgefährlich war? Denkt ihr Mitapotheker an so etwas, wenn ihr für eine Herstellung eine Risikoanalyse macht?
Originalartikel hier: http://lateralscience.blogspot.co.uk/2012/08/explosive-drugs.html Mit bestem Dank an Alwin für’s drauf aufmerksam machen.
Hier findet man noch mehr Info zu z.Bsp. explosiven Mischungen: (s. 125) http://archive.org/stream/technikderpharm00hagegoog/technikderpharm00hagegoog_djvu.txt
Und als Disclaimer: Sprengmittel und derartiges werden in zahlreichen Internetdarstellungen beschrieben. Die Instabilität der angegebenen Mischungen birgt große Verletzungsgefahren, von Verbrennungen bis zum Wegreißen von Gliedmaßen bei größeren Mengen der Sprengstoffe. Ein Nachmachen ist nicht empfohlen!






bis vor kurzem fragten manche Leute nach Hoffmanns-Tropfen….
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Gibt es als Fertigarzneimittel, nichtapothekenpflichtig. PZN 04 899 730 ;-)
Zusammensetzung 69% Ethanol (m/m), 25% Ether, Wasser ad 100. Ergibt aber 73Vol% Ethanolgehalt.
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Sagt mir hier gar nichts. Aber mit der Zusammensetzung brennt das ziemlich gut …
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Zitat 1: „Anwendungsgebiete: Traditionell angewendet zur Besserung des Befindens bei Schwächeanfällen.“ C2H5OH ist bei Schächeanfällen immer gut. ;-)
Zitat 2: „Diese Angabe beruht ausschließlich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung.“ Ja, evidenzbasiert und so.
Zitat 3: „Zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren.“ Finde ich lustig, weil Spirituosen mit 6% erst ab 18 Jahren in D.
Die „moderne“ Variante sind Bac.hblü.ten No.tfal.ltro.pfen – beim Schächeanfall 10 Tropfen in 7 Finger breit ähhhh hoch Whiskey. Bei Bedarf wiederholen. :-D
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Also die Art Anwendung von Bachblüten kannte ich noch nicht …
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Ich bin mir nicht ganz sicher – aber ich denke, die habe ich aus „Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut“ von Stefan Schwarz. Diese Tropfenmischung braucht „Frau Dinkelkeks“ dann zur Beruhigung, als der Protagonist die geheiligte und von Guru Irgenwen mit spiritueller Energie aufgeladene Klangschale entweiht, in dem er eine Tüte Kartoffelchips reinfüllt…
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Gedaaaankenknick…
…ich staune.
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Mich würde mal interessieren, wie wirksam diese Rezepturen waren, in Bezug darauf, wofür sie verschrieben wurden. Ich meine, man mischt den Leute das hochexplosive Zeug ja nicht ohne Grund an. Hat da ein Arzt irgendwelche einzeln gut wirksamen Stoffe rezeptiert, ohne zu wissen, dass es in Kombination explodieren könnte, oder ist man das Risiko ganz bewusst eingegangen weil das Zeug ganz dolle geholfen hat (wenns den Patienten vorher nicht zerrissen hat)?
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Ja – ich denke mal, Du wärst ziemlich enttäuscht. Man hat halt genommen, was vorhanden, erhältlich und bekannt war und was zumindest ein bisschen Wirkung zeigte. Durch das Mischen unterschiedlicher, ähnlich wirkender Sachen versucht man das zu potenzieren … den Ärzten dürfte das Risiko mancher dieser Mischungen auch bekannt gewesen sein – aber eben: solange man nichts anderes hatte …
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Haben Bärlappsamen denn irgendeine Heilwirkung und was haben die in der Apo zu suchen? Ich kannte sie bisher nur in eben dem angesprochenen Zusammenhang: Nämlich für pyrotechnische Spielereien.
