Einfach zupflastern

Eine Gruppe Teenager in der Apotheke.

„Habt ihr Pflaster?“

Pharmama: „Sicher, Für was?“

Teenie: „Für das.“

„Das“ ist ein 1.5cm langer, blutender Schnitt am Hinterkopf.

Die Jugendlichen sind Ziemlich angedüdelt und blödeln herum. Vor allem der mit dem blutenden Hinterkopf.

Pharmama: „Wie ist das passiert?“

Teenie: „Ich habe eine Bierflasche über den Kopf bekommen.“

(Na, wenigstens Ehrlich!)

Pharmama: „Ah. Das gehört genäht.“

Teenie: „Genügt da nicht auch ein Pflaster?“

Pharmama: „Nur wenn Sie eine hässliche Narbe da behalten wollen. Ausserdem: wie steht es mit ihrer Tetanusimpfung?“

Teenie: „Hmmm. Ich soll also damit zum Arzt?“

Pharmama: „Ja.“

Teenie: „Sicher?“

Pharmama: „Ja!“

22 Antworten auf „Einfach zupflastern

  1. Ach Pharmama, wieder das alte Apotheker-Problem: Haufenweise kostelose Beratung – hoffentlich diesmal nicht umsonst – und keinen Umsatz gemacht dabei.

    Dabei hätte man doch so schön Zusatzverkäufe zum Pflaster generieren können: Einmalrasierer (damit man das Pflaster leichter dran und auch wieder ab bekommt), Wunddesinfektionsmittel zum säubern, PVPJod-Salbe, einen Bierflaschenschutz (auch „Helm“ genannt), eine Zusatz-Unfallversicherung für das nächste Mal, einen Beruhigungstee für die Kumpels, ein Gingko-Präparat zur Steigerung der Gedächtnisleistung (wegen der potentiellen Gehirnerschütterung), ein Schmerzmittel gegen das Kopf-Aua (kommt bestimmt), eine Narbenpflegecreme für später (gegen die ja zu erwartende nette Erinnerung an den Abend)…und.. und… und last but not least: ein Hand m it Mobilfunkvertrag (damit beim nächstenmal selbsttätig nach dem Rettungsdienst gerufen werden kann).

    Und wer hat Umsatz und Gewinn allein kassiert? Das Spital. Apotheker sind eben doch keine (reinen) Kaufleute…
    [ironie aus]

    Liken

    1. Irgendwo wahr … aber: in so einem Fall ist es meist keine gute Idee ein Pflaster (oder anderes) zu verkaufen – denn ansonsten geht die Person dann nicht mehr zum Arzt – im Sinn von: „Jatzt habe ich ja was. Das reicht ja.“

      Liken

      1. Deswegen ja auch der Ironie-Vermerk. ;-) Ich selbst hätte nicht anders reagiert, und wahrscheinich bei kontinuierlcher „Pseudo-Gegenwehr“ auch selbst den Rettungsdienst gerufen.

        Liken

    2. Ich muss ehrlich sagen, vor einer Weile hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst, dass mir etwas angedreht werden könnte.
      Ich hatte einen Ausschlag hinter den Ohren, vom stundenlangen Wandern und Stirnband tragen (brauch ich grundsätzlich, weil meine Ohren bei Bewegung im Freien zu Schmerzen beginnen) und weil ich darunter zu schwitzen angefangen hatte… Das hat sich dann ein bisschen entzündet und ich wollte fragen, ob es da eine Salbe gibt, die helfen könnte, weil es immer so genässelt hat (Entschuldigung für die wahnsinnig leckere Beschreibung ;-)).
      Jedenfalls bin ich reingegangen und die Apothekerin meinte einfach: „Sie können schon was drauf machen, aber das ist in einer Woche auch so weg, da brauchen sie eigentlich nichts.“
      Da hab ich mich so gut beraten gefühlt, dass ich, wenn das mein Wohnort gewesen wäre, die sofort zu meiner Stammapotheke erklärt hätte ;-)

      Gleiches gilt übrigens auch für andere Berufsgruppen. Hatte mein Auto mal eine Weile geparkt und als ich weggefahren bin, hab ich da nen Fleck unter dem Auto gesehen und gedacht, ich hätte evtl. Öl verloren. Bin in die Werkstatt und die habens durchgecheckt und gesagt, da wäre alles in Ordnung. War also wohl anscheinend von einem Auto, das vorher dort geparkt hatte und beim Einparken habe ich es eben nicht gesehen. Und die hätten mir echt alles erzählen können und jede Summe berechnen können ;-)

      Finde das immer sehr schön, wenn ich erlebe, dass Leute, die mir in meiner Unwissenheit alles verkaufen könnten, so ehrlich sind, es nicht zu tun :))

      Liken

  2. Ist doch schön, dass die Jugendlichen wissen, wohin sie sich wenden können, dass ihnen geholfen wird und sie den Rat zum Arzt zu gehen, auch annehmen. Mich freut das :)

    Liken

    1. Das habe ich auch gedacht. Allerdings glaube ich, dass die bestimmt noch in die nächste Apotheke rennen, um die Aussage von Pharmama durch eine Zweitmeinung zu verifizieren. Bevor man in’s Krankenhaus geht…

      Liken

    1. So weit denken die gar nicht. Ich habe mehrfach Ähnliches erlebt – blutet doch schon kaum mehr, halb so wild, weiterfeiern! Ein Spiegel, der dem Betroffenen die klaffende Wunde am Hinterkopf veranschaulicht und die künftige Narbe erahnen lässt, sowie der Hinweis auf das begrenzte Zeitfenster für eine gute Naht wirken da Wunder.

