Leber Ade!

Also – ich finde es wunderbar, dass das Spital es offensichtlich geschafft hat, den Patienten von seinen MST, die er jahrelang genommen hat wegzubekommen (das sind starke Schmerzmittel auf Opioidbasis, die bei falschen Gebrauch gerne abhängig machen).

Nicht so doll finde ich aber, dass man ihm danach erst auf einem Rezept Zaldiar aufschreibt – mit der Maximaldosis: „Zu nehmen bei Bedarf, bis maximal 8 Tabletten pro Tag“ (was alleine ok ist) und dann auf dem nächsten Rezept zusätzlich Dafalgan 500 aufgeschrieben wird: „Zu nehmen bei Bedarf, bis maximal 6 pro Tag“. Die Dosierung wäre alleine auch ok, aber wenn man weiss, dass Zaldiar auch Paracetamol enthält (325mg pro Tablette) und im Dafalgan 500mg pro Tablette drin ist – dann kommt man, wenn man sie wirklich so nimmt auf 5,2 g Paracetamol pro Tag.

Die Empfehlungen liegen bei Maximal 4 g pro Tag – neueste Empfehlungen gehen sogar auf maximal 3 g pro Tag runter. 5.2 Gramm …das ist eher schlecht für die Leber – vor allem, wenn er es auch eine Zeitlang so nimmt.

Und der Patient nimmt das so – davon bin ich überzeugt. Er hat entweder starke Schmerzen (das MST hat er auch nicht zum Spass bekommen) und/ooder ein leichtes Suchtproblem. Inzwischen hat er schon wieder eine neue Packung Zaldiar geholt (nach 6 Tagen – in einer Packung sind 60 Stück drin).

Ich habe also den Patienten darauf hingewiesen (schriftlich zur Sicherheit) und den Arzt informiert.

Ich hoffe das reicht.

Nachtrag: Ja. Das Dafalgan wurde wieder gestrichen.

Im Moment ist man ja in Deutschland daran zu diskutieren, alles mit Paracetamol rezeptpflichtig zu machen – eben weil es, wenn man zuviel nimmt, die Leber kaputt macht. (Siehe auch mein Artikel über Paracetamol: Wundermittel oder Teufelszeug?)

Ein erster Schritt, die Menge Tabletten, die man ohne Rezept bekommt auf maximal 10 g pro Packung zu reduzieren hat wohl nicht den gewünschten Erfolg gebracht – diejenigen, die mehr nehmen wollen, holen sich ihre Packungen dann einfach in verschiedenen Apotheken.

Es ist schon ein Problem: da hat man ein Mittel, das in den Augen der Öffentlichkeit als „harmlos“ angesehen wird – ist es doch auch das einzige, was auch schwangere Frauen und Kinder nehmen können … und dann hat man auf der anderen Seite Vergiftungsfälle wegen Überdosierungen. Viele. In Deutschland waren es letztes Jahr 360 – das ist etwa 1 pro Tag und etwa 5% aller Fälle laut dem Giftnotruf. (Quelle)

Auf der anderen Seite: was sind die Alternativen? Noch mehr Arztbesuche wegen Bagatellerkrankungen? Andere Schmerzmittel (NSAR) – ok, aber die haben ihre eigenen Probleme: Magenblutungen und Nierenprobleme …

Was meint ihr? Paracetamol in die Rezeptpflicht?

30 Antworten auf „Leber Ade!

  1. Ich bin gegen Rezeptpflicht, denn dann müssten wir bei jedem wetterbedingten Kopfschmerz zur Notaufnahme fahren (bei meinem Mann treten die Kopfschmerzen praktisch immer erst gegen Abend auf). Würde bedeuten: Mann muss sich wieder „ausgehtauglich“ anziehen, ich rufe im Spital an (wird bei unserem Spital so verlangt), wir fahren hin, bekommen das Medikament, Mann nimmt 2 Tabletten, wir fahren wieder heim.
    Kosten statt 2.15 (oder so) irgendwo im 2- bis 3stelligen Bereich, Personal wird unnütz gebunden, und es dauert einiges länger, bis der Patient etwas zur Linderung bekommt.

