Symbole in der Pharmazie

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Das Gesundheitssystem hat – wie andere auch – eine Vielzahl an Symbolen. Die Symbole in der Pharmazie sind eigen für die Welt der Apotheke und manche den Patienten bekannt, andere mehr in der Profession selber.

Typischerweise sind einige universell – das bedeutet, sie bedeuten überall dasselbe, unabhängig vom Land, andere sind sehr spezifisch für einzelne Länder oder Teile der Welt.

Während manche der gebrauchten Symbole in der Pharmazie einfach zu erklären sind, wurden andere übernommen ohne dahinterliegende Erklärungen.

Das sind die gebräuchlichsten:

aesculapDie Schlange des Epidarius- auf dem Aesculap Stab. Als Griechischer Gott der Medizin trägt Aesculap einen Stab mit einer Schlange darum. Die Schlange repräsentiert bis heute in den Ländern des Fernen als auch des Mittleren Ostens Unsterblichkeit, Weisheit und Heilung.

Der Gott selber fiel mit der Zeit weg, geblieben sind Schlange und Stab.

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Die selbe Schlange findet sich auch auf dem schweizerischen Apotheken-Zeichen, dem grünen Kreuz. Auf dem alten Kreuz zusammen mit einer alten Waage – auf dem neuen Kreuz ist sie nur noch zu erahnen …

Kreuzalt  Kreuzneu

 

tumblr_lchyq2u8nT1qabtl7Schale der Hygeia – oft sieht man die Schlange auch um eine Schale gewickelt. Ähnlich aussehend wie das obige Symbol, kommt dieses hier ursprünglich aus Ungarn und zeigt wie eine Schlange aus der Schale, die Gesundheit bedeutet trinkt. Sie findet sich auf dem deutschen Apotheken -A und (in sehr stilisierter Form) auch auf dem österreicherischen Apotheken – A.

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FarmáciasSchlange und Palme – Repräsentierend für Apotheker aus Portugal und auch in Frankreich verbreitet zeigt dieses Symbol eine Palme – stellvertredend für das Pflanzenreich und die Schlange, stellvertretend für das Reich der Tiere. Zusammen bedeuten sie Heilung.

 

 

caduceus Caduceus – Ein Stab mit Flügeln, der Hermes (in griechischen Apotheken) oder Merkur (in römischen Apotheken) präsentiert. Das Word Caduceus ist ein griechisches Wort, das übersetzt „Heralds-Flügel“ bedeutet – ein Symbol der Medizin, das ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Hermes war eigentlich ein Bote – was genau er mit der Medizin zu tun hatte ist schlecht überliefert.

 

86carboysCarboy – Schauglas. Ein Glas mit runder Basis mit einem sehr schmalen Hals. Tyischerweise wird das Glas gefüllt mit schönen und leuchtenden Farben. Das Symbol begann wahrscheinlich im Nahen Osten und kam über England nach Amerika. Dort findet man es vor allem in alten Apotheken. Bei uns ist das eher unbekannt.

 

 

RX Recipe: Rx oder Rp  Angefangen hat dieses Symbol als die ersten Rezepte ausgestellt wurden. Heute bedeutet es die ziemlich genaue Übersetzung aus dem lateinischen: Recipere: nimm! (und mach daraus …) In frühen Zeiten, als die Medikamente tatsächlich noch in der Apotheke hergestellt wurden, waren die Rezepte auch noch wirklich das: Rezepte, also Vorschriften, nach denen eine Medizin zusammengemischt wurde.

Heute bedeutet es weniger „nimm und mach“ als „nimm und gib“ … Bei uns findet sich das noch auf Rezepten, wenn oben links steht: Rp

greencrossDas grüne Kreuz – machte seinen ersten Auftritt in Europa und ist als Pharmazie-Symbol eines der neueren. Es stammt aus dem 20. Jahrhundert. Wahrscheinlich hat es einfach das rote Kreuz ersetzt, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch oft gebraucht wurde.

 

mörserReibschale und Pistill – während Jahren war dies wohl das bekannteste mit der Apotheke verbundene Symbol. Es wurde früher oft gebraucht in der Apotheke um Medizin herzustellen, Substanzen zu zerkleinern und zu mischen. Heute braucht man Reibschale und Pistill leider nicht mehr so häufig – sie wurden durch modernene Maschinen ersetzt.

mortar

 

Die verschiedenen Symbole der Pharmazie erklären sich also mit der Entwicklung der Pharmazie über die Jahrhunderte.