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Bärlapp-Sporen wurden u.a. verwendet, um Pillen (genau die, die auf einem Pillenbrett gerollt wurden) zu „bepudern“. Das war aber eher für die weniger gut betuchten. Für Patienten mit höheren (auch monetären) Ansprüchen wurden Pillen schon mal mit Blattsilber oder auch Blattgold belegt.
Der Witz bei den pyrotechnischen Spielereien ist, dass Lycopodium – korrekt verwendet – sehr kontrolliert abbrennt / verpufft, und so eine echte Alternative für giftige Brandtmittel wie Benzin z.B. beim Feuerspucken ist. ABER: Bitte Anleitung & Training bei einem Profi holen, falsch durchgeführte Selbstversuche können sozusagen brandtgefährlich sein.
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Ah! Wieder was gelernt, danke!
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Und warum mussten das unbedingt Bärlappsporen sein, und nicht irgendwas anderes (Mehl oder was weiß ich)? Hat das irgendwelche besonderen Eigenschaften (oder eben nicht, damit man keine unerwünschte Nebenwirkung( Reaktion bekommt)?
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Bärlappsporen haben für ihr Gewicht eine extrem grosse Oberfläche. Es nimmt kaum Wasser auf, und in den grossen Hohlräumen bleiben pharmazeutische Substanzen hängen. So wird verhindert, dass der Wirkstoff verklebt.
Und wenn der Wirkstoff in Hohlräumen der Sporen festhängt, wird er nicht allzu schnell freigesetzt – für den Patienten praktisch.
Das Bild hier zeigt eindrücklich wie das ist: http://www1.doc-stock.com/doStpremid/000011000/11836.jpg
Ähnliche Effekte erreicht man z.B. mit Aktivkohle oder Zeitungspapier. Stinkt ein Kühlschrank, kann man ihn mit Zeitungspapier füllen. Durch die ebenfalls riesige Oberfläche bleiben Aroma-Moleküle hängen. Zeitungspapier ab in den Kehricht und gut ist…
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Danke, das ist echt interessant!
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Betreffend der pyrotechnischen Spielereien: Bärlappsporen nehmen sehr schlecht Wasser an, sie schwimmen drauf und verklumpen nicht. Nimmt man Bärlappsporen in den Mund um Feuer zu spucken (Achtung! Nur unter professioneller Anleitung!), verklumpen diese im Mund eben nicht. Mit Mehl oder Puderzucker, mit welchen man auch wunderbare Staubexplosionen hinbekommen würde, hätte man da schlechtere Karten – verklumpte dicke Brocken lassen sich einerseits schlecht durch herauspusten zerstäuben, werden sich so aber andererseits einer Staubexplosion widersetzen.
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Ich bezweifel das sich beim Letzten rezept wirklich knallquecksilber gebildet hat, warscheinlich war das problem eher das sich dur die reaktion von Hg mit HNO3 auch Nitrose gase (NOx) bilden – und Diese ham vermutlich die Flasche zerlegt. Zusätzlich dürfte das Hg(NO3)2 dem guten Menschen ordentlich ins Blut gelangt sein – das hat wenigstens seine Leidenszeit verkürzt
(Knallquecksilber ist übrigens Quecksilberfulminat Hg(CNO)2 –> siehe https://roempp.thieme.de/roempp4.0/do/data/RD-19-02397?update=true )
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Oh – Danke für die chemischen Erläuterungen!
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Psychiatrisch verordnete Substitutionstherapie für Pyromanie.
Was dann wohl auf dem Rezept steht…
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Als ich vor einigen Jahren verdünnte Schwefelsäure bestellen wollte, bediente mich eine Lehrtochter, die ihre Abschlussprüfung machte. Gefahrenhinweise erläuterte sie sehr ausführlich und fragte auch gewissenhaft, für was ich es brauche. Zum Abschluss fragte sie jedoch: „Willst du kurz im Laden warten bis ich es verdünnt habe oder holst du es später ab? Wir haben noch 25 Minuten offen.“ Sofort erschraken die zwei Experten und auch ihr wurde gerade bewusst, was sie gesagt hatte. Vor Schreck brachte sie kein Wort mehr heraus und ihr Lehrmeister übernahm.