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  2. Zunächst mal erscheint es mir richtig, dass es wirksame — und damit gefährliche — Schmerzmittel rezeptfrei gibt.

    Die Begrenzung auf 10 Tabletten pro Packung finde ich etwas niedrig angesetzt, ohne jetzt für amerikanische Hunderterpacks zu plädieren. (Aber der Papier-/Kartonverbrauch ist ja für jede Packungsgrösse annähernd gleich und unterscheidet sich daher pro Tablette massiv.) Persönlich nehme ich vielleicht 40 Tabletten Ibuprofen à 400 mg pro Jahr ein, schleppe aber, um einer Migräneattacke (zum Glück nur alle paar Monate, toitoitoi) schnell begegnen zu können, immer einige Tabletten mit mir rum. Eine Zwanzigerpackung verteilt sich bei mir entsprechend auf Handtasche, Sporttasche, Schreibtisch und Hausapotheke. Und ja, die Ablaufdaten behalte ich im Blick…

    Und nun ein Vorschlag, der mich selbst nicht völlig überzeugt: Diese albernen Warnhinweise von den Zigarettenschachteln könnte man doch auf den Paracetamolschachteln anbringen: „Mehr als 8 Tabletten täglich schädigen Ihre Leber.“

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    1. Die Warnhinweise finde ich eine super Idee!

      Ich habe in meinen Ferien in England ein paar Besuche in Apotheken gemacht; und auch Medikamente in 1£-Stores gekauft…

      Die Aufdrucke auf der Packung haben mich dabei doch SEHR beeindruckt! Dort stehen Sachen wie:
      „Dieses Medikament enthält Paracetamol. Maxiamldosierung: X Tabletten pro 24h!“
      „Nehmen Sie keine zusätzlichen Medikamente ein, die Paracetamol enthalten. Trinken Sie keinen Alkohol mit diesen Tabletten.“
      „Bei Überschreitung der Maximaldosierung suchen Sie sofort einen Arzt auf, auch wenn Sie sich gut fühlen.“

      Und auf jeder Packung stehen aussen die Maximaldosierung, die Hauptindikationen, die wichtigsten Kontraindikationen und wichtige Warnhinweise.

      Ich finde, da könnten wir noch einiges verbessern; die Packungsbeilage kompliziert und detailliert und der Aufdruck auf der Packung kurz und prägnant (und vorallem RELEVANT)!

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  3. Paracetamol ist ein gut verträgliches Schmerzmittel mit wenig Nebenwirkungen. Zwar schwach wirksam, aber so ziemlich das einzige, was man bei nem empfindlichem Magen nehmen kann. Daher wäre ich gegen die Rezeptpflicht. Die Begrenzung auf 20 Tabletten/Pack finde ich da eher besser geeignet (was man auch bei allen anderen Schmerzmitteln wie z.B. Aspirin einführen sollte; der erhältliche 100er Pack ist einfach nicht sinnvoll).
    Missbrauch von Paracetamol lässt sich auch durch die Rezeptpflicht nicht verhindern. Wer nach der Einnahme von 5 Tabletten eines Schmerzmittels nicht von selbst auf die Idee kommt, dass das jetzt mal genug sein könnte, dem hilft auch die Rezeptpflicht nichts mehr. Das hat schon etwas von „Darwin-Award“.

    Ich fände es besser, die Leute noch mehr darüber aufzuklären, dass die Überdosis Paracetamol zum Tod führt. Das kann durch verstärkte Beratung in der Apotheke, durch einen Warnaufdruck auf der Packung, durch optimierte Beipackzettel (nur noch wesentliches reinschreiben) und durch eine Beratungspflicht (= Verbot des Versandhandels speziell für Paracetamol) erfolgen.

