(mit)leidiger Verwalterkram

Nachdem ich es lange genug vor mich hingeschoben habe, war es wieder mal an der Zeit, den säumigen Zahlern nachzugehen. Das gehört (leider) auch zu meiner Arbeit, genau wie das Bedienen und Beraten der Kunden, die Kommunikation mit den Ärzten und die Abrechnung mit den Krankenkassen.

Im Normalfall haben wir nicht viele, die ihre Rechnungen nicht zahlen, ganz einfach aus dem Grund, weil wir die Krankenkassendeckung beim Bezug eines Rezeptes so schnell wie möglich abklären und die Medikamente, die nicht übernommen werden gleich zahlen lassen. Trotzdem gibt es manchmal Fälle, wo die Krankenkasse uns ein Medikament nicht zahlt oder – was schlimmer ist, dass sie das Begleichen mehrerer Rechnungen verweigert, weil der Patient die Krankenkassenprämien nicht bezahlt hat.

Die Ursache dafür kann teilweise ziemlich tragisch sein, wie ich bei einer unserer Kundinnen erfahren musste. Sie lebt mehr schlecht als recht von ihrer AHV und leidet an mehreren chronischen Krankheiten. Jetzt ist ihr erwachsener Sohn (wieder) bei ihr eingezogen, offenbar weil er sich keine eigene Wohnung mehr leisten kann und lebt auch noch von ihrem wenigen Geld, weil er keine Arbeit hat – und angeblich zu stolz ist, zur Arbeitslosenkasse zu gehen. Das kann ich noch halbwegs begreifen, was ich nicht verstehe ist, dass er offensichtlich ist nicht zu stolz ist, seiner alten Mutter auf der Tasche zu liegen.

Jedenfalls kam es, wie es muss, wir kriegen von der Krankenkasse nicht nur die Rückweisung der gesamten Monatsrechnung, sondern auch den Brief, dass ihre Leistungen bis auf weiteres sistiert seien.

Ich rede sowohl mit der Patientin, als auch mit dem Sohn, um nach möglichen Lösungen zu suchen, aber ohne Erfolg. Am Schluss entscheidet die Frau gegen meinen und den Rat des Arztes gar keine Medikamente mehr zu nehmen.

…. (irgendwie frage ich mich, wie sich der Sohn wohl fühlt, wenn wegen ihm seine Mutter im Spital landet oder gar stirbt).

Jetzt nach einem halben Jahr ist die Situation immer noch die gleiche. Nun muss ich sie leider auch noch betreiben, etwas, was ich gar nicht gerne mache, aber ich muss ja den Angestellten auch die Löhne zahlen können.

Aber wahrscheinlich ist das sowiso ein Fall, den ich als „fond perdu“ anschauen muss.

2 Kommentare zu „(mit)leidiger Verwalterkram

  1. Guten Tag

    Vielleicht könnte die Pro Senectute zusammen mit der Frau eine Lösung finden? Das sollte doch nicht sein, dass in unserem Land jemand wegen Armut die Medikamente nicht mehr nehmen kann!

    Da sind Sie nicht zu beneiden bei dem Verwaltungskram.
    Lieben Gruss in die neue Woche
    Elfe
    http://www.pro-senectute.ch/d/index.cfm

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    1. Ich hab Ihr mit der ersten Mahnung einen Brief mit einer Liste von Institutionen geschickt, an die sie sich wenden kann. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass die Sozialversicherung einen Teil der Prämien übernimmt, manche Kassen gewähren auch Reduktionen und ähnliches. Ich bin ganz der Meinung, das darf einfach nicht sein! Es braucht allerdings etwas Engagement auch von der betroffenen Person, und wenn die wirklich nicht willl …. zwingen kann man niemanden.

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