A tale of two …… (1)

Auch an Schweizer Unis studieren Ausländer – obwohl bei uns ja Studiengebühren erhoben werden. Apropos: wie hoch sind die eigentlich inzwischen? Ich habe angefangen mit (nur) 350 Franken pro Semester, das wurde dann langsam gesteigert auf 700 Franken pro Semester … darin ist allerdings Verbrauchsmaterial vom Labor und die (teuren) Bücher noch nicht enthalten.
Jedenfalls kommt es auch vor, dass wir Asylanten haben, die studieren. An 2 erinnere ich mich speziell. Ich entschuldige mich für Fehler in der Darstellung – so habe ich es erlebt und so erinnere ich mich daran.

Nummer eins, Sandra (Name geändert) kam zu uns im 2. Studien-Jahr. Sie stammt aus dem ehemaligen Yugoslawien, wo sie schon fertig ausgebildete Apothekerin war. Sie wohnte ursprünglich in Sarajewo in einer kleinen Wohnung, arbeitete in einer Apotheke. Eines Tages im Jahr 1992 ging sie ihre Eltern im benachbarten Montenegro besuchen. Sie fuhr mit dem Bus. Obwohl sie vorher die Unruhen des beginnenden Bürgerkrieges mitbekommen hatte, war sie nicht sehr beunruhigt – doch sie sollte eine der letzten sein, die die Stadt verlassen konnten. Ihr Bus passierte eine bewaffnete Strassensperre. Hinter ihr wurde die Stadt praktisch abgeriegelt – so dass sie keine Chance bekam wieder zurückzukehren. Ihre Wohnung mit all ihren Sachen, Unterlagen, Erinnerungen sah sie nie wieder. Sie hörte später, dass sie von Flüchtlingen in Beschlag genommen wurde.

In Montenegro bekam sie keine Arbeit, und wegen der weiteren Unruhen flüchtete sie zu Verwandten in die Schweiz. Sie bekam nur eine vorübergehende Aufenthaltsbewilligung – mit der man eigentlich auch nicht arbeiten gehen kann. Ausserdem wurde ihre Ausbildung nicht anerkannt – und sie hatte natürlich auch ihre Unterlagen nicht dabei, als sie ihre Eltern „kurz“ besuchen ging. Mit viel Energie hat sie es aber schliesslich doch geschafft, dass sie studieren durfte, dazu musste sie zuerst auch noch Deutsch lernen. Sie machte dann mit uns zusammen die Abschlussprüfungen.
Heute ist sie auch in der Schweiz anerkannte Apothekerin und lebt und arbeitet hier.
Bei ihr beeindruckte mich ihr Arbeitswille und Einsatz, ihr Engagement gegen die doch manchmal störrische Bürokratie, ihr Kampf darum, studieren zu dürfen.

Eine Erfolgsgeschichte würde ich sagen. Im Gegensatz dazu der zweite Fall …

15 Kommentare zu „A tale of two …… (1)

  1. Wow! Das sie damals so arglos einen kleinen Ausflug machen wollte, war vermutlich das Beste,was ihr passieren konnte. Wer weiß, ob sie anderenfalls noch am Leben wäre und was ihr so alles passiert wäre…

    Bin auch schon sehr gespannt auf Teil zwei. Lass dir nicht zuviel Zeit! :-)

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    1. Wenn ich mir vorstelle wie das ist: da gehst Du aus deiner Wohnung (aus deinem bisherigen Leben) für einen relativ kurzen Besuch … und du kannst nie mehr zurück. Alles ist weg. Praktisch ohne Vorwarnung.

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      1. Ja, aber dafür ist sie unversehrt davongekommen. Die, die in Sarajevo bleiben mussten, hätten sich vermutlich gewünscht, eine solche Gelegenheit gehabt zu haben. Auch wenn sie dabei nur das nackte Leben hätten retten können.

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  2. Tja wir in DE müssen teilweise bis zu 600 € zahlen, da sind auhc keine Bücher und oft auch kein Semesterticket drin und was soll ich sagen:

    Ich finde es richtig so! Die Bedingungen haben sich signifikant verbessert und diese „äh ich bekomme es ja umsonst“ Mentalität mit den folgenden Sorglosen Umgang vieler Studenten ist verschwunden.

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      1. Wer kein Geld hat bekommt großzügiges Bafög (die Hälfte wird geschenkt) oder einen günstigen Studienkredit ohne Sicherheiten.

        Dafür werden allerdings bestimmte Leistungen im Studium verlangt (wie das man nach dem 5. Semester mindestens alles bis zum Ende des 4. hat, trödeln ist halt nicht).

        Also zumindest unsere Uni wird nachwievor mit Studenten überrannt.

        EIn Semesterticket ist eine stark vergünstigte Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel.

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    1. Widerspruch: Die Gelder, die jetzt in D für die Lehre aufgewandt werden, stammten vorher aus dem Staatshaushalt und wurden den Instituten vorher zur allgemeinen Verfügung gestellt. Mitterweile muss halt das Studipraktikum aus Studiengebühren finanziert werden, da die Gelder zweckgebunden sind. Dafür gibt man halt von den allgemeinen Geldern nichts mehr für die Studis aus.

      In Hessen wurden die Studiengebühren wieder abgeschafft, das Land hat sich den Unis verpfllichtet, die Gelder, die vorher über Studiengebühren rein kamen, weiter zu zahlen.

      Fazit: Ganz große Verarsche mit dieser „Verbesseung der Lehre durch Studiengebühren“…

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    2. Ich bin ganz klar gegen Studiengebühren.
      Studieren ist so schon teuer genug. Wohnung, Lebenshaltungskosten – das ganze am besten noch in einer teuren Großstadt. Lernmaterialien zu horrenden Preisen. Dann kommt zur Studiengebühr ja auch gern mal noch ne weitere Gebühr für Studentenwerk oÄ drauf.

      Letztlich ist es nur eine Maßnahme, die Finanzierung auf die Studenten umzulagern – die hintenrum unnötig teuer und bürokratisch durch Bafög teilweise abgefangen wird.

      Eine Mentalitätsänderung bei den Studenten hätte man billiger mit strengeren Regelungen in der Studieunordnung haben können.

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    3. Bedingungen verbessert? Also bei uns nicht. Die Hochschule hat mit mehr Geld gerechnet als sie wirklich bekommen hat, deshalb gibts jetzt noch weniger…….

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