    Falls mal ne therapeutische Alternative zu Paracetamol zur Verfügung stehen sollte, die bei Kindern anwendbar ist (= bessere Datenlage bei Ibuprofen) und welches ähnlich magenschonend ist (= COX2-Hemmer), sollte man Paracetamol eher ganz vom Markt nehmen.

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    1. Es gibt in Deutschland von den normalen Aspirin Tabletten 100er Packungen?!? Wow. Nein, nicht sinnvoll.

      DAs mit der Alternative – vielleicht kommt das noch. Sie haben ja inzwischen ein bisschen mehr herausgefunden über die Wirkungsweise von Paracetamol – dass es z.B. zwei Metabolite davon gibt, die zentral schmerzstillend wirken. Vielleicht haben die auch nicht die Leberschädigende Wirkung vom Paracetamol?

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  4. Okay, natürlich kann man einfach alles rezeptpflichtig machen…. hier in D. freut sich vielleicht der eine oder andere Hausarzt über ein paar weitere „Verdünnerscheine“, andererseits bleibt dann weniger Zeit für die richtig Kranken. Und ändern wird sich nichts.
    Irgendwo haben die Patienten ja auch noch eine Eigenverantwortung und es gibt keine Regel, die sich nicht irgendwie umgehen lässt.
    Mal eine andere Frage: Habt Ihr in der Schweiz Erfahrung mit Paracetamol-Suizidversuchen? In D nicht so üblich, in anderen Ländern soll es ja der Renner sein….

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    1. Ich muss sagen, ich habe weder genaue Statistiken dazu noch andere Zahlen – und ich höre auch nicht viel darüber in der Apotheke.
      Das sagt das Amt für Statistik: Bei den Selbstmorden kommt Erhängen (25-28%) und Erschiessen (24-32%) vor Medikamenten und Drogeneinnahme und Chemikalien (10-14%)

      Bei den Suizidversuchen (den nicht erfolgreichen) sind Medikamente und Drogen allerdings Spitzenreiter (mit 60-70%)- wobei es sich bei mehr als 3/4 der Fälle um Psychopharmaka handelt.
      Von daher scheint das Paracetamol nicht so der Renner zu sein.

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    2. Nicht üblich? Haben wir immer wieder… meist zwar als mischintoxikation aber PCM ist da fast immer dabei und die ACC-Dosierung kenn ich fast auswendig… Erstaunlicherweise sind dabei auch die hohen Mengen (10g aufwärts) bisher alle gut weggekommen…

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  5. Bitte nicht.

    Nachdem ich von Aspirin selbst aufgrund eines Gerinnungsproblems lieber die Finger lasse (vanWildebrand also nichts tragisches) und Parkemed nicht vertrage ist Mexalen das einzige freiverkäufliche Schmerzmittel das ich nehmen kann ….. ich komm mit 20 Tablette etwa ein Jahr aus (alle paar Wochen mal wegen Rückenschmerzen um durch schmerzfreien Schlaf das Lösen der Verspannungen zu erleichtern)

    Besser wäre es die erlaubte Maximaldosis und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten groß und ganz am Beginn des Beipackzettels zu vermerken und nicht kleingedruckt irgendwo in der Mitte.

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  6. Nein bitte keine Rezeptpflicht. Ein wenig Selbstverantwortung darf auch dem Patienten auferlegt werden. Zudem haben Rezepte oder Verbote überhaupt keine Wirkung auf die übermässige Einnahme von Substanzen, das sieht man gut an den wirkungslosen Betäubungsmittelgesetzen. Mit der Rezeptpflicht würde die Substanz teurer und die Regulierungsflut noch grösser, meiner Meinung die einzig zu erwartenden Effekte.