Ich war leider zu wenig schlagfertig um ihm zuvor zu kommen und ihr zu sagen: „Ich mag solche unerwarteten Testfragen zum Abschluss und hole es morgen ab, falls es bis dann verdünnt und abgekühlt ist!“
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Jaaa – das Zeug wird ziemlich warm beim Mischen … und immer daran denken: erst das Wasser, dann die Säure (sonst passiert das ungeheure). Mein Laborschurz vom ersten Jahr musste ich entsorgen wegen der Löcher auf Bauchhöhe nach so einem Unfall. Nicht von mir möchte ich noch anmerken, sondern von der Kollegin 2 m gegenüber.
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Ich musste nur einmal ein Labor fluchtartig verlassen, als mir ein wenig zu viel Silber in die Salpetersäure geriet. Und mit „fluchtartig“ meine ich so „renn um dein Leben!“, denn natürlich macht man solche Experimente NICHT unter der Abzugshaube. Lüfter sind ja was für Weicheier …
Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, sondern mich dafür bedanken, was aus einem einfachen Link für ein toller Blogpost geworden ist, und das mit verletztem Finger! Ganz herzlichen Dank und großen Respekt, Pharmama!
Auch ganz wunderbar finde ich die großartigen Kommentare.
Ich bin übrigens kein Pharmazeut oder Chemiker; Chemie war nur mal so ein Nebenhobby von mir. Hauptberuflich mache ich was mit Strom, was auch gefährlich sein kann.
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Chemie und Strom kann man natürlich kombinieren.
Als turtle of doom noch kleiner war als heute, machte es mal Elektrolyse mit einem alten Computer-Netzteil.
Um die Leitfähigkeit des Wassers zu erhöhen, mischte es Kochsalz ins Wasser, und es entstand bald ein sehr stechend riechendes Gas…
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Du hast Hypochlorit gemacht? (Das ist doch dasselbe Zeugs, das im Magical Mineral Supplement drin ist- Brrr.)
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Mit ausreichend Strom kannst du NaCl in Na und Cl zerlegen, gar kein Problem.
Die Sache mit dem Wasser würde ich mir dann allerdings überlegen.
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Nein. Wenn man eine wässrige NaCl-Lösung elektrolütisiliert, entsteht Chlorgas, Natronlauge und Wasserstoff.
Aber mit den MMS-Typen hatte ich kürzlich eine kleine Debatte… da ereiferte sich jemand auf FB darüber, dass irgendwelche lokale Gesundheitsbehörden in den USA einer Familie die Kinder weggenommen hatten, weil die Eltern MMS verwendeten.
Dann würde ich recht angefeindet… die FDA sei sowieso korrupt und genehmige Heilmittel, die der Bevölkerung schaden… und dass MMS sehr wohl einen gesundheitlichen Nutzen bringe… blubb, blubb. Und wurde relativ schnell entfreundet. :)
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Das habe ich sogar noch mitbekommen – aber nachdem ich die Reaktionen gesehen habe … ja, denen ist echt nicht mehr zu helfen. Diskutieren (leider) sinnlos.
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Wenn man Chlorgas in Natronlauge leitet, entsteht dann Natriumhypochlorit… also das angeblich bekömmliche MMS…
Jetzt ist mir der Herstellungsprozess klarer. Es wird also die Chloralkali-Elektrolyse (Chlorgasherstellung durch Elektrolyse einer wässrigen NaCl-Lösung) mit dem nächsten Schritt (Chlorgas in die Natronlauge leiten, und Kühlung der Lösung, damit kein ClO³- entsteht) kombiniert. Dann entsteht erst das Natriumhypochlorit.
