Wieso sind manche Tabletten bunt?

Anja hatte eine Frage an mich, die ich auch beantwortet habe – nur kommt mein Antwortmail unzustellbar zurück.

Ich nehm gegen meine Regelschmerzen Naproxen und bin damit wahnsinnig glücklich. Zwei Tabletten und die ganze Woche Ruhe. Früher hab ich Ibuprofen/ASS/Paracetamol/Buscapon und so gehabt und musste die ganze Woche Höchstdosen nehmen, damit ich nicht krumm vor Schmerz ging.

Ich hab „Dolormin für Frauen“ genommen und nehme jetzt „Dolormin GS“. Genau die gleiche Wirkstoffmenge und alles, einziger Unterschied: die für Frauen sind gelb. Das stört mich prinzipiell nicht, auch wenn ich es bei nicht dauerhaft zu nehmenden Tabletten doppelt sinnlos finde. Aber der Farbstoff ist Chinolingelb und das steht nicht nur in der Kritik, das vertrag ich auch leider nicht so. Ich gehöre zu denen, die sich Beipackzettel nicht angucken, ich krieg schon beim Lesen ALLE Nebenwirkungen*gg* und habe einen tollen Apotheker, der mir alles wichtige sagt. Ich hielt meine juckenden Augen und trockenen Lippen für eine Nebenwirkung des Naproxen und hab ihm das gesagt und wir sind dann gemeinsam drauf gekommen, dass es der Farbstoff ist. Jetzt hab ich das aber nicht mehr seit ich die „GS“ nehm.

Ich hab dem Hersteller eine Mail geschickt und gefragt, warum man zum Färben ausgerechnet Chinolingelb nimmt. Als Antwort bekam ich bloß, dass man Tabletten eben färbt, damit man sie besser unterscheiden kann. Ähm ja, danke -.-‚

Kannst du mir das erklären? Also warum genau der Farbstoff und nicht was unkritischeres? Und warum ein Schmerzmittel überhaupt gefärbt wird. Hab da ja einige und von unterschiedlichen Herstellern durch, keine Einzige war gefärbt.

Kurze Antwort: Farbe fällt auf und hebt ab – vor allem von den anderen (weissen) Tabletten. In dem Fall unterstützt die Farbe den Wiedererkennungseffekt und „sagt“ gleichzeitig: dieses Schmerzmittel ist „anders“, besser als die anderen. Auch wenn das  nicht wirklich der Fall ist, wenn der Unterschied nur in der Farbe besteht. Farbe hat einen psychologischen Effekt – sie kann auch die Wirkung unterstützen. Blaue Schlaftabletten wirken besser als rote. Rote Kopfschmerztabletten besser als grüne …

Hierzulande ist zum Beispiel das Dolocyl grellpink. Auch dies ein Schmerzmittel – das war für mich früher auch immer „das Beste“. Algifor (derselbe Wirkstoff, aber weisse Tablette) wirkte bei mir nie so gut … bis zu dem Moment, als ich Pharmazie studiert habe und herausfand, das das wirklich dasselbe ist. Seit dem funktioniert auch Algifor bestens :-) … was wahrscheinlich beweist, dass sich der Placeboeffekt mittels etwas Wissen zumindest verringern lässt.

Also … lohnt sich das für die Firma sich so abzuheben – auch wenn halt ein paar allergisch sind auf den Farbstoff …

 

Na – welches Schmerzmittel wirkt wohl besser? Links Dolocyl, rechts Algifor

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27 Antworten auf „Wieso sind manche Tabletten bunt?

  1. Oh, eines meiner Lieblingsthemen: der Placeboeffekt und Wahrnehmung, ein Zusammenhang, der den allermeisten Menschen unbekannt ist oder schlicht geleugnet wird.

    Viagra musste nicht zwingend blau und rautenförmig sein, aber ein innovatives, nagelneues, supadupa Männermedikament bekam eine männliche Farbe und eine außergewöhnliche Form.