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  7. Erstmal mit Informationspflicht versuchen.
    Grundsätzlich wäre es schön, wenn jeder Mensch korrekt die Tiefatmung lernen dürfte, mit der man etliche Schmerzen schon mal ablindern kann.
    Oft wird man auch von der persönlichen Umgebung unter Druck gesetzt, wenn man Schmerzen mit etwas Ruhe und Rückzug begegnen will (man ist ja nicht immer im Höchsteinsatz), dann wird man oft so hingestellt,als ob man verantwortungslos wäre : Es gibt doch Schmerzmittel, also sollte man gleich den Schmerz wegmachen und so tun, als ob nichts wäre.
    Dies meine ich aber ausdrücklich nicht für chronische Krankheiten, Migräne und verwandte Schmerzen!

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  8. Zaldiar enthält aber ja auch ein Opioid. und 60 Stück in 6 Tagen klingt für mich schon ganz klar nach Suchtproblem. Wenns wirklich chronischer Schmerz ist, dann ist das doch nicht das richtige Mittel, wenn man davon soviel einwirft..

    Zum Thema Paracetamol: Rezeptpflicht muss nicht sein, aber man sollte seine Beratungspflicht ernstnehmen und jeden Kunden darauf hinweisen, wieviel die Maximalmenge ist. Leider gibts ja doch einige Leute, die Schmerzmittel falsch einnehmen und dann solange nachlegen, bis sie doch was merken. Ich finde eine Orientierung an den Grenzen für Selbstmedikation nicht schlecht, da wird von „bis zu 3 am Tag“ ausgegangen, nicht von 4g – falls sich dann jemand doch nicht an die 3 hält, ist es wenigstens nicht so dramatisch als würde er mehr als 8 nehmen.

    Die deutsche Regelung mit den 10 g/Packung sorgt aber übrigens auch nicht dafür, dass man nicht mehrere Packungen auf einmal kaufen kann. Das ist rechtlich kein Problem.

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    1. Es gibt eine ganze Menge Leute, die Schmerzmittel nicht richtig einnehmen. Oh ja. Und dann voll überrascht sind (und es erst gar nicht hören wollen) -denn: Sie wissen ja, wie sie das nehmen müssen!

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  9. Das Problem sind ganz einfach „die Leute“.
    Pharmama, du hattest ja auch mal einen Artikel wo einfach mal dem Nachbarn ein Schmerzmittel gegeben wurde, der darauf dann allergisch reagiert hat.
    In den Köpfen der Leute ist einfach Aspirin/Paracetamol = 0 Nebenwirkung.
    Da werden munter Schmerzmittel unter Kolleginnen getauscht, ohne jede Frage.

    Im Bekanntenkreis weiß jeder das ich immer Schmerzmittel dabeihabe. Wie oft ich da schon blöde Kommentare gehört habe weil ich keins abgebe ohne mich zu vergewissern das derjenige das schon kennt und nicht allergisch ist…
    „Ist doch bloß Paracetamol!“ oder „Wieso krieg ich keine Ibuflam von dir? Was soll das heißen, nur mit Rezept, du hast sie doch grad da!“
    Ja. Aber ich geb dir keine, weil das Rezept auf mich lautet und du keine 600er Ibu für dein Kopfweh brauchst! Trink mal mehr als 2 Gläser Wasser pro Tag, dann geht dein Kopfweh auch weg!

    Und „die Leute“ ändert man auch nicht mit Rezeptpflicht.
    Da braucht es Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und habe ich schon Aufklärung erwähnt?
    Stattdessen wird hier in D selten nachgefragt, sondern einfach verkauft und die Werbung suggeriert doch auch: Alles supi!

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  10. Ich sehe das so wie B.Cottin und Cerise: Ich bin mittlerweile 20 und habe mein ganzes Leben, außer im Rahmen eines Beinbruchs, nie Schmerzmittel gebraucht. Wenn ich mal Kopfweh oder Rückenschmerzen habe kann ich mir auch anders helfen (Lavendelöl, Ruhe, Yoga etc.).
    Wenn ich mitbekomme, wie selbstverständlich die Menschen in meiner Umgebung Schmerzmittel wegen jedem Wehwehchen nehmen und das auch bei ihren Kindern so praktizieren, um jedes „Aua“ wegzuzaubern, finde ich das schon ein bisschen bedenklich. Der Umgang mit Schmerzmitteln sollte allgemein viel bewusster stattfinden; vielleicht indem der Zugang dazu, gerade in großen Mengen für häufigen und nicht vom Arzt kontrollierten Gebrauch, erschwert wird.

