Man kann es nicht allen Recht machen

Das ist etwas, was man in der Apotheke und Drogerie sehr schnell lernt. Natürlich ist es wichtig, dass wir freundlich sind mit den Kunden und ihre Wünsche soweit möglich erfüllen.

Aber manchmal … und da kann man nicht einmal etwas dafür, geht das einfach nicht.

Da war z.Bsp. der alte Mann, der regelmässig seine Valverde Schlaftabletten holen kam (meist auf Rezept, manchmal auch ohne).

Jedenfalls kam die Firma auf die Idee die Packungen zu ändern. Von unterschiedlichen Farben vorher (in dem Fall blau) alle zu Rosa (Brrrrr, ehrlich: WAS habt ihr Euch dabei gedacht?).

Es steht natürlich immer noch Valverde Schlafdragees drauf.

Kunde: „Das ist nicht das, was ich will!“

Pharmama: „Ich weiss, es sieht neu anders aus. Sie haben die Packung aussen geändert. Aber sehen Sie: es sind die Valverde Schlafdragees, die sie immer hatten“ (Ich zeige ihm sogar die Tabletten innen)

Es nützt nichts.

Er glaubt mir nicht und geht ohne.

Etwas später steht er wieder in der Apotheke mit einer Packung Valverde Schlafdragees – in blau.

Kunde: Sehen Sie: das sind die die ich wollte. Ich habe sie jetzt in einer anderen Apotheke geholt, weil sie sie nicht mehr haben.“

Pharmama: „Gut Möglich, dass die noch ein paar alte Packungen an Vorrat hatten, aber spätestens wenn sie nachbestellen müssen … bekommen auch sie die neuen Rosaroten.“

Der Kunde glaubt mir immer noch nicht und geht, etwas verärgert.

Nach 1 Jahrzehnt Arbeit in der Apotheke habe ich auch die Gelassenheit und Erfahrung , dann ruhig zu bleiben … auch weil ich weiss, dass selbst Kunden die laut ausrufen „Ich komme nie wieder hierher!“ … wiederkommen.

So auch in dem Fall.

9 Kommentare zu „Man kann es nicht allen Recht machen

  1. Hallo,
    sag ihm er soll in Zukunft immer de leere Schachtel mitbringen, verschwinde damit nach hinten und pack sie um*gg*…manchmal brauchen dieLeute das*g*.

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  2. @petra
    Das geht so lange gut, bis der Kunde kommt, die Packung mitbringt und sagt: „Sie haben mir ein abgelaufenes Medikament verkauft!“

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  3. Das müssten die Pharmaunternehmen doch kennen… mich (noch zarte 22) würde es auch sehr stutzig machen, wenn die Verpackung anders aussieht… man kennt das ja von Süßigkeiten und Fertiggerichten, die bekommen eine neue Verpackung und ggf. noch einen Hinweis, dass sie jetzt viel gesünder/knuspriger/toller sind und schon kann man das Produkt vergessen…
    Diese Erfahrung würde ich auch auf Medikamente übertragen. Aber es wären von Seiten der Pharmaunternehmen ja eigentlich nicht schwer für eine Übergangszeit auf die neue Verpackung ein kleiner Bild der alten und einen Hinweis auf denselben Inhalt anzubringen..

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  4. @ Blümchen:
    Ne, das geht doch mal gar nicht, draufzuschreiben dass eigentlich genau dasselbe drin ist wie früher mit der anderen Packung! Wo bliebe dann die Rechtfertigung für den satten Preisaufschlag jeweils bei neu verpackten Medis? Da muss man schon draufschreiben „neue Formel“ oder „viel wirksamer“ oder weiss ich was…

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  5. @petra und stefan: also die Idee finde ich gut. Man könnte das noch etwas ausbausen: krative Arbeit mit Scanner und Bildbearbeitungsprogramm … und schon ist der Kunde glücklich und kommt nur noch zu uns…

    @Blümchen und ix: ich hatte erst heute ein Medikament in der Hand, das in den letzten 6 Monaten 2 x die Packung geändert hat – also habe ich jetzt schon die 3. Variante in der Hand. Der Grund war die Zusammenlegung 2er Pharmafirmen, dann hat ihnen wohl der Name nicht mehr gepasst. Aber erklär das mal einem Kunden: es ist wirklich immer noch dasselbe.

    @Ulf: Du bist ein Musterpatient. Darf ich Dich in meine Apotheke einladen?

