Alle Patienten lügen (rerun)

(rerun vom 17. Januar 2009)

„Everybody lies.“

Dr. House

Offensichtlich ist nicht nur der oberzynische Dr. House der Meinung, dass Patienten ihre Ärzte anlügen, sondern auch etwa 2/3 der Mediziner in Deutschland, wie es sich bei einer Umfrage herausstellte. Ich vermute mal auch in der Schweiz ist die Situation ähnlich.

Ich selbst hatte ja auch schon die Situation, dass der Arzt der Patientin partout nicht glauben wollte, dass sie keinen Alkohol trinkt – die Leberwerte waren schlecht.

Ich bin überzeugt, dass die Patienten den Ärzten nicht alles sagen. Es liegt in der Natur des Menschen Dinge, die ihn selbst betreffen, zu beschönigen und negatives auszulassen oder gar zu schwindeln, wenn jemand anderes / autoritärereres / der Arzt sie nach den Lebensumständen fragt.

Sagst Du dem Arzt denn die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wenn er Dich fragt, wie es denn ums Essen und wie es um Deine körperliche Fitness steht? Zum Beispiel:

– Wie ist das mit den 5x Früchten und Gemüse pro Tag? „Jaja, ich esse abwechslungsreich …“ (also eigentlich ernähre ich mich abwechselnd von Pizza und Hamburgern …)

– und trinken? Trinkst Du auch Deine 2-3 l Wasser täglich? „Ich bemühe mich ….“ (aber meistens klappt das nicht)

– Nimmst Du die Treppe statt dem Lift?… „Ääähhh… klar.“ (so einmal im Monat).

Dasselbe gilt auch für die Einnahme von Medikamenten: Nimmst Du sie wirklich regelmässig?

Es kommt natürlich vor, dass man mal eine Tablette vergisst – das ist meistens auch nicht so tragisch und kein Grund zu lügen. Aber wenn man das Medikament nicht (mehr) nimmt, dann ist es wichtig, dass der Arzt das auch weiss. Ansonsten denkt er nämlich das Medikament wirke nicht und sucht -vergebens- nach einem Grund für den Therapieversager, macht eine Menge Abklärungen, steigert die Dosis – dann nimmt man es erst recht nicht … und das Grundproblem löst man dadurch auch nicht.

Im Endeffekt stört man mit Lügen beim Arzt das Vertrauensverhältnis Arzt -Patient. V.a. wenn der Arzt schliesslich herausfindet, dass man ihn angelogen hat … und man gefährdet dadurch seine Gesundheit.

12 Kommentare zu „Alle Patienten lügen (rerun)

  1. Hi und guten Tag liebe Pharmama

    Jep… ich sag die Wahrheit. Ich mein, ich will ja gesund werden! Und wie sol das gelingen wenn ich da was verschweige oder gar falsch erzähle? Und bitte, ich glaube kaum das der Arzt so blöd ist *grübel* Also ich hoff doch nicht, sonst müsste ich den HA nämlich mal wechseln.

    Gut, da ich weder rauche noch Alkohol trinke noch je irgendwelche Drogen konsumierte, fallen bei mir sicher schon mal einige unangenehme Fragen weg. Was den Sport betrifft… Ich Sport? Ich geh viel zu Fuss… das muss reichen. Und da ich im 1. Stock wohne warte ich auch nicht auf den Lift, denn da bin ich schon 10 rauf und runter gegangen also geh ich gleich zu Fuss *gg*

    5 mal Früchte / Gemüse…. Ne, da komm ich nicht drauf.

    Und ja, ich nehm die Medis sehr stur nach Rezept. Es geht zwar lange bis ich mal zum Arzt geh, aber wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, dann bin ich sehr konsequent.

    Also ich glaube wirklich nicht das ich je meinen Arzt schon mal belogen hätte. Bringt ja nüscht.

    Gut und weil so viele Ärtze meinen das die Patienten lügen… muss es ja nicht sein oder? Ich kann mir dass nämlich wirklich nicht vorstellen … *grübel* Also das es dann doch so viele sind…

    Schönen Wochenende
    Alexandra

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  2. Ich würde sagen, die Minderheit der Patienten nimmt die Medis so ein, wie der Arzt sie eigentlich verordnet hat. Daher setze ich auf Ehrlichkeit. Ich bin dann auch nicht böse darüber, wenn sie nicht oder anders eingenommen wurden. Wichtig ist nur, Bescheid zu wissen, sonst kommt es zu sinnlosen Dosiserhöhungen.

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  3. …aber darum hätte ich House trotzdem nicht gern als Hausarzt (schauder).

    @Alexandra: wär‘ schön, wenn es alle so halten würden- Aber so wie’s tönt bist du auch darum eine Musterpatientin WEIL Du ja nichts zu verschweigen hast! (Gut für Dich!)