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    1. Umgekehrt finde ich es aber auch bedenklich, wenn Eltern ihre (Klein-)kinder stundenlang schreien lassen, damit sie nur ja um die böse Schulmedizin herumkommen. Das schafft bei den Kindern ein physiologisches Schmerzgedächtnis und Angst vor Krankheiten, sonst nichts.
      Wohlgemerkt, ich rede nicht von kleinen Blessuren. Aber wenn ich mein Kind nachts nicht beruhigt bekomme, weil es einfach Schmerzen hat, dann bekommt es ein leichtes Schmerzmittel. Und wenn ich so starke Halsschmerzen habe, dass ich kaum schlucken kann, handhabe ich es genauso. In der Summe bringen wir es damit auf ca. 3-4 Schmerzmitteleinnahmen pro Person und Jahr. Und die Erfahrung zeigt, dass das oft weit über den eigentlichen Wirkzeitraum hinaus hilft – weil man sich einfach erholen kann.
      Rezeptfreie Schmerzmittel – insbesondere Paracetamol – können also wirklich ein Segen sein, und ich bin sehr dafür, dass es sie weiterhin in der Apotheke frei zu kaufen gibt. Im Übrigen stimme ich aber denen zu, die auffällige, gut lesbare und am besten mehrsprachige Hinweise in der Beilage (und evtl. auch auf der Packung) fordern.

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    2. Ich hatte ja auch mal so eine Phase, in der ich mir vorgenommen hatte, nicht so schnell Schmerzmittel zu nehmen. Das war aber bestenfalls dafür geeignet, den Masochismus zu befriedigen, führte das doch gelegentlich dazu, dass sich die Kopfschmerzen so lange steigerten, bis ich den Rest des Tages leidend im Dunkeln und in absoluter Stille liegend verbringen musste. Nie wieder!

      Es ist ein Segen, dass es ohne unsinnigen, riesigen bürokratischen Aufwand Schmerzmittel gibt. Wenn ich sie frühzeitig nehme (Du würdest das zu dem Zeitpunkt wohl noch als „Wehwehchen“ bezeichnen), dann reicht in der Regel schon eine einzige Kinderdosis, damit sich die Kopfschmerzen gar nicht erst ausweiten.

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  11. Ich bin auch gegen eine Rezeptpflicht.
    Ich bin ein Seltennutzer von Schmerzmitteln und bei uns läuft sogar das MHD der 10er Packung ab, bevor sie aufgebraucht ist.
    Wenn ich wegen sowas nun auch noch zum Arzt müsste, würde der mich teeren und federn, weil ich mit solchen Kinkerlitzchen wie Kopfweh bei ihm antanze. Und meine Krankenkasse unnötig belaste. Mal davon abgesehen, dass dann noch 10 Euro Praxisgebühr draufkämen.
    Leute mit Hartz IV würden sich also ggf. keine Kopfschmerzmedikamente mehr leisten können.
    Eine Rezeptpflichtigkeit für Paracetamol würde genau die falschen Nutzer treffen, aber nichts verhindern.

    Der Satz „Die Dosis macht das Gift“ muss wieder ins Verbraucherbewusstsein gerückt werden. Denn vieles, was in geringer Dosis hilfreich oder ein Genuss ist, kann in Überdosierung gefährlich werden.
    Krass gesagt:
    Man kann sich auch mit Leitungswasser zu Tode saufen. Und nicht nur mit Alkohol.

