Triagebeispiele aus der Apotheke (2)

Triage ist etwas, was wir in der Apotheke täglich machen. Dabei geht es darum herauszufinden, um was es sich bei den Symptomen handelt, ob die Beschwerden eines Patienten selbst behandelbar sind, oder ob es ein Problem ist, das zum Arzt gehört.
hier der 2. Teil der Miniserie mit ein paar Beispielen:

Ich will von Euch wissen: mögliche Diagnose, ist eine Arztbesuch notwendig? Ist eine Behandlung mit rezeptfreien Medikamenten möglich / sinnvoll? Was für Medikamente? Was für Zusatzempfehlungen kann man geben?

Fall 1: ca. 30 jährige Frau mit geschwollenem Unterschenkel links. Schmerzen wie Muskelkater im selben Bein, erst seit gestern. Weiss nicht, ob sie es angeschlagen hat – ev. beim Aussteigen aus dem Flugzeug oder beim Koffertragen?

Fall 2: 35-40 jährige Frau, klagt über Schmerzen und geschwollenene Unterschenkel beidseits, abends mehr als morgens. Die Schmerzen werden beim langen stehen schlimmer.

… Na?

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Fall 1 beschreibt tatsächlich eine tiefe Venenthrombose, wie sie nach Flugreisen auftreten kann (oder auch sonst, bei längerem Sitzen). Das Risiko, dass sich das Blutgerinsel löst und dann in der Lunge eine Embolie macht ist gross, darum gehört das sofort in den Notfall. Dort wird man versuchen mit geeigneten Medikamenten das Gerinsel aufzulösen. Für zukünftige Flugreisen werden Kompressionsstrümpfe sowie vorbeugend subcutane Heparinspritzen empfohlen. Ausserdem wichtig: genug trinken und bewegen!

Fall 2 sind Ödeme in den Beinen, also einfach Wassereinlagerungen. Die können verschiedene Ursachen haben (auch Herzinsuffizienz), sind aber häufig ein Problem der Venen, dass sich in diesen Blut rückstaut – z.B. nach langem stehen (ja, das kann dann auch in relativ jungem Alter auftreten, wenn man den ganzen Tag beruflich auf den Beinen ist – z.B. wenn man in der Apotheke arbeitet). Frauen sind mehr gefährdet, Übergewicht, Rauchen und wenig Bewegung verschlimmert das Problem. Das Problem ist meist fortschreitend.
Es gibt zwar Medikamente zum einreiben und/oder einnehmen, diese sollen die Gefässe abdichten und stärken, die erhöhte Durchlässigkeit senken, Entzündungen hemmen, die Wundheilung verbessern und Oedeme reduzieren. aber Mittel der ersten Wahl sind Kompressionsstrümpfe. Unterstützend kann man folgende Tipps geben: mehr bewegen, aber nicht zu lange sitzen oder stehen, mehrmals täglich Beine hochlagern, Gewicht reduzieren, mit dem rauchen aufhören, genug trinken und kühle Güsse mit Wasser in Herzrichtung machen.

16 Kommentare zu „Triagebeispiele aus der Apotheke (2)

  1. Also Fall 1 ist mit sehr wahrscheinlich eine Venenthrombose, entstanden beim langen Sitzen im Flugzeug. Das muss sofort zum Arzt, denn sollte der Pfropfen sich lösen und weitertransportiert werden, endet sowas potenziell in einer Lungenembolie oder vergleichbarem (und damit möglicherweise tödlich).

    Bei Fall 2 bin ich nicht ganz so sicher, aber es hört sich nach Wassereinlagerungen in den Beinen an. Da kann man vermutlich erstmal durch Massagen, Füße hochlagern, Pausen vom langen stehen oder mehr Laufen statt Stehen, sowie evtl. leichte Medikamente (ich erinnere mich dunkel an irgendeine Reklame mit rotem Weinlaub) was tun. Hilft das nichts, muss der Arzt wohl Kompressionsstrümpfe und weitere Therapie verordnen.

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  2. Fall 1: Würde sagen Trombose wegen langem Sitzen mit angewinkelten Beinen im Flugzeug -> nicht nur zum Arzt, sondern ab in die Notaufnahme des nächsten Spitales.