Interessanterweise findet man aber noch heute die Schlange – als wirklich altes Symbol –sehr häufig. Das mag erstaunen, hat sie doch heute ein eher schlechtes Ansehen – aber eben: früher war sie ein weitverbreitetes Symbol für Gesundheit und Heilung.

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15 comments on “Symbole in der Pharmazie

  1. gedankenknick sagt:

    Zwei Anmerkungen seien mir bitte gestattet:

    Das Aeskulap-Symbol – die um den Stab gewundene Schlange – geht mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die fachgerechte Behandlung eines Parasiten zurück, den Medinawurm. Dieser bricht mit einem Ende zur Eiablage durch die Haut. Er wurde (und wird teilweise noch immer) mit einem (gespaltenen) Holzstück – ein Streichholz ist durchaus geeignet – festgeklammert, und durch langsames Drehen und „Aufwickeln“ aus dem Körper gezogen. Nur ein wahrer Arzt konnte (und kann) den Wurm entfernen, ohne ihn abzureißen, was zu dramatischen Folgeinfektionen führt.

    Der Hermesstab ist eigentlich ein Zeichen der Wirtschaft und des Handels. Gerade in den USA wird er aber fälschlicher Weise oft in medizinischem (und pharmazeutischem) Zusammenhang benutzt. Zu vermuten wären zwei Interpretationen: A) Da der Hermesstab als Symbol auch von Alchimisten benutzt wurde, ist er über den Umweg der Chemie in die Pharmazie und dadurch in die Medizin gekommen. B) Er ist optisch vom Aeskulapstab nur durch eine „zusätzliche“ Schlange und die Flügel abgesetzt. Da das Symbol scheinbar „Medizin“ (Aeskulapstab) mit „schnell“ (Flügel) zusammenbringt, liegt die Verwendung beim Militär nahe. (In bestimmten Regimentern der US-Truppen ist es das gängige Symbol für den „medizinischen Dienst“). Des weiteren war Hermes der Überbringer schneller, vertraulicher und eiliger (militärischer) Botschaften. Von hier ging dann der „parastäre“ Siegeszug dieses Symbols aus.

    Diese Interpretationen sind natürlich nicht niet- und nagelfest. Sie sind aber zumindest logisch nachvollziehbar. 😀

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  2. B.Cottin sagt:

    Danke, so eine Übersicht hatte ich mir immer schon mal gewünscht, vor allem wegen der Unterschiede je nach Land. Interessant auch das Ansehen der Schlange als Hüterin eines uralten (geheimen?) Wissens um Leben und Tod ! Dies kann ein Licht darauf werfen, warum im Paradies die Frau so leicht auf die Schlange gehört hat: sie dachte, sie wurde ein Stück Wissen für Eingeweihte erfahren!

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  3. Ich traf den Caduceus auch in der Wikipedia an… er dient auch als Abzeichen für das U.S. Army Medical Corps, und diente als Emblem der Zollverwaltung der DDR. 😀

    Das deutsche Apothekenzeichen war mir lange ein Rätsel. Warum dieses komische A? Das muss doch so eine alte Giftmischer-Rune sein… und jetzt merke ich, dass die offensichtlichste Erklärung auch die richtige ist…

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    • gedankenknick sagt:

      Die Erklärung, dass der Hermesstab als Medizin(er)symbol unkorrekt ist, findet sich auch in dem Roman „Schneller als der Tod“ von Josh Bazell. Da bin ich auch zum ersten Mal über die Differenz bewußt gestolpert. Das Buch ist aber nichts für zartbesaitete Nerven und Mägen, obwohl oder gerade weil es anatomisch teils sehr anschaulich schildert.

