Ich bin Kunde – geben sie es mir gratis!

Mann kommt in die Apotheke mit einem Blister Tabletten, mit dem er kurz unter meiner Nase fuchtelt.

„Ich bin Kunde bei ihnen … Meine Frau hat die hier bekommen und soll sie halbieren. Haben Sie ein Messer oder etwas, zum Tabletten teilen? Meine Frau hat empfindliche Fingernägel.“

Pharmama: „Nun wir haben Tablettenteiler, aber …" (weiter komme ich nicht)

Mann: „Könnte ich die Teiler mal sehen? Ich bin übrigens Kunde hier … bekomme ich ihn dann gratis?“

Ugh –

Ich zeige ihm den Teiler.

Und auch, dass der etwa 10 Franken kostet.

Pharmama: „Nein, der kostet etwas …

Aber zeigen Sie mir mal die Tabletten.“

Nur mit Mühe lässt er sie mich sehen, aber es reicht, dass ich sehe, dass es MetoZerok sind … und die sind tatsächlich ziemlich gut teilbar, wie ich beim Dosette-richten schon bemerkt habe. Auch ohne Teilgerät. Sie sind länglich, gut greifbar … und brechen schön.

Pharmama: „Diese Tabletten sind auch gut ohne Teiler zu brechen, hat Sie es denn schon versucht?“

Mann: „Nein.“

Pharmama: „Dann würde ich vorschlagen, das erst mal auszuprobieren, es sollte gut gehen. Und wenn nicht, können sie immer noch den Teiler kaufen kommen.“

Die Apotheke. Guter Rat ist immer noch gratis. Aber für lau Sachen herausgeben – kann ich nicht mehr.

Und … ich will es ja nicht verschreien, aber … ich glaube die Tabletten hatte die Frau auch nicht von uns. Er hat ja auch nicht gesagt, dass seine Frau hier Kundin ist … nur er.

16 Antworten auf „Ich bin Kunde – geben sie es mir gratis!

  1. „Ich bin Stammkunde bei Ihnen! (Was dann meistens auch nicht mal stimmt.) Wenn Sie mir xy nicht gewähren, dann komme ich nicht wieder.“ Wie ich diese Leute gefressen habe! Die unrechtmäßig Rabatte oder Umtäusche, Geld zurück oder sonst etwas wollen.

    Die Leute ziehen dann selbstzufrieden mit sich ab, wenn sie auf krumme Tour (woanders gekaufte Sachen) oder moralisch und rechtlich eigentlich falsch (Sachen, die definitiv von ihnen kaputt gemacht wurden und so kein Garantiefall oder sonst etwas sind) mit ihrer Dreistheit durchgekommen sind und halten sich dann für besonders ausgefuchst.

    Was lernen wir daraus? Nicht nur Geiz ist geil, sondern auch: Frechheit und Lügen siegt. Erzwinge Preisnachlässe, die andere Kunden für dich zahlen müssen, weil die Geschäftsleitungen natürlich die dadurch für sie entstandene Verluste – wie auch die durch Diebstähle, beschädigte Wahren und Co – ins Berechnen der normalen Preise mit einkalkulieren.

    Ich kann gar nicht so viel … konsumieren wie ich vomieren möchte, wenn ich an solche Leute denke. Was bin ich froh, dass ich nicht mehr diesen Job mit Kundschaft habe!

    „Aber sicher werte Dame, wie haben Ihnen ein dekoriertes Stück verkauft, weil es das letzte seiner Art war. Die Dekoration, die Sie dabei GESCHENKT bekommen haben, funktioniert nicht? Natüüüürlich bekommen Sie den Preis für diese GESCHENKE erstattet! Wenn wir Angestellten das nicht machen, weil das uns allein schon vom normalen menschlichen Empfinden her absolut gegen den Strich geht, dann diskutiert der Filialleiter da gerne mit Ihnen drüber und gibt Ihnen schließlich nach, nachdem Sie uns schon eine halbe Stunde von der Arbeit abgehalten haben. Weil, Sie sind ja Stammkunde hier (Auch wenn sich keiner an sie erinnern kann)!!!“

    Ich verstünde es ja, wenn arme Leute um grundsätzliche Dinge feilschen würden, aber diese besondere Art Kunden sind meist welche aus der oberen Mittelschicht, die irgendwelchen Luxus-, Deko-, oder sonstigen verzichtbaren Kram kaufen.

    Hat jemand Baldrian für mich…? *schnauf*

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    1. Wirklich gepflegte Ausdrucksweise :-)
      (Ich kann gar nicht so viel … konsumieren wie ich vomieren möchte)


      und, Nein, kein Baldrian für Dich – der hat auf manche Menschen die umgekehrte Wirkung …
      vielleicht ein Valium?

