Ein bisschen Unsterblichkeit

Unsterblichkeit – das wäre was, denken manche.
Auf der anderen Seite – es gibt da tatsächlich jemanden, der zumindest teilweise unsterblich ist, nur hätte sie sich das sicher nicht so vorgestellt.

Aber von vorne. Wir sind sterblich, weil wir aus Zellen bestehen – und Zellen sind zwar in der Lage zu wachsen, sich zu teilen und so fortzubestehen, aber nur eine begrenzte Zeit lang. Man vermutet, dass jede Zelle sich nur eine gewisse Anzahl Mal teilen kann … und dann ist fertig. Darum werden wir älter, darum bauen wir ab, entwickeln mehr Krankheiten mit dem Alter .. und sterben schliesslich.

Das stellte auch die Forscher früher vor gewisse Probleme, denn ihre Zellkulturen, mit denen sie zum Beispiel Vorgänge in den Zellen oder mögliche Medikamente testeten, lebten nicht lange … und wenn man verschiedene nimmt, wird das Resultat oft nicht mehr reproduzierbar.
Doch dann kamen sie – wohl per Zufall – an Zellen, die sich unendlich oft teilten (und das schnell), sich vermehren liessen, jahrelang einfrieren und wieder auftauen – und sie waren menschlich.
Die Zellen, die sich inzwischen in fast allen Laboren der Welt finden, die mit Zellkulturen arbeiten, haben den Code HeLa Zellen bekommen.

Sie stammen von einer afroamerkanischen Frau, die das Pech hatte 1950 an Gebärmutterkrebs zu erkranken. Ihr Name war Henrietta Lacks – wer jetzt denkt, der Name ähnelt sehr dem Code hat recht – damals war es mit der Anonymität von Proben noch nicht so weit her. Henrietta Lacks starb 31 jährig an ihrem Krebs, aber die Zellen, die man von ihrem Krebs entnommen hat lebten weiter. Man fand, dass sie perfekt waren für die Forschung, und so wurden sie weitergegeben. Manchmal auch unabsichtlich, so wurden andere Zellkulturen infiltriert mit HeLa Zellen, die dann überlebten, während die anderen Zellen starben – und so sind heute geschätzt 10-20% auch anders angeschriebener Zellkulturen von ihr – die Masse der Zellen in den Labors der Welt dürfte ihr ursprüngliches Körpergewicht bei weitem übersteigen.

Ihre Zellen wurden benutzt in der Krebsforschung, den Effekten von Strahlung und Giften auf Zellen, in der AIDS Forschung, bei der Entwicklung des Kinderlähmung- Impfstoffes, aber auch für so einfache Sachen wie die Frage, wie Zellen auf Leim, Klebband und Kosmetika reagieren.
HeLa Zellen waren sogar schon im Weltraum – um zu sehen, wie sich menschliches Gewebewachstum bei Zero-Gravity verhält.

Auf der anderen Seite wusste die Familie von Henrietta lange nichts vom Gebrauch der Zellen – und Geld haben sie dafür auch nicht gesehen.
Die Zellen wurden damals ohne Wissen von Henrietta Lacks und Familie übernommen – und, auch wenn heute damit gearbeitet wird und sie gekauft und verkauft werden, wurden sie nie patentiert. Ein Gericht hat schliesslich beschieden, dass die Zellen und Gewebe, das von einer Person abgelegt / weggeworfen werden, nicht mehr Eigentum der Person seien.

So „lebt“ Henrietta Lacks bis heute fort – und solange ihre Zellen in der Forschung verwendet werden.

Nur hat sie nichts mehr davon.

Quellen: http://en.wikipedia.org/wiki/Henrietta_Lacks und http://en.wikipedia.org/wiki/HeLa
Mehr lesen: http://www.smithsonianmag.com/science-nature/Henrietta-Lacks-Immortal-Cells.html

9 Kommentare zu „Ein bisschen Unsterblichkeit

  1. Sie hat nix davon, was sollte sie auch haben? Aber es stört sie auch nicht.
    Und wer weiß, vielleicht guckt sie uns ja von oben her zu und freut sich, dass ihr Tod so vielen anderen Menschen das Leben gerettet oder verbessert hat.

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  2. Hmm. Heißt das, dass Zellforschung quasi ausschließlich an Krebszellen stattfindet?
    Ist das denn dann überhaupt auf andere Zelltypen übertragbar?

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    1. Nun, inzwischen gibt es auch noch andere Zell-linien, wobei, wenn ich es richtig verstanden habe sind die immortalen (also unsterblichen) Linien tatsächlich Krebszellen. Was die Übertragbarkeit auf andere Zelltypen angeht … zumindest die Grundfunktionen scheinen dieselben zu sein – das kann man ja vergleichen und testen.
      Aber: ich bin kein Microbiologe oder Zellenforscher. Vielleicht kann das noch jemand anders besser beantworten?

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  3. Ich habe jahrelang mit HeLas gearbeitet und HIV mi ihnen vermehrt und untersucht.

    Es gibt noch dutzende anderer Zelllinien für die unterschiedlichsten Zwecke , die meisten davon sind immortalisiert. Es gibt adhärent wachsende und welche die in Suspension wachsen können.

    Nicht immortalisierte Zellen teilen sich nur eine gewisse Zeit lang. Man kann ein paar wochen damit arbeiten und dann ist die Linie hopps und man muss sie neu etablieren. Solche Zelllen können z. B. aus der Vorhaut gewonnen werden, wobei man dafür ziemlich junge Vorhäute braucht.

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  4. Achja, es lassen sich in Zellkultur viele Viren vermehren, das wird neben der Forschung auch häufig in der Diagnostik eingesetzt.

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  5. Ziemlich cool. Hoffentlich bin ich nach meinem Tod auch noch ein bisschen nützlich… (auch wenn diese Geschichte hier sicher nicht zu übertreffen sein wird)

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