      Bei der Bundeswehr ist das verwende Symbol für den Sanitätsdienst übrigens – wie man es von Deutschen erwarten kann – korrekter Weise der Aeskulapstab, zu finden auf Schulterstücken von Soldaten im Offiziersrang sowie bei allen Soldaten im San-Dienst an dem Barett-Abzeichen eingerahmt vom Eichenlaubkranz und nach unten begrenzt durch „Schwarz-Rot-Gold“. Baretts und (Schulterstück-)Litzen sind dunkelblau – die einzige dunkelblaue Kennung in der BW – und nicht zu verwechseln mit den himmelblauen Kopfbedeckungen und Litzen der (mechanischen) Instandsetzung. Insofern sind die „Dunkelblauen“ also die „Biologische Instandsetzung“. 😀

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    • gedankenknick sagt:

      Nachtrag: Korrekter Weise haben (nur) Ärzte bei der Bundeswehr den Aeskulap-Stab auf den Schulterstücken (mit) drauf – Apotheker haben natürlich die Schale der Hygeia auf den Schulterstücken, Offiziere im Sanitätsdienst ohne medizinische/pharmazeutsche Laufbahn sind ohne sondergeschmückte Schultern unterwegs. Ordnung muss halt sein…

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      • Ich stelle mir gerade vor, wie der Kriegspharmazeute zusammen mit dem Kampfbiberführer in geduckter Haltung durchs Gelände streift, um genug Aspirin für die Truppe zusammenzusuchen…

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        • Gedankenknick sagt:

          *kicher* Der Kriegspharmazeut braucht den Kampfbiberführer natürlich nur, um mittels der Kampfbibertruppe im Krisengebiet genug Weidenrinde sammeln zu können, um daraus Salicylsäure zu extrahieren, die dann mit Essig vom Gulaschkanonenstand im Alugeschirr mit Hilfe des Esbit-Kochers zu Acetylsalicylsäure (=ASS, Aspirin) verestert wird. Das Alu im Geschirr dient dabei als Katalysator.

          Nein, im Ernst: Die Apotheker in der BW sind natürlich für die korrekte Versorgung der Truppe, der Truppenärzte und der BW-Krankenhäuser mit Arzneimitteln zuständig. Des weiteren sollte man, will man in der BW als Apotheker Karriere machen, einen (separaten) Abschluss als Lebensmittelchemiker vorweisen können, da dieser Teil des Sanitätsdienstes auch für die Lebensmittelkontrolle und Hygieneüberwachung der Küchen zuständig ist.

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          • Boreal sagt:

            Wieso habe ich jetzt nur Mc Gyver im Kopf?
            LG Boreal

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          • Pharmama sagt:

            @Boreal: keine Ahnung … wieso? 🙂
            (Das war übrigens eine Zeitlang meine Lieblingssendung)

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          • Gedankenknick sagt:

            Meine auch. Aber das war vor meinem sehr chemielastigen Studium, bei dem man lernt, warum das, was McGiver da treibt, in den „wirklich gefährlichen“ Fällen eben genau NICHT funktioniert. Soweit ich weiß, wurde mal vorgemacht, wie man aus einem Fahrradrahmen eine Rohrbombe baut, was zwei Kinder in den USA erfolgreich nachstellen konnten, allerdings mit fatalen Nebenwirkungen. Danach wurden alle gefährlicheren Reaktionen auf eine Weise entschärft, die man mit Fachwissen leicht durchschauen kann.

            Tränen gelacht habe ich jedoch schon als Schüler, als er mit einer Packung Nitroglycerin-Herztabletten eine Laborwand weggesprengt hat. Pharmama, gabs da nicht auch mal was HIER zum 1. April?

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  4. Wolfram sagt:

    *träller* Man nehme, mahaha-hahahan nehme… (nee, das war ja Dr. Oetker…)
    ich bin ja schon weg.
    Das erste „heute“ im „recipe“-Abschnitt soll aber sicher „damals“ heißen, oder?

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    • Boreal sagt:

      @Pharmama: Mc Gyver muss ein Apotheker sein! Gedankenknick hatt sooo schön die Acetylsalicylsäure Synthese im Feld beschrieben. Das hätte auch von Mc Gyver kommen können….
      LG Boreal

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  5. irislein sagt:

    Hallo Pharmama!

    Hierzu möchte ich dir auch das Symbol des deutschen Kinderärzteorchesters ans Herz legen, eine gelungene Mischung aus Violinschlüssel und Aeskulapstab :):

    http://www.kinderaerzteorchester.de/

    LG!

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  6. Sarah sagt:

    Inzwischen übernehmen in Deutschland ja immer mehr Apotheker das grüne Kreuz, als zusätzliches Zeichen. Ich selbst find das Fraktur-A auch etwas problematisch, weil es ist ja in der Nazizeit eingeführt worden, soviel ich weiß.

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