    Und selbst bei Alkohol, wo allen das Risiko hinreichend bekannt ist, wird es immer welche geben, die darauf pfeifen. Gegen die Ignoranz ist nämlich kein Kraut gewachsen und die ist das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft. Nicht das Paracetamol oder der Alkohol.

    Genauso ist es auch bei den meisten anderen Dingen. Wer sich aus Blödheit oder einer psychischen Störung heraus selbst schädigen will, wird eine Möglichkeit dazu finden.
    Und wenn es keine Tabletten mehr gibt, dann wird sich eben mit dem Fön unter die Dusche gestellt, und wer es langsamer mag, der frisst, hungert oder säuft sich eben zu Tode. Oder besorgt sich illegale Drogen. Möglichkeiten zum selbstschädigenden Verhalten finden sich immer.

    Sorry für meinen Sarkasmus, aber ich habe selbst schon mal so eine lebensmüde Borderlinerin mitten in der Nacht zwischen zwei Dörfern auf dem Radweg neben der Landstraße aufgelesen und ins KH gefahren. Und die wollte eigentlich nur eine Inszenierung machen, um ihren Willen bei ihren Pflegeeltern durchzusetzen, hatte aber blöderweise beim hirnlosen Leerfressen des Medikamentenschranks die Schachtel Paracetamol erwischt. Mann war ich sauer auf sie!

    Ich habe für mich leidvoll gelernt, dass das allzuintensive Eingehen auf Süchtige bzw. persönlichkeitsgestörte oder wahrnehmungsgestörte Leute mir schadet. Und rette mich in eine schroff anmutende Selbstschutzhaltung. Leute, die diese Aufgabe schultern können, ohne kaputtzugehen, haben meine vollste Achtung. Ich kann sowas nicht.

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    1. Leute mit Hartz IV können sich von Praxisgebühr und Rezeptgebühr befreien lassen, das Argument zieht also nicht. Und die meisten Leute sind ja nicht auf Paracetamol angewiesen. Eine kleine Packung Ibuprofen kostet 2-3 Euro, das kann man sich dann doch vielleicht noch leisten, zumal man die ja eigentlich nicht fünfmal jährlich kaufen sollte.

      Ansonsten bin ich aber auch der Meinung, dass oft sehr leichtfertig mit Schmerzmitteln umgegangen wird.

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      1. Auch Ibu oder ASS sind nicht nebenwirkungsfrei.
        Die Folgewirkung von Ibu auf Magen, Leber und Nieren sind nicht zu verachten.
        Wenn schon ein gefährliches Mittel rezeptpflichtig gemacht wird -dann alle. Die anderen bieten ja auch Missbrauchspotenzial.

        Man sollte die Kirche auch mal im Dorf lassen. Nur weil es Menschen gibt, die sich mit Paracetamol umbringen, kann es doch nicht Sinn und Zweck der Sache sein, ein gut wirksames und ‚relativ harmloses‘ Mittel zu verteufeln und zu verbieten. Und nur weil ich im Jahr eine Paracetamolschachtel benötige möchte ich bitte nicht zum Arzt rennen müssen, inkl. 1 Stunde im Wartezimmer mit echten kranken warten und mir nebenbei vielleicht noch was ernstes einfangen nur weil ich eben mal Regelbeschwerden, Kopfschmerzen, … habe

        Es bringen sich deutlich mehr Leute mit Alkohol um und auch das ist nicht rezeptpflichtig!

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  12. Hm. Ich bin gar nicht mal so sehr gegen eine Rezeptpflicht, allerdings würden dann wohl 75% unserer Kunden wegbleiben.
    Wer alle 1-2 Wochen 2-3 Packungen Neuranidal oder Titralgan kauft, macht was falsch, ganz davon abgesehen, wenn 10x 20St. Paracetamol „für die Familie“ oder 2x Paracetamol und 6x Eudorlin gekauft werden. Da kann man den Leuten sagen, was man will. Die unterschreiben dann auch noch bereitwillig, dass man sie über die Risiken aufgeklärt hat.