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  4. Lügen beim Arzt… klar, hab ich auch mal gemacht, aber da war ich jünger und ängstlicher. Inzwischen sehe ich das alles pragmatischer. Er kann mir nur helfen, wenn ich ihm alles schildere, und ich muss auch nicht in mich zusammen fallen, wenn ich getadelt werde. Da gebe ich dann auch durchaus Konter ^^
    Kein Mensch hat einen astreinen Lebenswandel, daher mache ich mir da überhaupt keinen Stress ;)

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  5. Momentan brauch ich zum Glück keine Medikamente nehmen. Regelmässiges essen von Obst und Gemüse? Naja, nicht wirklich. Komme zur Zeit grad mal auf 1 Banane am Tag. Reichlich trinken? Auch nicht wirklich. Aufzug statt Treppe? Nein, bin mal im Aufzug stecken geblieben. Ausser, es geht auf einen Turm. Ich hab reichlich Höhenangst.

    Anlügen den Arzt? Nein, nicht unbedingt. Meinem Onko hab ich nicht gerade auf die Nase gebunden, dass ich rauche. Er hat aber (soweit ich mich erinnere) auch nie gefragt. Beim ZA hab ich es angegeben.

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  6. Ich belüge meine Ärzte nicht, wozu? Manche glauben mir, zu den anderen gehe ich nie wieder.

    Mich hat noch nie ein Arzt gefragt, ob ich 5 mal am Tag Obst oder Gemüse esse. Schade eigentlich. Ich esse einmal am Tag Gemüse (2 Tomaten + 1/2 Salatgurke) und einmal am Tag Obst ( 1 bis 2 Äpfel). Ich würde zu gern mit dem Arzt drüber diskutieren, ob er ernsthaft erwartet, dass jemand 5 fette Boskop am Tag isst. Ich habe in guten Jahren welche geerntet, die 400 Gramm wogen.

    Ich finde die Frage nach der Stückzahl der gerauchten Zigaretten nervig. Es ist vom Nikotin- und Kondensatgehalt nämlich kein Unterschied zwischen 10 Stück von meinem schwarzen Kraut oder 100 Stück Light-zigaretten meiner Freundin. Ich habe dann immer gesagt, wieviel Gramm Tabak pro Monat ich rauche. Kein Arzt hatte eine Vorstellung, wieviel eine Zigarette wiegt. Die lustigste Schätzung war 5 Gramm.

    Ich trinke 3 Liter Wasser pro Tag. Im ersten Liter (morgens) befindet sich Kaffee, in den anderen beiden (nachmittags und abends) befindet sich Schwarztee. Ich bekam mal die Reaktion „Das ist aber nicht gut, trinken Sie doch lieber Früchtetee.“ Was soll das bitte? Ich erwarte von einem Arzt, dass er zwischen einem vierjährigen Kind (Früchtetee) und einem vierzigjährigen Erwachsenen (Kaffee und Schwarztee) unterscheiden kann. Es ging übrigens um einen verstauchten Knöchel, ich bin auf der Baustelle blöd auf einen Balken getreten

    Weißt du, Pharmama, das Vertrauensverhältnis zum Arzt wird auch durch schwachsinnige Arztfragen nachhaltig gestört. Oder wenn mir ein Arzt nicht glaubt.

    Ach ja, körperliche Fitness: Ich nehme immer den Aufzug, wenn ich einen finde. So etwa 2 mal im Jahr. Hier ist alles sehr flach.

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  7. Dazu passen die berühmten die drei häufigsten Arztlügen (aufgestellt von unserem Lieblingsassistenzarzt & einem cand.med.):

    1.)Ich komme sofort.
    2.)Es tut nicht weh.
    3.)Habe ich schon tausend Mal gemacht.

    Optional (bei uns auf der Neuro): Wir finden die Ursache!

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  8. Abgesehen von der Ernährung scheine ich ja doch einen sehr gesunden lebensstil zu haben (und die ist nichtmal so unabwechslungsreich, ich stehe auf Gemüse nur leider auch auf Kaffee, extra scharf und Cola) aber ich nehme – außer auf Arbeit – prinzipiell lieber die Treppe und trinke bis zu 6l Wasser tgl xD

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  9. Ich bin Krankenschwester und weiß aus Erfahrung dass Patienten mich häufig anlügen. Manchmal verraten mir die Blutwerte die Wahrheit, manchmal die Angehörigen und manchmal der Patient selbst in einer hellen Minute. Aber solche Erfahrungen führen natürlich dazu dass man Patientenaussagen wenigstens skeptisch gegenübersteht.
    Das ist doch ganz normal.

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