    Fall 2: Hat das schon länger, ist auch schon älter, wird wohl „Wasser in den Beinen“ sein -> Stützstrümpfe, das gibts halt im Alter…

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  3. 1.) Klingt sehr nach Thrombose, gerade im Zusammenhang mit fliegen. Unbedingt zum Artz, besser noch gleich ins Krankenhaus.

    2.) Ödeme in den Beinen können vielerlei Ursachen haben. In jedem Fall sollte auch hier zumindest ein Kardiologe hinzugezogen werden, da eine nicht therapierte Herzinsuffizienz schwere Folgen haben kann.

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  4. Jetzt muss ich doch mal das Wissen aus Zivizeiten ausgraben. Fall 1 hört sich sehr nach Thrombose an. Damit würd ich die Kundin auf jeden Fall zum Arzt schicken. Weil wenn sich der Thrombus löst, dann ist das eher ungesund. Bis zum Arztbesuch das Bein am besten tieflagern. Fall 2 klingt mehr so nach Wasser in den Beinen. Könnte an Alter / Wetter / Venenschwäche liegen. Sollte man aber mal im Auge behalten, weil könnte IIRC auch von Herzinsuffizienz kommen. Wenn es da mehr Anzeichen gibt, oder sie eh mal beim Arzt ist sollte sie es ruhig ansprechen.

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  5. 1. V.a. Trombose, dringend zum Gefäßarzt

    2. Einlagerungen? Auch da würde ich einen Besuch bei einem Facharzt empfehlen. Dazu kalte Ergüsse von den Zehen aufwärts, viel Bewegung bzw. Venenpumpe unterm Tisch, Füße wenn immer möglich hochlegen. Über Bestrumpfung und Medikamente sollte der Arzt nachdenken, ggf. sind Diuretika kontraproduktiv.

    Möglicherweise könnte ein Kühlgel kurzfristig erleichtern.

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  6. Fall 1: ich tippe auf Thrombose und rate der Frau dringend, einen Arzt aufzusuchen

    Fall 2: am ehesten Wassereinlagerungen, Füße hoch, kalte Fußbäder/Fußwickel und dann zum Arzt, Kompressionsstrümpfe verschreiben lassen

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  7. Fall 1: Thrombose nach langem Sitzen, Gefahr Lungenembolie, gehört in die Notaufnahme. Medikamente: Heparin, Cumarin.
    Fall 2: Verdacht (Rechts-)Herzinsuffizienz, ambulante Abklärung beim Allgemeinarzt oder niedergelassenen Kardiologen. Medikamente nach Stufenschema bei CHF (Betablocker, ACE-Hemmer, …).

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  8. Es wurde zwar schon gesagt, aber trotzdem:

    1.)
    Trombose vom Flug? Gefahr einer Embolie! –> Würde ich sofort zum Arzt schicken… der soll einen Blutverdünner geben…

    2.)
    Jep, das sieht man bei dem Wetter wieder öfters… Ödeme in den Beinen sind bei dem Wetter typisch. Füsse hoch, morgen früh Stützstrümpfe anmessen, Kühlung lindert, ev. Diuretikum?
    Über einen längeren Zeitraum den Lymph-abfluss anregen; medikamentös oder besser via manuelle Lymphdrainage: das kann ich nur empfehlen!

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  9. Bei Fall 2 würde ich im Zweifel Konsultation eines Lymphologen empfehlen um abzuklären, ob es sich nicht doch auch um ein Lymphödem handeln könnte.

    Dann kann man mit den handelsüblichen rundgestrickten Kompressionsstrümpfen herzlich wenig anfangen. Auch wenn sich das immer noch nicht überall rumgesprochen hat.

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  10. Ich lese die Lösung ja schon, daher keine Tipps mehr von mir *lach*
    Aber ich finde es faszinierend wie schnell medizinisches Personal in der Lage ist Gefahren wie venentrombosen abzuschätzen. Bei eben jenen habe ich in den fallbeispielen in unserem Pflegekurs mit Bravur immer versagt *lach*
    Großer Respekt denn aus schulischer Erfahrung weiß ich wie schwer es ist in Gedanken für die menschen die man liebt oft die schlimmsten Diagnosen im Kopf zu haben – und vor allem noch genauer die Folgen. Und großen Respekt für pharmamas Super Aposervice :))

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