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  13. Ich glaube, dass in solchen Fällen die wenigsten Pharmazeuten den Arzt oder Patienten so beharrlich belehren (ebenso, wie meines Erachtens sich viel zu wenige Mediziner damit abgeben, ihre Arzneikommission von Beobachtungen zu unterrichten) – und ich vermute, dass in wenigen Apotheken überhaupt so gearbeitet wird – oft stehen da an zehn Verkaufsplätzen zehn PTA und „hauen das Zeug raus“, während man den Inhaber kaum zu Gesicht bekommt, selbst wenn man wollte. Solche Leute haben dann aber sicher auch keine Blogs – irgendwie hängt halt immer alles mit allem zusammen. Zur Rezeptpflicht: Das Problem ist die „solidarische“ Gesundheitskasse statt a) eines Haftungsrechts für Hersteller, egal welches leberschädigenden Präparates (Alkohol eingeschlossen! – und natürlich lungen- oder sonst schädigender Präparate ebenso, ob Feinstaub oder Zigarette oder Teppichabrieb oder Bremsbelag usw.) und b) einer Aufklärung. Dass in unserer Schule zwar die Hunnenüberfälle und schon im Kindergarten „Sexual“unterricht praktiziert werden, diese späteren Patienten aber weder je etwas von Autogenem Training gehört haben noch von sinnvollen sportlichen Übungen (sinnvollen – der schulische Sportunterricht verursacht alleine 500.000 MELDEPFLICHTIGE Sportunfälle pro Jahr – vermutlich mehr als der Strassenverkehr oder die meisten „gefahrgeneigten“ Arbeiten!) noch davon, wie man Lasten hebt, ohne Bandscheibenschäden zu riskieren (sonst wären nicht alle Sanitäter ab ca. 40 berufsunfähig) – das sind die Skandale. Danach würde man sowohl sämtliche Drogen als auch sämtliche Medikamente an Automaten verabreichen können. Die bisher rezeptpflichtigen Medikamente wären nicht mit 40% Marketingkosten an Mediziner (! – an Patienten dürfen sie ja nicht beworben werden) belastet und die Mafia nicht Grossgrundbesitzer und der Krankenstand insgesamt geringer und damit auch die Frühverrentung, die Krankenkassen-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenbeiträge.

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  14. Ich schließe mich da den vielen an, die vor mir schon geschrieben haben, dass Paracetamol doch hilft und bei Magenproblemen muss man es wohl Ass u.a. vorziehen.

    Man muss sich allerdings im Klaren sein über Nebenwirkungen und Überdosis. Verantwortungsvoll umgehen mit dem eigenen Körper! Da nützt ein Verbot von draußen wenig, wenn der eigene Wille fehlt.

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  15. Eine Rezeptpflicht wird einen Süchtigen nicht hindern, sich eine (größere) Packung verschreiben zu lassen und davon größere Mengen zu nehmen.

    Ich bin für Warnhinweise auf der Packung. Die Beipackzettel sind meist viel zu klein geschrieben und von allen Seiten hört man: „ließ es lieber nicht, sonst kriegst du die Nebenwirkungen garantiert“ Na was denn nu?
    Dann lieber gescheite Warnhinweise, da denkt der ein oder andere noch drüber nach.

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  16. „Analgetika-Packungsgrößenbegrenzung empfohlen“
    http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2012/06/26/analgetika-packungsgroessenbegrenzung-empfohlen/7567.html

    Wenn diese Empfehlung umgesetzt wird, bekommen wir dann in D in Zukunft solche Packungsgrößen:

    • ASS: bis 24 Tabletten ASS à 500 mg

    • Diclofenac: bis 12 Tabletten à 25 mg; bis 24 Tabletten à 12,5 mg

    • Ibuprofen: bis 12 Tabletten à 400 mg; bis 24 Tabletten à 200 mg;
    bis 12 Suppositorien à 600 mg

    • Naproxen: bis 12 Tabletten à 250 mg

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