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  2. Aber warum kein unkritischer Farbstoff? Gut, dass ich den nicht vertrag, ist mein persönliches Pech, aber Chinolingelb ist doch allgemein in der Kritik und auf Lebensmitteln muss es sogar extra gekennzeichnet sein. Man könnte doch auch „Rote Bete-Saft“ oder sowas nehmen.

    Ich würde übrigens die weiße bevorzugen, wenn ich Smarties will, hol ich die im Supermarkt*gg

    Das mit der Unzustellbarkeit muss ich dringend mal überprüfen, voll ist das nämlich nicht*wunder*

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    1. Auch das Pink-Rot der Dolocyl (und Tardyferon) ist alles andere als antiallergen …

      Übrigens: Das ist die Meldung, die ich zurückbekommen habe:
      Technical details of permanent failure:
      Google tried to deliver your message, but it was rejected by the recipient domain. We recommend contacting the other email provider for further information about the cause of this error. The error that the other server returned was: 552 552-Requested mail action aborted: exceeded storage allocation.
      ?

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      1. Der meckert offenbar, dass mein. Speicher voll ist :/ ich setz mich mal mit meinem Anbieter in Verbindung. Danke fürs Bescheid sagen!

        Ich kapier das nicht. Warum nehmen die nicht unproblematische Farben? Bei den Lebensmitteln ist das groß Thema und bei Medizin interessiert das niemanden? Ist das der Glaube an den weißen Kittel?

        Bei mir helfen homöopatische Mittelchen ganz hervorragend bei „Kleinigkeiten“ – trotz Wissens, dass die nix bringen können. Wahrscheinlich ist es einfach das gute Gefühl irgendwas unternommen zu haben. Solange man unterscheiden kann zwischen „ohne Medizin dauert der Schnupfen eine Woche und mit Medizin sieben Tage“ und „mir gammelt gerade das Bein weg“ ist das mMn auch okay. Ich finde eine „gesunde Mischung“ ganz vernünftig. Ich finde das Extrem „Globuli gegen Krebs“ genauso fragwürdig wie „chemische Keule(am Besten noch ordentlich AB) gegen einen einfachen Schnupfen“.

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          1. Allergien sind persönliches Pech, weiß ich. Trotzdem finde ich es seltsam, dass in Medikamenten Farben drin sind(ohne Warnhinweis), die bei Lebensmitteln verpönt und nur mit Warnhinweis verwendet werden dürfen.

            Man muss doch als Arzneimittelhersteller nicht SO deutlich machen, dass die Kohle im Vordergrund steht. Für Image wird doch sonst so viel getan…

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    2. Die Problematik der Farbstoffe ist schön komplex.Chinolingelb ist z.B. meiner Ansicht nach z.B. unproblematischer als Tartrazin. In Arzneimittel können Farbstoffe unterschiedliche Gründe haben. Zur Unterscheidung, zur Unterstützung des Placeboeffektes, aus Marketingsicht (Produkt wirkt „wertiger“) usw.

      Rote Beete oder ähnliche Stoffe werden nicht funktionieren, die sind nicht stabil genug. Mal ganz davon abgesehen, dass sie als Naturstoffe erheblichen Schwankungen unterliegen. Das wird in der Pharmazie in der Regel vermieden, da es unberechenbar ist und man immer die gleiche Qualität abliefern muss.

      Eine Alternative sind Eisenoxid-Farbstoffe (also vereinfacht gesagt Rost), die in den verschiedensten gelb-rot-braun-Tönen verfügbar sind, stabil, zuverlässig in der Qualität und gesundheitlich unbedenklich. Die machen aber immer einen leicht matten Farbton. Bei Umstellung beschweren sich dann die Kunden, dass das vorher knallrote Medikament dann nicht mehr wirkt. Habe ich selbst schon erlebt in der Apotheke.

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  3. Bitte eine Schachtel NSAR in weiss mit grünen Streifen: Meine (Dentagard-)Biber haben Fieber!*

    *Ja, ich habe Anfang der Neunziger zuviel ferngesehen.