      Liken

  3. liebe Pharmama, beim zweiten Ja hätte ich aber ein paar „!“ mehr erwartet ;-)
    Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit
    Hajo

    Liken

  4. Hihi, das erinnert mich an den Tag, als ich direkt vor einer Apotheke mit dem Rad stürzte, der Kettenschutz wegflog und ich mir mit dem Zahnkranz das Bein aufriss – 8cm-Fleischwunde, sehr tief. Ich mit meinen 13 Jahren bin einfach in Apotheke gelatscht und hab nach einem Pflaster gefragt. Die Dame wurde erst bleich, dann stotterte sie und brachte mich zum Allgemeinmediziner nebenan, der mich dann als Notfall nähte. (Hätte er mich mal in die chirurgische Ambulanz geschickt – dann hätte die Naht auch gehalten, und die Narbe wäre heute nur 8 cm lang – und nicht auch noch 2 cm breit *grummel*. )

    Liken

      1. Sie hat gehalten – bis zum Fädenziehen. Wobei sich rausstellte, dass die obere Naht schon gut war – leider hätten es bei der Tiefe mehr als 2 oberflächliche Nähte sein dürfen…:-/
        Dafür habe ich dann am Ende der monatelangen Verheilzeit MEINEN Hausarzt (nicht den mit der nachweislich falschen Nähmethode) geduzt und habe ihn zum Verbandwechsel sogar abends nach (zufällig) gemeinsamem Opernbesuch getroffen. :-D

        Liken

  5. Ich hatte vor wenigen Tagen einen Russen (vermutlich, wegen seines Akzents) mit einem tiefen Schnitt im Daumen. Auch hier die Frage nach einem Pflaster….
    Nach mehrmaligen Verweisen an eine Arzt (allerdings am Freitag gegen halb sechs, WELCHER?) machte ich ihm dann eine Reihe Wundnahtstreifen drauf und ein Pflaster. Damit wenigstens ETWAS getan war.
    Aber die lapidare Antwort: „Das ist doch keine tiefe Wunde.“ war schon klasse, bei einem Schnitt gut zwei Zentimeter lang und sicher einen Millimeter tief!
    Aber ich finde es schon immer wieder nett, WAS wir alles wissen sollen. Manchmal denke ich, satt Apotheke, sollten wir über unser Tür schreiben: Auskunftsbüro, Erste Hilfe Station, Wechselstube, Briefmarkenverkauf, Kalender und Zeitschriftenverschenkstation mit angeschlossener Apotheke.
    Liebe Grüsse aponette

    Liken

    1. Ich hatte mal – lang ist es her – 15min vor Ladenschluss einen „geringfügig“ alkoholisierten Mitbürger mit ca. 2cm eingerissener Lippe (also die schlabberte so vor sich hin.) Er lief offensichtlich schon so lange damit herum, dass das ganze kaum noch blutete. Ich habe dann in Ermangelung der Ärzte im Ärztehaus wegen Feierabend die Rettungsleitstelle angerufen, welche allerdings meinte, dass – es blute ja nicht mehr so arg – es sich nicht um einen Notfall handele. Ich habe dem netten Telefonfachberater dann mit einer Klage wegen unterlassener Hilfeleistung gedroht. Die Jungs mit blauen Licht und rotem Kreuz am Auto waren dann viel netter – der Patient war namentlich bekannt, und wurde nach anfänglicher leichter verbaler Gegenwehr zur besseren Versorgung in passende Umgebung mitgenommen…

      Aber ein Pflaster hätte es vielleicht auch getan. ;-)

      Glücklicher Weise ist mir so ein Leitstellentelefonist bisher nicht mehr unter gekommen…

      Liken

  6. Ja, nur geht der wahrscheinlich dann eben nirgends mehr hin … Und um die Zeit ist wohl Notfall angesagt. Ich weise bei sowas auch deutlich auf die Tetanus Impfung hin, denn auch wenn das Pflaster hält, das ist doch ein grösseres Problem.

    Liken

    1. Das war für aponette.
      @Gedankenknick: igitt. Da kann er dir direkt dankbar sein, wenn er noch weiter ohne Probleme essen kann und nicht aussieht wie ein Zombie …

      Liken

      1. Wenn ich so drüber nachdenke, staune ich selbst, was ich schon zu sehen bekam. Aber so „igitt“ war dieser Fall gar nicht, da, wie gesagt, die Blutung schon größtenteils zum Erliegen gekommen war – und mittels „spezieller Narkosemittel“ der Patient selber nicht wirklich einen Plan zu haben schien, was da gerade los ist. Und ich konnte das Problem ja glücklicher Weise weiterreichen – für eine halbwegs sinnvolle Lösung hatte ich Mangel an Fachwissen…

        Liken

Was meinst Du dazu? (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.