Naja, ich wollte diesen Typen als Abschiedsgruss noch sagen, dass sie wohl abgezockt werden. Wenn sie statt „MMS“ einfach Natriumhypochlorit im Laborbedarf-Fachhandel bestellen, dann kämen sie mit 50 € pro kg oder sogar weniger durch.
Das „Beginner Kit“ besteht aus 125 ml 28%iger NaClO²-Lösung, zusammen mit 125 ml Zitronensäure. Kostet 28 $.
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Ich dachte ja erst das wäre ein Tippfehler von dir und du meinst die geben ihren Kindern Natriumchlorid, aber nein das t war kein tippfehler, es gibt sogar einen riesigen Artikel darüber auf der englischen Wikipedia.
Es ist erschreckend wie dumm Menschen doch sein können.
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Es ist traurig. :(
Eine Kollegin sah mal ein Video, das den Stuhl nach einer „MMS“-Behandlung zeigte. Sprecher: Da sieht man all die gekillten schlechten Bakterien im Stuhl! Der Darm ist jetzt wunderbar gereinigt!
Dabei war deutlich zu erkennen, dass das Zeugs im Stuhl nichts anderes als tote Darmepithelzellen waren.
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@turtle, lass die Typen doch machen, was sie wollen. Denen ist nicht zu helfen. Ich weiß noch, in den 1970er Jahren gab es hier in Deutschland einen Kloreiniger namens „Tarax“, und wenn man da Domestos (die Originalrezeptur, nicht die später abgewandelte) drüberschüttete, entstand reinstes Chlorgas. Also so dass man es sehen konnte, und, ja, Chlorgas IST grün.
Was man von Leuten halten soll, die ihren Kindern gefährliche Chemikalien verabreichen, darüber brauche ich wohl nichts zu schreiben, und wenn ich von so jemandem wüsste, dann wäre das ein Fall für eine Meldung beim Jugendamt.
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Wobei in Knallerbsen keine Chlorat/Schwefel-Mischung enthalten ist, die enthalten Silberfulminat, deswegen ist auch ein grauer Rückstand nach der Explosion zu sehen: Silber!
Etwas unsicher bin ich mir bei Calciumoxalat und citrat, da explodiert eigentlich nichts, das zeug zersetzt sich bei höheren Temperaturen nur… (über 300 Grad C)
Ganz im Gegensatz dazu das.Stickstofftriiodid, das hat in der AC-Vorlesung ganz gut gerumst…
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Da ich den Lesern hier die Schwarz(sch)e Geschichte um die Erdnussflips (und nicht etwa Kartoffelchips) sowie einer wirklich wirksamen Bac.hblü.ten-Anwendung nicht vorenthalten will, kann und darf, habe ich den Link auf die auch kostenfrei im Netz stehende Geschichte mal rausgesucht. Viel Spaß beim lesen!
http://kosmosklang.de/pages/posts/kristallklangschalenenergie-satire-von-stefan-schwarz-58.php
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Aber ich muss reumütig nachreichen: Es ist aus „Ich hör Dir zu, Schatz“. Aber davon abgesehen, beides lustige und belustigende Machwerke – meiner Meinung nach.
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Ich kann euch das dann auch nicht ersparen, verzeiht mir!
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Hallo, etwas spät, aber mir ist beim Lesen grad ein Fehler in deinem Artikel aufgefallen:
„die sich zusammensetzte aus SALPETERSÄURE und Quecksilber. Er ging in die Apotheke von B.A. Leavenworth und fragte danach. Es war ein Angestellter im Laden, der wusste wo die SCHWEFELSÄURE war und auch wo das Quecksilber war und es brauchte nicht viel chemisches Wissen die beiden in eine Flasche zu schütten und dicht mit einem Korken zu schliessen.“
Verwechslungen passieren zwar leider, aber in diesem Falle war das zumindest nicht der Fehler des Angestellten. ;-)
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