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  4. In meinem Denken ist das irgendwie anders. Für mich sind die weißen Tabletten grundsätzlich \”seriöser\” und die bunten eher so Bonbon-artig. D.h. um vom Placebo-Effekt zu profitieren, müsste ich mir vor allem weiße Tabletten zulegen?

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      1. Die Studie bekam den Ig Nobel Prize im Jahr 2008: Teurere Placebos wirken stärker als billige.

        „Commercial Features of Placebo and Therapeutic Efficacy“ auf scholar.google.com suchen, ein herunterladbares PDF findet man schnell.

        Naja, Mist, jetzt haben die Pharmakonzerne einen (stichhaltigen) Grund mehr, die Preise hochzuhalten… ;-)

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    1. Ja, geht mir auch so, irgendwie klinischer. Leider sehe ich aber besonders bei älteren Leuten viele viele Tabletten in den Plastik-Wochentage-Schachteln und da ist es vielleicht besser, die verschieden farbig zu machen. Aber allergene Farben? Das sind doch Pharmazeuten und Ärzte da in den Firmen, oder?

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    2. Dann gehörst Du zu den Ausnahmen. „Billige“ weisse Tabletten wirken schlechter als stark gefärbte, vermeintlich auch stark wirksame, Tabletten. Und dann kommt es noch an auf die Krankheit, da wirken unterschiedliche Farben auch unterschiedlich.

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  5. „Was wahrscheinlich beweist, dass sich der Placeboeffekt mittels etwas Wissen zumindest verringern lässt.“

    Das dürfte auch erklären, warum homöopathische Mittelchen bei manchen Leuten so gut „wirken“. :mrgreen:

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  6. Also ich habe jetzt meinen Finger auf beide Bilder gelegt, und bei dem Pinken fühl ich micht viel wacher und bei dem weißen viel ruhiger ;-)

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    1. Hast du zum Vergleich schonmal blaue Milch probiert?

      Mich würde interessieren, ob bei nicht-Homöopathie-Verwirrten Kapseln mit Pellets (die Globulis ähnlich sehen) aufgrund des Nocebo-Effekts schlechter wirken.

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      1. Nein. Aber ich probiere ja auch Tee, und das wirkt meistens genausogut und genauso schnell wie Milch, nüchtern betrachtet…

        Aber wir Halbwüchsige kamen damals auf die Idee, einer alten Nachbarin, für die wir wöchentlich immer drei Liter Milch einkauften, zur Abwechslung mal schwarze Milch zu liefern. Mit Lebensmittelfarbe.

        Ich hätte ihr Gesicht gerne sehen wollen… aber es hatte leider nur eine wenig belebende und eine zutiefst beängstigende Wirkung. Ob sie überhaupt Kopfweh hatte, ist nicht überliefert.

        Bezüglich Homöopathie hatte ich gestern noch ein interessantes Gespräch. Der „Schulmedizin“ wird stets vorgeworfen, sie kenne gegen jedes Leiden ja ein chemisches Mittelchen und kümmere sich nicht um die Bekämpfung der Ursache.

        Was tut die Homöopathie? Dasselbe. Nach Hahnemann sucht man für jedes einzelne individuelle Leiden ein individuelles Mittelchen… (Die fast überall erhältlichen Tropfen von Similasan – „hömopathisches Heilmittel“ – sind schon deshalb nicht homöopathisch, weil man mit der Klage „Ich hab Kopfweh“ in die Drogerie gehen kann, und fünf Minuten später schon mit dem Mittelchen in der Tasche verschwindet.)

        Oh, mein nerviger rant am Morgen. :)

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  7. “ was wahrscheinlich beweist, dass sich der Placeboeffekt mittels etwas Wissen zumindest verringern lässt.“

    Wenn Algifor vor dem Pharmaziestudium nicht wirkte und danach plötzlich schon, dann fällt das doch eher unter dem Nocebo-Effekt, der durch das Wissen eliminiert wurde, oder? ;-)

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