Gefährliche Arbeit in der Apotheke

Dabei meine ich diesmal nicht irgendwelche verärgerten Kunden, die zurückkommen um sich zu „rächen“ oder Drogenabhängige, die denken, sie kommen in der Apotheke zu ihrem Stoff. Das gibt es zwar auch, aber ich meine hier die etwas subtileren Sachen:

Bei einer meiner Abschlussprüfungen bin ich mal gefragt worden, was die Berufskrankheit der Apotheker sein könnte. Meine Antwort: „Krampfadern“.  Das ist so, denn wir sind praktisch den ganzen Tag auf den Füssen.

Aber die Apotheker sind noch durch mehr gefährdet. Augenprobleme wegen der Bildschirmarbeit … man sieht wenig Apotheker ohne Brille (oder Kontaktlinsen), schon mal aufgefallen?

Dann die Schubladen. Die stellen eine erhebliche Unfallgefahr dar, v.a. wenn mehrere Leute gleichzeitig dabei sind, Medikamente herauszunehmen oder zu versorgen. Ein Kollege von mir hat sich mal eine schöne Platzwunde an der Stirn zugezogen … zum Glück konnte er niemandem anderen die Schuld geben, denn er selbst hat sie offen stehen lassen.

Und nicht zu vergessen das Labor. Heute füllen wir zwar nicht mehr so viel ab, aber wir arbeiten immer noch mit potenziell gefährlichen Stoffen. Gut in Erinnerung habe ich da die Begebenheit mit der Capsaicin Salbe.

Capsaicin – das ist der Scharfstoff aus der Chilischote. Man verwendet ihn in Salben und Pflasterform, weil er reizend wirkt, wodurch die Nervenenungen ihre Schmerzboten ausschütten, dadurch hat man (später) weniger Schmerz. Capsaicin gibt es zum verarbeiten entweder in Pulverform – extrem gefährlich, wenn es „fliegt“ und in die Augen oder Lunge kommt – oder in flüssiger Form – immer noch nicht ganz ungefährlich, wenn es unverdünnt auf die Haut kommt. Der Apotheker damals arbeitete mit der Flüssigkeit und mit Handschuhen. Das war gut, leider wurde er bei der Herstellung der Salbe unterbrochen und musste das Labor verlassen. Dabei fasste er mit den Handschuhen an die Türklinke … und die nächste Pharmaassistentin die die Tür öffnete hatte es dann an den Händen … und rieb sich damit kurz über das beissende Auge. Ganz schlecht!! Wer sich mal nach dem Chilischotenschneiden ans Auge gefasst hat, kann sich in etwa vorstellen wie das brennt – nur ist der Stoff in der Apotheke noch konzentrierter. Mit Augenausspülen war es in  dem Fall nicht getan.

Überhaupt ist das Labor eine latente Unfallquelle. Da war doch vor ein paar Jahren die Drogistin (oder war es ein Lehrling?) die das Labor abgefackelt hat … aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

7 Kommentare zu „Gefährliche Arbeit in der Apotheke

  1. Als leidenschaftlicher Geniesser der scharfen Schoten und Kontaktlinsen Träger bin ich ziemlich zusammengezuckt beim lesen ;-)

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  2. Woher kommt eigentlich die irrige Meinung, von Bildschirmarbeit werden die Augen schlecht? Ich bin 42, sitze am Tag mehr als 8 Stunden vor einem Bildschirm — und das seit über 15 Jahren, davor waren’s weniger als 8 Stunden — und habe seit rund 20 Jahren keine Änderung der Sehstärke, was die Dioptrienzahl betrifft. Auch die sogenannte „Altersweitsichtigkeit“ trifft nicht.

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  3. Mein Mann hat wegen der Bildschirmarbeit mit 35 eine Gleitsichtbrille bekommen. Ich tippe mal darauf, dass ein Teil auch Veranlagung bzw. Vererbung ist.

    Ich könnte Dir noch eine Gefahrenquelle im Labor nennen: die Chemo. Die wird auch von der Apotheke geliefert.

    Gefahrenquelle gibt es sicherlich noch viele. Nicht nur im Labor.

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  4. Autsch. Da werden erinnerungen wach an meinen „First Contact“ mit Finalgonsalbe. Leider hat mir keiner gesagt das ich besser Handschuhe anziehe und zusehe das ich mir das nicht ausversehen irgendwo hinschmiere…

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  5. Jaja. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist mir mal ein Becherglas beim Herstellen von Oxibuprocaini mucilago interna FC aus der Hand geflutscht. Eilig greift man natürlich danach, allerdings war es vor Eintreffen meiner Hand bereits am Labortisch zerschellt.
    Steristrip sei Dank ist’s aber schön geworden – das Andenken an die Assistenzzeit bleibt aber bestimmt :-)

    Und noch zu den Schubladen: Wir haben uns angewöhnt immer „Achtung Schublade“ zu sagen, wenn wir eine offen haben und jemand in der Nähe ist oder sich annähert. Deinen Kollegen hätte das zwar nicht gerettet.

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  6. Ich habe mal mit konzentriertem Capsaicin gearbeitet und musste dringen mal pullern….

    Sagen wir mal so, ich stand extremst fluchend da und hab versucht wenigstens nicht auch noch daneben zu pinkeln.

    Heute lach ich darüber, aber damals wusste ich nicht ob ich vor Scham im Boden versinken oder doch wegen der schmerzen lieber direkt sterben möchte.

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