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  2. Ich erinnere mich noch an meine Ausbildung in der Bank:

    1. Fall: Kundin, bei der wir wirklich Mist gebaut hatten (war eine falsche Buchung). Sie war sehr höflich, wollte nur mal nachfragen, da es ihr komisch vorkam. Wir haben Problem behoben auch mit der Wertstellung, so dass ihr kein Nachteil entstanden ist, ich habe es ihr erklärt, sie hat sich noch für die schnelle Richtigstellung bedankt. Und sie hätte sogar Grund gehabt sauer zu sein.

    2. Fall: Kunde beschwerte sich lautstark und sehr unhöflich (sprich mit Beleidigungen gespickt) über eine Doppelbuchung (Überweisung). Ach wie hat es uns gefreut, als wir ihm nachweisen konnten, dass er die Überweisung zweimal abgegeben hat, beide Male vollständig ausgefüllt, nur einmal im Verwendungszweck ein Leerzeichen mehr. Natürlich hat er sich nicht entschuldigt.

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    1. Jau, das ist ein interessantes Phänomen: diejenigen, wo einem wirklich ein Fehler unterlaufen ist … und die das dann mit einer Ruhe zu Kenntnis nehmen und man es wieder in Ordnung bringen kann. Und dann die, die *denken*, dass einem ein Fehler passiert ist und sich sowas von darüber aufregen.
      Ich frage mich dann manchmal, was das denen bringt? Irgendwie muss das die Leute befriedigen, wenn sie sich enervieren können – oder?

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    2. Ich vermute in solchen Fällen, dass diese Leute absolut noch nie in ihrem Leben ein schweres Problem gehabt haben, und das daher nicht relativ sehen können. Da ergibt dann auch Sinn dass es meistens wohlhabende Leute sind.

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  3. Wieso teilt denn der Herr Gatte die Tabletten nicht, wenn die Fingernägel seiner Frau so empfindlich sind (unabhängig davon, wie schwer oder leicht die zu teilen sind)?

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    1. Vielleicht traut er der Frau nicht zu, die zu benutzen? (Empfindliche Nägel und so?)
      Auf der anderen Seite: Messer sind auch nicht immer ideal zum Tabletten teilen.

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  4. Irgendwie muss ich da jetzt an die Frau denken mit diesen zwei Meter langen Krallen die ineinander verdreht waren *grusel* und die ihr dann bei einem Autounfall(!) abgebrochen sind…

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      1. Hab nochmal gegoogelt, offenbar war sie Beifahrerin. Ich frage mich auch, ob man überhaupt so fahren kann. Aber irgendwie hat sie es ja auch geschafft, sich jeden Morgen anzuziehen, also wer weiß?

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  5. Für diese widerlichen Kunden gibt es, glaube ich, mehrere Erklärungen. Eine davon: sie sind selber Dienstleister oder Leute, die sich von anderen ungerecht behandelt fühlen oder sich viel gefallen lassen „müssen“ damit die Kunden wieder kommen. Wenn sie dann mal die Macht des Auftraggebers haben, zahlen sie alles heim…
    Oder eine zweite Spezies sind die im dritten Lebensjahr stecken gebliebenen Kinder, die sich mit einem Wutanfall den ersten Schokoriegel ertrotzt haben und dabei ein Aha-Erlebnis hatten. Wenn dann kein fähiger Pädagoge den Fehler behebt, ärgern sie später mit ihrem Kleinkind-Ego nette Apotheker, Sprechstundenhilfen, Kassiererinnen, „unfähige“ Ärzte, die Lehrer der Kinder usw.
    Sicher gibt es noch andere Defizite in der Erziehung, die zu solchen Sozialverhalten führen…
    Jolanda

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    1. Jolanda, ich glaube die Theorie „In-der-Trotzphase-stecken-geblieben“ ist die, die eher zutrifft. Wer selbst mit Kunden zu tun hat, der weiß eigentlich, was für arme Socken Verkäufer sind und ist zu denen meist besonders höflich, da er aus eigenem Erleben weiß, was für einen beschissenen (meist auch noch unterbezahlten) Job die haben.

      @Pharmama: Echt, Baldrian kann auf/an/regende Wirkung haben? :-o Wieder was dazugelernt…

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  6. Da bin ich ja froh, dass ich in Dosetten nix teilen darf. Alles schön verblistert… halbe Tabletten gibts nicht. Nur das Aussschneiden nervt bei manchen Blistern – bei Candesartan 4mg muss ich immer fluchen…

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