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  6. leider gibt es ja eine menge gründe für die änderung von verpackungen. abgesehen von den lustigen ideen der marketing-abteilungen, die – eigentlich vernünftigerweise – meinen, die produkte sollten in allen ländern gleich aussehen, wenn das gleiche drin ist, gibt es dann noch so was wie nationale gesetze, die zu beachten sind. und eu-gesetze, die ebenfalls zu beachten sind. das kann schon einmal ins auge gehen wenn corporate design so meint und ein (neues) eu-gesetz anders.

    dann gibt es noch zusammenschlüsse von firmen, änderungen in der zusammensetzung, hersteller, zulassungsinhaber, etc., bzw. auch irgendwelche konkurrenten oder patientenvereinigungen die meinen, man müsse jetzt noch dies oder jenes draufschreiben oder weglassen. und zu allem überfluss überschneiden sich die gesetze dann noch oft zeitlich und die neuen gesetze (national wie international) sind meist binnen einer vorgeschriebenen zeitspanne, spätestens aber bei neuauflage der packmittel oder bis zu einem bestimmten termin, umzusetzen.

    so war es auch mit der steten änderung der reihenfolge und aussagen in den gebrauchsinformationen, bis sich keiner mehr auskannte.

    logistisch ist das eine ziemliche herausforderung für die firmen, und ein weiterer grund für um GEGEN online-apotheken zu sein: die apotheke des vertrauens kann nämlich nachfragen und erklären warum und wieso (bzw. weiss es schon vorab), online kann gar nichts ausser pakete und rechnungen verschicken.

    farbänderungen entstehen manchmal auch auf diese weise: verwechslungsgefahr wird bei der behörde gemeldet, behörde sagt macht mal farbe rein in die pille, dann wird getestet und irgendwann einmal der änderungsantrag – der auch nach behördlicher aufforderung zu stellen ist – genehmigt. und dann ist binnen einer bestimmten zeitspanne nur mehr die neue ware erlaubt. mit neuer farbe und verpackung.

    umgekehrt geht das auch: ein hersteller einer patentierten farbe geht pleite, das patent hat nur dieser eine weltweit und es läuft noch zehn jahre, aber ware ist keine mehr da. kann man dann als hersteller nur eine andere oder keine farbe in die pille tun. oder es handelt sich um einen natürlichen farbstoff, und der rohstoff ist in der genehmigten qualität nicht mehr zu bekommen.

    erinnern sie mich nicht an die kopfschmerzen, die mir das alles schon beschert hat.

    und dann die sache mit dem medikament gegen zwangsstörungen, dauermedikation, dreissig jahre lang blau. farbstoff aus, tablette weiss. und ich weiss nicht wie viele zwangsgestörte patienten zwanghaft bei mir anriefen und den zwang verspürten, mir mitzuteilen dass das medikament ohne wirkstoff sein, weil der wirkstoff ja in der farbe war…

    manchmal tun mir die apotheker leid, und die apothekerinnen erst recht.

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  7. Ja ja, man will es dem Kunden recht machen, aber manchmal ist das unmöglich. Vor einiger Zeit betritt ein Kunde unsere Apotheke. Er ist gerade zu Tür reingekommen, da begrüße ich ihn mit einem fröhlichen „Guten Morgen“. Da kommt mir sofort ein grantiges „Ja nicht so schnell. Ich muß ja erst mal reinkommen.“ Sorry. Das nächste mal warte ich halt bis der Herr vor mir steht. Er reicht mir sein Rezept ohne ein Ton zu sagen. Naja reichen ist vielleicht zuviel gesagt. Er schmiss es auf den HV. Ich nahm das Rezept. Ich sagte „Einen kleinen Moment. Ich suche ihre Medikamente zusammen.“ war kaum verschwunden, als er meine Kollegin anschnauzte „Gehen sie mal gucken, ich glaub die findet das nicht.“ Super, erst war ich zu schnell und dann zu langsam. Ja wie hättens denn gerne? Also tief durchatmen, freundlich lächelnd nach vorne gehen und zum Abschluß einen wunderschönen Tag wünschen. Den hat der bestimmt nicht.Denn die ganze Welt hat sich ja gegen solche Menschen verschworen. Alles was passiert, passiert nur um diesen unzufriedenen, ständig nörgelnden Zeitgenossen das Leben schwer zu machen.
    Ich jedenfalls lasse mir von solchen Menschen nicht den Tag verderben. Mit einer gewissen Distanz kann man über solche Dinge nämlich lachen.

    Nicole

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  8. @kelef (wollte ich eigentlich schon früher schreiben): immer interessant auch die Perspektive der „Industrie“ zu hören. Und das mit dem Medi gegen Zwangsstörungen und sem zwanghafen Anrufen: wenn es nicht wahr wäre, wäre es brillant für einen Sketch oder so…

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