Ist Neu wirklich Besser – und ist es wirklich Neu?

Ich rede natürlich von Medikamenten.

In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass wir sogenannt neue Medikamente auf den Markt bekommen, die dann aggressiv beworben werden, auf dass sie auch von den Ärzten verschrieben werden.

Dabei sind diese Medikamente bei genauerem Hinsehen gar nicht so „Neu“.

Ein Trick ist, vor Ablauf des Patentschutzes einfach ein neues Anhängsel an den Wirkstoff zu machen (zum Beispiel Amlodipin–mesilat zu Amlodipin-besilat) und dann mittels teurer Studien nachzuweisen, dass die Bioverfügbarkeit (Aufnahme in den Körper) 5% besser ist und die Wirkung dementsprechend auch. So hat man für den leicht veränderten Wirkstoff wieder den Patentschutz.

Oder

Man nehme ein bewährtes Medikament, dessen Wirkstoff bei der Herstellung in chiraler Form* anfällt, stelle die These auf, dass die eine Form des Wirkstoffes vor allem für die Wirkung, die andere für die Nebenwirkungen verantwortlich sei und separiere für das neue Medikament also nur die eine Form des Wirkstoffes. So geschehen bei Xyzal (Levocetirizine), das eine solche Weiterentwicklung von Zyrtec ist (Cetirizin) oder auch bei Nexium (Esomeprazol), das eine Weiterentwicklung von Antra ist (Omeprazol).

Neu = Teurer = Besser? Für die Pharmafirmen sicher. Aber inzwischen sieht es so aus, dass diese weiterentwickelten Wirkstoffe auch nicht Nebenwirkungsärmer sind als die Originale.

Ich sehe schon, dass die Pharmafirmen, die in die Forschung investieren heute in einer Zwickmühle sind, denn viele ihrer Erfolgspräparate sind schon oder gehen bald aus dem Patentschutz raus und dann gibt es praktisch sofort Generika. Dann müssen auch sie mit den Preisen runter. Generika sind einfach Kopien. Sie sind günstiger auch deshalb, weil sie nicht selbst entwickelt werden mussten von den Firmen.

Ein Medikament zu entwickeln dauert – vom Finden des Wirkstoffes bis zu den Anwendungsstudien etwa 10 Jahre und kostet Millionen. Viele Stoffe schaffen es nicht bis in die Endrunde und die Forschung war vergebens, kosten tat es trotzdem.

Kein Wunder versuchen die Firmen das Geld wieder hereinzubringen, solange ein Wirkstoff noch Patentschutz hat und sie dafür verlangen können, was sie wollen (Wobei, das stimmt auch wieder nicht, inzwischen redet der Staat auch ein Wort mit bei der Preisgestaltung). Bestehende Medikamente weiterzuentwickeln spart den Firmen viel Geld.

Für den Patienten ist es allerdings keine Ersparnis – und oft auch keine Verbesserung….

*Kleine Auffrischung: chirale Objekte verhalten sich zueinander wie Bild und Spiegelbild. Unsere Hände zum Beispiel. Mehr Info hier.

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